Archiv der Kategorie: Müsing

Mein Rennrad seit März 2014. In der Basis ein Müsing Onroad Lite. Fulcrum Felgen. Shimano 105 Gruppe.

München-Nord

Einladung zum Brunch in hinter Dachau plus Wetteraussichten OK = Radtour. Meine Männer nehmen das Motorrad und geben mir ein Stündchen Vorsprung.
Dachau liegt von uns aus gesehen genau auf der anderen Seite der Stadt. Quer durch ist eigentlich keine Option. Also haben komoot.de und ich uns auf eine Ostumfahrung geeinigt. Der Aufbruch ist hektisch und zu spät, mit dem Ergebnis, dass ich mich grandios verfahre. Um noch pünktlich zu sein, muss ich doch durch die Stadt. Die Dachauer Straße hält was sie verspricht und führt mich direkt zum Ziel. Doch die Radwege!
Wie wünsche ich mir ein ultragefedertes Offroad-Bike! Und wenn der Radweg mal taugt, dann hat er hübsche Kopfsteinmuster, die Einfahrten zu Grundstücken verzieren. Ja, muss das denn sein? (Hier endet mein Lamento über fahrradfeindliche Städte und ich übergebe an dieser Stelle an Mein Fahrrad Und Ich.)

Für den Rückweg nehme ich mir dann doch wieder die Nordost-Route vor. Schloss Schleißheim habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ist auch kaum zu sehen mit den ganzen Menschenmassen drumherum. Also weiter. Die Landschaft im Norden mit dem schönen Namen Panzerwiese ist aber wirklich sehenswert. Heide mit Schafen und Schäfer, ein kleiner Segelflugplatz, ein Einödhof mit Portal und eine schöne glatte Straße mittendurch. Einige Radler, Inliner, Jogger und Spaziergänger unterwegs, nicht so viele, wie es sein könnten, denn am Horizont drohen Gewitter über der Silhouette der Stadt. Diese verderben mir auch irgendwie den Spaß. Eigentlich wollte ich ja durch Natur und so, plane aber um, um im Notfall einen Hauseingang zum Unterstellen zu haben. Also wieder städtische Radwege an einer Einfallstraße entlang. Toll. Ich sehe nur noch zu, so schnell wie möglich Heim zu kommen und verlege das Genießen auf einen anderen Tag. Vier Kilometer vor daheim ereilt mich dann doch noch der Regen. Des a no.

Schön, mal wieder einen anderen Teil von München gesehen zu haben. Ich erkenne jedoch, dass radtechnisch für mich der Osten die bessere Wahl ist.

