Schlagwort-Archive: Radwandern

Ohne Berge ist auch doof. Amper-Donau 2

Nach einem göttlichen Frühstück machen wir uns weiter auf unserem Weg gen Norden. Ingolstadt ist nach wie vor unser Ziel. Ich schmiere uns dick mit Sonnenmilch ein, besonders die rückwärtigen Körperpartien, weil wir ja nach Norden fahren. Ein bisschen habe ich schon gelernt aus meinen diversen Sonnenbränden und tan lines.

Der Bürgerpark in Pfaffenhofen ist gerade Gartenschau.

Der Weg aus Pfaffenhofen heraus gestaltet sich schwierig, zum einen weil der Bürgerpark an der Ilm derzeit Gartenausstellung, kostenpflichtig und somit abgesperrt ist. Zum anderen folge ich nicht dem Navigator, wie ich sollte. Ich sehe das Umleitungsschild und biege flink links ab, während der Navigator rechts navigiert. Wir verlieren uns für etwa fünf Minuten aus den Augen, was den Navigator komplett aus der Bahn wirft. Nachdem wir uns wieder beruhigt haben, geht es weiter.

Dieser Hopfen hat noch was vor sich

Eine meine Lieblingsgegenden Deutschlands ist ja die Holledau. Die wellige Gegend, die Hopfengärten, die hellen Betonstraßen dazwischen, riesige weißgetünchte Höfe mit roten Dächern gehören zu meinen Kindheitserinnerungen, die ich auch als Erwachsene schön finde.   Ohne Berge ist auch doof. Amper-Donau 2 weiterlesen

Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1

Zugegeben, der Titel ist etwas pretentiös, aber passt auch irgendwie. Stolz ist der Sohn, der seine längste Radfahrt ever (52km) geschafft hat, seine schnellste Abfahrt (47 km/h) und die meisten Höhenmeter (428 hm, warum Strava daraus über 1.000 macht, kann ich nicht sagen). Stolz bin auch ich, nämlich auf den Sohn, dass er fast gar nicht gejammert hat und auch nur wenige Pausen brauchte. Und stolz bin ich auf mich, dass ich diese Tour einigermaßen locker die Berge hochgekommen bin. So ganz sicher war ich mir nämlich nicht, mit Gepäck und allem. Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1 weiterlesen

Throwback und Blick nach vorn

Wenn aktuell nicht viel los ist, dann muss man sich an aufregendere Zeiten erinnern. Und das kann ich seit gestern ausführlich tun. Gestern vor einem Jahr begann am südlichen Bodensee nämlich meine große Tour durch Deutschland. Heute vor einem Jahr war ich zwischen Schaffhausen und Basel unterwegs. Das Wetter war heute wie damals auch deutlich zu nass, was aber der authentischen Erinnerung recht zuträglich ist.

Natürlich erinnere ich mich das ganze Jahr schon immer wieder an unterschiedliche Aspekte meiner Tour. An Gefühle, an Gerüche, an Orte oder an Menschen. Throwback und Blick nach vorn weiterlesen

Dahme, Gurken und Bergbau

Ostern = Feiertage = freie Tage = Kurzurlaub. Mich hat die Radreiselust schon lange im Griff, insbesondere seit ich auf Instagram den Fernreisenden folge,  und der Mann hat auch mal wieder Lust auf ein Türchen/Tourchen. Weil wir am Karfreitag Termine in Berlin haben, beginnen wir unsere Tour halt dort. Angedacht ist Dresden als Ziel, weil wir von da einigermaßen zuverlässig wieder mit dem Zug heim kommen. Der ADFC empfiehlt für Berlin-Dresden eine gut ausgeschilderte Tour, der wir folgen wollen.

Tag 1: Köpenick bis Lübbenau

In Köpenick beginnt unsere Reise mit dem Dahmeradweg, der dort endet. Er führt uns durch so noblige Gegenden wie Grünau oder Schmöckwitz. Immer wassernah und rudersportgeprägt. Dann durch Königs Wusterhausen und bis Märkisch Buchholz. Meist geradeaus, gut ausgeschildert und ohne großen Kopfeinsatz zu fahren. In größeren Orten leitet uns der Radweg ab und zu weg von der Hauptstraße, was unweigerlich zu Kopfsteinpflasterreiten führt. Ich stelle mir Paris-Roubaix vor und alles ist nicht mehr so schlimm. 

