Donauradweg I: Passau – Linz

Ich lasse den Bericht unserer Donauradwegstour in Passau beginnen, weil ich die Anreise im völlig überfüllten Zug mit drei bis vier Schulklassen noch nicht zu diesem Urlaub zählen mag. Am Bahnhof in Passau verabschieden wir uns vom Sohn, der weiter ins Schullandheim in den Bayerischen Wald reist, biegen einmal ab und sind schon auf dem berühmten Donauradweg. Das war leicht. Wir haben uns entschlossen, den Schildern zu folgen und keine Experimente zu machen. Der Reiseführer, der sich doch irgendwie in unser Gepäck geschmuggelt hat, zeigt zwar immer Wege für beide Seiten der Donau an. Für uns ist das jedoch zuviel Entscheidungsfreiheit. Angesichts der kurzen Zeit, haben wir sowieso keine Zeit für Abstecher, Besichtigungen und ähnliche Spirenzchen. Freitag, vierzehn Uhr müssen wir wieder daheim sein.
R1, das ist das Zeichen dem wir folgen. R1, Linz 91 km.

Passau – Linz

Ruhige Wege durch lichte Auenwälder, ab und an durch Gehöfte oder kleine Dörfer. Immer einwandfreier Bodenbelag und die Beschilderung tadellos. Verfahren ist da ausgeschlossen. Die Sonne knallt.
Wie immer komme ich nur langsam in Schwung. Ich brauche immer die ersten Bewegungskilometer bzw. die erste Stunde um auf Betriebstemperatur zu kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass mir die Füße in den neuen Schuhen anfangen weh zu tun. Ich habe mich absichtlich gegen Klickpedale an dem neuen Rad entschieden, um mit der Bewegungsfreiheit diesen Schmerzen entgegenzuwirken. Jetzt muss ich halt immer mal wieder absteigen und mit den Zehen wackeln. So ein Päuschen ist ja auch mal ganz nett, fürs Fotografieren und Eindrücke sammeln und soo eilig haben wir es ja nun auch wieder nicht.

Schlögener Schlinge
Schlögener Schlinge

In der Schlögener Schlinge setzen wir das erste mal mit einer Radfähre über. Die Fähre des Hotels Donauschlinge kostet zwei Euro, von denen einer im Hotel auf einen Kaffee angerechnet werden würde, so es uns denn zusagte, dort zu verzehren. Tut es aber nicht, wir hätten gerne was intimeres. Also steigen wir wieder auf und beginnen uns mit dem Fluss durch die Schlinge zu schlängeln. Ich persönlich habe es ja nicht so mit den engen Tälern, wo man, kaum um die eine Ecke, schon wieder auf die nächste Felswand glotzt. Ich bin mehr für den Weitblick, kann aber verstehen, wenn die OberösterreicherInnen stolz darauf sind und die Schlinge zu einem Naturwunder Oberösterreichs erklärt haben. Im Gasthof zum Heiligen Nikolaus werden wir fündig und freuen uns über Kaffee, Bier, Apfelschorle in der Sonne und starren auf die Steilwand gegenüber.

Bevor ich vor lauter Idylle durchdrehe, sind wir dann da auch durch und das Tal wird wieder breiter, Blick und Horizont weiten sich, und mit ihnen auch der Radweg, was eine gute Sache ist. Dieser Weg auf dem Damm scheint nämlich die Trainingsstrecke sämtlicher Rennradfahrer (und dreier Fahrerinnen) der Gegend zu sein. Mit einem Affentempo kommen sie uns entgegen, zum Teil mit Auflieger und immer mit Rückenwind. So schnell, dass es surrt. Die Linzer Radsportvereine haben gute Trainingsbedingungen.

À propos Tempo: Wir haben auf den gut neunzig Kilometern nach Linz nur einen Schnitt von gaanz knapp zwanzig km/h zusammen gebracht (netto). Das merkliche Gefälle hat den Gegenwind zwar ausgeglichen, aber mit dem Gepäck ist es schon was anderes.

Wir hatten uns ja offen gelassen, wann wir wo übernachten. Heimliches Ziel war natürlich Linz, aber verschreien wollten wir nix. Aber jetzt so kurz vor dem Ziel, obwohl der Po schmerzt und sich alles wund anfühlt “untenrum”: Klar, machen wir Linz. Vor Linz in Ottensheim führt uns der Weg wieder per Fähre auf die Nordseite. Die Fähre nennt sich hier übrigens Drahtseilbrücke, weil sie sich an einem Seil über den Fluss zieht.

Ottensheimer Drahtseilbrücke
Ottensheimer Drahtseilbrücke

Die Einfahrt nach Linz ist übrigens sehr gut geeignet, einen die Idylle eines ganzen Tages vergessen zu lassen. Entlang einer vierspurigen Schnellstraße mit lautestem österreichischen Brüllasphalt. Der Gegenwind der vorbeibrausenden Laster haut einen fast aus dem Sattel und es stinkt. Der Kuckuck, der uns den ganzen Weg laut und deutlich begleitet hat, muss sich schon sehr gegen diesen Lärm anschreien, um noch gehört zu werden. Knapp zehn Kilometer ging das so bis wir endlich wieder in eine ruhige Seitenstraße abbiegen durften. Puh.

Hotel suchen, duschen, Riesenpizza. Alle – aus – Ende. In einer durch die Erschöpfung hervorgerufenen Umnachtung erwäge ich, morgen sofort in den Zug gen Heimat zu steigen. Der Mann meint nur: Und wie willst du das in deinen Blog darstellen? Also doch weiter. Wien wartet auf mich.

5 Gedanken zu „Donauradweg I: Passau – Linz“

  1. :-))))
    Da hat der Mann recht :-))) Wie würdest du das dann bloß darstellen 🙂
    Schöne Reise. Und 90 Km ist auch ganz schön weit. Das Tempo ist nebensächlich. Ihr seid ja dort, um auch was zu sehen und nicht um in einem Affenzahn an allem vorbei zu rauschen
    Freue mich auf die Weiterführung …
    Liebe Grüße
    Helge

  2. Liebe Andra,
    Sonne knallt – das muss der Montag gewesen sein!
    Ich hoffe, ihr hattet weiter östlich von hier noch länger halbwegs gute Radfahrbedingungen! Hut ab, dass ihr euch nach der idyllischen Strecke nach Linz rein getraut habt! 🙂 Ich hoffe, die Pizza war's wert.
    Ich freu mich schon zu lesen, wie es weitergeht!

    1. Es war Montag und die Sonne hat uns auch eine Sonnenbrand-Trophäe an den Wadeln beschieden. Die Pizza war riesengroß und hing über den Teller hinunter. Mein Spargelrisotto war auch sensationell 🙂

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