Archiv der Kategorie: Elberadweg

2016 – das wars

Achtung Jahresrückblick! Keine Sorge, wird nicht schlimm und auch nicht wahnsinnig besinnlich oder rührselig. Eher schön und zufrieden. 2016 war für mich persönlich ein schönes Jahr, auch wenn drumherum alle sagen, wie schrecklich es war. Natürlich machen mich Kriege und verstorbene Prominente betroffen, aber die gibt es jedes Jahr. Durchgeknallte Politiker gibt es nicht jedes Jahr, aber die verschwinden hoffentlich auch bald wieder. Viel mehr bleiben doch die persönlichen Erinnerungen, oder nicht?

Hier sind ein paar von meinen. Die Dinge, mit denen 2016 mir in Erinnerung bleiben wird.

Und für die Leserinnen und Leser, denen das hier jetzt zu lang wird: Vielen Dank für Eure Treue, fürs Mitlesen, fürs Kommentieren (hier oder auf anderen Kanälen). Mir macht es Spaß für Euch zu schreiben und ihr seid mir immer wieder Motivation. Mag komisch klingen, sowas zu einer mehr oder weniger anonymen Menge zu schreiben, ist aber so. Also wünsche ich euch nicht nur einen guten Jahresanfang, sondern auch ein gutes Jahr 2017. Wir sehen uns hier. Liebe Grüße, Alexandra

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Sag mal …

Heute mal ein neues Format und damit der krönende Abschluss meiner Reise: Meine Freundin  Sabine, ihres Zeichens Reisejournalistin  und PR-Beraterin, wollte einiges über die Radtour wissen. Natürlich beantworte ich Ihre Fragen gerne, und wie sich zeigt, ergibt das Ganze nochmal eine schöne Zusammenfassung. 

Sabine: 1800 Kilometer in 21 Tagen: Hättest Du selbst gedacht, dass die Tour so umfangreich wird?

Alexandra: Ehrlich gesagt, hatte ich mehr geplant. In den sechs Monaten Planungsphase habe ich viele viele Stunden vor Google Maps gesessen und geplant. Ich hielt es für realistisch einen Schnitt von 19 km/h zu fahren und somit jeden Tag hundert oder mehr Kilometer abzufahren. Das hätte mich dann bis zurück nach Bayern, wenn nicht sogar bis heim gebracht. Die volle Ausbaustufe hätte 2.300 km gehabt. Leider war die Realität vor Ort so, dass ich meistens nur einen Schnitt von um die 16 km/h hatte. Es lag am Wetter, an den Wegen und an meiner Kondition. So habe ich mich relativ schnell vom Maximalkilometerziel verabschiedet.

Wie viele Kilometer hattest Du ursprünglich kalkuliert?

2.300 wäre die volle Runde gewesen: Bodensee-Nordsee-Hamburg-Elbe-Saale-München. Als Fallback hatte ich eine kürzere Runde ohne Nordseesichtung gedacht, die auf halber Höhe nach Osten kreuzt und auch in München endet. Die wäre 1.800 km gewesen.

Insbesondere der Einstieg mit seinem schlechten Wetter war ja sehr hart. Wie oft hast Du ans Umkehren gedacht?

Bodensee im Hintergrund
Bodensee im Hintergrund

Kein einziges Mal. Nicht ans Umkehren und auch nicht ans Aufhören. Höchstens mal ans Pausieren oder Abkürzen.
Der erste Tag war ja regentechnisch der GAU, und obwohl ich die meiste Zeit entlang der Bahnlinie am Bodensee fuhr und auch öfters Züge sah, die nach Schaffhausen, meinem Ziel an dem Tag, fuhren, kam mir kein einziges Mal der Gedanke, dort einzusteigen. Ich war auch viel zu nass und hätte nur den Zug eingesaut.

An drei anderen Tagen bin ich schon mal in den Zug gestiegen. Hauptsächlich, wenn ich eine Verabredung mit jemandem hatte und zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein wollte. Und einmal bin ich Bötchen gefahren, auf dem Rhein.

Was war denn dann der schwärzeste Moment auf Deiner Tour?

Die schwärzesten Momente waren die Tage vor der Tour. Ich fühlte mich nicht genug trainiert, alles tat weh und mir war permanent schlecht. So richtig übel. Das änderte sich erst zur Mitte des ersten Tages, als die Übelkeit langsam in Hunger überging, der mit einer Banane und einem gekochten Ei verschwand. Ab da war es gut. Regen, Frieren und Poweh sind keine schwarzen Momente auf einer Radtour. Die gehören dazu.

