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Pusteblumen

Freiertag.  Wie schön. Das Wetter spielt mit. Eigentlich hatten wir mal vage ausgemacht, dass mein lieber Mann heute mit mir läuft. Wir hatten geplant, dass er in Schleifen um mich herumläuft während ich den geraden Weg wähle, damit er auf seine Kilometer kommt.
Dann hat sich das Wetter aber so gut angesehen, dass ich doch lieber aufs Rad gestiegen bin. Geplant war die 30K-Runde und danach Laufen. Aber weil es so schön war, probierte ich ein paar neue Strecken aus, und am Ende waren es 52K in zwei Stunden und zwei Minuten. Das hat Spaß gemacht. Waren aber auch wenig Berge im Weg. Die paar Erhebungen habe ich aber wieder ganz klar in der Lunge und der Herzfrequenz gespürt. Mir ist einfach die Puste ausgegangen. Kurz danach kam ich an diesem Pusteblumenfeld vorbei und mir kam der Gedanke, dass diese Blümchen vielleicht mit meiner fehlenden Puste helfen könnten. Vielleicht als Sud, Einreibe oder inhalieren?

Daheim angekommen, habe ich mich dann tatsächlich noch mal aufgerafft und die Laufschuhe angezogen. War jetzt nicht so doll, die Lauferei. Aber es ging, und am Ende waren es sogar 2,5 km (nicht lachen!). Und in einer Zeit, die gar nicht mal das langsamste war, was ich je geschafft hatte.IMG_20140501_125857Mein weiterer Weg führte mich wieder über Purfing. Ich wollte mal sehen, wie die Geschichte mit ihrem Maibaum ausgegangen ist. Gut offensichtlich, denn die Dorfbewohner saßen friedlich bei Bier und Leberkäs unter ihrem frischen Maibaum. Die freiwillige Feuerwehr hat die Dorfstraße gesperrt und grad zünftig war’s.

Fazit: Das wird schon was mit dem Triathlon.

Schmetterlinge am Bauch

Trotz eines wirklich unangenehmen Muskelkaters im linken Oberschenkel vom Laufen am Mittwoch habe ich den Heimweg heute um einen Fünf-Kilometer-Schlenker verlängert. Wieder diese langen geraden Strecken, die ich so liebe. Die lassen einem Zeit zum denken. Und wenn es gerade nichts zu denken gibt, kann man auch mal die Trittfrequenz ausrechnen.

Einen Trittfrequenzzähler habe ich ja (noch) nicht, also musste ich selber zählen. Mein Trainingsplan schreibt nämlich immer irgendwelche Umdrehungen vor, und ein bissel will ich mich ja daran halten.
Was 90 Umdrehungen pro Minute sind, habe ich inzwischen ganz gut im Gefühl. Das ist eine Wohlfühlfrequenz.
Auf einer Strecke waren es dann spürbar mehr, ich war richtig schnell und trotzdem locker. Und da fliegt mir auf einmal was in die Weste.
Total erschrocken, Vollbremsung, Weste vom Leib gerissen. Schon eine Wespe oder etwas ähnlich tödliches erwartet.
Es war dann ein kleiner weißer Schmetterling, der nach seiner Befreiung sofort weggetaumelt ist.
Der Adrenalinspiegel in meinem Blut hat mich dann heimfliegen lassen.

Traumabewältigung

Viereinhalb Autostunden Fahrt durch Bayern, unter malerisch weiß-blauem Himmel, vorbei an gelben Feldern und romantischen Dörfern an gleichnamiger Straße, und auf leeren Autobahnen. Traumhaft. Anstrengend war es trotzdem, insbesondere, weil der Musik-Geschmack des Sohnes sich von meinem unterscheidet und es entweder bei ihm oder bei mir zu Ohrenbluten kommt. (Der findet tatsächlich Freddy Mercury’s Love of my life live unerträglich. Was habe ich falsch gemacht?)

Irgendwann waren wir dann doch daheim. Die Sonne schien noch, also ab aufs Rad. Freistrampeln und Dampf ablassen. Meine 30k-Runde mit den bekannten Meilensteinen: Riem (Messe), Feldkirchen (letzte Ampel für eine lange Zeit), Grub (Besamungsstation), Parsdorf (Möbelhaus), Weißenfeld (Entscheidung rechts oder links, kurz oder lang, heute links), Vaterstetten (mit dem neuen Klettergarten im Wald), Landschaftspark. Immer lange Strecken gerade aus, brettleben, kein Berg verstellt den Blick.
Sie sind zu sehen, die Berge, als Deko am Horizont. Da gehören sie hin und da können sie von mir aus auch bleiben. Bis ich fit genug bin und sie platt mache.