Zwischen Isen und Vils

Wochenend und Sonnenschein und ich mit mir und Rad allein…
Die Familie ist weg und ich habe zwei Tage für mich und die Steuererklärung. Letztere lässt sich schieben, also plane ich für Samstag eine nette Radtour. Ich schwanke zwischen “Richtig lang, aber flach” und “Du wolltest doch mal Höhenmeter üben”.  Ich starre also auf die Landkarte und lasse mich inspirieren. Meine Wahl fällt endlich auf ein Gebiet fünfzig Kilometer östlich von München. Dort hat es moderate Hügel (“rolling hills” finde ich ein passendes Bild), und einen Haufen Radwege mit Namen.
Da ich eh schon lang mal so eine Radwegtour machen wollte, spricht mich das gleich an.
Ich stelle mir also mithilfe des Bayernnetz für Radler in komoot meine Tour zusammen. Am Ende kommen gut sechzig Kilometer mit dem Prädikat mittelschwer zusammen.
Versuche, die Strecke auf meiner Garmin zu speichern, schlagen fehl, also memorisier ich die Strecke und für den Notfall habe ich ja auch mein Handy dabei.
Die Autofahrt zum Ausgangspunkt in Schwindegg ist schon mal schön und idyllisch. Dort angekommen, habe ich aber dann das Problem, den Touranfang zu finden. Das Memorisieren hat wohl doch nicht so gut geklappt. Irgendwann finde ich doch einen Hinweis auf den Isen-Sempt-Radweg. Und von dort hangel ich mich zum Vilstalradweg bis Velden (Vils) (sprich Felden an der Filz) und weiter den Rottalradweg bis Wurmsham (ein weiteres Exemplar in meiner Sammlung der Orte mit lustigen Namen).  Hier mache ich erstmal Rast unter der Dorflinde. Leider nur mit einem Schluck warmen Wassers aus der Flasche. Das Essen hatte ich vergessen, bzw. gar nicht für nötig befunden, welches mitzunehmen. Eigentlich schwebte mir eine Rast in einem idyllischen Dorfcafé vor mit selbstgemachtem Kuchen und Rhabarberschorle. Dieser Traum platzte recht schnell. Alle Dörfer, durch die ich kam, waren geschlossen wegen Samstag Nachmittag und die Bürgersteige, so überhaupt vorhanden, schon lange hochgeklappt. Das einzige Leben fand auf den Feldern statt, wo Mähdrescher noch hektisch soviel abernten wollten wie möglich, bevor das Gewitter hereinbrechen würde. Also weiter mit Hunger im Bauch.
Ab Wurmsham musste ich eh improvisieren und die geplante Route abkürzen, denn der Blick nach Süden prophezeit Fürchterliches: Fiese Gewitterwolken türmen sich auf und wo keine einzelnen Wolken mehr zu erkennen sind, drohte eine schwarze Wand. Deutlich früher als angekündigt.
Ich trete also in die Pedale, quäle mich durch stehende und zum Schneiden dicke Luft zwischen den Maisfeldern. Manchmal ist sie so dick und riecht so modrig, dass mir das Atmen schwerfällt.
Abseits der benamten Radwege, die alle stillgelegten Eisenbahntrassen oder Flusstälern folgten, kamen jetzt dann doch ein paar Hügel. Gerade genug, um den Puls hochzutreiben und den Bergtritt zu üben. Und dann immer sofort durch eine nette Abfahrt belohnt.
Fünf Kilometer vor dem Ziel wird aus der schwülen stehenden Hitze auf einmal ein böiger Wind, der das nahe Gewitter androht. Zum Glück geht es nur noch bergab oder geradeaus, und so komme ich ziemlich knapp vor dem Unwetter am Auto an. Puh, geschafft. 62 km in 2:38. Kein Rekord, aber darum ging es ja auch nicht. Höhenmeter waren es am Ende dann auch nicht soo viele (aber trotzdem noch viermal mehr als wenn ich im Münchner Umland unterwegs bin).

Mein Hunger treibt mich stracks in die nächste Tanke und ich erinner mich an den Ironwomen-Bericht von neulich, in dem dauernd von Cola die Rede war. Gut, denke ich, probier ich mal. Nach dem ersten Schluck weiß ich wieder, warum ich so lange schon keine Cola mehr getrunken habe. Ich ziehe die sehr warme Johannisbeerschorle aus dem Auto vor. Die Tankstellenbutterbreze schmeckt aber.

Richtung Heimat ist der Himmel richtig schwarz und Blitze zucken. Mir fällt meine Wäsche auf der Terrasse ein, aber ich beschließe, mir davon und von der immer noch nicht gemachten Steuererklärung die gute Laune nicht verderben zu lassen. Der Tag war außerordentlich schön, ich habe etwas gemacht, was ich schon ganz lange vorhatte und endlich mal Orte gesehen, die ich schon lange mal besuchen wollte.

Wieder smart unterwegs

Eine Woche war ich jetzt ohne Smartphone. Eine Woche ohne mobiles Internet, das heißt ich konnte nicht permanent checken, ob jemand hier einen Kommentar gepostet hat, ob sich in einem anderen Blog was getan hat, oder wie sich das Wetter in der nächsten Viertelstunde entwickelt. Das alles ging nur, wenn ich an meinem Arbeitsrechner saß oder zu Hause am Tablet über WLAN verbunden war. Und das deckte nur etwa 80% meiner wachen Zeit ab. Ganz schön tough.