Dahme, Gurken und Bergbau weiterlesen

2016 – das wars

Achtung Jahresrückblick! Keine Sorge, wird nicht schlimm und auch nicht wahnsinnig besinnlich oder rührselig. Eher schön und zufrieden. 2016 war für mich persönlich ein schönes Jahr, auch wenn drumherum alle sagen, wie schrecklich es war. Natürlich machen mich Kriege und verstorbene Prominente betroffen, aber die gibt es jedes Jahr. Durchgeknallte Politiker gibt es nicht jedes Jahr, aber die verschwinden hoffentlich auch bald wieder. Viel mehr bleiben doch die persönlichen Erinnerungen, oder nicht?

Hier sind ein paar von meinen. Die Dinge, mit denen 2016 mir in Erinnerung bleiben wird.

Und für die Leserinnen und Leser, denen das hier jetzt zu lang wird: Vielen Dank für Eure Treue, fürs Mitlesen, fürs Kommentieren (hier oder auf anderen Kanälen). Mir macht es Spaß für Euch zu schreiben und ihr seid mir immer wieder Motivation. Mag komisch klingen, sowas zu einer mehr oder weniger anonymen Menge zu schreiben, ist aber so. Also wünsche ich euch nicht nur einen guten Jahresanfang, sondern auch ein gutes Jahr 2017. Wir sehen uns hier. Liebe Grüße, Alexandra

Und jetzt der Jahresrückblick. 2016 – das wars weiterlesen

Sag mal …

Heute mal ein neues Format und damit der krönende Abschluss meiner Reise: Meine Freundin  Sabine, ihres Zeichens Reisejournalistin  und PR-Beraterin, wollte einiges über die Radtour wissen. Natürlich beantworte ich Ihre Fragen gerne, und wie sich zeigt, ergibt das Ganze nochmal eine schöne Zusammenfassung. 

Sabine: 1800 Kilometer in 21 Tagen: Hättest Du selbst gedacht, dass die Tour so umfangreich wird?

Alexandra: Ehrlich gesagt, hatte ich mehr geplant. In den sechs Monaten Planungsphase habe ich viele viele Stunden vor Google Maps gesessen und geplant. Ich hielt es für realistisch einen Schnitt von 19 km/h zu fahren und somit jeden Tag hundert oder mehr Kilometer abzufahren. Das hätte mich dann bis zurück nach Bayern, wenn nicht sogar bis heim gebracht. Die volle Ausbaustufe hätte 2.300 km gehabt. Leider war die Realität vor Ort so, dass ich meistens nur einen Schnitt von um die 16 km/h hatte. Es lag am Wetter, an den Wegen und an meiner Kondition. So habe ich mich relativ schnell vom Maximalkilometerziel verabschiedet.

Wie viele Kilometer hattest Du ursprünglich kalkuliert?

2.300 wäre die volle Runde gewesen: Bodensee-Nordsee-Hamburg-Elbe-Saale-München. Als Fallback hatte ich eine kürzere Runde ohne Nordseesichtung gedacht, die auf halber Höhe nach Osten kreuzt und auch in München endet. Die wäre 1.800 km gewesen.

Insbesondere der Einstieg mit seinem schlechten Wetter war ja sehr hart. Wie oft hast Du ans Umkehren gedacht?

Bodensee im Hintergrund
Bodensee im Hintergrund

Kein einziges Mal. Nicht ans Umkehren und auch nicht ans Aufhören. Höchstens mal ans Pausieren oder Abkürzen.
Der erste Tag war ja regentechnisch der GAU, und obwohl ich die meiste Zeit entlang der Bahnlinie am Bodensee fuhr und auch öfters Züge sah, die nach Schaffhausen, meinem Ziel an dem Tag, fuhren, kam mir kein einziges Mal der Gedanke, dort einzusteigen. Ich war auch viel zu nass und hätte nur den Zug eingesaut.

