Donauradweg II: Linz – Melk

Am Morgen in Linz klingelt der Wecker ganz schön früh. Unsere Wetter-Apps kündigen den ersten Regen schon für den frühen Nachmittag an, und so sitzen wir schon um neun auf den Rädern. Und zwar unter Schmerzen. Ich habe mir am Vortag ganz schön was aufgescheuert. Weil ich auch nicht auf die Expertinnen höre, die da sagen, Radlhose reicht und zwar ausschließlich. Ich probier das heute, wo es schon zu spät ist. Es wird sich als Segen erweisen, das spüre ich schon auf den ersten Metern. Außerdem lasse ich mir den Nacken mit Chili-Salbe einschmieren. Die brennt so heiß, dass ich den ganzen Tag über nicht weiß, ob der Nacken wegen Verspannung oder wegen der Salbe brennt.

Bei Grein
Bei Grein

Wir gondeln also aus Linz raus (deutlich schöner als der Hineinweg). Der Himmel ist verhangen und ein scharfer Westwind bläst. Wir rasen dahin, nichts kann uns bremsen. Naja, außer vielleicht den Millionen Schnecken, die sich uns todesverachtend in den Weg legen. Aber Sorry ey, da kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.
Vor Mauthausen Exemplare für meine Sammlung lustiger Ortsnamen: Abwinden, Stadt Luftenberg. Nach Mauthausen ein Weiler namens Albern. Leider konnte ich das Ortsschild nicht fotografieren, weil es gerade bergab ging mit Rückenwind. Das muss man verstehen.
In Mauthausen erfasst uns dann leider der erste Schauer. Reflexartig fliehen wir unter einen Unterstand, ironischerweise am Freibad des Ortes. So können wir den Tropfenbildern auf der Wasseroberfläche zusehen.
Weil wir ja nicht ewig in Mauthausen vor dem Freibad stehen bleiben können, und der Regen nicht weniger wird, fahren wir halt weiter. Wir hatten jetzt viele Tage um uns mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass wir nass werden, also stürzen wir uns rein. Zum Glück ist es noch einigermaßen warm, so fahre ich mit kurzen Armen, halblanger Hose und wasserdichter Weste. Der Rest wird nass. Mir tropft es vom Helm, von der Brille, von und aus der Nase, aber ist ja egal. Alles nur Wasser und zum Glück immer noch Rückenwind.
Nach einer guten Stunde hört der Regen auf und noch eine halbe Stunde später, sind die Hosen auch wieder so ziemlich trocken. Mein Dank geht hier an die internationale Textil- und Chemieindustrie.

Linz - Melk
Linz – Melk

Bei Kilometer achtzig erreichen wir Ybbs. Schon oft bei Scrabble verwendet und jetzt endlich mal gesehen, live und in Farbe. Wie alle diese Donaustädtchen putzig und sehenswert.
Der Aufbruch nach einem leiwanden Backhendlsalat fällt einigermaßen schwer. Aber unser Etappenziel Melk ist nicht mehr weit entfernt. Also, Zähne und Po zusammenkneifen und weiter.
Der Weg führt jetzt nicht mehr nur durch die unberührte Natur, sondern auch durch Orte. Es gibt also mehr zu sehen, als nur Bäume und Schnecken und Wasser. In Krummnußbaum habe ich geschaut, aber keinen gesehen.
Wir fahren jetzt durch den Nibelungengau. Abgesehen davon, dass ich die Nibelungengeschichte mag, finde ich es lustig. Denn erst vor zwei Wochen wanderte ich auf dem Nibelungenweg durch den Odenwald. Ich schätze aber, dass dieser Weg zum ersten Teil des Nibelungenliedes zählt, während der Gau und die Orte darin eindeutig zum zweiten Teil gehören.
Dann endlich in Melk. Die Stadteinfahrt führt vorbei an den Schiffsanlegestellen. Hier saugen die Kreuzfahrtschiffe gerade ihre Passagiere wieder an, die Ausgang hatten, um sich Melk und sein Kloster anzusehen.

Melkkultur
Melkkultur

Hotel zu finden ist nicht schwer, es gibt genügend. Nur leider kann ich das Weiße Lamm erst wieder empfehlen, wenn die mir Belege über den Kauf neuer Matratzen vorlegen.
Trotzdem lege ich mich früh hin und bleibe liegen bis zum Morgen. Zwischendurch wache ich mal ein bisschen auf, weil mir entweder schüttelfrostkalt oder -heiß ist, oder weil der Mann sich das erste Halbfinale des ESC gibt. Habe ich schon erwähnt, dass er manchmal sehr hart im Nehmen ist?
Aber vielleicht musste es auch sein, denn Österreich und ESC scheint eins zu sein in diesen Tagen. Überall grinst Frau Wurst von Plakaten, und im Fernseher gibt einem der ORF fünf Gründe, den ESC anzuschauen, die allesamt überzeugend und vor allem lustig sind.

Dieses war der zweite Streich …

2 Gedanken zu „Donauradweg II: Linz – Melk“

  1. Liebe Andra,
    ich bin begeistert! Was ich bei dir noch alles lernen kann!!! 😀
    Die 5 Gründe… kannte ich nämlich noch gar nicht! (Kann allerdings auch keinen ORF empfangen, weil für den müsste ich extra zahlen und das geht gar nicht!)
    Schön, dass ihr euch vom Westwind vorantreiben lassen konntet und der Regen wirklich bis zum Nachmittag gewartet hat. (Hier seit Dienstag Morgen Dauerregen…). Aber wie wird es weitergehen? Ich bin gespannt! 🙂

    1. Liebe Regenfrau, ganz ohne ORF? Dann hast du ja gestern gar nicht das ESC-Finale ansehen können. Sowas. Und das bei dem tollen Ergebnis, das unsere Länder erreicht haben 🙂

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