Warum ich überhaupt smartlos war, kam so. Und das wird keine rühmliche Geschichte.
Letzten Samstag war schönes Wetter angesagt, richtig heiß sogar. Ich also auf’s Rad und los in der Mittagshitze. Ich habe ja schon mehrfach bewiesen, dass ich radtechnisch bei hohen Temperaturen besser performe als in der Kälte. Also beschließe ich unterwegs, dass es nicht die üblichen 50k, sondern was Längeres werden soll.

Ich biege also an geeigneter Stelle ab und mache mich auf den langen geraden Ritt durch den Ebersberger Forst.
Zwischendurch klingelt öfters das Telefon. Die Familie verlangt Abstimmung, und meldet später nochmal, dass sie jetzt zum Baden geht. Das fände ich jetzt auch schön, denke ich und schiebe das Handy in die Taschen meines Radshirts.
An jedem Dorfweiher, den ich passiere, sogar an jedem Schild zu einer Badegelegenheit, stelle ich mir vor, wie schön ein Sprung ins Wasser wäre. Badeanzug habe ich keinen dabei, aber das wäre ja egal. Diese Hightech-Radklamotten sind ja auch nicht viel anders als Triathlonsuits. Auf den nächsten dreißig Kilometern gewöhne ich mich also an den Gedanken, mit Hose und Shirt ins Wasser zu springen. Schöner Gedanke.

Endlich dann die Zielgerade zum Badesee. Fast 70k auf dem Tacho. Freunde und Familie sind schon da. Ich springe vom Rad und rein ins Wasser. Gleich losgekrault und es war toll! Vollkommen erfrischt und glücklich steige ich irgendwann wieder an Land. Zuppel ein bisschen an meinem nassen Shirt rum, dass es nicht gar so am Bauch klebt und entdecke dabei mein Handy in der Tasche am Rücken. Sch… Alle Wiederbelebungsversuche vergebens. Da war nichts mehr zu machen. Dabei hatte ich ihm erst letzte Woche eine aufwändige Generalsanierung verpasst. Alles umsonst. Heul.

Nach angemessener Trauerzeit: Eigene Anforderungen analysieren und definieren – Markt beobachten und Testberichte lesen – Budget freigeben lassen – entscheiden. Alles Sachen, die ich gar nicht gerne mache.

In der Zwischenzeit laufe ich mit einem Zwanzig-Euro-Teil herum, das nicht mal Radstrecken tracken kann, sondern mit dem man einfach nur telefoniert. Voll Retro.
Aber jetzt ist wieder alles gut: Ich habe Internet in der Hand, meine Adressen und Kalender im Zugriff, und kann Fotos machen.

Lessons learned: 1. Nicht jedes Smartphone ist wasserfest. 2. Checke immer vor dem Schwimmen, was sich in deinen Taschen befindet, denn siehe 1.

Sonniger Wochenabschluss

Sonntag, bombastisches Wetter. Was fällt einem da ein? Ja, Radfahren! Wohin? Mit wem? Der Mann ist anderweitig unterwegs, der Sohn schwächelt. Frag ich doch den kleinen Bruder. Trotz Feierei am Vorabend ist er bereit und auch gut im Training. Muss er auch, denn von seinem Fahrrad kann er keine Unterstützung erwarten.
Vollkommen großkotzig habe ich in Komoot die Strecke einer RTF-Ausschreibung nachgemalt und fand sie eigentlich gar nicht so schlimm. Aber ich kenne auch die südlichen Landkreise nicht so gut.
Wir satteln also auf und ich merke schon auf den ersten Kilometern, dass ich heute gar nicht fit bin. Müde Beine und der Musculus gluteus minimus
zwickt. Ich werde getröstet, es geht gerade bergauf. Unsichtbar aber stet. Und dann geht es los. Fiese Anstiege, die mich ordentlich zum Pfeifen bringen. Ich komm hoch, muss nicht absteigen und breche nicht zusammen.
Aber die Pumpe geht doch sehr. Am vorläufigen Höhepunkt der Tour in Jasberg gibt es ein Volksfest der zünftig-bayrischen Art: der hiesige Hofladen wird sechzig. Herzlichen Glückwunsch.
Wir verzichten auf die Maß und machen uns an den Abstieg, denn ich habe beantragt, die Tour auf 30k abzukürzen. Auf das was dann kommt, war ich nicht vorbereitet: Sechzehn Kilometer nur bergab. Mal sichtbar, meist jedoch unterschwellig. Eine Wonne. Endomondo hat mir dann auch gleich mal einen Pokal für die schnellsten zehn Meilen ever verliehen. Danke.

