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Dahme, Gurken und Bergbau

Ostern = Feiertage = freie Tage = Kurzurlaub. Mich hat die Radreiselust schon lange im Griff, insbesondere seit ich auf Instagram den Fernreisenden folge,  und der Mann hat auch mal wieder Lust auf ein Türchen/Tourchen. Weil wir am Karfreitag Termine in Berlin haben, beginnen wir unsere Tour halt dort. Angedacht ist Dresden als Ziel, weil wir von da einigermaßen zuverlässig wieder mit dem Zug heim kommen. Der ADFC empfiehlt für Berlin-Dresden eine gut ausgeschilderte Tour, der wir folgen wollen.

Tag 1: Köpenick bis Lübbenau

In Köpenick beginnt unsere Reise mit dem Dahmeradweg, der dort endet. Er führt uns durch so noblige Gegenden wie Grünau oder Schmöckwitz. Immer wassernah und rudersportgeprägt. Dann durch Königs Wusterhausen und bis Märkisch Buchholz. Meist geradeaus, gut ausgeschildert und ohne großen Kopfeinsatz zu fahren. In größeren Orten leitet uns der Radweg ab und zu weg von der Hauptstraße, was unweigerlich zu Kopfsteinpflasterreiten führt. Ich stelle mir Paris-Roubaix vor und alles ist nicht mehr so schlimm. 

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Geschafft!

Von Oldenburg nach Bremerhaven

Es ist vollbracht: Bodensee – Nordsee.  Ich habe es geschafft.  Es ist schier unglaublich.  Vor genau vierzehn Tagen fuhr ich in der Schweiz los.  Unter widrigsten Umständen.  Und dann fuhr ich einfach weiter.  Ein bisschen wie Forrest Gump,  der einfach weiterläuft.  Und wie er mache ich es auch.  Ich komme zur Küste und drehe um.  Nur gut, dass unsere Küsten nicht so weit voneinander entfernt sind.

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Luxustag

Von Boppard nach Remagen

Der Tag begann ganz normal.  Nach dem Frühstück erstmal in den nächsten Drogeriemarkt und Flickzeug kaufen.  Es gibt Reparaturen, da hilft kein Kabelbinder,  da muss stärkeres her: Sekundenkleber. Die Naht an meiner Radhose löste sich schön langsam auf.  Dem habe ich nun Einhalt geboten mit einer ordentlichen Portion Sekundenkleber.  Und vorsorglich gleich auch noch potentielle andere Gefahrenstellen verklebt.
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Beunruhigende Geräusche

Vor ein paar Tagen waren sie schon einmal da, diese beunruhigenden Klockgeräusche am Fahrrad unten rum. Und dann wieder weg und wieder da. Und heute sind sie nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren unter der Fußsohle. Klock klock klock. Ich teste ein paar Sachen durch, um das Problem einzugrenzen: Unterschiedliche Gänge = egal, mit Kraft oder ohne = egal. Wenn das Klock mal weg ist, dann ist das nicht nachzuvollziehen.

Ich fürchte schlimme Sachen, wie immer, wenn ich mir etwas nicht erklären und den potentiellen Schaden nicht einschätzen kann, und bin komplett verzagt.

Ganz vorsichtig klockere ich also nach Hause, um nichts noch schlimmer zu machen. Mann und Sohn sind nicht daheim, sie reparieren gerade am Auto eines Freundes herum. Gut, wenn jemand helfen kann, dann Freund Ch., der kann alles reparieren. Beunruhigende Geräusche weiterlesen

Kein Kindergeburtstag

Nach der kleinen Rundfahrt mit dem Rennrad gestern, halte ich es heute für eine gute Idee, wieder das Giant auszufahren. Weil ich die neue Packtasche ausprobieren möchte und weil ich meinen Po etc. bestmöglich an das Rad gewöhnen möchte.

Soweit so vernünftig. Allerdings weiß ich nicht, was mich geritten hat, als ich beschloss mal die Isar hochwärts, also südlich Richtung Berge zu fahren. Isarradweg abhaken? Gefälle am Ende als Belohnung für Schinderei am Anfang? Ein bissel offroad als Test, was auf meiner Tour noch geht und was nicht mehr? Oder einfach nur zuviel Morgensonne aufs Hirn?  Kein Kindergeburtstag weiterlesen

Packesel-Präparation

Jetzt ist mein Rad fertig für die Reise. Als letztes hat es seit gestern eine Packtasche am Lenker. Es war ganz schön schwierig, aber jetzt ist sie dran.

