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Gardasee in den Pfingstferien 2015

Paese bavarese con bellissime piste ciclabili

Urlaub vorbei, wieder daheim. Die Rückfahrt war etwas beschwerlich. Beschwerlicher als sie hätte sein müssen. Ich fand es nämlich eine gute Idee, schon am Freitag Abend heim zufahren und nicht den gesamten Samstag im vermeintlichen Stau zu stehen. Diese Idee war super, so super, dass sie etwa zwei Millionen andere Münchner, Münchner Umländer und Franken auch hatten. So einen grandiosen Stau habe ich noch nicht erlebt. Da ging zeitweise gar nichts zwischen Affi und Trento auf fünfundzwanzig Kilometern. Grobe Fehleinschätzung der Gesamtsituation und grobe Fehleinschätzung der durchschnittlichen Geschwindigkeit in einem Stau. Der Bruder ist nach uns losgefahren und profitiert von unserer Erkenntnis. Er nimmt die Landstaße, umfährt den Stau und spart so zwei Stunden.
Inmitten dieses Desasters beschließe ich zu forschen, ob wir im Sommer nicht komplett ohne Auto, sondern im Zug nach Norddänemark kommen und dort auch genug Bewegungshorizonte haben. Die Räder könnten wir ja trotzdem mitnehmen oder voraus schicken. Entspannter wäre das schon.

Punkt drei Uhr neunundfünfzig mache ich das Auto vor der Tür aus, der Horizont färbt sich schon leicht hell. Den ganzen Samstag hängen wir vollkommen übernächtigt herum. Immer wieder schaue ich nach, ob der Samstagsstau kommt, aber so richtig doll wird es nicht. OK. Wieder was gelernt. Für den Fall, dass wir nochmal in den Pfingstferien nach Gardasee fahren sollten.

Bevor mich der Alltag morgen wieder erwischt, beschließe ich noch eine Radtour am Sonntag. Auch, um meinem Radl und mir zu zeigen, dass es tatsächlich schönen Asphalt ohne metertiefe Schlaglöcher, dass es sowas wie Radwege, exklusiv für Zweiräder, und dass es auch in Bayern schön heiß sein kann.
Ich fühle mich gut und deshalb entscheide ich mich für eine Route gen Süden, also nach oben zu fahren. Auf halber Strecke mach ich ein Päuschen und lasse mir von meiner Nichte einen Bananen-Joghurt-Eis-Shake kredenzen. Sehr lecker und genau das richtige für die Zeit/Temperatur/Anstrengung.
Ich lasse mir vom Bruder seinen Lieblingsweg erklären, den ich natürlich wieder verpasse. Ich bin so schlecht im Routenmerken und -finden. In diesem Fall ist das zum Glück nicht weiter schlimm, weil ich noch fit bin und eh einen größeren Schlenkerer machen will.
Irgendwann sehe ich, dass ich einen Schnitt von knapp 25 km/h fahre, ich trete also nochmal kräftig rein und schaffe, bis kurz vor daheim tatsächlich einen Schnitt von genau 25,00 bei Garmin und 24,98 bei Endomondo. Zum Ausgleich für die unterschlagenen 0,02 km/h verleiht mir Endomondo einen Pokal für die schnellsten fünfzig Kilometer ever. Satte vier Minuten schneller als die vorherigen. Juchuh. Und knapp 300 Höhenmeter waren auch dabei.

Lavendel, Oleander, Jasmin …

Okay, Lavendel habe ich noch keinen blühen gesehen, dafür ist die Luft über und über gefüllt mit anderen Düften, Jasmin vor allem. Dies und eine beiläufige Erwähnung der fast dreißig Grade Celsius unter blauem Himmel sollen an dieser Stelle genügen, um dem geneigten Publikum, die Szenerie verdeutlichen.

Mein selbstgewähltes Trainingslager schlaucht ganz schön – und macht unglaublich Spaß.

Bruder in Italien
Bruder in Italien

Tag zwei war ich mit dem Bruder unterwegs, der am selben Campingplatz und auch mit Rennrad Urlaub macht. Ich führe ihn auf meinem gestrigen Wege aus dem großen Ort und weg von der Uferstraße, hinein ins Hinterland. Ab da mach ich es mir leicht und reise hinter ihm her. Wir folgen dem Mincio gen Süden, geraten in Valleggio in einen Ausflügler-Auflauf. Dort gibt es nämlich einen Garten, der anno 2013 der schönste Italiens war und zwei Jahre später wohl immer noch sehenswert ist.
Weiter Richtung Volta Mantova. Unten am Mincio scheint es schön zu sein. Ganz viele italienische Autos parken dort. Ich habe das Gefühl,  einen geheimen Treffpunkt der Einheimischen gefunden zu haben, irgendwo im Hinterland, nachdem ihr schöner See fest in deutscher Hand ist.
Wir trudeln weiter durch die Hügellande. Der Bruder, deutlich fitter als ich, schraubt sein übliches Tempo herunter, damit ich mitkomme.
In Castiglione delle Stiviere teilen wir uns seine Banane und planen den Heimweg mit komoot. Die Bedienung der App sowie die Routenansage, die uns in Astore eine Strafrunde von zwanzig Minuten sowie eine Schotterpiste beschert, veranlassen den Bruder, auf diesem Wege allen zu sagen, dass auf komoot kein Verlass ist. Richtig so, Bruder?
Jedenfalls hat uns das so viel Zeit gekostet, dass wir von Pozzolengo direkt ohne Umwege zum heimatlichen Wohncontainer radeln und dort direkt in den See springen.
Das waren gut fünfundsiebzig Kilometer mit fast vierhundert Höhenmetern. Ich bin zufrieden und kann den Rest des Tages wieder rumlümmeln.