Der Bruder und ich brettern also die Schotterebene hinab, auf einer kleinen Nebenstraße, die nur von Radlern, Skatern und einem Traktor verwendet wird. Das macht Spaß und einen belgischen Kreisel vollkommen überflüssig.
Drei Kilometer vor dem Tourende bin ich auf einmal großzügig. Der Bruder wünscht sich schon länger ein Rennrad und will mal meins ausprobieren. Wir tauschen also Räder. Die Schuhe passen, das Rad ist zu klein. Von hinten sieht er ein wenig komisch aus. Aber nicht lange, denn dann ist er außer Sichtweite, genießt die Geschwindigkeit, während ich mich mit seinem ollen Rad gen Heimat abmühe. Geschwisterliebe halt.

Für morgen habe ich mir einen Ruhetag verordnet. In dieser Woche waren es nämlich dreizehn Stunden Sport oder über elftausend Kilokalorien oder 165 Kilometer Entfernung. Jetzt muss auch mal ein Tag Nichtstun drin sein.

 

Im Traktorstrahl

Gestern habe ich eine neue Erfahrung gemacht: Windschattenfahren und zwar so, dass ich außer den Waden meines Vordermannes fast nichts sonst gesehen habe. Das war ein außerordentlich angenehmer Anblick, trotzdem braucht es eine Menge Vertrauen. Ordentlich schnell fahren, ohne die Unebenheiten oder Schlaglöcher zu sehen und nur auf die kurze Anzeige des Vorausfahrenden zu vertrauen.
Nach ein wenig Gewöhnung hat das unglaublich Spaß gemacht.  Die vorausfahrenden Waden mit dem zugehörigen Körper sind gut trainiert und haben Tempo gemacht.
Wir sind meine übliche 50k-Strecke in Rekordzeit abgefahren, bis auf eine “Abkürzung”, die wir wegen der hereinbrechenden Dunkelheit nehmen mussten, und die uns den Schnitt sowas von in die Tiefe gezogen hat. Rennräder sind einfach nicht für Schotter- und Waldwege gemacht.
Bei dieser Gelegenheit hat mein Vordermann wieder mal festgestellt, dass die geländetauglichen Räder, die er normalerweise fährt, viel praktischer sind. Und bequemer sowieso. Und überhaupt sei er nicht mehr so der Rennradtyp. Schade. Die Waden waren schon ein schöner Anblick.

LeserInnen im Münchner Osten, die gerne mal eine gemeinsame Ausfahrt machen wollen, melden sich bitte. Mit oder ohne Waden.

Pusteblumen

Freiertag.  Wie schön. Das Wetter spielt mit. Eigentlich hatten wir mal vage ausgemacht, dass mein lieber Mann heute mit mir läuft. Wir hatten geplant, dass er in Schleifen um mich herumläuft während ich den geraden Weg wähle, damit er auf seine Kilometer kommt.
Dann hat sich das Wetter aber so gut angesehen, dass ich doch lieber aufs Rad gestiegen bin. Geplant war die 30K-Runde und danach Laufen. Aber weil es so schön war, probierte ich ein paar neue Strecken aus, und am Ende waren es 52K in zwei Stunden und zwei Minuten. Das hat Spaß gemacht. Waren aber auch wenig Berge im Weg. Die paar Erhebungen habe ich aber wieder ganz klar in der Lunge und der Herzfrequenz gespürt. Mir ist einfach die Puste ausgegangen. Kurz danach kam ich an diesem Pusteblumenfeld vorbei und mir kam der Gedanke, dass diese Blümchen vielleicht mit meiner fehlenden Puste helfen könnten. Vielleicht als Sud, Einreibe oder inhalieren?

