Archiv der Kategorie: Laufen

Jog on the beach

Vierundzwanzig Stunden waren um. Also auf zum Lauf. Zunächst jedoch unvorstellbare Qualen als ich mir den engen Sport-BH über den Sonnenbrand zwirbel.
Elf in der Nacht. Auf der Straße steppt der spanische Bär. Die Hitze des Tages lungert noch in den engen Gassen. Der kühlende Wind von der See weht heute andernorts.
Meine Entscheidung, ob Promenade oder Wasserkante ist schnell gefällt, weil die Promenade einfach noch zu voll ist.

Also runter ans Wasser. Dieser Strandabschnitt ist etwa fünfhundert Meter lang, was ich eine ganz gute Länge finde. Ich trabe also hin und her und hin und her. Immer wieder vorbei an der Großfamilie, die immer noch unter ihren Sonnenschirmen sitzt und wohl vergessen hat zu gehen. Und an dem einsamen Herrn,  der ein Herz in den Sand gemalt hat und es jetzt fotografiert. Und an der Gruppe Jugendlicher, die im weichen Sand Fußball spielt. Und an der Frau mit den Schuhen in der Hand, die durchs Wasser planscht. Insgesamt acht mal laufe ich dieses Szenario ab, bis es mir reicht. Vollkommen nass geschwitzt,  aber zufrieden sprinte ich dann noch der Show halber die Rampe zur Promenade hoch und mach mich auf den kurzen Heimweg.
Das war jetzt schon ein ganz anderes Laufgefühl als sonst. Auf dem harten glatten Sand des ablaufenden Wassers läuft es sich wirklich gut. Zwischendurch braucht es mal einen kleinen Sprung über einen kleinen Bach, in dem Nachzüglerwasser dem sich zurück ziehendem Meer hinterherläuft. Die Luft ist bestimmt auch gesund, wenngleich ich das Meer nicht so deutlich schmecke und rieche wie an der Nordsee zum Beispiel.
Das Dauerrauschen der Wellen schluckt alle anderen Geräusche, was mir in diesem Moment auch entgegen kommt, weil ich wieder mit Adele im Ohr unterwegs bin und zwischendurch mal mitsingen muss. Es ist besser, wenn das niemand hört.
Nach den Perseiden habe ich auch noch Ausschau gehalten, aber die hatten gegen die Flutlichtanlage der Uferstraße leider keine Chance.

Happy first anniversary to AndrAktiv

Ein Jahr ist vorbei. Ein Jahr des Sports. Ein Jahr der Bloggerei. Ein Jahr der Veränderungen. Und zur Feier des Tages ist dies der 100. Beitrag in diesem Blog. Extra so getimet.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in diesem Beitrag ein Resümee der philosophischen Art zu ziehen. Mit Einblicken und Tiefgang und so.
Aber das will nicht so recht kommen. Fang ich also mal mit den Fakten an.

Vor einem Jahr begann ich den Laufkurs aus dem Wunsch heraus laufen zu lernen. Weil ich das gerne wollte, weil ich das noch nie konnte, auch nicht früher.
Dieses Ziel ist erreicht: ich bin neulich den 6.4 km Firmenlauf gelaufen. Ich lief auch irgendwann in diesem Jahr schon mal fast neun Kilometer.  Am Anfang tat es weh, viel Muskelkater, die Knie verlangten regelmäßig nach Quarkwickeln. Aber irgendwann ging es dann. Jetzt nutze ich das nächste Jahr, um schneller laufen zu lernen.
Summe: 250 km

Im März bekam ich mein neues Rennradl. Dazu habe ich ja schon viel gebloggt. Viel Spaß, viele Kilometer, und auch mit dem alten Rad verbrachte und verbringe ich viel Zeit. Fahrradfahren macht Spaß, insbesondere wenn der Radius immer größer wird. In den nächsten Wochen möchte ich meine erste Hundert-Kilometer-Tour machen. Im nächsten Jahr sollen auch ein paar Höhenmeter dazu kommen. Vor denen habe ich mich ja bisher immer gedrückt.
Summe: 1543 km (Trecking) + 1167 km (Rennrad)  = 2.710 km

