Vogelparadies

Von Wittenberge nach Tangermünde

Die Altmark,  eine Kulturlandschaft,  die mir bis neulich gar nicht viel sagte.  Jetzt weiß ich,  dass die unbedingt eine Reise wert ist,  auch zwei oder drei.  Und unbedingt einen Feldstecher mitnehmen.  Und ein Vögelbestimmungsbuch.  Ich bin sehr beeindruckt von der Vielfalt der Flugtiere.  Die ganz kleinen Insekten,  die aber nur bei Pausen auffallen,  oder wenn mal eins in den Mund fliegt.  Aber vor allem die großen Vögel: Störche, richtig viele,  fliegend oder stelzend neben der Straße.  Und dann die Raubvögel.  Leider habe ich ganz wenig Ahnung und auch die Recherche hat nicht viel geholfen.  Adler soll es an die vierzig Brutpaare geben.  Und Rote Milane,  auch Gabelweihen genannt.  Die erkenne ich von unten an ihrem Schwanz.  Sie sind ganz schön groß und segeln sehr schön in Kreisen über dem Feld.  Einmal muss ich anhalten,  weil über meinem Kopf Lärm ist: Eine Krähe flattert um so einen großen Vogel herum und schreit ihn an.  Ich weiß nicht,  was sie ihm alles an den Kopf wirft,  aber es scheint zu wirken.  Der große Vogel kreist noch ein bisschen in der Nähe und verzieht sich dann.

Was in den letzten Wochen zu wenig Wärme war,  war heute fast schon zu viel. Richtig heiß und richtig schwül.  In den Flussniederungen besonders dampfig.  Bin ich froh,  dass Sumpffieber keine Thema mehr ist heutzutage.  Der warme Dampf wird nur unzureichend  von einem kleinen Wind angeweht.  Gewitter liegen in der Luft.

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Auch der Elbedeich zwischen Wittenberge und Havelberg wird derzeit noch renoviert,  deshalb fahren wir heute wieder Straße.  In Havelberg beeindruckt mich der Dom über der Stadt und die Stadt unter dem Dom.  So wuchtig und alt sieht das alles aus.  Und ein bisschen mehr Leben gibt es hier auch.  Liegt wahrscheinlich auch an den Kasernen in der Stadt.

In der Havelberg suche ich gezielt nach einem Einkaufladen und finde einen netto.  Den Fehler von gestern will ich nicht nochmal machen,  denn auf den Zufall,  dass eine mobile Linda mich wieder rettet,  will ich mich nicht verlassen. Im Schatten des Doms genieße ich Buttermilch,  Bananen und Kekse.  Lecker und gut gegen den Reiseblues,  der mich heute voll erwischt hat.  Ich gebe zu: Ich habe keine Lust mehr.  Regelmäßig schaue ich in der DB-App nach,  wie ich wohl nach Hause komme.  Derzeit bin ich bei viermal Umsteigen und neun bis zehn Stunden Fahrzeit.  Das ist mir noch zu lang,  also radel ich weiter.  Ab Leipzig wird die Bahnverbindung akzeptabel.

Nach Havelberg wäre es schön gewesen auf die linke Elbseite zu kommen.  Leider ist die Fähre kaputt und deshalb geht es zwanzig Kilometer mehr oder weniger neben der Bundesstraße geradeaus. Nur  psychisch sehr stabile Menschen können das genießen.  Erst bei Arneburg kann ich die Elbe queren,  dafür aber äußerst umweltschonend.  Die Fähre dort lässt sich an einem Seil von der Strömung von einer Seite auf die andere ziehen.  Ganz leise.

Von hier bis Tangermünde sind es nur noch fünfzehn Kilometer.  Das ist mein Ziel,  hier will ich hin.  Und ich werde belohnt.  Die Stadt ist der Hammer.  Die Wehranlage zum Fluss hin,  die alten Fachwerkhäuser,  und das Leben.  Hier stept der Bär,  für sachsen-anhaltinische Verhältnisse. Die beiden Hauptstraßen sind voll mit Cafés,  Restaurants,  netten kleinen Geschäften und Leuten.  Es ist schön.  Und das Hotel auch.  Es nennt sich Schlafstuben und ist in einem alten Haus untergebracht.  Meine Stube heißt Maleratelier und ist super wild und bunt eingerichtet.  Wie ein Maleratelier.  Und unterm Dach.   Gerade tobt das Gewitter über mir.


Leider habe ich festgestellt,  dass ich heute morgen ein wichtiges Teil meiner Ausrüstung in Wittenberge vergessen habe: Das Kabel,  mit dem ich meine Garmin-Uhr auslesen und den Track hochladen kann. Sehr ärgerlich,  zumal ich außer einem Haargummi in Oldenburg bisher noch gar nichts vergessen oder verloren habe.

Mal sehen,  wie es morgen weiter geht.  Ich weiß es selbst noch nicht.

Daten des Tages #19
Strecke 85 km
Zeit 5:00 h
Ø 16,9 km/h
Höhenmeter Heute nicht, aber eher nicht so viele
Track Heute nicht
Flüsse Elbe, Havel
Knüller des Tages Die Vögel der Altmark, insbesondere die Roten Milane
Links

2 Gedanken zu „Vogelparadies“

  1. Liebe Alexandra,
    dich verlässt die Lust, naja, ich kann es gut verstehen. Du siehst zwar jeden Tag schöne Landschaften und lernst neues kennen, aber irgendwann zieht es einen doch wieder nach hause, oder?
    Du bist ne ganze Menge KM gefahren und wahrscheinlich kommt jetzt ein bisschen die Müdigkeit.
    Aber noch bist du ja unterwegs 🙂
    Wenn du in Leipzig bist, biste nicht weit weg von meiner alten Heimat.
    Grüß das Sachsenland von mir
    Liebe Grüße
    Helge

    1. Ja, Helge, die Müdigkeit kommt. Aber weniger in den Beinen als im Kopf. Wenn ich in die Leipziger Gegend komme, grüße ich selbstverständlich. Heute ist erstmal Magdeburg dran.

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