Archiv der Kategorie: Bewegung

Bewegungen, die kein Sport sind, weil zu kurz, zu unintensiv, sowas wie meine Radfahrten zur Arbeit.

Muss das denn sein?

Die Vorzeichen waren gut: avisierte fünfzehn Grad, bewölkt und Regen erst am Vormittag. Also bin ich zuversichtlich, packe meine Radtaschen, montiere mein neues Ventillichtlein und bereite mich innerlich auf die Fahrt vor. Und das war der Fehler. Die Vorbereitung dauerte zu lange und gab dem Regentief genug Zeit sich von Westen in meine Richtung zu schieben.

Als ich endlich soweit bin, regnet es. Noch nicht richtig satt. Ich pule mich in die Regenhose und bin immer noch wild entschlossen. Der Mann auch. Er ist in Laufklamotten und empfindet den Regen als Herausforderung.

Ventillicht muss auf die Einweihung warten
Ventillicht muss auf die Einweihung warten

Als ich endlich in der Regenhose drin bin, gießt es ordentlich. Ich fluche ein bisschen, ziehe die Regenhose wieder aus, parke das Rad in der Garage und fahre mit dem Auto in die Arbeit.

Man muss es ja nicht übertreiben.

 

 

Heini schiebt von hinten

Heute war die Fahrt in die Arbeit die reine Freude. Sturmtief Heini kommt von Westen und will nach Osten, genau wie ich. Die meiste Zeit bin ich genau in seiner Richtung.  Dann ist es schön leise, ich höre den Wind nicht, spüre ihn kaum und sehe ihn nur an den sturmgebeutelten Bäumen und Sträuchern neben mir. So stelle ich mir Ballonfahren vor.

Das wilde Wetter erkennt man auch an der Brandung, die den sonst so langweilig-ruhigen See im Park aufpeitscht, und an der Skulptur aus Wäschespinnen, die laute Lieder singt. Überhaupt pfeift der Wind an allen Geländern und Pfosten entlang. Heini schiebt von hinten weiterlesen

Spannung im Park

Heute morgen auf meinem Weg zu Arbeit fallen mir Kabel auf. Das erste ziemlich nah zu Hause, weil es über die Straße ging. Dachte ich mir aber noch nichts dabei. Dann im Park wurde es auffällig: Überall dieses orange Kabel, das aussieht wie unser Rasenmäher-Kabel daheim. Nur länger. Viel länger, denn dieses Kabel zieht sich durch den ganzen Park. Ein Kilometer, zwei Kilometer. Aus dem Park raus sehe ich es neben dem Radweg, halb im Feld versteckt. Drei Kilometer. Ich bin in Haar, fahre extra einen Umweg, um dem Kabel zu folgen. Im Ortskern verliere ich es aber. Leider habe ich keine Zeit und muss die Suche verschieben. Spannung im Park weiterlesen

Alltagsbewegung

Gestern mit dem Rad in der Arbeit. Durch den Nebel, durch die Kälte und so ganz gut habe ich mich nicht gefühlt. Hat dann auch ewig gedauert. Gefühlt ging es nur den Berg hoch mit Gegenwind. Aber dann war ich doch ganz stolz auf mich. Vor allem, wenn die KollegInnen (auch die Dauerradler) anerkennende Töne von sich geben.
Leider ging es mir dann im Laufe des Tages immer schlapper und der Kreislauf macht keine ordentlichen Kreise mehr. Ich weiß nicht, was das war, und das Heimkommen machte mir Sorgen. Radeln traute ich mir nicht zu, genauso wenig wie den öffentlichen Nahverkehr. Zum Glück hat sich ein netter Kollege gefunden, der mich heim brachte.
Daheim versuchte ich mich zu kurieren und tatsächlich nach zwölf Stunden Schlaf geht es mir heute in der Früh wieder ganz gut. Keine Ahnung was das war. Vielleicht zu wenig getrunken?
Herausforderung jetzt: Mein Rad ist nicht da, wo ich bin. S-Bahn-Fahren mag ich nicht, zumindest nicht die volle Strecke. Heute bin ich zu geizig, die fünf Euro für das Ticket auszugeben. Ich entscheide mich, nur eine Kurzstrecke für einen Euro dreißig zu fahren und den Rest zu gehen. Das bedeutet knapp zwei Kilometer am Anfang, dann zwei Stationen S-Bahn, und dann nochmal drei Kilometer. Ist gar nicht so wild. Weder in der Vorstellung noch in realiter. Ich entscheide mich für meine Laufschuhe anstelle der schweren Trekkingschuhe, die ich sonst immer anhabe. Das war eine gute Entscheidung und es macht Spaß mit den leichten Schuhen. Allerdings hätte das eine halbe Stunde später schon ganz anders ausgesehen, denn dann wäre der Weg aufgetaut gewesen und alles hätte sich in eine schöne Matschpiste verwandelt.
Insgesamt kriege ich einen Schnitt von unter zehn Minuten pro Kilometer hin. Trotz schweren Gepäcks (Schwimmsachen für alle Fälle) und rutschigen Teilstücken. Ein schöner Anfang für den Tag. Und eine alternative Möglichkeit, den Tag mit Bewegung zu beginnen.