Im Schwimmen kann ich nicht so viele Kilometer vorweisen. Dafür aber die beste Leistungssteigerung. Hier habe ich im Betrachtungszeitraum meine Geschwindigkeit auf 500m fast verdoppelt. Das liegt zum einen an der besseren Kondition, zum anderen aber auch an der Technik. Die beiden Kraulkurse halfen, aber auch der Technik-Tag von Triathlon.de und mein stetes Üben. Im nächsten Jahr möchte ich für die 500m unter die zehn Minuten kommen.

Neben meinen Sportaktivitäten ist auch dieser Blog jetzt ein Jahr alt. Zu Beginn nur für mich, ausschließlich. Erst nach zwei drei Monaten weihte ich mein Umfeld ein und so langsam fand er auch LeserInnen im Internet. Vor ein paar Tagen knackten wir die Marke von 5.000 Hits. Und im Moment boomt es – für meine Verhältnisse.

Herzlichen Dank an die “KollegInnen”, die mich in ihre Blogroll aufgenommen haben. Susan als erstes. Und dann irgendwann Helge und Karina. Letzteres freut mich besonders, zum einen, weil die beiden in einer ganz anderen Liga spielen und sich seit gestern Ironwomen nennen dürfen (Herzlichen Glückwunsch!), zum anderen weil es mir als Ex-Wittlicherin virtuellen Kontakt zur alten Heimat beschert. Was mich auch freut: MeinSportplatz.de hat meinen Blog auch als Linktipp gelistet. Habe ich jemanden vergessen? Bitte melden!
Und natürlich freue ich mich jederzeit über Kommentare! Sie halfen mir in diesem Jahr immer mal wieder über Krisen hinweg. Komisch eigentlich, was ein paar nette Worte von fremden Leuten bewirken können.
So, das war das Jahr. Ich mach dann mal weiter so.

Meine ganz persönliche Massenveranstaltung

Der krönende Abschluss meines ersten Läuferinnenjahres: B2Run gestern im Olympiapark. Fazit gleich zu Anfang: Aufregend zu Beginn, ruhig auf der Strecke und in endlicher Zeit gefinisht. Einlauf im Olympiastadion durch das Marathontor kurz vor zehn Abends. Das war ein schönes Gefühl.
Aber von Anfang an: Meine Kollegen sind alle schnell und wollten in einem der vorderen Starterblocks starten, der da hieß “unter 30 min” für die 6,4 Kilometer. Ehrlich wie ich bin, peile ich also den Ü50-Block an, was auch eine Wartezeit von über einer Stunde zwischen Startschuss und Überqueren der Startlinie bedeutet. Keine Eile also.
Da ich dadurch quasi firmenlos laufe und auch inkognito (mein Firmen-Shirt war durch einen dummen Vorfall abhanden gekommen), schließe ich mich meinem Bruder und seinen Kollegen an, die auch eher von hinten starten wollen. Der Bruder und ich verabreden die Anreise mit dem Rad, was uns am einfachsten schien. U-Bahn macht keinen Spaß, wenn über 30.000 Menschen zu einem Event anreisen, und Auto ist eh keine Option aus dem gleichen Grund. Für mich bedeutet das jedoch erstmal 25 Kilometer Anreise vor dem Lauf. Aber ganz entspannt und mit vielen Ampelpausen. Fand ich jetzt nicht so anstrengend.

