Archiv der Kategorie: Touren

Berichte von Tagesauflügen, Radausfahrten und mehrtägigen Radreisen, vergangene wie geplante.

Über die Alpen, Part 3: Suganertal, Veneto und Podelta

Der Reisegeschichte dritter Teil beginnt jetzt. Für die Vollständigkeit eins und zwei.

Tag 5: Etsch und müde

Tramin nach Trento: 61,4 km,  3:34 h, 135 hm

Der fünfte Tag ist der fünfte Tag, an dem ich traditionell müde bin.  Ich merke schnell, dass heute nicht viel geht. Und ich lasse es zu. Dann sitze ich halt eine Stunde auf einer Bank und starre auf die Felswand gegenüber, wenn ich nicht Radler schaue. Amerikanische Touristengruppen auf Leihrädern. Pärchen, alte und junge, mit und ohne E. Locals, die ins nächste Dorf radeln, Solos wie ich. Und Rennräder, hauptsächlich mit Männern drauf. Und da hauptsächlich ältere Semester in Lycra. #OMIL 🙂 Über die Alpen, Part 3: Suganertal, Veneto und Podelta weiterlesen

Über die Alpen, Part 2: Reschenpass und Vinschgau

Und weiter geht es auf meiner Reise von Bayern nach Venedig. Der Geschichte erster Teil steht hier.

Tag 3: Über den Alpenhauptkamm

Prutz nach Prad: 78,5 km, 5:47 h, 1.112 hm

Der Morgen in der Gemse in Prutz beginnt protzig. Ich glaube, ich bin die einzige Gästin und muss alles wegfrühstücken, was noch in der Küche ist. Vollgestopft gebe ich irgendwann auf. Die Wirtin zwingt mich dann noch mir Semmeln für den Weg zu schmieren. Mach ich gerne, denn es steht ja eine anstrengende Etappe vor mir. Über die Berge. Den Alpenhauptkamm. Reschenpass. Alles Worte, die mir Respekt einflößen. Über die Alpen, Part 2: Reschenpass und Vinschgau weiterlesen

Über die Alpen, Part 1: Karwendel und Inn

Was haben die Römer, Hannibal und einige Tausend Radler, Autofahrer, Wanderer und ich gemeinsam? Richtig, wir haben die Alpen überquert. Für mich sollte das München – Venedig werden mit dem Rad. In real war es dann Bad Tölz – Venedig – Rovigo. Und ja, mit den Alpen dazuwischen.

Wie ich halt bin, fahre ich nicht einfach los. Da muss schon ordentlich geplant und viele Stunden auf die Karten gestarrt werden. Zum Glück ist die Anzahl der Strecken über die Berge begrenzt, das macht die Entscheidung einfacher. Einige der Pässe disqualifizieren sich sofort von selbst durch ihr Höhenprofil. Dann gibt es noch den “offiziellen” Radweg München-Venezia über den Brenner, ich entscheide mich aber für die Strecke weiter westlich über den Reschenpass und die Abfahrt durch das Vinschgau. Das wäre dann auch die Via Claudia Augusta. Ein Radweg mit einem Namen, das ist doch was für mich. Also los.

Tag 1: Über das Karwendel

Bad Tölz nach Seefeld ; 73,08 km, 4:49:31 Std., 860 hm

Der erste Tag beginnt früh, sehr früh. So gegen vier Uhr in der Nacht. Der Sohn fährt auf Klassenfahrt und muss um fünf im Bus sitzen. Das schaffen wir und ich liege um halb sechs wieder im Bett. Eigentlich wollte ich ja zügig losfahren, aber es ist noch dunkel und vor allem regnet es stark. Der Mann, der mich an diesem ersten Tag begleiten will, ist auch nicht eben eine treibende Kraft und so geht der Morgen rum. Irgendwann entscheiden wir in Zusammenarbeit mit dem Regenradar, dass wir mit dem Auto fünfzig Kilometer gen Süden fahren und eben in Bad Tölz unsere Fahrt beginnen. Ohne Regen. Über die Alpen, Part 1: Karwendel und Inn weiterlesen

Shelter from the storm

Im letzten Artikel einfach nur so nebenbei erwähnt, weckte es reges Interesse. Daher kommt jetzt hier eine ausführliche Anleitung für das Schutzhüttenverzeichnis und Trinkwasserverzeichnis für den Offline-Betrieb.

