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(Warum) läufst du?

Wie schon mehrfach erwähnt, ist mein sportliches Ziel für 2017 ein fahrradbezogenes. Da bin ich auch echt froh, und zwar aus mehreren Gründen. Bevor mich dieses Ziel ansprang hatte ich mir natürlich Gedanken gemacht, um was es im nächsten Jahr gehen könnte. Und weil ich immer noch ein Triathlon-Fan bin, dachte ich mal in diese Richtung, einen Sprint-Triathlon vielleicht. Und weil ich aber immer noch nicht laufen kann, waren das keine schönen Gedanken. Recht verzagt und wenig erfreut. Schwimmen und Radfahren, kein Problem, nur diese dämliche Laufen. Aber es lässt mich nicht los, ich denke oft daran, habe sogar mal wieder neue Laufschuhe und versuche es immer mal wieder. Und ich treibe es sogar so weit, dass ich hiermit bei Eddys Blogparade zum Thema “Warum läufst du?” mitmache:

Warum läufst Du?

Weil ich denke, dass es doch eigentlich gar nicht so schwer sein kann. Weil ich doch noch irgendwann einen Triathlon machen will. Weil ich Läufen können will. Und überhaupt. (Warum) läufst du? weiterlesen

Lauf für ihr Leben

Alle Jahre wieder zum Ende des Sommers versammeln sich über Tausend Menschen im Englischen Garten, um im Kreis zu Laufen, fünf oder zehn Kilometer. Die Münchner Aidshilfe ruft zum Run for Live. Letztes Jahr lief der Mann. Und der Sohn und ich standen am Wegesrand und feuerten an. Das heißt, ich stand am Wegesrand mit meiner kleinen Trommel und feuerte an. Der Sohn stand zehn Meter entfernt und hoffte, dass ihn niemand mit mir in Verbindung bringt. Zu peinlich, diese Mutter. Trotzdem schien ihm der Event Spaß gemacht zu haben, denn er versprach damals, dass er 2016 auch läuft. Jaja, dachten wir und vergaßen die Angelegenheit. Der Sohn leidet nämlich nicht an übermäßigem Bewegungsdrang und die Laufschuhe, die wir ihm mal auf seinen Wunsch hin gekauft hatte, sind natürlich ganz schnell zu klein geworden. Lauf für ihr Leben weiterlesen

Gastbeitrag: Regeln für den Island-Läufer

Heute eine Premiere: Der erste Gastbeitrag in diesem Blog. Natürlich gebührt diese Ehre “dem Mann”. Viel Spaß beim Lesen. Andra.

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Island liegt zwar weit weg vom europäischen und amerikanischen Festland aber auch hier gelten die Regeln, die wir aus unserer heimatlichen Sportwelt kennen. Auch hier spielt man Fußball mit zwei mal elf Spielern – und das bekanntermaßen nicht mal schlecht – und auch hier kann man einen Halbmarathon bewältigen ohne 21 Runden am Vulkankrater drehen zu müssen.

Alle laufen in Reykjavik
Alle laufen in Reykjavik

Vor unserer Anreise in den diesjährigen Sommerurlaub nach Island waren meine Vorstellungen da noch etwas verschwommener, nach zwei Wochen in diesem schönen Land sehe ich jetzt aber etwas klarer. Und das liegt nicht nur an der klaren Luft, die es oft möglich macht um ein mehrfaches weiter in die so fremdartige Landschaft zu schauen, als das in Mitteleuropa möglich ist.

Das Feld zieht sich auseinander
Das Feld zieht sich auseinander

Aber wir waren bei den Regeln: Die Regeln sind die gleichen, die Rahmenbedingungen aber oft anders. Am deutlichsten wird das erlebbar am Wetter. Der Spruch auf unserem obligatorisch erworbenen Kühlschrankmagneten verdeutlicht es am besten: “Welcome to Iceland! If you don’t like the weather, just wait five minutes…”. Das ist die positive Darstellung der etwas anderen Rahmenbedingungen in diesem Land. Meine Übersetzung für den Läufer in Island lautet: “Denke nicht, dass Du trocken nach Hause kommst, wenn Du bei Sonnenschein startest”. Nach meinem ersten akribisch geplanten Lauf in Reykjavík starte ich den zweiten eher unvorbereitet. Nur eine grobe Vorstellung von der Route, keine Ahnung, wie weit die Füße heute tragen. Wetterbericht? Ungelesen! Kein Handy dabei, aber erst nach einem Kilometer gemerkt. Egal! Gastbeitrag: Regeln für den Island-Läufer weiterlesen