Daheim angekommen, habe ich mich dann tatsächlich noch mal aufgerafft und die Laufschuhe angezogen. War jetzt nicht so doll, die Lauferei. Aber es ging, und am Ende waren es sogar 2,5 km (nicht lachen!). Und in einer Zeit, die gar nicht mal das langsamste war, was ich je geschafft hatte.IMG_20140501_125857Mein weiterer Weg führte mich wieder über Purfing. Ich wollte mal sehen, wie die Geschichte mit ihrem Maibaum ausgegangen ist. Gut offensichtlich, denn die Dorfbewohner saßen friedlich bei Bier und Leberkäs unter ihrem frischen Maibaum. Die freiwillige Feuerwehr hat die Dorfstraße gesperrt und grad zünftig war’s.

Fazit: Das wird schon was mit dem Triathlon.

Schinderei an der Saale

 Osterurlaub bei den Schwiegerleuten in der Rhön, und mein Radl und lauter gute Vorsätze mit im Gepäck.

Von komoot habe ich mir ein paar Touren vorschlagen lassen und bin bei fast allen schon mal vorsorglich in Ohnmacht gefallen, als ich die Höhenmeter gesehe habe. Alles weit jenseits dessen, was ich schon mal bewältigt hatte.

Also habe ich mich für eine Tour am nächstgelegenen Fluss entschieden, der Fränkischen Saale.
Aber um da hinzukommen ging es erstmal zehn Kilometer bergab. An sich eine feine Sache, doch Pessimistin, die ich bin, habe ich nur an die zehn Kilometer bergauf gedacht, die irgenwann demnächst noch vor mir lagen.
Der Weg unten an der Saale war dann schon schön. Rapsfelder und idyllische Dörfer und so.
Angesichts meiner Bergangst bin ich nicht ganz bis Neustadt gefahren sondern vorher umgedreht, um noch Kraft für den Berg zu haben.
(Ich bin ein Schisser, ich weiß.)
Ich habe mich dann für einen anderen Aufstieg entschieden, der steiler aber nicht so lang ist. Für den Fall, dass ich schieben muss. War aber dann doch gar nicht nötig. Einmal habe ich kurz Pause gemacht, als der Herzfrequenzmesser drohte durchzubrennen. Das wollte ich dann doch vermeiden. Der Rest war anstrengend aber machbar. Nur die allerletzten hundert Meter vor zuhause habe ich geschoben. Da gings einfach nicht mehr.
Und die Schmach beim Schieben gesehen zu werden schien mir geringer als die umzufallen.

Sechzig gen Südwest

Verabredung mit meinen Eltern in Dießen am Ammersee. Wetter gut und meine Männer kommen ohne mich zurecht. Also steig ich auf’s Radl und mache mich mit zweieinhalb Stunden Vorsprung auf den Weg gen Südwest.
Diese Ecke des Umlands ist schön. Unbestritten. Aber weil ich im Osten wohne, brauche ich die erste Stunde, um überhaupt erstmal durch die Stadt und an der anderen Seite wieder rauszukommen. Und dann kenne ich mich nicht soo gut aus hier und habe mir die Tour von komoot planen lassen. Normalerweise machen die das ganz gut, aber diesmal waren ein paar Auto-Rennstrecken dabei, die definitiv keinen Radl-Spaß bringen. Manche Überholsituationen von den Autos fand ich sogar fast schon lebensgefährlich. Bei meiner nächsten Tour werde ich meinen raderfahrenen Freund C., der weiß, wo die schönen Strecken sind.

Etwas später wurde es dann ländlicher und ruhiger. Nur noch ab und zu sind Kamikaze-Motorräder an mir vorbei gebrettert und habe direkt neben mir das Gas aufgedreht, dass ich fast einen Herzkaspar hatte. Idioten. (Und ich verrate jetzt nicht, dass ich auch Motorrad gefahren bin und wahrscheinlich auch überhaupt gar nicht an die Radfahrer dachte, die ich überholt habe). So ändert sich der Standpunkt. Interessant.