Tag drei des Trainingslagers besteht aus ein wenig Tischtennis spielen, noch weniger Paddeln und einem winzigem Ausritt am Abend. Nachdem ich die Anhöhe von Colá überlebt habe, entdecke ich kleine Sträßelchen durch die Weinberge, die große Ähnlichkeit mit Radwegen bei uns daheim haben. Das muss ich unbedingt dem Mann zeigen, der von einer Tour auf der Uferstraße bis Sirmione noch schwer traumatisiert ist.

20150602_110339Tag vier sollte mich eigentlich nach Verona bringen. Doch der Mann will mit und so können wir den Sohn nicht so lange allein lassen. Der Bruder kommt auch mit. Er hat seinen Berg gestern bezwungen (den Namen muss ich mir auf absehbare Zeit nicht merken) und hat heute Muße für eine Erholungsfahrt.
Ich führe die Herren durch die gestern gefundenen Weglein bis zur ersten Steigung, an der ich die Führung ganz schnell abgebe. Überhaupt gebe ich an jeder Steigung ganz viel ab: Tonnen von CO2 mit der Puste, Geschwindigkeit und Schnauftöne. Aber ich schaffe diese blöden Hügel alle. Das war nicht immer so.
Der Mann mit seinem Mountainbike kurbelt im letzten Gang locker-flockig neben mir her und gibt mir den guten Rat, doch mal runter zu schalten. Witzbold. Ich bin schon lange im kleinsten Gang. Hab halt nichts kleineres im Angebot.
Bis Bussolengo geht es immer auf und ab. Unten am Fiume Adige besteht der Mann auf eine Kaffeepause und wir beobachten Rudel von Rennradfahrern, die hier unterwegs sind. Der Heimweg führt uns die Etsch hoch und tatsächlich über einen echten ausgewiesenen Radweg. Einmal noch über den Hügel und dann im wesentlichen nur noch bergab zum See.
Diese fünfunddreißig Kilometer waren richtig anstrengend und ich bin froh, lebendig angekommen zu sein.

Reine Definitionssache

Tag 1 im Trainingslager. Nein, nur Spaß. Natürlich kein Trainingslager, nur ganz normaler Urlaub. Mit der Familie am Gardasee. Aber die Räder sind dabei. Ich habe mich fürs Rennrad entschieden. Und freue mich über diese Entscheidung. Schon in Vorfeld, als ich mich zusammen mit komoot auf die Gegend vorbereitet habe.
Unser Domizil ist am südlichen Ende des Sees, da wo es flach wird.
Heute morgen nach dem Frühstück packt es mich gleich mal. Mann und Sohn testen den Pool und ich schwinge mich auf’s Rad.
Die Uferstraße ist verstopft mit Bettenwechslern, Radwege nur sporadisch aufgemalt, insgesamt kein Genuss. Beim nächsten Kreisverkehr flüchte ich in eine der kleineren Straßen. Entlang am südlichen Abfluss des Sees, vorbei an etlichen Agriturismi, und immer wieder von italienischen Kamikazefahrern überholt. Die sind echt hart drauf. Ich sehe mich des öfteren schon im Graben liegen.

Trotz meiner intensiven Vorbereitungsarbeit habe ich nur wenig Ahnung, wo ich lang fahre. Und weil ich keine Lust auf Anhalten und Karte schauen habe, fahre ich nach Kompass. Eine Stunde nach Süden, und dann wieder eine Stunde nach Norden. So in etwa. In der Realität nicht ganz so, denn wo es eins gibt, folge ich einem Radwegschild, um zu sehen, was die sich unter Radweg vorstellen. Oder, wenn die aktuelle Straße nicht so toll ist, und die an der Abzweigung einen schöneren Belag hat, nehm ich halt die.
So komme ich durch lauter nette Dörfer. Nichts spektakuläres, eher authentisch, würde ich sagen. Erholsam echt italienisch, in Gegensatz zu unserem Campingplatz. Aber das nur am Rande.
Italien ist übrigens das Land der Rennradfahrer und, was mich ganz besonders freut, auch der Rennradfahrerinnen. Alle paar Minuti kommen mir welche entgegen. Und tatsächlich drei von denen waren Frauen.
Gegen zwölf mache ich mich dann wieder Richtung heimatlichen Wohncontainer auf. Der rot-weiße Torre del Kraftwerk ist mein Anhaltspunkt.
Das letzte Stück an See entlang ist wieder nervig, aber nicht lang. Das war Trainingslager, der Rest des Tages ist Urlaub.