Heiß auf die Berge

Irgendwann musste es ja mal passieren, nämlich, dass ich in die Berge muss. An diesem Wochenende bietet es sich an. Ein Freund feiert seinen Geburtstag auf einem Campingplatz in hinter Fischbachau. 70 km südlich meiner Homebase auf 771 m ü. N. Komoot sagt eine “schwierige Rennradtour” mit 640 hm voraus. Ich will schon wieder verzagen, aber der Mann bietet an, mich abzuholen, wo immer ich zusammenbreche. Mit diesem Notfallplan im Hinterkopf mache ich mich bei fast dreißig Grad auf Richtung Südsüdost. Ich bin schon gespannt auf die Gegend um Miesbach, weil mich gerade die Miesbach-Krimis über Wallner und Kreuthner amüsieren, und ich mir endlich ein Bild machen kann.

Moooment. Was soll das denn jetzt werden? Schon wieder ein Tourbericht? So wie jede Woche einer? Laaaangweilig!

Ja, schon. Warum nicht?

Weil in der letzten Zeit von dir nur solche Berichte kommen. Und sonst nichts anderes.  Heiß auf die Berge weiterlesen

Feuer mit Feuer

Dass ich nicht laufen kann, habe ich ja schon ausgiebig beweint. Leider hilft das nicht und bringt mich nicht weiter, deshalb habe ich dieses Jahr dem Laufenlernen gewidmet. Und anfangen tue ich mit Beinmuskeltraining. Endomondo hat ein neues Feature “Commitments”. Das sind Wetten gegen einen selbst. Ich habe mir ein Commitment eingerichtet, das da lautet: Jede Woche 1000 Kalorien mit Gehen oder Laufen oder Wandern oder ähnlichem verbrauchen. Das sind etwa zweieinhalb Stunden in der jeweiligen Sportart. Und damit die Kondition auch was davon hat, fing ich vor ein paar Wochen mit dem Nordic Walking an. Stöckeschleudern, wie manche abfällig sagen. Am Anfang kam ich mir auch etwas affig vor, dann habe ich mich mal auf Youtube schlau gemacht, die Stöcke kürzer geschraubt und eine andere Technik ausprobiert (die richtige nämlich) und schon hat es Spaß gemacht und ging auch viel flotter voran. Ich bin mit Pulsuhr unterwegs und versuche konstant bei 135 zu bleiben. Da hab ich auch was zu tun und es wird nicht langweilig.
Gestern hat mich die senile Bettflucht schon recht früh aus dem Bett gescheucht. Ich nutze die Gelegenheit und bin schon vor acht auf der Strecke. Wieder in Richtung Riemer Park. Der Boden ist noch gefroren und die Pfützen haben schöne Eisdeckel. Ich kann meine Pudelmütze gut vertragen, die Handschuhe ziehe ich aber recht bald aus. Ich bin gut unterwegs und werde übermütig. Ich probiere einfach mal einen anderen Rückweg, den Joggingpfad des Mannes. Am Ende sind es 15k in 2,5 Stunden, zwei fette Blasen auf der Fußsohle, viel Sonne im Gesicht und eine ordentliche Zufriedenheit im Bauch.
Das war gestern. Heute merke ich deutlich, was ich bei Youtube auch noch gelernt habe. Nordic Walking beansprucht 90 Prozent der Muskeln. Das kann ich bestätigen. Und von diesen 90 Prozent haben mindestens 50 Prozent einen ordentlichen Kater. Mein ganzer Körper schmerzt. Naja, nicht direkt Schmerz, aber auch nicht ohne. Jedes Mal, wenn ich aufstehe vom Stuhl, entfährt mir ein Seufzer. So eine Art Schmerz.
Trotzdem will ich heute mein Rennrad-Jahr 2015 einläuten. Das Wetter ist unwiderstehlich. Ich muss einfach los. Mit was bekämpft man Feuer? Mit Feuer, genau. Also Zähne zusammenbeißen und los.
Und Oh Wunder. Überhaupt kein Problem, muskelschmerztechnisch. Es geht einfach so. Die erste Hälfte gegen den Wind und dann um so lockerer zurück. Einfach schön. Radfahren macht Spaß. Hatte ich das schon erwähnt? Und wenn es dann noch den Walking-Muskelkater nullifiziert, um so besser!

