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Fremde Federn

Jetzt ist es passiert. Ich bin ertappt worden. Und war mir das peinlich. Eigentlich war es ja absehbar, und ich hätte mich auf die Situation vorbereiten können, hat mich aber trotzdem kalt erwischt.
Ich schwimme nämlich seit ein paar Monaten mit der rosa Badekappe vom Karlsfelder Triathlon. Der Triathlet, der mit meiner Startnummer gewonnen hat, überließ sie mir freundlicherweise. Rosa ist wohl nicht so seine Farbe und dieser Wettkampf war wohl auch nicht sein wichtigster.
Ich schwimme jedenfalls seither mit meiner rosa Motivationskappe und denke daran, dass ich irgendwann auch mal meine eigene gewinnen werden.
Neulich im Studio mach ich mich gerade bereit ins Wasser zu steigen.
Da steht einer neben mir, grinst mich so halb an und pult aus seiner Tasche eine schwarze Kappe mit dem selben Logo drauf.
Kleinlaut muss ich zugeben, dass ich meine gar nicht selbst erkämpft habe. Aber ich freue mich mit ihm über sein.

Lauf mit Längen: München Marathon

Der große Tag für den großen Lauf. Allerdings nicht für mich, sondern für den Mann. Dauerlaufen kann er ja ganz gut, und mit Dauerüberreden habe ich ihn dann dazu gebracht, dass er sich beim München Marathon für die halbe Distanz angemeldet hat. Am Samstag haben wir seine Unterlagen abgeholt und ein bissel Großveranstaltungsduft auf der Messe geschnuppert (war ein bisschen stickig).
Am Sonntag um zwei war dann Start. Der Mann war vorher ganz schön aufgeregt. Ist ja sein erster Wettkampf seit hundert Jahren. Kann man verstehen. Er macht sich also auf zum Start, bequemerweise in der Nachbarschaft. Derweil suchen der Sohn und ich Anfeuerungsgeräuschmacher zusammen. Zum Glück hat der Sohn in den zehn Jahren seines Lebens schon eine große Sammlung an Trommeln, Rasseln, Ratschen und Trillerpfeifen zusammengetragen. So mussten wir nur die lautesten heraussuchen. Dann machen wir uns auf zu unserem ersten Anfeuerungspunkt kurz hinter dem Start. Auf dem Weg dahin kommen uns ein paar MarathonläuferInnen entgegen. “Was machen die denn noch hier? Der Marathonstart war doch schon vor Stunden?”

Wir hören den Startknall und kurz danach kommt die Herde schon angetrabt. Wir machen Krach und feuern an. Hier in der Vorstadt sind wir quasi die einzigen, die das tun. Der Mann/Papa hat sich netterweise durch Winken bemerkbar gemacht, sonst hätten wir ihn übersehen. Als er durch ist, schwingen wir uns auf die Räder, um zur nächsten Station zu kommen. Das Wetter ist grandios. Der Föhn ist entgegen aller Vorhersagen nicht zusammengebrochen und gibt nochmal sein bestes. Ich finde den Föhn im Oktober eine der besten Erfindungen. Schon immer.
Ludwigstraße, vor der Uni. Hier erwarte ich ja etwas mehr Trubel. War aber gar nicht so. Die ganze Ludwig- und Leopoldstraße war gesperrt, aber irgendwie sah es traurig aus – zuschauermäßig. Wenige hatten Krachgeräte dabei, einige haben geklatscht, aber dann haben ihnen bald die Hände weh getan. Ich finde, hier könnte München schon etwas mehr geben.
Immer wieder bekommen wir ein dankbares Lächeln von LäuferInnen, inzwischen ist der Marathon und der Halbmarathon gut durchmischt. Gianluca vom Team Bademeister aus Italien ist der schnellste Halbmarathonläufer. Er uns sein Teamkollege Vincenzo sind uns schon kurz nach dem Start aufgefallen. Überhaupt sind hier wirklich viele Italiener unterwegs. Vor drei Wochen kamen sie in Scharen zur Wiesn über die Berge zu uns und jetzt zum Stadtrundlaufen. Lustig. Aber warum es in der Emilia Romagna ein Team Bademeister gibt, werde ich wohl nie erfahren.
Als der Mann/Papa zum zweiten und dritten Mal an uns vorbeikommt und wir ihn angemessen angeschrien haben, steigen wir wieder auf die Räder. Diesmal können wir an der Laufstrecke entlang fahren. Leider haben wir am Anfang zu lange gezögert und so ist der Abstand zum laufenden Mann/Papa schon recht groß. Als ich denke, dass wir ihn fast eingeholt haben könnten, kommt die Meldung vom Sohn, dass er mal muss. Na toll.
Wir erledigen also das und machen uns dann in eigener Geschwindigkeit auf zum Olympiazentrum, wo im Stadion das Ziel ist.
Bis der Anruf vom Mann/Papa kommt, feuern wir noch eine Weile die LäuferInnen an. Viele sind dankbar. Manche laufen im Tunnel, wieder andere tun gelangweilt. Aber ich glaube, alle sind stolz und froh, dass sie es geschafft haben. Marathon oder Halbmarathon oder zehn Kilometer. Der Mann/Papa auch. Er ist 86. von fast fünfhundert in seiner Altersklasse geworden. Herzlichen Glückwunsch!