Der Lenker des Giant Anyroad 2 ist ja bekanntlich ganz schön voll, weil es auf jeder Seite zwei Bremshebel hat. Und einen sehr breiten Rahmen. Und diese beiden Umstände machen es unmöglich ein Standardmodell mit Halterung einfach so hinzumontieren. Also mach ich mich auf den Weg, um professionelle Hilfe zu suchen.

Zunächst in einem großen Radsupermarkt. Dort verspreche ich mir die gewünschte Tasche zu sehen und mal an das Rad halten zu können.  Das ist mir gelungen, aber außer der Erkenntnis, dass es eng wird, bekam ich keine Erleuchtung. Und von professioneller Hilfe weit und breit keine Spur. Um mich herum viele Großeltern mit ihren Enkelkinder auf der Suche nach einem Rad und Beratung. Auch vergeblich. Ich troll mich also wieder und nehme mir vor, einen kleineren Laden aufzusuchen. 
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Donauradweg IV: Tulln – Wien (und wieder ganz heim)

Donnerstag morgen, Tulln, Regen, dem Haar ist es egal. Aber mir nicht. Auch ist mir nicht egal, dass meine Radelhose nach der gestrigen Handwäsche noch nicht ganz trocken ist. Toller Anfang: Oben nass, unten nass und kalt überall. Ich ziehe erstmal alles an, was ich dabei habe, zum warm werden.

Zunächst müssen wir zum Bahnhof die Rückfahrkarte kaufen. Die ÖBB-Angestellte am Schalter ist entweder selten doof oder selten schlau. Auf jeden Fall verkauft sie uns Karten und Platzreservierungen für einen Zug, der gar nicht fährt. Auf unserem persönlichen Fahrplan-Ausdruck sehen wir, leider erst  am nächsten Tag, den Hinweis, dass genau dieser Zug, der uns von Salzburg nach München bringen soll, wegen des Bahnstreiks nicht fährt. Grmpf.
Aber weil wir das erst am nächsten Tag bemerken, habe ich jetzt auf der letzten Etappe keine Ablenkung: Der Weg geht schnurgerade. Alles ist grau. Ich habe keinen Bock und muss alle fünfzehn Kilometer eine Pause machen. Macht nix. Wir haben es ja nicht eilig. Bis Wien sind es nur vierzig Kilometer und weil wir nicht genau wissen, ab wann wir ins Hotel dürfen, trödeln wir halt auf dem Weg herum.

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Donauradweg III: Melk – Tulln

Der dritte Tag führt uns durch die Wachau. Ich war gespannt. Hab ja schon viel gehört, von der Wachau bzw. über sie. Aber so konkrete Vorstellungen hatte ich nicht, nur halt, dass es schön sein soll. Also los. Der Weg führt uns durch Dörfer, Weinberge und Marillenbaumgärten (gibt es das Wort?).

Dunst in der Wachau
Dunst in der Wachau

Ein Fleckchen malerischer als das andere. Weinorte, die nur aus Heurigen und Hotels bestehen lassen einen ahnen, wie es hier zugeht, wenn die Sonne scheint. Tut sie aber nicht, und deshalb ist es recht beschaulich. Wir reisen zusammen mit zwei drei anderen Paaren und der gelegentlichen Rentnertruppe auf ihren E-Bikes mit breiten Fellsatteln. “Zusammen reisen” heißt in diesem Fall. Wir überholen die, werden überholt, wenn wir mal Pinkelpause machen, überholen dann die wieder und so weiter. Ein erweiterter belgischer Kreisel, ohne Windschattennutzen allerdings, aber den braucht es heute wieder nicht. Der Westwind treibt uns voran. Nur in manchen komischen geo-meteorologischen Konstellationen bläst uns eine Böe ins Gesicht.

Klein aber oho
Klein aber oho

Weiter durch die Museumslandschaft. In Willendorf muss ich kurz der Venus huldigen. Dann Dürnstein auf der Anhöhe mit dem Richard-Löwenherz-Hotel. Später lerne ich, dass Richard Löwenherz tatsächlich hier genächtigt hat seinerzeit. Allerdings nicht in einem Hotel sondern im Kerker. Er war nämlich als Gefangener im Ort. Könnte ein Fall von Geschichtsverklärung sein. Dem Richard ist’s vermutlich egal. In Krems dann die erste Pause mit Kaffee und einer sensationellen gebackenen Rhabarbertorte. Wieder einmal bin ich verzückt von Österreichs Mehlspeisen. Das können sie wirklich gut.