Alltagsbewegung

Gestern mit dem Rad in der Arbeit. Durch den Nebel, durch die Kälte und so ganz gut habe ich mich nicht gefühlt. Hat dann auch ewig gedauert. Gefühlt ging es nur den Berg hoch mit Gegenwind. Aber dann war ich doch ganz stolz auf mich. Vor allem, wenn die KollegInnen (auch die Dauerradler) anerkennende Töne von sich geben.
Leider ging es mir dann im Laufe des Tages immer schlapper und der Kreislauf macht keine ordentlichen Kreise mehr. Ich weiß nicht, was das war, und das Heimkommen machte mir Sorgen. Radeln traute ich mir nicht zu, genauso wenig wie den öffentlichen Nahverkehr. Zum Glück hat sich ein netter Kollege gefunden, der mich heim brachte.
Daheim versuchte ich mich zu kurieren und tatsächlich nach zwölf Stunden Schlaf geht es mir heute in der Früh wieder ganz gut. Keine Ahnung was das war. Vielleicht zu wenig getrunken?
Herausforderung jetzt: Mein Rad ist nicht da, wo ich bin. S-Bahn-Fahren mag ich nicht, zumindest nicht die volle Strecke. Heute bin ich zu geizig, die fünf Euro für das Ticket auszugeben. Ich entscheide mich, nur eine Kurzstrecke für einen Euro dreißig zu fahren und den Rest zu gehen. Das bedeutet knapp zwei Kilometer am Anfang, dann zwei Stationen S-Bahn, und dann nochmal drei Kilometer. Ist gar nicht so wild. Weder in der Vorstellung noch in realiter. Ich entscheide mich für meine Laufschuhe anstelle der schweren Trekkingschuhe, die ich sonst immer anhabe. Das war eine gute Entscheidung und es macht Spaß mit den leichten Schuhen. Allerdings hätte das eine halbe Stunde später schon ganz anders ausgesehen, denn dann wäre der Weg aufgetaut gewesen und alles hätte sich in eine schöne Matschpiste verwandelt.
Insgesamt kriege ich einen Schnitt von unter zehn Minuten pro Kilometer hin. Trotz schweren Gepäcks (Schwimmsachen für alle Fälle) und rutschigen Teilstücken. Ein schöner Anfang für den Tag. Und eine alternative Möglichkeit, den Tag mit Bewegung zu beginnen.

Eislaufen

Erkältung ist weg, also endlich Zeit, dass ich mich um die Neujahrsvorsätze kümmere. Mehr bewegen und laufen und radeln und schwimmern und so oft es geht mit dem Rad zu Arbeit. Das Übliche halt. Mit dem Rad zur Arbeit ist heute schon mal ausgefallen, weil der feine Nieselregen als Eis auf dem Boden liegen blieb. War mir zu rutschig. Man muss ja nicht übertreiben.
Also am Abend den nächsten Versuch: Mal wieder laufen gehen. In freier Natur und ohne Laufband. Ich starte also mal wieder einen Trainingsplan in Endomondo (mal wieder Coach to 5K). Hat wer mitgezählt, wie oft ich das jetzt schon gemacht habe? Ich habe den Überblick verloren.
Also Kind ins Bett bringen, dann in die Laufklamotten (was soll ich bloß anziehen?), noch mal ordentlich selbst motivieren und den Blick vom Sofa wegreißen, und los. Ich muss immer mal wieder die Straßenseite wechseln, abhängig von der jeweiligen Schneeschippakribie der Anwohner. Die Straße glitzert hübsch im Mondlicht (bzw. Laternenlicht). Es ist gar nicht so kalt, wie ich dachte. Endomondo treibt mich an so gut es geht. Es geht nicht gut, aber das ist nichts neues und auch egal heute. Ich habe ja noch ein paar Wochen Zeit, meine Schienbeine und Waden wieder ans Laufen zu erinnern. Ich freue mich erstmal, dass ich wenigsten einen Vorsatz umgesetzt habe, zumindest an einem Tag. Es könnte ein vielversprechendes Jahr werden.

