Archiv der Kategorie: Bewegung

Bewegungen, die kein Sport sind, weil zu kurz, zu unintensiv, sowas wie meine Radfahrten zur Arbeit.

Olfaktorisches

Grandioses Herbstwetter. Heute mal kein Nebel, sondern gleich Sonne pur. No excuses also. Rad raus und los. Der Sonnenaufgang kommt mir zeitlich inzwischen schon sehr entgegen und so fahre ich ostwärts in das tiefstehende Licht. Blindflug quasi.
Umso mehr beeindrucken die Gerüche. So ganz ist der Herbst noch nicht da. Die nassen Blätter am Boden sind noch entfernt vom morbiden Duft des Spätherbstes. Erde, Gras und der Rest der Natur riechen aber eindeutig nicht mehr nach Sommer. Der See hat gar keinen Geruch. Schade. Irgendwie bilde ich mir ein, der müsste nach etwas riechen. Meer und Salz hätte ich gerne, kann ich aber nicht erwarten. Pech. Ich lasse ihn links liegen.
Dann gerate ich in ein Rudel Hundehalterinnen. Und mir wird schlecht.
Unglaublich, mit was die sich eingedieselt haben. Ich spüre die klebrige Wolke förmlich auf der Zunge und habe das starke Verlangen, den Mund auszuspülen. Jedes einzelne ihrer Parfums gehört eigentlich auf eine schwarze Liste, aber zusammen verstoßen sie eindeutig gegen jede Richtlinie zum Gesundheits-, Umwelt- oder Artenschutz. Merken die das nicht? Und ihre armen Hunde. Denen müssen ja die Synapsen platzen.
Alles was jetzt noch auf meinem Weg kommt, ist harmlos: Der Zweitakter, der mich überholt und dann vor mir her tuckert, bis ich endlich abbiege. Das Müllauto und zuletzt noch der Mittagessenmief aus der Kantine.

Mein Denkarium

Seit mein Stahlrad und ich uns wieder angefreundet haben, cruisen wir öfters in gemütlicher Reisegeschwindigkeit zur Arbeit und zurück. Jeweils 11 km in einer guten halben Stunde. Da bleibt Zeit zu denken. Das fängt schon gleich nach der Abfahrt an: Mensch, ich wollte die Kette doch ölen. Wieder vergessen. Nach ein paar Ampeln, Kurven und der Unterführung, dann die Stelle an der die Garmin normalerweise den ersten Kilometer ansagt. In der Kurve vor dem beschrankten Bahnübergang: Schranke zu oder auf? Ich wette mit mir selbst.