Viel anstrengender war in der Tat das Stehen in der Masse, die auf den Start wartet. Da werden einem die Beine schon mal lahm und der Rücken meckert. Die Garmin hat die Zeit genutzt, sorgfältig die besten Satelliten auszusuchen.
Wenigstens gab es was zu lesen auf den T-Shirt-Rücken vor mir. Waren einige ganz lustige Sprüche dabei. Die Läufer von Sympatex haben komische Fotos hinter dem Rücken eines Gore-Läufers gemacht und sich dabei kringelig gelacht. Ein paar Herren von der Versicherungskammer hatten ihre Zeitung dabei. Übereifrige Doktoranden eines MPI glaubten, sich durch Vordrängeln Vorteile zu verschaffen. Die unvermeidliche Helene Fischer sang wieder atemlos. Und über allem hing eine Wolke von zigtausend mehr oder weniger frischen Hightech-Kunststoffshirts.
Fast anderthalb Stunden nach Startschuss ging es dann tatsächlich los. Mein Bruder flitzt los und ist weg, und ich mach mein Ding. Am Anfang zu schnell, so dass ich bald ein paar Verschnaufpausen einlegen muss. Irgendwann komme ich aber in Tritt und trabe so vor mich hin. Adele auf dem Ohr und immer noch interessiert die T-Shirts lesend. Immer mal wieder kommt ein Schneller von MAN, Siemens oder ProSieben (die sind wirklich viele an der Zahl) von hinten vorbeigeflitzt. Das schien Strategie zu sein, denn zu dieser Zeit war die Strecke schon schön leer und es ließ sich frei laufen. Von Herdenauftrieb keine Spur mehr. Allerdings auch nicht mehr viele Ansporner am Rand.
Als uns der Weg nochmal zwischen Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle hindurch führt, schreit mir einer zu: “Da geht noch was.” Stimmt eigentlich, denke ich, und lege einen Zwischenspurt ein, der mir tatsächlich Szenenapplaus einträgt. Ich halte das schnelle Tempo durch, bis ich außer Sichtweite bin und reduziere dann abrupt. Mein Puls ist wieder bei 170 und den muss ich erst wieder runter bringen. Überhaupt finde ich meinen hohen Puls bei solchen Aktivitäten gar nicht gut. Ich geh jetzt doch mal zum Belastungs-EKG, nehme ich mir vor.
Im Stadion angekommen, superfertig aber superstolz, drehe ich eine kleine Runde um zu schauen. Die große Party war schon vorbei. Der Boden mit Bechern und anderem Müll übersät, Bananen waren schon aus, Erdinger Alkoholfrei mag ich nicht, die Kollegen schon weg. Der Bruder und ich sammeln unsere Medaillen ein und schwingen uns dann aufs Rad Richtung Heimat.
Nochmal zehn Kilometer. Dann Essen, Aktivitäten von der Garmin nach Endomondo laden, Duschen, ins Bett. Mehr weiß ich nicht mehr.
Heute Morgen im Büro sind die Resultate endlich online und werden schon eifrig diskutiert. Ich freue mich tierisch über den 8773. Platz. Ungefähr bis heute Mittag. Da fragte einer mal genauer nach und ich komme ins Zweifeln. Der 8773. Platz ist natürlich nur bei den Frauen. Männer mit der gleichen Zeit sind auf Platz 18.300 oder so. Also, um genau zu sein: Bei den Frauen Platz 8.773 von 9.294. Platz 27.120 von 27.980 über alles. Demnach habe ich mein Ziel unter den ersten 24.000 zu sein, nicht erreicht. Dazu wäre eine Zeit von 45 min. notwendig gewesen.

Und: Es ist mir egal! Ich habe es geschafft. Ich bin meine zweitbeste Zeit ever gelaufen und seit langem mal wieder einen Schnitt mit einer 8 vor dem min/km.
Und ich habe gemerkt, dass noch Luft nach oben ist, und dass es wirklich Spaß macht.