Inzwischen ist es so richtig kalt geworden. Beim Fahren geht es, aber draußen zu sitzen ist unangenehm. Ich wickel mich in die Decken, die freundlicherweise bereit liegen. Wir hätten auch hinein gehen können.

Melk - Tulln
Melk – Tulln

Die Wachau liegt jetzt hinter uns und wir begeben uns ins Tullnerfeld. Am nächsten Tag höre ich, dass Wiener und solche, die südlich von Wien leben, das Tullnerfeld gerne als Steppe abtun. Ich finde das ein bisschen gemein, denn ich mag flache Landschaften sehr. Hatte ich schon mal erwähnt, oder? Gemein ist auch, dass immer die vermeintlich unattraktiven Gegenden Kernkraftwerke verpasst bekommen. Dabei hat in Tulln der König Etzel seine Krimhild begrüßt. Das ist mal ordentliche Geschichte.

Kurz hinterm Kraftwerk fängt es wieder zu regnen an. Erst wenig, dann normal und dann ordentlich. Vollkommen nass fahren wir nach Tulln ein und finden auch gleich am Hauptplatz ein Restaurant, was uns Wärme und Leberknödelsuppen gewährt. Das hilft über die erste Verzweiflung hinweg. Bis Wien sind es noch vierzig Kilometer. Der Mann jammert, dass er nicht mehr sitzen kann. Ich will weiterfahren. Hauptsächlich, weil ich nicht einen Tag in Tulln vertrödeln und die Zeit lieber in Wien verbringen würde. Außerdem: Was sind schon vierzig Kilometer? Und übrigens, wir sind schon im S-Bahn-Bereich. Nur mal so erwähnt.
Ich rufe in Wien in unserem Hotel an und frage, ob wir schon einen Tag früher kommen dürfen. Dürfen wir nicht, sie sind voll. Oh. Unerwartet.
Wir erörtern unsere Prioritäten:

  1. Mit dem Rad in Wien einfahren? Sehr wichtig.
  2. Auch heute noch am Abend und bei Regen? Nicht sehr wichtig.
  3. Lieber dafür morgen in Ruhe und dafür weniger von Wien sehen? Ja. So machen wir es.

Auf der anderen Seite des Hauptplatzes finden wir die Pension am Springbrunnen, in der wir eine riesige Maisonette-Ferienwohnung für recht wenig Geld anmieten. Mit Mikrowelle, heißer Dusche und Couchgarnitur vor dem Fernseher. Tulln hat auch seine schönen Seiten.

Dann morgen also Wien.

Donauradweg II: Linz – Melk

Am Morgen in Linz klingelt der Wecker ganz schön früh. Unsere Wetter-Apps kündigen den ersten Regen schon für den frühen Nachmittag an, und so sitzen wir schon um neun auf den Rädern. Und zwar unter Schmerzen. Ich habe mir am Vortag ganz schön was aufgescheuert. Weil ich auch nicht auf die Expertinnen höre, die da sagen, Radlhose reicht und zwar ausschließlich. Ich probier das heute, wo es schon zu spät ist. Es wird sich als Segen erweisen, das spüre ich schon auf den ersten Metern. Außerdem lasse ich mir den Nacken mit Chili-Salbe einschmieren. Die brennt so heiß, dass ich den ganzen Tag über nicht weiß, ob der Nacken wegen Verspannung oder wegen der Salbe brennt.