Den schwärzesten Moment im wörtlichen Sinne hatte ich kurz vor Magdeburg. Der Himmel in dieser Richtung war schon sehr beeindruckend schwarz, und das am Mittag. Sag mal … weiterlesen

Glück gehabt

Von Tangermünde nach Schönebeck

Wer hätte das gedacht,  nochmal so ein Ritt nach meinem Durchhänger gestern.  Den Tag lasse ich ganz langsam angehen.  Es regnet draußen in Strömen,  also kein Grund zur Hektik.  Außerdem ist mein Rad ganz schlimm in der Garage eingeparkt. Ich muss eh warten.  Trödel ich halt beim Frühstück und Packen.  Der Mann daheim schlägt immer wieder vor,  ich soll mal an einem Ort bleiben und Pause machen.  Irgendwo,  wo es mir gefällt.  Aber der Gedanke gefällt mir nicht.  Ein ganzer Tag in einem kleinen Ort.  Och, nö,  Ich möchte weiter.

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Karsten Schwanke hat für heute ganz Fürchterliches für meine Region vorhergesagt,  also mache ich mich auf das Schlimmste gefasst.  Aber irgendwie habe ich Glück.  Es regnet zwar,  und zwischendurch sogar richtig ordentlich,  aber es ist warm und die Duschen gehen auch wieder vorbei.  Zwei Stunden am Vormittag kann ich Pinkie sogar ganz ausziehen.  Ich binde sie mir um den Bauch,  damit sie schnell parat ist.

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Vogelparadies

Von Wittenberge nach Tangermünde

Die Altmark,  eine Kulturlandschaft,  die mir bis neulich gar nicht viel sagte.  Jetzt weiß ich,  dass die unbedingt eine Reise wert ist,  auch zwei oder drei.  Und unbedingt einen Feldstecher mitnehmen.  Und ein Vögelbestimmungsbuch.  Ich bin sehr beeindruckt von der Vielfalt der Flugtiere.  Die ganz kleinen Insekten,  die aber nur bei Pausen auffallen,  oder wenn mal eins in den Mund fliegt.  Aber vor allem die großen Vögel: Störche, richtig viele,  fliegend oder stelzend neben der Straße.  Und dann die Raubvögel.  Leider habe ich ganz wenig Ahnung und auch die Recherche hat nicht viel geholfen.  Adler soll es an die vierzig Brutpaare geben.  Und Rote Milane,  auch Gabelweihen genannt.  Die erkenne ich von unten an ihrem Schwanz.  Sie sind ganz schön groß und segeln sehr schön in Kreisen über dem Feld.  Einmal muss ich anhalten,  weil über meinem Kopf Lärm ist: Eine Krähe flattert um so einen großen Vogel herum und schreit ihn an.  Ich weiß nicht,  was sie ihm alles an den Kopf wirft,  aber es scheint zu wirken.  Der große Vogel kreist noch ein bisschen in der Nähe und verzieht sich dann.

Was in den letzten Wochen zu wenig Wärme war,  war heute fast schon zu viel. Richtig heiß und richtig schwül.  In den Flussniederungen besonders dampfig.  Bin ich froh,  dass Sumpffieber keine Thema mehr ist heutzutage.  Der warme Dampf wird nur unzureichend  von einem kleinen Wind angeweht.  Gewitter liegen in der Luft.

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Grenzerfahrungen

Von Damnatz nach Wittenberge

Bisher war ich der Meinung,  dass die “andere”  Seite der Elbe Brandenburg ist.  Ich wurde ganz schnell eines besseren belehrt, als ich auf einmal in Mecklenburg-Vorpommern stand.  An jeder dieser Brücken und Fähren steht ein Schild,  das Tag und Stunde des Teilungsendes verkündet.  Leider steht nicht dabei,  ob beispielsweise an einem Dezembertag 89 abends um sechs ein paar Leute mit einem Boot über den Fluss sind,  oder was genau da passiert ist,  das die Trennung von Deutschland und Europa beendet hat.  Ich habe inzwischen schon drei oder vier dieser Schilder gesehen.

Mein Weg führt mich heute nach Osten,  manchmal auch Südosten.  Das weiß ich so genau,  weil genau aus dieser Richtung der Wind weht.  Habe ich “weht”  gesagt?  “Stürmt”  wäre der bessere Ausdruck.  So komme ich nur sehr langsam voran.  Aber ohne Wind wäre auch nicht gut,  weil es richtig sommerlich warm ist,  bestimmt über 25 Grad.

