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Reisevorbereitungen

Morgen geht es los: Der Mann und ich auf großer Fahrt. Zum ersten Mal eine Mehrtagesfahrradtour. Ganz klassisch geben wir unser Debüt auf dem beliebtesten europäischen Fernradreiseweg: Passau – Wien. Der Sohn vergnügt sich die Woche im Landschulheim/Schullandheim im Bayerischen Wald und wir nutzen die Gelegenheit der freien Tage.
Lange habe ich überlegt, welches Rad wohl das beste wäre, habe mich aber dann doch für das ATB entschieden, nicht zuletzt wegen des Gepäcksystems. Wozu habe ich die Teile, und die ganze Zeit mit Rucksack schien mir keine gute Aussicht. Den Mann schreckt das nicht. Er fährt mit Rucksack. Auch weil er sein puristisch-schönes Rad nicht durch Gepäcktragesysteme entstellen will.

Unsere konkrete Planung beschränkt sich auf den Kauf der Bahnfahrkarte bis Passau (im selben Zug wie der Sohn und seine Klasse, aber definitiv im anderen Zugteil) und eine Hotelreservierung in Wien am Donnerstag. Alles dazwischen ist offen. Wir wollen sehen, wie weit wir jeden Tag kommen und uns dann spontan einen Bettstatt suchen. Reisevorbereitungen weiterlesen

Frisches Grün

Eigentlich sollte das ein Beitrag mit einem netten Wortspiel werden: Frisches Grün in der Natur und frisches Grün am Bike in Form neuer Packtaschen.
Leider gibt es hier in der Natur aber noch überhaupt kein frisches Grün, weder an Büschen noch an Bäumen. Einzig die Märzbecher und Winterlinge im Garten, aber die zählen irgendwie nicht. Inzwischen scheint die Sonne schon schön warm, aber nächtens friert es noch regelmäßig.
Also konzentriere ich mich auf die neuen Packtaschen: Ortlieb der Name, grün die Farbe. Praktisch, um die Wechselklamotten in die Arbeit und wieder zurück zu fahren. Und demnächst vielleicht auch mal das Gepäck für eine längere Ausfahrt aufzunehmen (davon zu gegebener Zeit mehr).
Für mein Rad habe ich jetzt übrigens eine eigene Klasse definiert. Weil es ist kein MTB und auch kein RR, sondern ein ATB, ein Alltagsbike.

Hundert und Münster

Der Bruder hat seit August nun auch ein Rennrad und seine Liebe zu langen und bergigen Strecken entdeckt. Bisher haben wir es nicht geschafft, einmal zusammen loszuziehen. Nachdem das Wetter für dieses Wochenende aber so grandios angesagt war, blieb uns eigentlich keine andere Wahl. Ich habe ihm, seiner Ortskenntnis und komoot die Streckenplanung überlassen, und nur um keine Harakiri-Tour gebeten.
Treffpunkt in Harthausen unterm Maibaum. Ich verfahre mich mal wieder in diesem Stadtteil, den ich eh nicht mag (siehe gestern) und habe schon fast zwanzig Kilometer auf dem Tacho, als ich endlich ankomme.
Und los geht’s mit ordentlichem Tempo, ich im Windschatten, aber ich fürchte, dass ich das so nicht lange durchhalten werde. Zum Glück wird es dann ein wenig gemütlicher und wir haben manchmal auch Strecken, in denen wir nebeneinander fahren und ratschen. Wir müssen ja keine Rekorde aufstellen.
Der Weg führt auf kleinen und kleinsten Wegen durch die östlichen Landkreise. Wo ich eh schon mal hinwollte, nämlich da, wo das Hügelland anfängt. Wegen meinem Vorsatz für dieses Jahr, mehr Höhenmeter zu meistern. Erstmal kamen aber viele Tiefenmeter, eine schöne Abfahrt, übersichtlich, ohne viele Kurven. Spaß! Hundert und Münster weiterlesen