An drei anderen Tagen bin ich schon mal in den Zug gestiegen. Hauptsächlich, wenn ich eine Verabredung mit jemandem hatte und zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein wollte. Und einmal bin ich Bötchen gefahren, auf dem Rhein.

Was war denn dann der schwärzeste Moment auf Deiner Tour?

Die schwärzesten Momente waren die Tage vor der Tour. Ich fühlte mich nicht genug trainiert, alles tat weh und mir war permanent schlecht. So richtig übel. Das änderte sich erst zur Mitte des ersten Tages, als die Übelkeit langsam in Hunger überging, der mit einer Banane und einem gekochten Ei verschwand. Ab da war es gut. Regen, Frieren und Poweh sind keine schwarzen Momente auf einer Radtour. Die gehören dazu.

Den schwärzesten Moment im wörtlichen Sinne hatte ich kurz vor Magdeburg. Der Himmel in dieser Richtung war schon sehr beeindruckend schwarz, und das am Mittag. Sag mal … weiterlesen

Aufarbeitung

Seit über einer Woche bin ich nun wieder daheim. Und merkwürdig sprachlos. Aller unterfränkischer Unkenrufe zum Trotz fiel mir die Rückkehr ins bürgerliche Leben überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil, der alte Trott war schnell wieder da. Plus, dass ich so richtig müde war, tagelang und ohne Grund eigentlich. Zehn Stunden Schlaf reichen meistens aus, den Tag gut durchzustehen. Aber nicht so letzte Woche. Erst am Freitag wache ich morgens auf und fühle mich frisch. Ich mutmaße, dass es die Höhenkrankheit ist. Immerhin war ich jetzt wochenlang quasi auf null Meter über Null, manchmal sogar darunter. Und jetzt plötzlich wieder auf über fünfhundert.
Allerdings ernte ich bestenfalls ein mitleidiges Lächeln, wenn ich diese Theorie verbreite. Vielleicht war es ja doch was anderes. Aufarbeitung weiterlesen

Vielen Dank

Von Halle (Saale) nach Leipzig

Das ist er also,  mein letzter Tag.  Von Halle nach Leipzig und dann in den Zug. Der geht erst um drei,  also habe ich locker Zeit für die 45 Kilometer.  Mein letzter Fluss heute heißt Weiße Elster und soll mich auf einer grünen Achse durch den Metropolregion von Halle nach Leipzig bringen.

Die Mündung der Weißen Elster in die Elbe finde ich recht schnell und auch die Ausschilderung ist ausreichend.  Aber auf den ersten zehn Kilometern hätte ich abwechselnd heulen oder schreien können.  Die Wege raus aus Halle waren eine Katastrophe. Nicht auf der Hauptstraße,  was aber Nebenstraße bedeutet,  und Nebenstraße bedeutet in diesem Teil der Republik Kopfsteinpflaster,  Löcher,  meterhohe Bordsteinkanten.  Ich wiederhole mich: Eine Katastrophe.  Ich komme mit einem Schnitt von 10 km/h aus Halle raus.  Völlig runter mit den Nerven,  weil ich mir ja vorstelle,  dass es die ganze Zeit so weitergeht.

Es wird aber besser.  Sehr gut sogar zwischenzeitlich.  Die Weiße Elster hat einen Deich mit einem neu asphaltierten Weg obenauf. Kein Grund zur Beschwerde mehr auf den restlichen dreißig Kilometern.  Nach Leipzig rein und den Bahnhof finden ist auch kein Problem.  Ich bin zu faul,  um mich mit dem Fahrkartenautomaten auseinanderzusetzen und warte lieber ein Viertelstündchen im Servicecenter und lass mich bedienen.  Eine halbe Stunde vor Abflug sitze ich im Zug,  mein Rad hat einen hübschen Platz.  Ich ziehe mir noch schnell Zivilklamotten an,  und dann penne ich ein.  Erst um Gera rum,  werde ich wieder richtig wach.  Als ich aus dem Fenster sehe,  bin ich heilfroh,  dass ich hier nicht mit dem Rad herwollte. Hier sind ja nur Berge!! Trotz enormem Konditionszuwachses in den letzten Wochen, bin ich dazu nicht bereit.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Vielen Dank weiterlesen

