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Cádiz, Andalusien im Sommer 2015

Ein warmer Gruß

 Immer wieder erreichen mich Hilfeschreie aus der arktischen Heimat. Seid versichert, dass ihr mir sehr leid tut. Winter im August ist nicht schön. Deshalb hier ein Foto von gestern Abend halb zwölf, aufgenommenen nach einem Fünf-Kilometer-Lauf am Strand. So ist mir noch nie das Wasser heruntergelaufen. Vielleicht noch in der Sauna mal.
Diesmal habe ich den langen Strand in Angriff genommen. Endlos lang, links der beleuchtete Paseo Maritim, rechts das Meer. Dazwischen Läufer, Angler und Leute mit Metalldetektoren. Muss sich wohl lohnen, denn sonst wären es nicht so viele gewesen.
Es wurde tatsächlich wieder mal eine ganz passable Zeit, was wohl daran lag, dass ich mich von einem Intervalltraining von Endomondo habe antreiben lassen.
Also, liebe MitleserInnen. Erfreut euch an den Bilder und denkt: zuviel Hitze ist auch nicht schön.

Heißes Rennen

La Vuelta 2014 dreht ihre Runden hier in der Gegend. Gestern weiter im Süden, nahe dem Strand,  den wir uns für den Tag ausgesucht hatten. Da wir mit noch zwei Familien aus München unterwegs waren, hatte ich auch nicht so ein ganz schlechtes Gewissen, mich mal für zwei Stunden abzusetzen. Ich lieh mir also ein Radl und machte mich vom Strand auf Richtung der nächsten Hauptstraße.
Mit meinem rudimentären Spanisch habe ich im Internet den Zeitplan recherchiert und mich passend an der Straße positioniert. Und da stand ich dann. In der andalusischen Hitze. Und wartete.

Von der Tour war wenig zu sehen. Ab und zu mal ein Polizeimotorrad in deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Dann ein paar mehr davon und nach über einer Stunde endlich Radfahrer. Vier an der Zahl. Und dann wieder lange nichts. Bestimmt eine viertel Stunde.
20140824_155414Dann aber: Viel Polizei- und andere Motorräder, Teamwagen mit vielen Rädern auf dem Dach. Hubschrauber. Und dann der Peloton.
Gut, dass ich gerade nicht zwinkern oder niesen musste, denn dann hätte ich das alles  verpasst. So schnell waren die vorbei. Alles in einem Pulk mit fünfzig km/h und mehr. Wusch und weg.

OK, dachte ich, das ging jetzt schnell. Viel gesehen habe ich nicht, Details schon gar nicht. Dann muss ich morgen genauer hinsehen.

Heute dann also Etappenstart in unserer Stadt, Cadiz. Wir pilgern zeitig ( viel zu zeitig, wie wir dann feststellen) die Uferstraße hoch bis zum Stadttor. Durch diese hohle Gasse sollen sie nämlich kommen. Anfangs sind noch zwei Spuren der Straße frei, doch dann fangen welche an, sich am Mittelstreifen zu platzieren. Jetzt wird die Gasse wirklich eng. Inzwischen hat auch die Frequenz der durchbretternden Polizeimotorräder zugenommen. Und ab und zu ein offizieller Vuelta-Škoda.
Und dann auf einmal ein Höllenlärm. Das spanische Militär muss angeben und zwar mit drei Helikopter,  die jetzt hinter uns über dem Meer stehen und auch zuschauen wollen. Der Krach ist an sich schon nicht schön, und für uns,  die wir jetzt schon eine Stunde in der Knallsonne stehen dreimal nicht.
Aber dann kommen sie endlich. Recht gemütlich eigentlich, einige ratschen miteinander, andere schauen sich die Heli-Demo an. Und alle fahren vollkommen entspannt im Pulk durch die Menschenmenge.
Die meisten sehen sich ähnlich: schlank, sehnig und unglaublich jung. Einen mit Vollbart habe ich gesehen.
Tja, und dann war es auch schon wieder vorbei. Ging wieder schnell.Wir begeben uns zum Bahnhof, weil wir noch eine Stadt besichtigen wollen.
Der Bahnhof liegt gleich am Hafen, und so stellen wir fest, dass die Hubschrauber nicht das einzige sind, mit dem die spanische Marine aufwarten kann. Im Hafen liegt nämlich ein Mordstrum Flugzeugträger. Viel zu groß für diesen Hafen. In diesem Kontext verstehe ich jetzt auch den Hinweis einer Spanierin, dass diese Etappe von einem Schiff startet. Das war tatsächlich wörtlich gemeint. Wer kann das denn ahnen.Nach diesem Spektakel stopfen wir uns mit zwei Millionen anderen Vuelta-Touristen in den Vorortzug nach Jerez de la Frontera, um dieses Städtchen in guter Touristenmanier in der größten Mittagshitze zu erkunden. Die Mittagshitze findet hier zwischen drei und sechs statt, und das vergessen wir bisweilen. Also schleppen wir uns durch die Gassen von Café zu Sehenswürdigkeit. In meiner Fantasie radel ich der Hitze davon. Der Fahrtwind kühlt. Neben mir die endlosen langen Strände des Atlantik. Immer wieder reicht mir jemand frisches kühlendes Wasser…Nein,  die Sonne hat mir nicht das Hirn versengt. Ich vermisse nur mein Radl und freue mich auf unsere erste Ausfahrt demnächst.