München-Nord

Einladung zum Brunch in hinter Dachau plus Wetteraussichten OK = Radtour. Meine Männer nehmen das Motorrad und geben mir ein Stündchen Vorsprung.
Dachau liegt von uns aus gesehen genau auf der anderen Seite der Stadt. Quer durch ist eigentlich keine Option. Also haben komoot.de und ich uns auf eine Ostumfahrung geeinigt. Der Aufbruch ist hektisch und zu spät, mit dem Ergebnis, dass ich mich grandios verfahre. Um noch pünktlich zu sein, muss ich doch durch die Stadt. Die Dachauer Straße hält was sie verspricht und führt mich direkt zum Ziel. Doch die Radwege!
Wie wünsche ich mir ein ultragefedertes Offroad-Bike! Und wenn der Radweg mal taugt, dann hat er hübsche Kopfsteinmuster, die Einfahrten zu Grundstücken verzieren. Ja, muss das denn sein? (Hier endet mein Lamento über fahrradfeindliche Städte und ich übergebe an dieser Stelle an Mein Fahrrad Und Ich.)

Für den Rückweg nehme ich mir dann doch wieder die Nordost-Route vor. Schloss Schleißheim habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ist auch kaum zu sehen mit den ganzen Menschenmassen drumherum. Also weiter. Die Landschaft im Norden mit dem schönen Namen Panzerwiese ist aber wirklich sehenswert. Heide mit Schafen und Schäfer, ein kleiner Segelflugplatz, ein Einödhof mit Portal und eine schöne glatte Straße mittendurch. Einige Radler, Inliner, Jogger und Spaziergänger unterwegs, nicht so viele, wie es sein könnten, denn am Horizont drohen Gewitter über der Silhouette der Stadt. Diese verderben mir auch irgendwie den Spaß. Eigentlich wollte ich ja durch Natur und so, plane aber um, um im Notfall einen Hauseingang zum Unterstellen zu haben. Also wieder städtische Radwege an einer Einfallstraße entlang. Toll. Ich sehe nur noch zu, so schnell wie möglich Heim zu kommen und verlege das Genießen auf einen anderen Tag. Vier Kilometer vor daheim ereilt mich dann doch noch der Regen. Des a no.

Schön, mal wieder einen anderen Teil von München gesehen zu haben. Ich erkenne jedoch, dass radtechnisch für mich der Osten die bessere Wahl ist.

Zwischen Isen und Vils

Wochenend und Sonnenschein und ich mit mir und Rad allein…
Die Familie ist weg und ich habe zwei Tage für mich und die Steuererklärung. Letztere lässt sich schieben, also plane ich für Samstag eine nette Radtour. Ich schwanke zwischen “Richtig lang, aber flach” und “Du wolltest doch mal Höhenmeter üben”.  Ich starre also auf die Landkarte und lasse mich inspirieren. Meine Wahl fällt endlich auf ein Gebiet fünfzig Kilometer östlich von München. Dort hat es moderate Hügel (“rolling hills” finde ich ein passendes Bild), und einen Haufen Radwege mit Namen.
Da ich eh schon lang mal so eine Radwegtour machen wollte, spricht mich das gleich an.
Ich stelle mir also mithilfe des Bayernnetz für Radler in komoot meine Tour zusammen. Am Ende kommen gut sechzig Kilometer mit dem Prädikat mittelschwer zusammen.
Versuche, die Strecke auf meiner Garmin zu speichern, schlagen fehl, also memorisier ich die Strecke und für den Notfall habe ich ja auch mein Handy dabei.
Die Autofahrt zum Ausgangspunkt in Schwindegg ist schon mal schön und idyllisch. Dort angekommen, habe ich aber dann das Problem, den Touranfang zu finden. Das Memorisieren hat wohl doch nicht so gut geklappt. Irgendwann finde ich doch einen Hinweis auf den Isen-Sempt-Radweg. Und von dort hangel ich mich zum Vilstalradweg bis Velden (Vils) (sprich Felden an der Filz) und weiter den Rottalradweg bis Wurmsham (ein weiteres Exemplar in meiner Sammlung der Orte mit lustigen Namen).  Hier mache ich erstmal Rast unter der Dorflinde. Leider nur mit einem Schluck warmen Wassers aus der Flasche. Das Essen hatte ich vergessen, bzw. gar nicht für nötig befunden, welches mitzunehmen. Eigentlich schwebte mir eine Rast in einem idyllischen Dorfcafé vor mit selbstgemachtem Kuchen und Rhabarberschorle. Dieser Traum platzte recht schnell. Alle Dörfer, durch die ich kam, waren geschlossen wegen Samstag Nachmittag und die Bürgersteige, so überhaupt vorhanden, schon lange hochgeklappt. Das einzige Leben fand auf den Feldern statt, wo Mähdrescher noch hektisch soviel abernten wollten wie möglich, bevor das Gewitter hereinbrechen würde. Also weiter mit Hunger im Bauch.
Ab Wurmsham musste ich eh improvisieren und die geplante Route abkürzen, denn der Blick nach Süden prophezeit Fürchterliches: Fiese Gewitterwolken türmen sich auf und wo keine einzelnen Wolken mehr zu erkennen sind, drohte eine schwarze Wand. Deutlich früher als angekündigt.
Ich trete also in die Pedale, quäle mich durch stehende und zum Schneiden dicke Luft zwischen den Maisfeldern. Manchmal ist sie so dick und riecht so modrig, dass mir das Atmen schwerfällt.
Abseits der benamten Radwege, die alle stillgelegten Eisenbahntrassen oder Flusstälern folgten, kamen jetzt dann doch ein paar Hügel. Gerade genug, um den Puls hochzutreiben und den Bergtritt zu üben. Und dann immer sofort durch eine nette Abfahrt belohnt.
Fünf Kilometer vor dem Ziel wird aus der schwülen stehenden Hitze auf einmal ein böiger Wind, der das nahe Gewitter androht. Zum Glück geht es nur noch bergab oder geradeaus, und so komme ich ziemlich knapp vor dem Unwetter am Auto an. Puh, geschafft. 62 km in 2:38. Kein Rekord, aber darum ging es ja auch nicht. Höhenmeter waren es am Ende dann auch nicht soo viele (aber trotzdem noch viermal mehr als wenn ich im Münchner Umland unterwegs bin).