Fast vorbei

Von Schönebeck nach Halle (Saale)

Höre auf den Rat erfahrener Radreisender.  Hätte ich mal.  Jochen von meinfahrradundich hat es mir neulich nochmal gesagt: Frag nie Eingeborene nach einem Radweg.  Hätte ich mal nicht.  Dann hätte der Weg nach Calbe (Saale)  nicht so ungemütlich und gefährlich an einer engen dicht befahrenen Straße angefangen.  Irgendwann emanzipiere ich mich von den Weganweisungen und suche mir meinen eigenen Weg durch die Felder an die Saale.  Dieser birgt jedoch Gefahren ganz anderer Art.  Heerscharen von Schnecken stellen sich mir in den Weg.  Anfangs versuche ich es noch mit Ausweichen,  doch die Rutschgefahr ist zu groß.  Was soll’s: Meine Nerven und meine Räder sind so hart wie valyrischer Stahl.  Ab heute nennt man mich The Slugslayer.

In Calbe hab ich sie dann,  die Saale,  und das gleich mit einer Fähre. Ich mag Fähren sehr.  Und heute bin ich wirklich auf meine Kosten gekommen.  Ich glaube,  ich habe so ziemlich jede Fähre zwischen Calbe und Halle mitgenommen.  Nicht immer planmäßig im Sinne des Saaleradwegs,  aber egal.

Der Saaleradweg ist sehr schön,  meistens guter Belag,  meistens direkt am Fluss und deshalb sehr beliebt.  Soll nochmal jemand sagen,  der Elberadweg sei befahren,  der soll sich mal den Saaleradweg ansehen. Dabei ist der an manchen Stellen gar nicht mal ohne.  Es geht wellig auf und ab.  Zusammen mit der brennenden Sonne (!)  schlaucht mich das schon sehr heute.

Die Landschaft ist inzwischen ganz anders,  gar nicht mehr norddeutsch,  keine Rhododendren mehr.  Der vorherrschende Geruch ist Raps und Kamille.  Rechts und links des Flusses begleiten Anhöhen den Weg.   Die Häuser in den Dörfern stehen wieder meist mit dem Giebel zur Straße,  die Vorgärten sind ordentlich eingezäunt,  Aldi ist allerdings immer noch Nord. Trotzdem kommt mir das ganze Ambiente vertraut vor.  Ich nähere mich der Heimat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fast vorbei weiterlesen

Glück gehabt

Von Tangermünde nach Schönebeck

Wer hätte das gedacht,  nochmal so ein Ritt nach meinem Durchhänger gestern.  Den Tag lasse ich ganz langsam angehen.  Es regnet draußen in Strömen,  also kein Grund zur Hektik.  Außerdem ist mein Rad ganz schlimm in der Garage eingeparkt. Ich muss eh warten.  Trödel ich halt beim Frühstück und Packen.  Der Mann daheim schlägt immer wieder vor,  ich soll mal an einem Ort bleiben und Pause machen.  Irgendwo,  wo es mir gefällt.  Aber der Gedanke gefällt mir nicht.  Ein ganzer Tag in einem kleinen Ort.  Och, nö,  Ich möchte weiter.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Karsten Schwanke hat für heute ganz Fürchterliches für meine Region vorhergesagt,  also mache ich mich auf das Schlimmste gefasst.  Aber irgendwie habe ich Glück.  Es regnet zwar,  und zwischendurch sogar richtig ordentlich,  aber es ist warm und die Duschen gehen auch wieder vorbei.  Zwei Stunden am Vormittag kann ich Pinkie sogar ganz ausziehen.  Ich binde sie mir um den Bauch,  damit sie schnell parat ist.

Glück gehabt weiterlesen