Jetzt rennt es wieder

Gemeint ist mein Fahrrad. Und rennen tut es, weil die Frau vom Fahrradladen aus Österreich ist. Dort rennt alles, was hierzulande nur läuft oder gut läuft. Auf jeden Fall kann es jetzt wieder schalten, mein Radl. Und bremsen kann es auch. Der hintere Bremszug war festgerostet. War mir gar nicht aufgefallen. Scheinbar bremse ich nicht, weil: Wer bremst, verliert.

Jedenfalls muss ich heute endlich meinen Vorsatz des zur Arbeit Radelns umsetzen. “Muss”, weil es mich schon seit langem juckt. Und “Muss”, weil das Auto heute in die Schweiz zum Skifahren fährt – ohne mich. Die Arbeit erlaubt keine ganze Woche Urlaub, und meine Knie ertragen kein Skifahren. Also bleib ich hier.
In der Früh ist noch nichts von den versprochenen acht Grad plus zu spüren. Gefühlt sind es acht Grad minus. Ich wickel mir den Schal um den Kopf und klemme den Helm darüber, weil mir die Ohren fast abfallen. Natürlich hat das zum Ergebnis, dass ich eine dreiviertel Stunde später im Büro eine grandios affige Helmfrisur habe, die sich erst im Laufe des Tages normalisiert. Hier muss ich noch eine Lösung finden. Ganz ab wäre das einfachste. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, würde ich das machen. Dieses Getue mit den Haaren nervt mich schon immer.  Aber zu einer mittelalten, mitteleuropäischen Frau passt Glatze irgendwie nicht. Und mit Mütze im Büro sitzen ist noch blöder.
Meine dauerradelnden Kollegen haben das Problem nicht, beziehungsweise, sie scheinen darüber zu stehen und definieren die Helmfrisur als ihren Style. Vielleicht ist das die Lösung.

Wir habens versucht

Der Mann hat jetzt endlich Zeit, sich meine Schaltung bzw. die meines Rades anzusehen. Inzwischen haben wir aber schon gemütlich auf dem Sofa gesessen und überhaupt keine Lust, uns bei den Temperaturen in die Garage zu stellen. Deshalb darf das Radl ins Wohnzimmer vor den Ofen. Aber nur ausnahmsweise. Das mache ich ihm gleich klar, dass keine falschen Hoffnungen aufkommen. Wir fummeln also an der Gangschaltung herum. Nein, ehrlicher wäre zu sagen, der Mann fummelt und ich mache Fotos.
Egal wie, das Ergebnis ist nicht schön. Wir glauben, dass irgendein wichtiges Teil abgebrochen ist. Jedenfalls irreparabel zum jetzigen Zeitpunkt.
Ich schiebe das Rad wieder zur Tür raus (nur auf die Terrasse, bis zur Garage ist’s mir zu kalt) und überlege was jetzt weiter.
In meinem letzten Post habe ich ja Vorsätze in die Gegend posaunt. Tja, mein Pech, würde ich mal sagen. Da muss ich jetzt durch. Ich bitte den Mann, mir sein Rad zu leihen. Er ist nett und gibt es mir. Also los, morgen dann. Soll ja auch nur minus vier Grad haben in der Früh. Das geht schon.

Lichter Tag

Wunderschön präsentiert sich der Morgen heute. Mit Sonne pur, Nebel über Schneefeldern und deftigen Minusgraden.
Nur vom Thermometer ließ ich mir die Entscheidung abnehmen, ob Rad oder nicht Rad zur Arbeit.
Als dann das Auto freigekratzt war und ich um die Ecke bog, offenbarte sich mir ein wirklich wunderschöner Blick. Mir geht das Herz auf. Und dem Handy beschlägt vor lauter Rührung die Linse.
Mir tut es wirklich leid, nicht doch mit dem Rad gefahren zu sein. Leider ist es durch die Trödelei inzwischen zu spät dazu. Und die Schaltung ist immer noch nicht repariert.
Vorsatz 1: Gangschaltungszug asap reparieren. Vorsatz 2: Mit dem Rad fahren, wenn das Wetter schön ist (kalt ist keine Ausrede).