Feigheit vor dem Feind …

… oder die Realität siegt.
Heute wollte ich eigentlich noch einmal das Rad bewegt haben. Ich plante mir eine Tour zusammen, die insgesamt nur zwanzig Kilometer hatte, aber in die Rhön hoch führte.
Weil ich eh mit dem Auto unterwegs war, fuhr ich die Strecke mal schnell ab, um zu sehen, was mich so erwarten würde.
Den größten Teil der Strecke kenne ich ja; schon hundert mal mit dem Auto gefahren. Eigentlich ganz nett zu fahren. Aber jetzt mit den Augen der Radlerin taten sich gar schreckliche Steigungen und unnötig lange Abfahrten auf. Mir ist das Herz ins Bodenlose gerutscht. Zwanzig Autokilometer habe ich gehadert, bis ich dann endlich tapfer war und mir eingestand, dass diese Berge noch nichts für mich sind.
Ich übe noch ein wenig auf der Münchner Schotterebene und in der angrenzenden Moränenlandschaft ehe ich hier nochmal her komme. Aber dann, ihr Berge, nehmt euch in acht.

Self-fulfilling prophecy (part II and last)

Es ist schon wieder passiert. An der Ampel umgefallen. Diesmal ist Blut geflossen, getropft, ok, ausgetreten. Trotzdem Mist.

Aber meine Radl-Mentorin hat mir nach dem letzten Vor- bzw. Umfall Trost gespendet: Es passiert JEDEM und JEDER! Also sch… aufs Ego!

Ich werde also künftig nicht jedes dieser Missgeschicke durch einen Post würdigen, sondern nur eine Strichliste führen. Und morgen mache ich mal eine Radpause. Ich bin müde. Und Laufen muss auch mal wieder sein.

Folkloristische Eindrücke

Ganz spontan bin ich heute nicht auf dem direkten Weg zur Arbeit geradelt, sondern habe einen kleinen Umweg eingebaut, der mich über Poing und Neufarn wieder nach Purfing geführt hat. So langsam wächst mir dieser Weiler mit seiner Idylle und seinem Aroma ans Herz. Heute kam mir eine Prozession von Burschen mit einem Maibaum entgegen. Gelebte Folklore in der Morgensonne. Unklar ist und bleibt, ob es sich um einen Maibaumklau in flagranti oder um eine rechtmäßige Bewegung handelte.
Die Kamera meines Minihandys war leider mit den Gegebenheiten überfordert, aber der Eindruck bleibt.

Die Tour heute morgen hat einen mittelmäßigen Geschwindigkeitsdurchschnitt. Das liegt daran, dass ich gestern in meinem neuen Rennradbuch geblättert habe und dort stand, dass ich nicht auf Geschwindigkeit sondern erstmal auf Trittfrequenz trainieren soll. Das habe ich dann brav gemacht. Kette links und treten. Zwischendurch kam ich mir ein bissel affig vor, weil ich so viel getreten habe und nicht vorwärtsgekommen bin, da habe ich dann doch heimlich hochgeschaltet.

Self-fulfilling prophecy (part I)

 Schon nach vierzehn Tagen, aber erst nach 270 Kilometern ist es heute passiert: ich bin umgefallen, weil ich nicht schnell genug aus den Pedalen ausgeklickt bin. Peinlich peinlich!
Zum Glück war es quasi aus dem Stand und es ist nicht viel passiert, außer ein paar Kratzern an Knie und Ellenbogen und einem unangenehmen Erguss in der Fingergelenkkehle.
Und das Ego hat auch gelitten. Denn erst heute morgen habe ich festgestellt, dass ich mit dem Rennradl eigentlich ganz gut zurecht komme in den Kurven und beim Anfahren und so.
Hochmut kommt vor dem Fall.

Purfing, Frotzhofen und Obelfing

Heute habe ich schon um drei Feierabend gemacht mit der Absicht noch eine laaange Runde zu radeln. Ich habe mich richtig drauf gefreut!
Der Rucksack mit meinen Arbeitssachen (und Klamotten) hat ein bissel genervt; wenig genug ums zu ignorieren. Dann bin ich los in die gleißende Nachmittagssonne des Münchner Ostens. Und da waren sie auf einmal, die lustigen Orte: Purfing, Frotzhofen und Obelfing. Nicht mehr als ein paar Häuser und eine agrikulturelle Dunstglocke, dass es eine wahre Freude für die Nase war.
Mich hat es gefreut, einmal Ecken im Umland zu sehen, die ich noch gar nicht kenne. Noch nicht mal von gehört habe. So was von ländlich und doch so nah an der großen Stadt.
Diesmal hat mich das Radeln mehr angestrengt als letzten Samstag. Die Schulter ist mächtig verspannt, die Handgelenke etwas müde, und zwischendurch hat mir der Lendenwirbelbereich ganz schön weh getan.
Am Ende dieser schönen Tour waren 45 Kilometer auf dem Tacho.