Meine ganz persönliche Massenveranstaltung

Der krönende Abschluss meines ersten Läuferinnenjahres: B2Run gestern im Olympiapark. Fazit gleich zu Anfang: Aufregend zu Beginn, ruhig auf der Strecke und in endlicher Zeit gefinisht. Einlauf im Olympiastadion durch das Marathontor kurz vor zehn Abends. Das war ein schönes Gefühl.
Aber von Anfang an: Meine Kollegen sind alle schnell und wollten in einem der vorderen Starterblocks starten, der da hieß “unter 30 min” für die 6,4 Kilometer. Ehrlich wie ich bin, peile ich also den Ü50-Block an, was auch eine Wartezeit von über einer Stunde zwischen Startschuss und Überqueren der Startlinie bedeutet. Keine Eile also.
Da ich dadurch quasi firmenlos laufe und auch inkognito (mein Firmen-Shirt war durch einen dummen Vorfall abhanden gekommen), schließe ich mich meinem Bruder und seinen Kollegen an, die auch eher von hinten starten wollen. Der Bruder und ich verabreden die Anreise mit dem Rad, was uns am einfachsten schien. U-Bahn macht keinen Spaß, wenn über 30.000 Menschen zu einem Event anreisen, und Auto ist eh keine Option aus dem gleichen Grund. Für mich bedeutet das jedoch erstmal 25 Kilometer Anreise vor dem Lauf. Aber ganz entspannt und mit vielen Ampelpausen. Fand ich jetzt nicht so anstrengend.

Viel anstrengender war in der Tat das Stehen in der Masse, die auf den Start wartet. Da werden einem die Beine schon mal lahm und der Rücken meckert. Die Garmin hat die Zeit genutzt, sorgfältig die besten Satelliten auszusuchen.
Wenigstens gab es was zu lesen auf den T-Shirt-Rücken vor mir. Waren einige ganz lustige Sprüche dabei. Die Läufer von Sympatex haben komische Fotos hinter dem Rücken eines Gore-Läufers gemacht und sich dabei kringelig gelacht. Ein paar Herren von der Versicherungskammer hatten ihre Zeitung dabei. Übereifrige Doktoranden eines MPI glaubten, sich durch Vordrängeln Vorteile zu verschaffen. Die unvermeidliche Helene Fischer sang wieder atemlos. Und über allem hing eine Wolke von zigtausend mehr oder weniger frischen Hightech-Kunststoffshirts.
Fast anderthalb Stunden nach Startschuss ging es dann tatsächlich los. Mein Bruder flitzt los und ist weg, und ich mach mein Ding. Am Anfang zu schnell, so dass ich bald ein paar Verschnaufpausen einlegen muss. Irgendwann komme ich aber in Tritt und trabe so vor mich hin. Adele auf dem Ohr und immer noch interessiert die T-Shirts lesend. Immer mal wieder kommt ein Schneller von MAN, Siemens oder ProSieben (die sind wirklich viele an der Zahl) von hinten vorbeigeflitzt. Das schien Strategie zu sein, denn zu dieser Zeit war die Strecke schon schön leer und es ließ sich frei laufen. Von Herdenauftrieb keine Spur mehr. Allerdings auch nicht mehr viele Ansporner am Rand.
Als uns der Weg nochmal zwischen Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle hindurch führt, schreit mir einer zu: “Da geht noch was.” Stimmt eigentlich, denke ich, und lege einen Zwischenspurt ein, der mir tatsächlich Szenenapplaus einträgt. Ich halte das schnelle Tempo durch, bis ich außer Sichtweite bin und reduziere dann abrupt. Mein Puls ist wieder bei 170 und den muss ich erst wieder runter bringen. Überhaupt finde ich meinen hohen Puls bei solchen Aktivitäten gar nicht gut. Ich geh jetzt doch mal zum Belastungs-EKG, nehme ich mir vor.
Im Stadion angekommen, superfertig aber superstolz, drehe ich eine kleine Runde um zu schauen. Die große Party war schon vorbei. Der Boden mit Bechern und anderem Müll übersät, Bananen waren schon aus, Erdinger Alkoholfrei mag ich nicht, die Kollegen schon weg. Der Bruder und ich sammeln unsere Medaillen ein und schwingen uns dann aufs Rad Richtung Heimat.
Nochmal zehn Kilometer. Dann Essen, Aktivitäten von der Garmin nach Endomondo laden, Duschen, ins Bett. Mehr weiß ich nicht mehr.
Heute Morgen im Büro sind die Resultate endlich online und werden schon eifrig diskutiert. Ich freue mich tierisch über den 8773. Platz. Ungefähr bis heute Mittag. Da fragte einer mal genauer nach und ich komme ins Zweifeln. Der 8773. Platz ist natürlich nur bei den Frauen. Männer mit der gleichen Zeit sind auf Platz 18.300 oder so. Also, um genau zu sein: Bei den Frauen Platz 8.773 von 9.294. Platz 27.120 von 27.980 über alles. Demnach habe ich mein Ziel unter den ersten 24.000 zu sein, nicht erreicht. Dazu wäre eine Zeit von 45 min. notwendig gewesen.