Thunfisch verliert so oder so

 Unser Meer hier ist recht unterschiedlich, was den Wellengang angeht. Mal haben wir ernsthafte Wellen, die eine ausgefeilte Technik mit den Bodyboards erfordern,  wollen sie optimal ausgenutzt werden. Ein andermal ist sowas von tote Hose wellentechnisch, dass es an ein Schwimmbad erinnert. Was mich wiederum daran erinnerte,  ein kleines Schwimmtraining einzulegen. Parallel zum Strand, ein paar mal hin und her.

Dabei kam ich zu folgenden Erkenntnissen: Erstens, ein langweilig glattes Meer hat immer noch mehr Oberflächenbewegung als jedes Schwimmbad.
Zweitens, Oberflächenbewegung macht das Einatmen zur Herausforderung. Drittens, Salzwasser in großen Mengen eingenommen schlägt sich auf den Magen. Viertens, Salzwasser ist auch nicht gut für die Augen auf Dauer (die Schwimmbrille ist natürlich nicht da, wo ich sie brauche). Und fünftens und schönstens, Salzwasser verleiht Auftrieb. Und zwar spürbar. Ich hatte das Gefühl, durchs Wasser zu schweben. Dass es auch Vortrieb verleiht, glaube ich nicht, aber angefühlt hat es sich so. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich pendele also zwischen zwei Bojen hin und her und denke an den oder die Verrückte(n), die wir heute bei der Durchschwimmung der Straße von Gibraltar beobachtet haben. Wir waren gerade zu einer Walbeobachtungsfahrt mit firmm gestartet. Alle Passagiere warteten gespannt auf die erste Sichtung, als es aus dem Lautsprecher krächzt: …  (unverständlich) … on the left … nine o’clock …
Alle stürmen zur angesagten Seite in der Hoffnung, Orca, Grindwal oder Delphin zu sehen. Und da sind dann nur zwei kleine Boote mit SchwimmerIn dazwischen. Langweilig. Sind ja bloß fünfzehn Kilometer, die da jemand schwimmt.
Ich muss jedoch zugeben, dass ich die Orcas,  die wir dann zu sehen bekamen, auch spannender fand. Eine Familie von vier oder fünf Tieren. Sie lauerten in der Nähe marokkanischer Fischer, die in einem kleinen Motorboot und mit Schnur auf Thunfischfang waren. Orcas mögen Thunfisch, sind aber zu langsam, um ihn selbst zu fangen. Sie beißen ihn lieber von der Leine der Fischer. Und wir schauen zu. Wenn jetzt die Fischer auch etwas von den Einnahmen aus dem Whale watching abbekommen, ist es eine Win-win-win-Situation – außer für den Thunfisch natürlich.
Und zu unserem Gewinn trug dann noch ein lehrreicher Vortrag der bei firmm volontierenden Walbeobachterin Monika  bei (Ihr Blog enthät schöne Fotos und Filme der Wale und Delphine in der Straße von Gibraltar).

