Sechzig gen Südwest

Verabredung mit meinen Eltern in Dießen am Ammersee. Wetter gut und meine Männer kommen ohne mich zurecht. Also steig ich auf’s Radl und mache mich mit zweieinhalb Stunden Vorsprung auf den Weg gen Südwest.
Diese Ecke des Umlands ist schön. Unbestritten. Aber weil ich im Osten wohne, brauche ich die erste Stunde, um überhaupt erstmal durch die Stadt und an der anderen Seite wieder rauszukommen. Und dann kenne ich mich nicht soo gut aus hier und habe mir die Tour von komoot planen lassen. Normalerweise machen die das ganz gut, aber diesmal waren ein paar Auto-Rennstrecken dabei, die definitiv keinen Radl-Spaß bringen. Manche Überholsituationen von den Autos fand ich sogar fast schon lebensgefährlich. Bei meiner nächsten Tour werde ich meinen raderfahrenen Freund C., der weiß, wo die schönen Strecken sind.

Etwas später wurde es dann ländlicher und ruhiger. Nur noch ab und zu sind Kamikaze-Motorräder an mir vorbei gebrettert und habe direkt neben mir das Gas aufgedreht, dass ich fast einen Herzkaspar hatte. Idioten. (Und ich verrate jetzt nicht, dass ich auch Motorrad gefahren bin und wahrscheinlich auch überhaupt gar nicht an die Radfahrer dachte, die ich überholt habe). So ändert sich der Standpunkt. Interessant.

Weiter auf meinem Weg lag der Heilige Berg von Andechs rechts von mir. Ich habe mal kurz über eine schnelle Maß nachgedacht, habe mich aber angesichts der knappen Zeit dagegen entschieden (und weil ich auch sonst eher selten eine Maß Bier trinke). Und ich habe mich auf die Abfahrt gefreut. Die hat mir komoot angekündigt und ich habe sie mir verdient, fand ich. Ich fahre ja gerne im Flachland und da auch gerne schnell und mal mit einem Sprint zwischendrin. Aber diese Hügel und Berge machen mich echt fertig und bringen meinen Puls an die Höchtsgrenze. Da muss ich definitiv noch üben.
Die Abfahrt von Erling nach Fischen war jedenfalls schön. Nicht zu steil. Bremsen war fast nicht nötig. Sehr erholsam. Und sie hat meinen Gesamtdurchschnitt um 0,5 km/h in die Höhe gezogen. Danke dafür.

Nach zweieinhalb Stunden und knapp sechzig Kilometern war ich dann in Dießen. Der Weg zum Treffpunkt am Wanderparkplatz hat mich nochmal gefordert (Berg, was sonst?), aber so habe ich die 60K vollmachen können. Zufrieden und insgesamt gar nicht so fertig wie erwartet, machte ich mich dann auf zum Wanderspaziergang auf dem Waldlehrpfad mit der Familie. Der war zum Glück nicht sooo anstrengend.

Ich finde sechzig ist schon eine ganz ordentliche Zahl. Leider kenne ich aber auch ein paar Leute, die sich einen Tag Urlaub nehmen, um mal eine große Tour zu machen, was dann 230 km im Karwendel mit Kesselberg und allem sind. Da komme ich nicht ran, derzeit nicht und in diesem Leben wahrscheinlich auch nicht mehr. Ich freue mich einfach an meinem dramatisch erweiterten Radius. Und am Radfahren an sich.