Alles gut

 Gestern war ich beim Kardiologen – endlich. Belastungs-EKG und Ultraschall und noch anderer Schnickschnack. Meine Hausärztin hat mir das dringendst empfohlen wegen der Belastungsdyspnoe, die mir ja schon seit einiger Zeit Sorgen macht. Im Sommer hatte ich schon mal eine Überweisung, die ich habe verfallen lassen und jetzt neulich hat sie mir doch sehr angeraten, endlich mal zu gehen. Weil es sich dringend anhörte und ich mir ja auch schon Gedanken gemacht habe, warum ich hundert Kilometer Rad fahren kann, aber nach zwei Stockwerken Treppensteigen nicht mehr atmen und reden kann, machte ich dann doch mal einen Termin. Ultraschall: Alles gut. Auf dem Ergometer bis 200 Watt, kein Problem, nicht mal an die obere Pulsgrenze. Alles gut.
Mit diesem Befund habe ich dann am Abend wieder mein Sportprogramm aufgenommen.
Außer einer Familien-Radtour an einem Wochenende war da nicht viel in den letzten Wochen, weil meine hypochondrische Phantasie mir schlimme Bilder in den Kopf gepflanzt hatte.
Gestern also mal wieder ins Studio. Das erste Mal seit meinem Trainingsanpassungstermin vor drei Wochen. Matthias, der Trainer diesmal, kannte mich noch nicht und wollte erst mal wissen, was ich eigentlich will. Die Antwort ist nach wie vor “Ausdauer, um einen Baby-Triathlon durchzustehen”. Dann haben wir das diskutiert und festgestellt, dass mein aktuelles Pensum dazu nicht passt. Bisher hatte ich ja einen Mix aus dreißig Minuten Krafttraining und dreißig Minuten Ausdauer. Das habe ich jedesmal durchgezogen, wenn ich im Studio war. Manchmal noch mit Schwimmen hinterher. Das soll jetzt anders werden. Ich soll nur noch einmal die Woche dieses Programm machen und dafür die anderen beiden Male hauptsächlich ausdauern: Spinning, Laufen, Rudern, oder so einen Hüpfkurs mitmachen.
Zum Ausgleich hat er mir die Gewichte fürs Krafttraining saftig erhöht. Und das habe ich gestern gespürt – und heute auch noch. Mit viel Schnaufen und zitternden Muskeln bin ich da aber durchgekommen. Laufen war jedoch wie immer, nämlich einfach nur mies. Puls gleich ganz oben, keine Kondition. Beruhigend zu wissen, dass wenigstens mein Herz kein Problem damit hat.
Der Tipp des Trainers mal an ein zwei Winterläufen mitzumachen von wegen dem Ansporn, schien mir damals ganz plausibel, aber nach der Erfahrung gestern ist das wieder in weite Ferne gerückt. Verrückt.

Lauf mit Längen: München Marathon

Der große Tag für den großen Lauf. Allerdings nicht für mich, sondern für den Mann. Dauerlaufen kann er ja ganz gut, und mit Dauerüberreden habe ich ihn dann dazu gebracht, dass er sich beim München Marathon für die halbe Distanz angemeldet hat. Am Samstag haben wir seine Unterlagen abgeholt und ein bissel Großveranstaltungsduft auf der Messe geschnuppert (war ein bisschen stickig).
Am Sonntag um zwei war dann Start. Der Mann war vorher ganz schön aufgeregt. Ist ja sein erster Wettkampf seit hundert Jahren. Kann man verstehen. Er macht sich also auf zum Start, bequemerweise in der Nachbarschaft. Derweil suchen der Sohn und ich Anfeuerungsgeräuschmacher zusammen. Zum Glück hat der Sohn in den zehn Jahren seines Lebens schon eine große Sammlung an Trommeln, Rasseln, Ratschen und Trillerpfeifen zusammengetragen. So mussten wir nur die lautesten heraussuchen. Dann machen wir uns auf zu unserem ersten Anfeuerungspunkt kurz hinter dem Start. Auf dem Weg dahin kommen uns ein paar MarathonläuferInnen entgegen. “Was machen die denn noch hier? Der Marathonstart war doch schon vor Stunden?”