Mein Hunger treibt mich stracks in die nächste Tanke und ich erinner mich an den Ironwomen-Bericht von neulich, in dem dauernd von Cola die Rede war. Gut, denke ich, probier ich mal. Nach dem ersten Schluck weiß ich wieder, warum ich so lange schon keine Cola mehr getrunken habe. Ich ziehe die sehr warme Johannisbeerschorle aus dem Auto vor. Die Tankstellenbutterbreze schmeckt aber.

Richtung Heimat ist der Himmel richtig schwarz und Blitze zucken. Mir fällt meine Wäsche auf der Terrasse ein, aber ich beschließe, mir davon und von der immer noch nicht gemachten Steuererklärung die gute Laune nicht verderben zu lassen. Der Tag war außerordentlich schön, ich habe etwas gemacht, was ich schon ganz lange vorhatte und endlich mal Orte gesehen, die ich schon lange mal besuchen wollte.

Wieder smart unterwegs

Eine Woche war ich jetzt ohne Smartphone. Eine Woche ohne mobiles Internet, das heißt ich konnte nicht permanent checken, ob jemand hier einen Kommentar gepostet hat, ob sich in einem anderen Blog was getan hat, oder wie sich das Wetter in der nächsten Viertelstunde entwickelt. Das alles ging nur, wenn ich an meinem Arbeitsrechner saß oder zu Hause am Tablet über WLAN verbunden war. Und das deckte nur etwa 80% meiner wachen Zeit ab. Ganz schön tough.

Warum ich überhaupt smartlos war, kam so. Und das wird keine rühmliche Geschichte.
Letzten Samstag war schönes Wetter angesagt, richtig heiß sogar. Ich also auf’s Rad und los in der Mittagshitze. Ich habe ja schon mehrfach bewiesen, dass ich radtechnisch bei hohen Temperaturen besser performe als in der Kälte. Also beschließe ich unterwegs, dass es nicht die üblichen 50k, sondern was Längeres werden soll.

Ich biege also an geeigneter Stelle ab und mache mich auf den langen geraden Ritt durch den Ebersberger Forst.
Zwischendurch klingelt öfters das Telefon. Die Familie verlangt Abstimmung, und meldet später nochmal, dass sie jetzt zum Baden geht. Das fände ich jetzt auch schön, denke ich und schiebe das Handy in die Taschen meines Radshirts.
An jedem Dorfweiher, den ich passiere, sogar an jedem Schild zu einer Badegelegenheit, stelle ich mir vor, wie schön ein Sprung ins Wasser wäre. Badeanzug habe ich keinen dabei, aber das wäre ja egal. Diese Hightech-Radklamotten sind ja auch nicht viel anders als Triathlonsuits. Auf den nächsten dreißig Kilometern gewöhne ich mich also an den Gedanken, mit Hose und Shirt ins Wasser zu springen. Schöner Gedanke.