Und: Es ist mir egal! Ich habe es geschafft. Ich bin meine zweitbeste Zeit ever gelaufen und seit langem mal wieder einen Schnitt mit einer 8 vor dem min/km.
Und ich habe gemerkt, dass noch Luft nach oben ist, und dass es wirklich Spaß macht.

Wir sind Erster!

Karlsfeld-Triathlon. Endlich. Wieder ein Gänsehauterlebnis für mich. Das Gejohle und Gepfeife und Anfeuern geht mir echt unter die Haut. Und das Grinsen der AthletInnen, die vollkommen stolz aus dem Wasser steigen, ist Gold wert. Da vertrag ich sogar Helene Fischer und Rammstein, die aus den Boxen plärren.
Ich war hin und hergerissen, ob es jetzt eine gute oder nicht so gute Entscheidung war zu kneifen. Das Volk, was beim Volkstriathlon mitgemacht hat, war schon recht durchmischt und ich hätte da ganz gut reingepasst. Hätte hätte Fahrradkette.
Das Hadern hilft jetzt nix mehr. Nächstes Jahr gibt es wieder Veranstaltungen und bis dahin bin ich noch ein Stückchen fitter. Kann dann auch noch besser laufen, und habe auch keine Angst mehr vor der Gesamtsituation. Und vielleicht finde ich bis dahin auch eine(n) MitstreiterIn.

Meine Startnummer und ihr neuer Besitzer haben übrigens grandios mit einem ersten Platz gefinisht. Was hab ich mich gefreut! Herzlichen Glückwunsch.

Achja, und die deutschen Fußball-Männer sind auch endlich mal wieder Erster geworden.

 

Wie die Kinder

Schnell mal eine Veranstaltung in die Woche eingeschoben. Der Sohn läuft mal eben beim Münchner-Kindl-Lauf mit. Vorgestern kam der Anruf von einem Freund, dann kurz entschlossen angemeldet. Zwischendurch war der Start gefährdet wegen eines übel steifen Halses, aber er hat das durchgezogen. Nicht eben die super Sportskanone, hat er sich reingeworfen in das Abenteuer. Ohne Sorgen, ohne Versagensängste, einfach so.

Das finde ich beneidenswert. Es war auch von Anfang an klar, dass sein Freund weit vor ihm ins Ziel kommen würde. Er kam dann als 80. von 100. ins Ziel. Das gab nur ein Achselzucken. Als ich dann nach genauer Inspektion der Ergebnislisten, mitteilte, dass er von allen Jungs 41. und in seiner Altersklasse sogar 24. geworden ist, hat er sich gefreut wie ein Schneider. “Cool!” Diesen Spaß an der Sache finde ich beneidenswert. Einfach mal losrennen und sich freuen. Nicht denken, was die anderen wohl denken. Auch den letzten Platz in Kauf nehmen, weil man nur selbst weiß, was das trotzdem für ein Erfolg sein kann.