Bilanz und Ausblick

Der Slogan meines Blogs stimmt jetzt nicht mehr. Jetzt habe ich nämlich den 47. Geburtstag hinter mich gebracht und es ist Zeit Bilanz zu ziehen.
Im Juli habe ich mit dem Lauftraining angefangen und das soll mein Stichtag sein.
1.808 Kilometer geradelt, 202 Kilometer gelaufen und 20 Kilometer geschwommen. Insgesamt mit allem 165 Stunden Sport in neun Monaten aufgezeichnet, macht im Schnitt 18 Stunden pro Monat, etwas mehr als eine halbe Stunde pro Tag.
So – was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Gute Frage.
Mein Ziel war es ja, vor meinem fünfzigsten Geburtstag an einem Triathlon-Wettbewerb teilzunehmen. Bis dahin ist natürlich noch gut Zeit. Wenn ich es dieses Jahr noch machen will, wird es schon enger. Ganz konkret ist der 30. März der Stichtag. Da öffnet nämlich die Anmeldung für den Karlsfelder Triathlon im Juli. Im Prinzip der einzige in und um München, den ich machen kann. Der Triathlon Ende des Sommers, den ich eigentlich angepeilt hatte geht nicht, weil wir da in Urlaub sind.
Ich habe mir mal die Zeit angeschaut, die in Karlsfeld im letzten Jahr gebracht wurden, und zwar von der letzten Frau, die ins Ziel kam:
Schwimmen (500m): 13 Minuten
Radfahren (26,8 km): 1,26 Stunden
Laufen (5km): 38 Minuten

Nach aktuellem Stand sieht das bei mir so aus:
Schwimmen: 13 Minuten
Radfahren: 1,25 Stunden
Laufen: 48 Minuten
Ich wäre also mit zehn Minuten Abstand die letzte. Und das sind eigentlich auch nur Einzelwerte. Ich bin ja noch nie gelaufen, nachdem ich eine Stunde geradelt bin.
Auf der Website der Karlsfelder gibt es einen Countdown: Ab heute sind es noch 111 Tage bis zum Wettbewerb. Ich bin verzagt. Ich will mich eigentlich nicht öffentlich blamieren. Soll ich noch ein Jahr warten?
Ein anderes nettes Ziel wäre ja auch der Firmenlauf. Das sind sieben Kilometer durch den Olympiapark. Wäre auch eine ganz gute Leistung.
Noch sieben Tage.

50 Kilometer auf einer Pobacke

 Ja, es ist da. Mein neues, erstes und einziges Rennrad. Letzten Samstag bin ich quer durch Deutschland gefahren, um es endlich in Empfang zu nehmen. War das spannend. Das erste Mal drauf setzen. Das erste Mal die Schuhe einklicken. Das erste Mal die Schuhe wieder ausklicken. Ich musste ein bisschen auf der Straße auf- und abfahren und Norbert und Katharina, die Radl-Profis, haben geschaut, ob der Sattel zu hoch oder der Lenker zu niedrig ist. Dann haben sie ein bissel hier und ein bissel dort geschraubt und mir gute Tipps gegeben, was ich alles mit der Kette machen muss und wie ich das gute Stück zu pflegen habe. Eine neue Welt für mich. Bisher hat mein Rad Pflege gekriegt, wenn es sie offensichtlich gebraucht hat, beispielsweise weil der Reifen platt und das Rad somit nicht mehr fahrbar war. Aber so ein Rennflitzer braucht extra Wartung. Ein Tropfen Öl in jedes Kettenglied. Sprühwachs auf den Rahmen. Alle paar Tausend Kilometer eine neue Kette. Ist ja anstrengender als ein Haustier. Aber wer sein Radl lieb hat …

camera_20140323175635384Und ich habe es lieb. In dieser ersten Woche sind wir schon 156 Kilometer zusammen gefahren. Die ersten dreißig oder so waren ein bissel schmerzhaft. Andere Knochen und Muskeln kamen zum Einsatz, und die mussten erstmal eingewöhnt werden. Auch der Rücken, die Arme und die Handgelenke haben plötzlich was zu tun. Da fiel mir der gute Rat von einem Triathleten neulich ein: Stabi-Training hilft auch beim Radln. Ich beginne zu verstehen.

Nachdem wir (das Rad und ich) also vier mal zur Arbeit und zurück gefahren sind (100 Kilometer,) und ich mich einigermaßen sicher damit fühle, haben wir heute eine längere Ausfahrt gemacht. Getrieben von der Wettervorhersage, bin ich schon vor zehn Uhr los. Gen Osten durch das platte Land. Am Ende der zwei Stunden waren es knapp über 50 Kilometer. Wow. Ich bin beeindruckt – von mir und von dem Unterschied zwischen dem alten Rad (16 kg) und dem neuen (9 kg). Unterwegs hatte ich streckenweise und ohne bergab ein Tempo von 30 km/h und mehr auf dem Tacho. Unglaublich.

Und was noch unglaublicher ist: Kein Muskelkater, noch nicht mal erschöpft. Klar, bin ich zuhause ein bissel rumgeeiert und die Knie haben geschmerzt, aber das hat sich auch wieder gegeben. Die einzige Blessur, die ich davon getragen habe, ist ein leichter Sonnenbrand auf den Schienbeinen. Das lässt sich ertragen 🙂