Dann erreiche ich den Landschaftspark. Aufatmen. Erstmal keine Autos, Teerarbeiten auf der Straße und hoppelige Fahrradwege mehr. Ich mag den Park sehr gerne. Die weiten Flächen und die streng geometrischen Formen. Der Park scheidet die Geister, seit er 2005 als Bundesgartenschau vorgestellt wurde. Manche finden ihn langweilig, weil die langen Wege an Flugzeuglandebahnen erinnern.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Gelände mal ein Flughafen war und die Gartenarchitekten das nicht vergessen lassen wollten. Ich mag ihn aber und ich habe meine Lieblingsstellen, an denen ich regelmäßig denke: Hübsch. Dieser Pfad durch den Hain ist hübsch. Die Magerwiese, die mich an eine norddeutsche Heidelandschaft erinnert, ist hübsch. Der See, wenn er spiegelglatt daliegt, und die bunten Sonnenschirme, die seit der BuGa dort stehen, sind hübsch. Einfach hübsch. Ich könnte mir noch andere Adjektive ausdenken, aber hübsch fällt mir immer als erstes ein.
Morgens ist der Park meistens recht leer. Hauptsächlich RadfahrerInnen, die von A nach B wollen, und Hunde. Vor denen habe ich ja Respekt, besonders vor den ganz großen. Da denke ich: Hoffentlich hält der Hund die Spur und ich kann ihn überholen. Hoffentlich fühlt er sich nicht plötzlich in seiner Privatsphäre gestört, wenn ich zu nah vorbei fahre, und will mich mit einem Biss erziehen. Hoffentlich sammeln die Herrchen und Frauchen die Kacke auch ein. Lustig wie das Zamperl und die Dogge miteinander spielen. Was da wohl für eine Promenadenmischung rauskommen würde?
Dann ist der Park vorbei, ich biege durch das Dorf. Blöd, dass der Bioladen hier zu gemacht hat, der war echt praktisch gelegen. Wieder eine Überlandfahrt: Hmm, lecker, Erdbeerfeld. Könnten wir eigentlich am Wochenende mal zum Pflücken gehen und Marmelade kochen. Rechts hinterm Roggenfeld oder Dinkel? überholt mich die S-Bahn. Der Anstieg nach der Unterführung: Bestimmt zwanzig Höhenmeter. Manchmal muss ich runterschalten. Unvorstellbar, dass Leute 4000 schaffen, und auch noch Leute, die ich kenne. Respekt und Ehrfurcht. Dann kommt ein Stückchen Wald. Die Vögel und meine Kette zwitschern gegen den Lärm der Bahnstrecke und der Autobahn an. Heute Abend öle ich die Kette aber echt. Der Fahrradweg hat eine eigene kleine Brücke über die Autobahn. Sehr fürsorglich. Wieder ein bisschen Wald. Links Bäume, rechts Bäume und dahinter: Ach, ein Sportplatz.
Wohngebiet. Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten. In einem steht ein gemauerter Grillkamin mit scharlachroten Lettern: ALESSANDRO. Heißt der Besitzer so, oder der Kamin? Namen auf der Bürotasse finde ich sinnvoll, auch auf dem Fußballtrikot. Auf dem Auto kann ich es verstehen. Aber auf einem Kamin? Da besteht ja weniger die Gefahr der Verwechslung und des aus Versehen Mitnehmens. Hier bin ich noch zu keinem guten Schluss gekommen. Das letzte Stück, der Weg ist eingepfercht zwischen Schallschutzwand und Bäumen. Und dann bin ich schon da. Das ging ja wieder schnell. Und heute Abend der Bericht retour. Nein, war nur Spaß. Ich muss ja die Kette ölen.

Pfadfinder

 In der letzten Zeit musste ich mein olles stählernes Trecking-Rad wieder öfter in Betrieb nehmen. Wenn ich nach der Arbeit ins Studio gehen will, habe ich ja einen Haufen Zeug dabei. Mit dem Rennrad müsste ich es auf dem Rücken tragen und das macht keinen Spaß und tut auf Dauer auch weh, im Lendenwirbelbereich und in den Schultern.

Deshalb also wieder mein Lastenrad mit dem uncoolen, aber höchst praktischen Korb hinten drauf.
Die längere Strecke zur Arbeit mit den langen Geraden über die Felder macht mit dem Rennrad super Spaß, mit dem Treckingrad eher weniger.
Die kürzere Strecke an der vierspurigen Ausfallstraße mit einer Zillion roter Ampeln ist aber auch nicht lustig. Also habe ich eine Alternative gesucht und gefunden: elf Kilometer auf Schleich-, Rad- und Schotterwegen, durch waldähnliches Gelände, mit einem Single-Trail zwischendurch. Das macht richtig Spaß, schult den Gleichgewichtssinn und lässt einen vergessen, dass man doch in urbanem Siedlungsgebiet unterwegs ist. Umso mehr, wenn es einem gelingt sich die grüne Schallschutzwand an der Bahntrasse wegzudenken.
Die erste Woche meines neuen Trainingenthusiasmus ist ganz gut gelaufen. Trotz eines Krankheitstages habe ich bis jetzt schon über fünf Stunden verbuchen können, zwei davon im Studio. Heute kommen dann noch zwei oder so dazu, weil ich endlich das fünfsternige Schwimmbad ausprobieren möchte. Und am Wochenende ist ja auch noch Zeit für Aktivität.