Begleitfahrzeug

Freier Abend, der Sohn übernachtet heute woanders. Mein Mann und ich wollen ins Kino, vorher will er aber noch laufen gehen. Als ich vom Sohnwegbringen und Einkaufen komme, ist noch Zeit. Ich mach’s mir also auf dem Sofa gemütlich mit Tee und Cantuccini und will ein bisschen zappen. Da komm ich aber nicht weit, denn auf dem Ersten läuft die Übertragung des WM-Sprints beim Hamburg Triathlon. Schwimmen ist grad um und die Herren sind wohl eben erst auf’s Rad gestiegen. Hammer, denk ich immer wieder. Wie schnell die sind, wie gut die Kurven fahren. Und dann das Laufen. Ist auch schnell um, weil die wirklich noch was in den Beinen haben und daher hüpfen wie die Gazellen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir sowas mal im TV anschaue, aber das war wirklich spannend. Vielleicht schaffe ich es sogar morgen die Mixed-Staffel anzuschauen.
Auf einmal steht mein Mann im Zimmer, unverschwitzt und unzufrieden. Er hat den Hintern noch nicht hochgekriegt und mault jetzt rum.
Ich schimpfe und scheuch ihn in die Klamotten und biete an, ihn auf dem Rad zu begleiten. Wider Erwarten findet er die Idee gut und macht sich auf. Ich trödel noch rum, weil ich bin ja eh schneller. Das rächt sich, denn es dauert an die vier Kilometer, bis ich ihn endlich einhole.
Ich gebe also das Begleitfahrzeug, reiche Wasser, motiviere, lese Mails, und mache Fotos und Videos für die spätere Analyse, hampel auf dem Rad herum. Und ich schau mir an, wo er sich so rumtreibt, wenn er behauptet, er geht laufen. Einen schönen Weg hat er sich zusammengebastelt. Zum allergrößten Teil im Grünen und sogar mit einem Dorf mit Dorfgeruch.
Im Ostpark verlieren wir uns. In diesem manieriert verschnörkelten Wege-Layout bin ich einmal falsch abgebogen und das war’s dann erstmal. Ich habe mich strategisch an einem Parkausgang platziert und tatsächlich, da war er wieder.
Auf den letzten Kilometern geben wir nochmal alles. Ich feuer ihn an, was das Zeug hält. Mit Sprüchen, die ich heute bei der Triathlon-Reportage gehört habe. Er holt dann tatsächlich noch was aus seinen Beinen. Nur das Lachen geht nicht mehr gut. Am Ende stehen 1:48 auf der Uhr. Eine gute Zeit für einen Halbmarathon, wenn man ihn läuft. Für meine Radstatistik hat mir das allerdings keinen Blumenpott eingebracht.
Dafür haben wir zwanzig Euro gespart, Luft und Bewegung gratis abgekriegt. Und der Film läuft ja eh bald im Fernsehen.

 

Aromatischer Abendlauf

To state the obvious: Es ist heiß. Viel zu heiß, um sich zu bewegen. Weil ich aber trotzdem in die Stadt musste, um den Besuch zum Bahnhof zu bringen und paar Sachen für den bevorstehenden Urlaub zu besorgen, war ich am Nachmittag vollkommen platt. Ein “Ich-leg-mich-mal-für-ein-paar-Minuten-hin” wurde eine schöne erholsame Stunde tiefen Schlafes. Schön.

Und auch schön, dass ich dann um zehn immer noch wach bin. Die Temperatur ist erträglicher und es ist draußen dunkel. Deshalb mach ich mich dann wirklich noch mitten in der Nacht zu einem Läufchen auf. Wieder meine Nachtstrecke an den beleuchteten Straßen entlang. Wieder meine 3k-Runde. Wieder unsäglich langsam. Aber: Ohne Schmerzen und Jammern. Fast würde ich sagen, es lief rund. Das war mal wieder ein schönes Gefühl.
So trabte ich also durch die dicke Sommernachtluft, die schwer ist vom Duft üppiger Rosenbüsche und überreifer Mülltonnen. Und auf einmal war ich nahe der 5k-Marke. Huch. Was war da passiert? Einfach so? OK, der Pace ist beinahe zweistellig, aber ich laufe. Gehpausen muss ich nur machen, wenn meine Garmin wieder einen vollendeten Kilometer verpiept und ich erschrecke und denke, das kann doch nicht sein.
So soll es bleiben.
Morgen geht es in den Urlaub nach Kärnten. Dort hat es Berge. Ich werde berichten, wie wir zurechtkommen, die Berge und ich.