Im Prinzip geht es so: Gehe zu overpass-turbo.eu, gib eine Suchabfrage ein, lade das Ergebnis als GPX-Datei von dort herunter, und dann lade sie auf ein geeignetes Gerät hinauf, beispielsweise auf ein Garmin-Navi oder eine App auf dem Smartphone, die Offline-Karten hat.  Shelter from the storm weiterlesen

Ein Punkt namens Jota

640 KM, CA. 7.000 HM  |   12.4.2018
START: FRANKFURT AIRPORT, LUFTBRÜCKENDENKMAL
ZIEL: BERLIN, TEMPELHOF
Eine Etappe, Selbstversorger, keine Zeitnahme.
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Das ist die Definition des Candy B. Graveller, einer Radfahrt quer durch Deutschland dem Flugkorridor der Luftbrücke der Candy Bomber folgend und diese so ehrend. Schon letztes Jahr hat mich diese Veranstaltung in ihren Bann gezogen und ich folgte ihr ausgiebig. Dieses Jahr fand sie wieder statt und ich war noch mehr involviert. Der Mann machte sich nämlich auf den Weg in dieses Abenteuer. So hatte ich zwei Punkte auf der Karte, denen ich folgen musste, Jochen, und ein Punkt namens Jota. Jochen hat schon in seinem Blog berichtet, den Mann musste ich ein bisschen ausgefragen:

Andraktiv: Erzähl mal, wie du zum Candy B. gekommen bist. Wie fing es an?

Jürgen: Letztes Jahr hast du intensiv den Candy B. beobachtet und mir dann erzählt, was unser Freund Jochen gerade so Verrücktes treibt. Das hat mich gleich sofort sehr fasziniert. Erst dachte ich ja, du würdest gerne mitfahren, aber als es nicht so aussah, habe ich mich im Januar angemeldet. Startplatz Vierundzwanzig von Siebzig.

Und was hat dich an dieser Veranstaltung so gereizt? Radfahren kannst du ja eigentlich auch wann und wo du lustig bist. 

Für mich war der Anreiz, etwas zu machen, was mich an meine Grenzen bringt. Vielleicht auch darüber hinaus. So lange Strecken bin ich noch nie gefahren. Donau– oder Gurkenradweg sind ja inzwischen nicht mehr so die Herausforderung. Beim Laufen hatte ich schon eher solche Erlebnisse gehabt: Der Jakobsweg vor einigen Jahren, meine Marathons oder auch der Jakobslauf im letzten Jahr.

Bei so einer Fahrt steigt man ja nicht einfach mal so aufs Rad und sagt, ich bin dann mal weg. Hast du trainiert? Bergfahren, Graveln. Überhaupt Kilometer schrubben. 

Nö.
[Anm. d. Red: Natürlich hat er trainiert: Laufen, Spinning, Skifahren gehört auch zum Training.] Ein Punkt namens Jota weiterlesen

Rosa Brillen und schöne Aussichten. Adria-Alpe 4

Es muss gesagt werden, weil es wahr ist: Der Weg zurück war schön. Knallblauer Himmel, angenehme Temperaturen, eine humane Abfahrtszeit des Zuges. Zwischendurch hatte ich schon nochmal einen Kloß im Hals, wenn ich an Italien dachte, aber was soll’s? Wir sind zeitig am Bahnhof und chillen (mal wieder) herum. Ich starre die Berge an, während der Sohn mir auf seinem Handy irgendwelche Präludien vorspielt. (Nein, er ist kein Klaviervirtuose, es handelt sich um eine Spiele-App, bei der man ganz schnell irgendwelche Tasten drücken muss. Die klassische Musik ist nur Begleiterscheinung. Man ist ja dankbar für alles.)