Saturday night live

Heute muss der Midnight Run leider ausfallen. Nicht dass ich nicht gewollt hätte. Die zeitlichen wie motivationsmäßigen Voraussetzungen waren hervorragend.
Es ist nur so, dass mein Strandabschnitt leider besetzt ist. Einheimische in großer Zahl verbringen dort ihren Samstag Abend.
Große Gruppen haben sich häuslich eingerichtet. Mit Schutzwänden aus Laken zwischen den Sonnenschirmen, die früher am Abend gegen die untergehende Sonne gerichtet waren und jetzt den stürmischen Levante abhalten sollen.

Kinder toben herum,  die Frauen werkeln mit Essen in der mobilen Küche, und die Alten sitzen im Klappstuhl und bewundern die rudimentären Flamenco-Künste einer Enkelin.
Abgesehen davon, dass es mir einfach zu voll war, hätte ich mich auch wirklich fehl am Platz gefühlt.
So muss ich halt die drei Stunden Stadtbummel als Sport of the Day verbuchen. War auch anstrengend.

Jog on the beach

Vierundzwanzig Stunden waren um. Also auf zum Lauf. Zunächst jedoch unvorstellbare Qualen als ich mir den engen Sport-BH über den Sonnenbrand zwirbel.
Elf in der Nacht. Auf der Straße steppt der spanische Bär. Die Hitze des Tages lungert noch in den engen Gassen. Der kühlende Wind von der See weht heute andernorts.
Meine Entscheidung, ob Promenade oder Wasserkante ist schnell gefällt, weil die Promenade einfach noch zu voll ist.

Also runter ans Wasser. Dieser Strandabschnitt ist etwa fünfhundert Meter lang, was ich eine ganz gute Länge finde. Ich trabe also hin und her und hin und her. Immer wieder vorbei an der Großfamilie, die immer noch unter ihren Sonnenschirmen sitzt und wohl vergessen hat zu gehen. Und an dem einsamen Herrn,  der ein Herz in den Sand gemalt hat und es jetzt fotografiert. Und an der Gruppe Jugendlicher, die im weichen Sand Fußball spielt. Und an der Frau mit den Schuhen in der Hand, die durchs Wasser planscht. Insgesamt acht mal laufe ich dieses Szenario ab, bis es mir reicht. Vollkommen nass geschwitzt,  aber zufrieden sprinte ich dann noch der Show halber die Rampe zur Promenade hoch und mach mich auf den kurzen Heimweg.
Das war jetzt schon ein ganz anderes Laufgefühl als sonst. Auf dem harten glatten Sand des ablaufenden Wassers läuft es sich wirklich gut. Zwischendurch braucht es mal einen kleinen Sprung über einen kleinen Bach, in dem Nachzüglerwasser dem sich zurück ziehendem Meer hinterherläuft. Die Luft ist bestimmt auch gesund, wenngleich ich das Meer nicht so deutlich schmecke und rieche wie an der Nordsee zum Beispiel.
Das Dauerrauschen der Wellen schluckt alle anderen Geräusche, was mir in diesem Moment auch entgegen kommt, weil ich wieder mit Adele im Ohr unterwegs bin und zwischendurch mal mitsingen muss. Es ist besser, wenn das niemand hört.
Nach den Perseiden habe ich auch noch Ausschau gehalten, aber die hatten gegen die Flutlichtanlage der Uferstraße leider keine Chance.

Salzwasserwellness

Aquajogging, Aquaweitsprung, Aquahochsprung, Aquatauching, Aquagliding. Oder: wir toben  in den Wellen. Stundenlang mit wachsender Begeisterung und nur der Sonnenbrand kann uns stoppen.

Heute abend (daheim würden wir Nacht sagen) dann ein Spaziergang entlang der Strandpromenade. Ganz späte Strandheimkehrer, Flanierer wie wir, und Jogger.
Gute Idee: endlich wieder mal ein Dunkellauf. Ich nehme mir vor, das morgen auch zu machen. Zu entscheiden bleibt: Laufen entweder oben auf der Promenade im Zickzack aber in die Menge geblendet, oder unten am Wasser,  das zur Ebbe eine schöne harte Fläche zurück lässt.
Allerdings dort so richtig auf dem Präsentierteller und von Flutlicht ausgeleuchtet. Ich habe ja noch vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit.
Eine weitere Sportoption ist das stationäre Rennrad mit Auflieger,  das ich hier im Haushalt unserer Haustauschpartner vorgefunden habe. Das werde ich sicher auch einmal in Betrieb nehmen.