Kein Pillepalle

Weil ich doch so super unzufrieden mit meinen Laufkünsten bin, habe ich eine um Hilfe gebeten, die sich auskennt: Vera von Veras Triathlon Blog. Ich lese ihren Blog sehr gerne, er ist informativ und gut geschrieben. Weil Vera quasi um die Ecke wohnt, frag also an und bitte um einen Termin. Es kam auch gleich Antwort und zwar eine ganz ausführliche. Sie hatte in der Nacht noch meinen Blog gelesen, meine Trainings analysiert und mir eine richtig lange Mail mit tausend Fragen und Tipps geschickt. Zwei Tage später haben wir uns im Park getroffen und los ging es mit der Beratung: Körperhaltung, Trainingstipps, Gehen, Laufen, Atmen und und und. Eine ganze Stunde voll mit Infos, und das auf eine sehr unterhaltsame und angenehme Art.

Und dann kam die ganze Session nochmal zusammengefasst in einer Mail, weil sie mir wohl angesehen hat, dass ich mir das alles gar nicht merken konnte. Das war wirklich sehr hilfreich! Danke Vera.
In meinem Kopf klangen immer noch ihre Worte nach: Wenn du eine bestimmte Zeit erreichen willst, musst du gezielt darauf hin trainieren. Kein
Pillepalle-Training.

Nachdem die Stunde im Park körperlich nicht so anstrengend war, bin ich danach gleich nochmal losgelaufen, habe versucht, alles gut zu machen, alles zu beherzigen, was ich mir gemerkt habe. Aber das Ergebnis war traurig. Ich war schlapp und müde und trotz Gehpausen haben mir die Haxen weh getan. Zweieinhalb Kilometer habe ich geschafft. Und dann bin ich ins Wachkoma gefallen. Quasi kein Training in der letzten Woche. Schwimmen war ich schon ewig nicht mehr. Radfahren auch nicht so viel wegen Wetter, und Laufen habe ich ganz unter den Tisch fallen lassen. Nach dem Motto, wenn ich kein Pillepalle machen darf, dann mach ich halt gar nichts.
Meiner Laune hat das natürlich gar nicht gut getan. Ist ja klar. Ich muss jetzt aus diesem Tief wieder raus, mich zusammenreißen und die restlichen Wochen nutzen. Viele sind es eh nicht mehr.

Wie die Kinder

Schnell mal eine Veranstaltung in die Woche eingeschoben. Der Sohn läuft mal eben beim Münchner-Kindl-Lauf mit. Vorgestern kam der Anruf von einem Freund, dann kurz entschlossen angemeldet. Zwischendurch war der Start gefährdet wegen eines übel steifen Halses, aber er hat das durchgezogen. Nicht eben die super Sportskanone, hat er sich reingeworfen in das Abenteuer. Ohne Sorgen, ohne Versagensängste, einfach so.

Das finde ich beneidenswert. Es war auch von Anfang an klar, dass sein Freund weit vor ihm ins Ziel kommen würde. Er kam dann als 80. von 100. ins Ziel. Das gab nur ein Achselzucken. Als ich dann nach genauer Inspektion der Ergebnislisten, mitteilte, dass er von allen Jungs 41. und in seiner Altersklasse sogar 24. geworden ist, hat er sich gefreut wie ein Schneider. “Cool!” Diesen Spaß an der Sache finde ich beneidenswert. Einfach mal losrennen und sich freuen. Nicht denken, was die anderen wohl denken. Auch den letzten Platz in Kauf nehmen, weil man nur selbst weiß, was das trotzdem für ein Erfolg sein kann.

Laufmütze

Manche finden Sie fragwürdig, schütteln aber nur inwendig den Kopf. Andere sind da direkter und finden sie rundweg albern. Ich finde sie lustig: meine neue Laufmütze.
Sie ist nicht aus dem Sportshop und auch nicht von alleswassienichtbrauchen.de, sondern persönlich farbausgesucht und dann maßgeschneidert von Becki-Design. Schön locker und luftig, und sie hat nicht diesen Badekappenschnitt meiner anderen Mütze. Aber das beste: Sie läuft, und zwar gut. Habe heute nach langer Zeit mal wieder einen Rekord gebrochen: meine Strecke auf eine Stunde habe ich um satte vierundvierzig Meter überboten. Na, wenn diese Mütze nicht mit einem extra schnellen Faden genäht ist.