Endlich dann die Zielgerade zum Badesee. Fast 70k auf dem Tacho. Freunde und Familie sind schon da. Ich springe vom Rad und rein ins Wasser. Gleich losgekrault und es war toll! Vollkommen erfrischt und glücklich steige ich irgendwann wieder an Land. Zuppel ein bisschen an meinem nassen Shirt rum, dass es nicht gar so am Bauch klebt und entdecke dabei mein Handy in der Tasche am Rücken. Sch… Alle Wiederbelebungsversuche vergebens. Da war nichts mehr zu machen. Dabei hatte ich ihm erst letzte Woche eine aufwändige Generalsanierung verpasst. Alles umsonst. Heul.

Nach angemessener Trauerzeit: Eigene Anforderungen analysieren und definieren – Markt beobachten und Testberichte lesen – Budget freigeben lassen – entscheiden. Alles Sachen, die ich gar nicht gerne mache.

In der Zwischenzeit laufe ich mit einem Zwanzig-Euro-Teil herum, das nicht mal Radstrecken tracken kann, sondern mit dem man einfach nur telefoniert. Voll Retro.
Aber jetzt ist wieder alles gut: Ich habe Internet in der Hand, meine Adressen und Kalender im Zugriff, und kann Fotos machen.

Lessons learned: 1. Nicht jedes Smartphone ist wasserfest. 2. Checke immer vor dem Schwimmen, was sich in deinen Taschen befindet, denn siehe 1.

Sonniger Wochenabschluss

Sonntag, bombastisches Wetter. Was fällt einem da ein? Ja, Radfahren! Wohin? Mit wem? Der Mann ist anderweitig unterwegs, der Sohn schwächelt. Frag ich doch den kleinen Bruder. Trotz Feierei am Vorabend ist er bereit und auch gut im Training. Muss er auch, denn von seinem Fahrrad kann er keine Unterstützung erwarten.
Vollkommen großkotzig habe ich in Komoot die Strecke einer RTF-Ausschreibung nachgemalt und fand sie eigentlich gar nicht so schlimm. Aber ich kenne auch die südlichen Landkreise nicht so gut.
Wir satteln also auf und ich merke schon auf den ersten Kilometern, dass ich heute gar nicht fit bin. Müde Beine und der Musculus gluteus minimus
zwickt. Ich werde getröstet, es geht gerade bergauf. Unsichtbar aber stet. Und dann geht es los. Fiese Anstiege, die mich ordentlich zum Pfeifen bringen. Ich komm hoch, muss nicht absteigen und breche nicht zusammen.
Aber die Pumpe geht doch sehr. Am vorläufigen Höhepunkt der Tour in Jasberg gibt es ein Volksfest der zünftig-bayrischen Art: der hiesige Hofladen wird sechzig. Herzlichen Glückwunsch.
Wir verzichten auf die Maß und machen uns an den Abstieg, denn ich habe beantragt, die Tour auf 30k abzukürzen. Auf das was dann kommt, war ich nicht vorbereitet: Sechzehn Kilometer nur bergab. Mal sichtbar, meist jedoch unterschwellig. Eine Wonne. Endomondo hat mir dann auch gleich mal einen Pokal für die schnellsten zehn Meilen ever verliehen. Danke.

Der Bruder und ich brettern also die Schotterebene hinab, auf einer kleinen Nebenstraße, die nur von Radlern, Skatern und einem Traktor verwendet wird. Das macht Spaß und einen belgischen Kreisel vollkommen überflüssig.
Drei Kilometer vor dem Tourende bin ich auf einmal großzügig. Der Bruder wünscht sich schon länger ein Rennrad und will mal meins ausprobieren. Wir tauschen also Räder. Die Schuhe passen, das Rad ist zu klein. Von hinten sieht er ein wenig komisch aus. Aber nicht lange, denn dann ist er außer Sichtweite, genießt die Geschwindigkeit, während ich mich mit seinem ollen Rad gen Heimat abmühe. Geschwisterliebe halt.

Für morgen habe ich mir einen Ruhetag verordnet. In dieser Woche waren es nämlich dreizehn Stunden Sport oder über elftausend Kilokalorien oder 165 Kilometer Entfernung. Jetzt muss auch mal ein Tag Nichtstun drin sein.