Läufer im Nebel

Jeder Morgen ist anders – wenn ich mal unterwegs bin. Was jeden Morgen gleich ist, ist die Überwindung loszufahren, der Gedanke an den kalten Po, an die eingefrorenen Knie und an die vierzig Minuten allein gegen mich.
Wenn ich dann mal unterwegs bin, ist es meistens schön (außer der kalte Po und die eingefrorenen Knie; die lassen sich einfach nicht schöndenken).
Aber ich bin froh, dass ich es jetzt doch schon eine halbe Woche durchgehalten habe, was ich mir vorgenommen habe – nämlich so oft wie möglich mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Sprich, jeden Tag um die fünfundzwanzig Kilometer. Derzeit macht das Wetter ja auch schön mit. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn es mal regnet. Ich habe eigentlich keine Lust total zerstört in der Arbeit aufzutauchen. Auf dem Rückweg heim ist es mir egal, aber den ganzen Tag feucht und ohne ordentliche Frisur in der Arbeit, das ist nicht meins.
Auf dem Weg in die Arbeit bin ich eh immer langsamer, zum einen, weil es auf der ganzen Strecke latent bergauf geht, und zum anderen, um nicht so ins Schwitzen zu geraten. Um es professionell zu sagen: Eine Trainingseinheit in GA1. Hört sich doch besser an, oder?

Winterwunderland

Meine morgendliche Radtour durchs Hinterland war heute nicht schön. Nebel, kalt und noch fast dunkel. Und dann noch ein ungeräumter Radweg. Nicht schön. Und irgendwie gespenstisch. Im Park kreisten die Geier, oder Krähen, über mir, niemand sonst unterwegs und alles im Nebel.

Und bei dem Winterwunderland wundere ich mich eigentlich nur, wo der Winter ist in diesem Land.
Das Foto ist übrigens mit der Pixlr Express-App bearbeitet. Die hat neckische Effekte, die aus einem tristen grauen Winterbild noch ein bissel was rausholt.

Sieben Stunden und sieben Minuten

Diese Woche war ich echt fleißig sportmäßig. Mein Freund Endo Mondo hat für diese Woche sieben Stunden und sieben Minuten gut geschrieben. Das ist durchschnittlich eine Stunde am Tag. Allerdings waren vier Stunden davon allein am Donnerstag. Da bin ich erst zur Arbeit geradelt und zurück, macht anderthalb Stunden. Dann zum Schwimmen radeln und zurück, nochmal eine Stunde. Und die anderthalb Stunden Schwimmen.  An dem Abend hat es mir dann aber auch gereicht.
Gestern habe ich dann noch eine gute Stunde Laufen drauf gesetzt. Das war auch richtig gut und hat mir endlich mal wieder einen kleinen gelben Pokal von Endo Mondo eingebracht. Zeit wurd’s auch mal wieder.

Mein Freund Endo Mondo bietet ja für seine anderen Freunde Wettbewerbe an: Die meisten Kilometer gelaufen, oder die meisten Kalorien in einem Monat, oder so ähnlich. Da bin ich immer auf einem Platz zwischen 1.000 und 5.000. Weil es gibt natürlich immer Leute, die nicht dreizehn Kilometer am Tag radeln, sondern 250. Sollen sie machen, wenn sie wollen. Ich habe mir meinen eigenen Wettbewerb angelegt und nur meinen lieben Mann und meinen kleinen Bruder eingeladen. Die meisten Sportminuten im nächsten halben Jahr. Und hier bin ich auf Platz 1 mit sagenhaften fünfzehn Stunden schon in diesem Jahr. Die Jungs sind abgeschlagen auf Platz zwei und drei mit etwa sieben und acht Stunden.
Diese Statistiken freuen mich und erlauben mir heute einen Tag auf dem Sofa ohne schlechtes Gewissen.