Hinterhergelaufen

Gestern war Lauftreff von der Running Company, bei denen ich auch den initialen Laufkurs gemacht habe. An der Isar bei wunderschönem Wetter, und mit Bammel in den Beinen. Die ersten paar hundert Meter bin ich ganz gut hinterher gekommen, dann wurde der Abstand immer größer und größer. Eine Mitläuferin, die auch im Kurs im Juli dabei war, hat sich mit zurückfallen lassen, bis ich sie dann weggeschickt habe.
Tja, und dann war die Gruppe auf einmal nicht mehr zu sehen. Bin ich wohl irgendwo falsch abgebogen.

Egal, dachte ich mir, trab ich halt alleine weiter. Zwei mal um den Tümpel und Erinnerungen sind wach geworden: Damals als Vierjährige sollte ich einen Skikurs machen. Der war auch plötzlich weg und ich bin zusammen mit meiner Freundin Susi zwischen den Beinen der anderen Skiläufer am Lift herumgerutscht. Wir hatten Spaß und die Aufregung meiner Mutter, als sie uns dann  nach einer oder mehr Stunden gefunden hatte, konnte ich damals so gar nicht verstehen.

So schlimm war es diesmal nicht, es hat sich niemand aufgeregt. Nicht mal ich. Ich trab also so vor mich hin, bin eigentlich ganz zufrieden mit mir, und als mein Oberschenkel hart wird, mache ich mich auf den Weg zurück Richtung Dantestadion und eigentlich zum Auto. Und da ist sie plötzlich wieder, meine Laufgruppe. Machen sich gerade bereit für ein lustiges Laufspiel. Ich denke noch kurz drüber nach, ob ich mitmache, lasse es dann aber. Ich war ja schon gut vierzig Minuten gelaufen und  auch recht fertig. Das hat gepasst.
Jetzt überlege ich, wie es weitergeht. Soll ich nächsten Mittwoch wieder da hin? Wohl wissend, dass ich das Tempo nicht halten kann?
Erschwerend kommt noch eine weitere Entscheidung hinzu, nämlich, ob ich Mitte Juli beim Firmenlauf mitmachen soll. Gestern meinte ein Kollege, die Firma sei recht dünn besetzt und das Team vollkommen frauenlos. Aber das sind sieben Kilometer! Allerdings zusammen mit 30.000 Läufern, da fall ich dann nicht so auf. Ach, lauter Entscheidungen. Und das mir als Fischefrau; wir können uns doch so schlecht entscheiden.

Noch zwölf Wochen

Heute beginnt der ernsthafte Countdown: Noch zwölf Wochen.
Zwölf Wochen sind der Zeitraum, der für eine effektive Vorbereitung benötigt wird, behaupten diverse Quellen. Also beginne ich heute mit meinen zwölf Wochen.
Ich muss den Plan, den mir übrigens Garmin Connect bereitstellt, umbauen, damit er besser in meinen Alltag passt. So werde ich mittwochs zum Lauftraining gehen und donnerstags wieder zum Kraulkurs bei den Wasserfreunden.

Ich werde versuchen, meine Trainings so familien- und sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Heute gehen wir ins Spaßbad, das auch ein 25-Meter-Becken hat, damit ich meine planmäßigen tausend Meter schwimmen kann.
Ansonsten findet ja viel abends statt. Oder mal morgens vor der Arbeit. Ich habe ja den riesen Luxus einer 30-Stunden-Woche. Das lässt mir ja viel Luft für Training.
Nach wie vor am meisten Sorgen macht mir das Laufen. Das geht einfach noch gar nicht, und wenn ich “gar nicht” schreibe, meine ich “gar nicht”. Ich setze da viel Hoffnung auf das Lauftraining der Running Company.