Bei Grein
Bei Grein

Wir gondeln also aus Linz raus (deutlich schöner als der Hineinweg). Der Himmel ist verhangen und ein scharfer Westwind bläst. Wir rasen dahin, nichts kann uns bremsen. Naja, außer vielleicht den Millionen Schnecken, die sich uns todesverachtend in den Weg legen. Aber Sorry ey, da kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.
Vor Mauthausen Exemplare für meine Sammlung lustiger Ortsnamen: Abwinden, Stadt Luftenberg. Nach Mauthausen ein Weiler namens Albern. Leider konnte ich das Ortsschild nicht fotografieren, weil es gerade bergab ging mit Rückenwind. Das muss man verstehen.
In Mauthausen erfasst uns dann leider der erste Schauer. Reflexartig fliehen wir unter einen Unterstand, ironischerweise am Freibad des Ortes. So können wir den Tropfenbildern auf der Wasseroberfläche zusehen.
Weil wir ja nicht ewig in Mauthausen vor dem Freibad stehen bleiben können, und der Regen nicht weniger wird, fahren wir halt weiter. Wir hatten jetzt viele Tage um uns mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass wir nass werden, also stürzen wir uns rein. Zum Glück ist es noch einigermaßen warm, so fahre ich mit kurzen Armen, halblanger Hose und wasserdichter Weste. Der Rest wird nass. Mir tropft es vom Helm, von der Brille, von und aus der Nase, aber ist ja egal. Alles nur Wasser und zum Glück immer noch Rückenwind.
Nach einer guten Stunde hört der Regen auf und noch eine halbe Stunde später, sind die Hosen auch wieder so ziemlich trocken. Mein Dank geht hier an die internationale Textil- und Chemieindustrie.

Linz - Melk
Linz – Melk

Bei Kilometer achtzig erreichen wir Ybbs. Schon oft bei Scrabble verwendet und jetzt endlich mal gesehen, live und in Farbe. Wie alle diese Donaustädtchen putzig und sehenswert.
Der Aufbruch nach einem leiwanden Backhendlsalat fällt einigermaßen schwer. Aber unser Etappenziel Melk ist nicht mehr weit entfernt. Also, Zähne und Po zusammenkneifen und weiter.
Der Weg führt jetzt nicht mehr nur durch die unberührte Natur, sondern auch durch Orte. Es gibt also mehr zu sehen, als nur Bäume und Schnecken und Wasser. In Krummnußbaum habe ich geschaut, aber keinen gesehen.
Wir fahren jetzt durch den Nibelungengau. Abgesehen davon, dass ich die Nibelungengeschichte mag, finde ich es lustig. Denn erst vor zwei Wochen wanderte ich auf dem Nibelungenweg durch den Odenwald. Ich schätze aber, dass dieser Weg zum ersten Teil des Nibelungenliedes zählt, während der Gau und die Orte darin eindeutig zum zweiten Teil gehören.
Dann endlich in Melk. Die Stadteinfahrt führt vorbei an den Schiffsanlegestellen. Hier saugen die Kreuzfahrtschiffe gerade ihre Passagiere wieder an, die Ausgang hatten, um sich Melk und sein Kloster anzusehen.

Melkkultur
Melkkultur

Hotel zu finden ist nicht schwer, es gibt genügend. Nur leider kann ich das Weiße Lamm erst wieder empfehlen, wenn die mir Belege über den Kauf neuer Matratzen vorlegen.
Trotzdem lege ich mich früh hin und bleibe liegen bis zum Morgen. Zwischendurch wache ich mal ein bisschen auf, weil mir entweder schüttelfrostkalt oder -heiß ist, oder weil der Mann sich das erste Halbfinale des ESC gibt. Habe ich schon erwähnt, dass er manchmal sehr hart im Nehmen ist?
Aber vielleicht musste es auch sein, denn Österreich und ESC scheint eins zu sein in diesen Tagen. Überall grinst Frau Wurst von Plakaten, und im Fernseher gibt einem der ORF fünf Gründe, den ESC anzuschauen, die allesamt überzeugend und vor allem lustig sind.

Dieses war der zweite Streich …

Donauradweg I: Passau – Linz

Ich lasse den Bericht unserer Donauradwegstour in Passau beginnen, weil ich die Anreise im völlig überfüllten Zug mit drei bis vier Schulklassen noch nicht zu diesem Urlaub zählen mag. Am Bahnhof in Passau verabschieden wir uns vom Sohn, der weiter ins Schullandheim in den Bayerischen Wald reist, biegen einmal ab und sind schon auf dem berühmten Donauradweg. Das war leicht. Wir haben uns entschlossen, den Schildern zu folgen und keine Experimente zu machen. Der Reiseführer, der sich doch irgendwie in unser Gepäck geschmuggelt hat, zeigt zwar immer Wege für beide Seiten der Donau an. Für uns ist das jedoch zuviel Entscheidungsfreiheit. Angesichts der kurzen Zeit, haben wir sowieso keine Zeit für Abstecher, Besichtigungen und ähnliche Spirenzchen. Freitag, vierzehn Uhr müssen wir wieder daheim sein.
R1, das ist das Zeichen dem wir folgen. R1, Linz 91 km. Donauradweg I: Passau – Linz weiterlesen