Wir hören den Startknall und kurz danach kommt die Herde schon angetrabt. Wir machen Krach und feuern an. Hier in der Vorstadt sind wir quasi die einzigen, die das tun. Der Mann/Papa hat sich netterweise durch Winken bemerkbar gemacht, sonst hätten wir ihn übersehen. Als er durch ist, schwingen wir uns auf die Räder, um zur nächsten Station zu kommen. Das Wetter ist grandios. Der Föhn ist entgegen aller Vorhersagen nicht zusammengebrochen und gibt nochmal sein bestes. Ich finde den Föhn im Oktober eine der besten Erfindungen. Schon immer.
Ludwigstraße, vor der Uni. Hier erwarte ich ja etwas mehr Trubel. War aber gar nicht so. Die ganze Ludwig- und Leopoldstraße war gesperrt, aber irgendwie sah es traurig aus – zuschauermäßig. Wenige hatten Krachgeräte dabei, einige haben geklatscht, aber dann haben ihnen bald die Hände weh getan. Ich finde, hier könnte München schon etwas mehr geben.
Immer wieder bekommen wir ein dankbares Lächeln von LäuferInnen, inzwischen ist der Marathon und der Halbmarathon gut durchmischt. Gianluca vom Team Bademeister aus Italien ist der schnellste Halbmarathonläufer. Er uns sein Teamkollege Vincenzo sind uns schon kurz nach dem Start aufgefallen. Überhaupt sind hier wirklich viele Italiener unterwegs. Vor drei Wochen kamen sie in Scharen zur Wiesn über die Berge zu uns und jetzt zum Stadtrundlaufen. Lustig. Aber warum es in der Emilia Romagna ein Team Bademeister gibt, werde ich wohl nie erfahren.
Als der Mann/Papa zum zweiten und dritten Mal an uns vorbeikommt und wir ihn angemessen angeschrien haben, steigen wir wieder auf die Räder. Diesmal können wir an der Laufstrecke entlang fahren. Leider haben wir am Anfang zu lange gezögert und so ist der Abstand zum laufenden Mann/Papa schon recht groß. Als ich denke, dass wir ihn fast eingeholt haben könnten, kommt die Meldung vom Sohn, dass er mal muss. Na toll.
Wir erledigen also das und machen uns dann in eigener Geschwindigkeit auf zum Olympiazentrum, wo im Stadion das Ziel ist.
Bis der Anruf vom Mann/Papa kommt, feuern wir noch eine Weile die LäuferInnen an. Viele sind dankbar. Manche laufen im Tunnel, wieder andere tun gelangweilt. Aber ich glaube, alle sind stolz und froh, dass sie es geschafft haben. Marathon oder Halbmarathon oder zehn Kilometer. Der Mann/Papa auch. Er ist 86. von fast fünfhundert in seiner Altersklasse geworden. Herzlichen Glückwunsch!

Jog on the beach

Vierundzwanzig Stunden waren um. Also auf zum Lauf. Zunächst jedoch unvorstellbare Qualen als ich mir den engen Sport-BH über den Sonnenbrand zwirbel.
Elf in der Nacht. Auf der Straße steppt der spanische Bär. Die Hitze des Tages lungert noch in den engen Gassen. Der kühlende Wind von der See weht heute andernorts.
Meine Entscheidung, ob Promenade oder Wasserkante ist schnell gefällt, weil die Promenade einfach noch zu voll ist.

Also runter ans Wasser. Dieser Strandabschnitt ist etwa fünfhundert Meter lang, was ich eine ganz gute Länge finde. Ich trabe also hin und her und hin und her. Immer wieder vorbei an der Großfamilie, die immer noch unter ihren Sonnenschirmen sitzt und wohl vergessen hat zu gehen. Und an dem einsamen Herrn,  der ein Herz in den Sand gemalt hat und es jetzt fotografiert. Und an der Gruppe Jugendlicher, die im weichen Sand Fußball spielt. Und an der Frau mit den Schuhen in der Hand, die durchs Wasser planscht. Insgesamt acht mal laufe ich dieses Szenario ab, bis es mir reicht. Vollkommen nass geschwitzt,  aber zufrieden sprinte ich dann noch der Show halber die Rampe zur Promenade hoch und mach mich auf den kurzen Heimweg.
Das war jetzt schon ein ganz anderes Laufgefühl als sonst. Auf dem harten glatten Sand des ablaufenden Wassers läuft es sich wirklich gut. Zwischendurch braucht es mal einen kleinen Sprung über einen kleinen Bach, in dem Nachzüglerwasser dem sich zurück ziehendem Meer hinterherläuft. Die Luft ist bestimmt auch gesund, wenngleich ich das Meer nicht so deutlich schmecke und rieche wie an der Nordsee zum Beispiel.
Das Dauerrauschen der Wellen schluckt alle anderen Geräusche, was mir in diesem Moment auch entgegen kommt, weil ich wieder mit Adele im Ohr unterwegs bin und zwischendurch mal mitsingen muss. Es ist besser, wenn das niemand hört.
Nach den Perseiden habe ich auch noch Ausschau gehalten, aber die hatten gegen die Flutlichtanlage der Uferstraße leider keine Chance.