Weiter auf meinem Weg lag der Heilige Berg von Andechs rechts von mir. Ich habe mal kurz über eine schnelle Maß nachgedacht, habe mich aber angesichts der knappen Zeit dagegen entschieden (und weil ich auch sonst eher selten eine Maß Bier trinke). Und ich habe mich auf die Abfahrt gefreut. Die hat mir komoot angekündigt und ich habe sie mir verdient, fand ich. Ich fahre ja gerne im Flachland und da auch gerne schnell und mal mit einem Sprint zwischendrin. Aber diese Hügel und Berge machen mich echt fertig und bringen meinen Puls an die Höchtsgrenze. Da muss ich definitiv noch üben.
Die Abfahrt von Erling nach Fischen war jedenfalls schön. Nicht zu steil. Bremsen war fast nicht nötig. Sehr erholsam. Und sie hat meinen Gesamtdurchschnitt um 0,5 km/h in die Höhe gezogen. Danke dafür.

Nach zweieinhalb Stunden und knapp sechzig Kilometern war ich dann in Dießen. Der Weg zum Treffpunkt am Wanderparkplatz hat mich nochmal gefordert (Berg, was sonst?), aber so habe ich die 60K vollmachen können. Zufrieden und insgesamt gar nicht so fertig wie erwartet, machte ich mich dann auf zum Wanderspaziergang auf dem Waldlehrpfad mit der Familie. Der war zum Glück nicht sooo anstrengend.

Ich finde sechzig ist schon eine ganz ordentliche Zahl. Leider kenne ich aber auch ein paar Leute, die sich einen Tag Urlaub nehmen, um mal eine große Tour zu machen, was dann 230 km im Karwendel mit Kesselberg und allem sind. Da komme ich nicht ran, derzeit nicht und in diesem Leben wahrscheinlich auch nicht mehr. Ich freue mich einfach an meinem dramatisch erweiterten Radius. Und am Radfahren an sich.

Folkloristische Eindrücke

Ganz spontan bin ich heute nicht auf dem direkten Weg zur Arbeit geradelt, sondern habe einen kleinen Umweg eingebaut, der mich über Poing und Neufarn wieder nach Purfing geführt hat. So langsam wächst mir dieser Weiler mit seiner Idylle und seinem Aroma ans Herz. Heute kam mir eine Prozession von Burschen mit einem Maibaum entgegen. Gelebte Folklore in der Morgensonne. Unklar ist und bleibt, ob es sich um einen Maibaumklau in flagranti oder um eine rechtmäßige Bewegung handelte.
Die Kamera meines Minihandys war leider mit den Gegebenheiten überfordert, aber der Eindruck bleibt.

Die Tour heute morgen hat einen mittelmäßigen Geschwindigkeitsdurchschnitt. Das liegt daran, dass ich gestern in meinem neuen Rennradbuch geblättert habe und dort stand, dass ich nicht auf Geschwindigkeit sondern erstmal auf Trittfrequenz trainieren soll. Das habe ich dann brav gemacht. Kette links und treten. Zwischendurch kam ich mir ein bissel affig vor, weil ich so viel getreten habe und nicht vorwärtsgekommen bin, da habe ich dann doch heimlich hochgeschaltet.

Purfing, Frotzhofen und Obelfing

Heute habe ich schon um drei Feierabend gemacht mit der Absicht noch eine laaange Runde zu radeln. Ich habe mich richtig drauf gefreut!
Der Rucksack mit meinen Arbeitssachen (und Klamotten) hat ein bissel genervt; wenig genug ums zu ignorieren. Dann bin ich los in die gleißende Nachmittagssonne des Münchner Ostens. Und da waren sie auf einmal, die lustigen Orte: Purfing, Frotzhofen und Obelfing. Nicht mehr als ein paar Häuser und eine agrikulturelle Dunstglocke, dass es eine wahre Freude für die Nase war.
Mich hat es gefreut, einmal Ecken im Umland zu sehen, die ich noch gar nicht kenne. Noch nicht mal von gehört habe. So was von ländlich und doch so nah an der großen Stadt.
Diesmal hat mich das Radeln mehr angestrengt als letzten Samstag. Die Schulter ist mächtig verspannt, die Handgelenke etwas müde, und zwischendurch hat mir der Lendenwirbelbereich ganz schön weh getan.
Am Ende dieser schönen Tour waren 45 Kilometer auf dem Tacho.