Irgendsoeinberg und blauer Himmel

Der Zug ist noch schön leer. Ich sitze die meiste Zeit auf einem Klappsitz im Fahrradwagen, weil da die Fenster größer und die Aussicht schöner ist. Der Zugführer, der sein Abteil auch im Fahrradwagen hat, gibt mir zwischendurch den guten Rat, mich doch auf einen ordentlichen Sitz zu setzen. Ich lehne ab wegen der Aussicht. Rosa Brillen und schöne Aussichten. Adria-Alpe 4 weiterlesen

Lebensgefahr und Aus. Alpe-Adria 3

Sonne in Mallnitz. Vor uns liegt eine Mordsabfahrt. Serpentinen und insgesamt 700 Höhenmeter auf fünf Kilometer. Wir freuen uns darauf. Aber stell dir vor, du fährst bergab, und deine Bremsen machen nicht mit. Vorne zieht die Bremse so gut wie gar nicht, und die hintere schafft es nicht, mein Gewicht und das des Gepäcks bei dieser Geschwindigkeit abzubremsen. Ein ganz übles Gefühl. Ganz übel. Hinter mir juchzt der Sohn, der mit seinen hydraulischen Bremsen den Spaß seines Lebens hat.  Lebensgefahr und Aus. Alpe-Adria 3 weiterlesen

Anatomisches und Langeweile. Alpe-Adria 2

Ich gestern zum Sohn so: Creme dir die Sitzknochen auch ein. Der Sohn heute so: Tut mir mein Po weh. Und jetzt weiß ich auch, wo meine Sitzknochen sind.

Der Salzachradweg ist schön und flach

Wir sind heute müde, der Wetterbericht gefällt uns nicht und der Berg, der auf der Strecke herumsteht, auch nicht. Deshalb beschließe ich, dass wir nur 22 Kilometer bis Schwarzach fahren und dort in den Zug steigen, der uns nicht nur hoch ins Gasteinertal sondern gleich rüber über den Alpenhauptkamm bringt. Nein, nicht drüber, durch natürlich. Der freundliche ÖBB-Berater winkt erstmal ab. Anatomisches und Langeweile. Alpe-Adria 2 weiterlesen

Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1

Zugegeben, der Titel ist etwas pretentiös, aber passt auch irgendwie. Stolz ist der Sohn, der seine längste Radfahrt ever (52km) geschafft hat, seine schnellste Abfahrt (47 km/h) und die meisten Höhenmeter (428 hm, warum Strava daraus über 1.000 macht, kann ich nicht sagen). Stolz bin auch ich, nämlich auf den Sohn, dass er fast gar nicht gejammert hat und auch nur wenige Pausen brauchte. Und stolz bin ich auf mich, dass ich diese Tour einigermaßen locker die Berge hochgekommen bin. So ganz sicher war ich mir nämlich nicht, mit Gepäck und allem. Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1 weiterlesen

Throwback und Blick nach vorn

Wenn aktuell nicht viel los ist, dann muss man sich an aufregendere Zeiten erinnern. Und das kann ich seit gestern ausführlich tun. Gestern vor einem Jahr begann am südlichen Bodensee nämlich meine große Tour durch Deutschland. Heute vor einem Jahr war ich zwischen Schaffhausen und Basel unterwegs. Das Wetter war heute wie damals auch deutlich zu nass, was aber der authentischen Erinnerung recht zuträglich ist.

Natürlich erinnere ich mich das ganze Jahr schon immer wieder an unterschiedliche Aspekte meiner Tour. An Gefühle, an Gerüche, an Orte oder an Menschen. Throwback und Blick nach vorn weiterlesen