Off road, on snow

Der Mann und ich sind verabredet zu einer Radtour. Er hat seit Herbst auch ein neues Rad, mit dem er schnell unterwegs ist. Kein Mountain- auch kein On-Road. Son Mittelding. Ich muss mangels Alternativen mit meinem Trekkingrad los. Wir fragen den Sohn, ob er mit will. Sein erwartetes Nein lassen wir so stehen und  ihn auch, und fahren los. Das Wetter ist viel zu schön, um sich ärgern.
Bei Kilometer drei oder vier tut sich mein Rad beim Schalten schwer. Es hakt, das kenne ich schon. Ich versuche es mit roher Gewalt. Ich gewinne. Allerdings hat die Schaltung nicht nur verloren. Nein, sie hat einfach aufgegeben. So feige. Der Bowdenzug hängt schlaff unterm Rahmen. Die Kette ist auf dem ersten Ritzel. So macht es keinen Spaß weiter zu  fahren. Zumal der Mann sich eh schon im großen Gang hinter mir her langweilt, weil ich mit dem Trekkingrad nicht schnell genug vorwärts komme.
Wir begutachten den Schaden, haben nicht gleich eine Lösung parat und beschließen uns zu trennen. Ich beschreibe ihm meine übliche 30k-Strecke und drehe dann um gen Heimat. So richtig Lust auf zu Hause habe ich aber nicht, die Sonne scheint wie blöd, es ist warm und einfach schön. Und so beschließe ich im kleinsten Ritzel im nahe gelegenen Park herumzufahren. Off-road und on-snow sozusagen. Koordinations- wie konditionsmäßig fordert das ordentlich. Aber bringt Laune. Geschwindigkeit ist nicht das Ziel. Eher das auf dem Rad bleiben. Auf den ausgetreteneren Pfaden geht es ganz gut. Außer, wenn ein Hund in der Mitte des Weges steht und ebenso wenig Lust wie ich hat, in den tieferen Schnee auszuweichen. Aber, hey, die Klügere gibt nach und schiebt durch den Schnee.
Ich kreuze also ein wenig durch den Park, meide die geräumten Wege und strampel gegen den strammen Wind an. Nach einer Stunde bin ich wieder daheim. Der Mann braucht noch eine Stunde länger.
Das war Tag zwei der 2015-Radl-Challenge.

Der Zähler ist gestartet

Mit heute beginnt die Kilometerzählung für das neue Jahr. Es gilt die 2.800 km von 2014 zu überbieten. Eigentlich sollte es schon letztes Wochenende losgehen, aber da hatte mein Trekkingrad doch tatsächlich einen Platten.
Gestern abend habe ich es dann endlich wieder flott gemacht und mir vorgenommen, heute auf jeden Fall zur Arbeit zu fahren. Die Wettervorhersager waren sich nicht ganz einig, aber so richtig fies sollte es nicht werden, sagen sie.
Ich kontempliere also noch ein wenig, was ich wohl anziehen soll. Im Herbst hatte ich eine warme lange Vaude-Radlhose erstanden (nettes Schnäppsche). Und dann T-Shirt, Fleece und Anorak. Auf dem Kopf nur der Helm, und zur Sicherheit noch ein Buff-Tuch in der Tasche.
Auf den Rad- und Gehwegen liegt etwas frischer Schnee, alter Schnee, getauter und zu Eis gefrorener Schnee und Streusplitt. Langsam taste ich mich an das Fahrgefühl heran. Von tiefstem Herzen ein ängstlicher Mensch, sehe ich mich natürlich schon am Boden liegen. Es geht aber dann ganz erstaunlich gut. Ein freundlicher Westwind schiebt mich auch immer wieder ein Stückchen an.
Viele Radler sind nicht unterwegs. Und die, die ich sehe, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die Harten und die Alten. Die Harten sind gut ausgerüstet, denn sie fahren den ganzen Winter durch: Neonjacke und funktionelle Kleidung, teures Rad. Die Alten sind alt. Fünfundsiebzig und mehr, würde ich schätzen. Sie fahren auf einem gleichaltrigem Rad so langsam, dass noch langsamer Stehen wäre. Unterschütterlich. Mit Filzhut beziehungsweise Kopftuch. Wahrscheinlich sind sie so noch mobiler als zu Fuß. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich in dreißig Jahren unterwegs bin. Es gelingt mir nicht.
Ist auch egal. Jetzt muss ich mir erstmal vorstellen, wie ich heute abend heim komme, gegen den Wind und mit ordentlich Neuschnee, denn ungefähr drei Minuten nachdem ich das Büro erreicht habe, bricht der Blizzard los. Wer hat den eigentlich bestellt?

Hat sich’s doch gelohnt

Mein Loblied auf das Münchner Wetter ist zurzeit ein wenig leiser. Gestern hat es die Sonne nicht raus geschafft und wir saßen den ganzen Tag in einer grauen Suppe. Heute will sie es noch einmal probieren. Bis jetzt ist es noch feucht und grau und kalt, aber ich glaube fest an sie und fahre deshalb mit dem Rad los. Heute mal mit dem schnellen, aber in Zivil. Unterwegs fällt mir siedendheiß ein, dass ich ja gar kein Schutzblech habe und mir potentiell einen schönen Schmutzstreifen am Rücken zuziehen kann mit dem ganzen Matsch auf den Wegen.
Ab da war der Spaß vorbei, denn ich habe peinlich darauf geachtet, nur die trockensten Stellen zu fahren. War gar nicht so einfach. Hatte was von Parcourreiten. Alles ist aufgeweicht, matschiges Laub auf dem Boden, Pfützen. Überall, wenn man mal drauf achtet. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft. Kurz vor dem Ziel quere ich die Autobahn und freue mich. Ein Monsterstau. Den hätte ich erwischt, wenn ich meinen Schweinehund hätte entscheiden lassen. Glück gehabt.