Langsam schmerzfrei

Die letzten beiden Wochen habe ich ein bissel langsamer gemacht und auch weniger mit dem schönen Resultat, dass ich seit Ewigkeiten mal wieder schmerzfrei bin in den Knien.
Per CT habe ich es ja amtlich, dass meinen Knien nichts fehlt, und die Schmerzen im linken Knie nur eine Reizung war. Allerdings eine unangenehme, die sich hauptsächlich nach langem Schreibtischsitzen bemerkbar gemacht hat und mich wie eine alte Frau aufstehen ließ. Mit Quarkwickeln und Schonung ist das jetzt auch weg.
Die Heilung meiner Knie ist ja fast ein Wunder. Seit den frühen Neunzigern mache ich jetzt schon mit den Knien rum. Nach einer erfolglosen Operation im rechten Knie ist es eigentlich nie gut gewesen. In diesem Sommer war ich dann mal bei einer Osteopathin, deren Behandlung wirklich sehr wohltuend war. Und diese Osteopathin meinte auch, dass ich ruhig laufen lernen könnte. Und das habe ich dann auch gemacht. Ich bin einfach gelaufen und, wie schon berichtet, waren die Knieprobleme die kleineren meiner Probleme. Während des Laufens waren die Schmerzen eher weniger, was es leichter gemacht hat. Und bei den Schmerzen beim Nicht-Laufen habe ich einfach die Zähne zusammengebissen und weitergemacht. Und das scheint sich ausgezahlt zu haben . Die Muskeln sind jetzt ausreichend stark, um die Kniescheibe da zu halten, wo sie hingehört.
Das ist ein schönes Gefühl, sowohl in den Knien als auch im Kopf.
P.S.: Das Foto hat nichts mit diesem Eintrag zu tun. Es war einfach nur sehr schön heute morgen, mild und sonnig und ruhig.

Run – bike – swim

Mein erster Triathlon – nur in der falschen Reihenfolge und in keiner üblichen Distanz.
Ich war jetzt schon zwei Tage hinter meinem Trainingsplan hinterher, deswegen musste ich heute unbedingt laufen. Statt der vierzig Minuten waren es nur dreißig, aber nicht schlimm, denn ich hatte ja noch mehr vor, Schwimmen nämlich. Und dort bin ich mit dem Rad hin – mit einem kleinen Schlenker durch dir Stadt. Alles in allem 16 Kilometer. Das ist der Vorteil einer großen Stadt: man kriegt schnell ein paar Kilometer zusammen.
Schwimmen war dann heute nicht so ergiebig. Nur 1900 Meter, und selbst die sind nicht verbürgt. Und so richtig ausgelastet war ich auch nicht. Ohne angeben zu wollen: ich bin die schnellste der Gruppe – insbesondere heute, wo die andere Frau nicht da war.
Der Trainer hat meine Enttäuschung ob der geringen Strecke gemerkt und meinte, das nächste Mal kriege ich einen extra Plan. Mal sehen. Hoffentlich habe ich mich nicht zu weit aus dem Fenster gehängt.

So müde

So ein schöner Herbsttag. Heute morgen sehr frische Luft, nebelig, das Laub schön bunt, und der örtliche Badesee dampft wie eine große Badewanne in der Wiese. Der Ostwind verspricht einen schönen Tag – und bringt mich fast um. Meine Beine sind sooo müde (ich auch, aber das liegt daran, dass ich nur fünf Stunden Schlaf hatte heute Nacht). Ich überlege bei der Autobahnüberführung ernsthaft, ob ich absteige und schiebe. Die dreizehn Kilometer übers Land ziehen sich endlos. Fast zehn Minuten bin ich langsamer als sonst.

Auf dem Rückweg scheint die Sonne wie versprochen und der Ostwind weht mich nach Hause, aber müde bin ich trotzdem endlos. Ich glaube, ich mach mal eine Trainingspause. Schwimmen fällt morgen eh aus wegen Feiertag.