Der Elberadweg auf der mecklenburg-vorpommerschen Seite wird gerade restauriert, und die Radler werden auf Straße umgeleitet, was nicht weiter tragisch ist,  weil auch auf Bundesstraßen ganz wenig los ist.  Auch die Orte,  durch die ich komme,  sind ganz still und leise und leer.  Das finde ich zunächst ganz interessant und erholsam,  als sich aber der Hunger meldet und ich einen Bäcker oder irgendeinen Laden suche,  werde ich langsam nervös.  Es gibt keine Bäcker,  Metzger oder Tante Emma-Läden.  Nichts.

In Lenzen setze ich mit der Fähre über nach Niedersachsen und hoffe,  dort etwas Essbares erwerben zu können.  Erst am Gartower See gibt es eine Imbissbude.  Currywurst,  Döner oder Rhabarbereis.  Ich entscheide mich für letzteres,  was in dem Moment eine gute Idee ist,  aber leider nicht lange vorhält.

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Ohne Worte

Von Brietlingen nach Damnatz

Eigentlich wollte ich früh raus,  um vor den angekündigten Gewittern schon irgendwohin gekommen zu sein.  Als die Wecker-App dann um halb sieben klingelt,  regnet es draußen.  Kein Grund zur Eile also und nochmal umdrehen.  Um halb zehn,  als ich endlich im Sattel sitze,  ist es wieder trocken.  Ich fahre ein Stückchen zurück Richtung Lüneburg,  um endlich mal ein echtes,  großes Schiffshebewerk in Aktion zu sehen.  Ich bin beeindruckt. So richtige Schiffe,  beladen mit Containern,  fahren ganz langsam und ganz leise in dieses Gebäude.  Dann geht die Klappe zu,  der Lift fährt nach unten und sie fahren unten wieder raus.  Wer sich sowas ausdenkt, oder besser: wer sich als erstes getraut hat,  sowas zu denken.  Und ja,  ich weiß,  das ist ganz einfache Physik.  Aber trotzdem.

Physik ist auch die Gewitterfront,  die mir die  Regenradar-App anzeigt.  Zeit für Pinkie.  Es ist zwar nicht akut,  aber besser vorsehen als nachsehen.  Kurz danach regnet es,  nicht schlimm,  aber stetig für eine Stunde.

Als ich an der Elbfähre in Bleckede bin,  ist schon fast alles vorbei, und ganz vorbei ist es ein wenig später.  Es wird warm und wärmer, der Seitenwind ist kräftig aber lau.  Ich kann mich wieder entblättern.

Ich fahre auf der Ostseite,  also auf der Nordseite der Elbe,  im ehemaligen Osten, sozusagen.  Der Weg auf dem Deich ist glatt und es macht Freude zu fahren.

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Ilmenau? Ilmenau!

Von Hamburg nach Lüneburg

Dies ist wieder ein Tag in Begleitung.  Gestern konnte ich den Klassenkameraden überreden mich ein Stück des Wegs zu begleiten.  Das war überhaupt nicht schwer bei den Wetteraussichten.

Bevor ich zum verabredeten Treffpunkt komme,  fahre ich noch die Belohnung der gestrigen Mühen ein.  Es geht auf den ersten acht Kilometern locker sechs davon bergab.  Das sind die Harburger Berge,  die ich mich gestern hochgemüht habe.  Als es unten weitergeht,  merke ich,  dass ich meine GPS-Uhr nicht eingeschaltet hatte.  Ich weiß, dass ich gedrückt hatte,  es war aber wohl nicht stark genug. Seit der Radtour sind meine Hände eher schwächer als stärker geworden,  und ich habe wohl nicht ordentlich gedrückt.   Was ich mich schon mit Drehverschlüssen abgemüht habe und manchmal schier verzweifelt bin.

Der Kamerad,  nennen wir ihn der Einfachheit halber “Michael” , führt mich ortskundig durch Harburg an die Elbe.  Ganz in der Ferne sehen wir die riesen Kräne des Hamburger Hafens,  und stehen doch selbst mitten in der Pampa,  so scheint es.

Als wir die Elbe erreichen,  machen wir ein Päuschen,  weil ich fotografieren muss.  Derweil zieht der Michael ein Bierchen aus der Fahrradtasche. Eigentlich zwei,  aber ich lehne ab. Ich vertrage Alkohol nur unter bestimmten Umständen,  und der Beginn eines Fahrradtages gehört bestimmt nicht dazu.  Ich will  jedoch nicht als Spaßbremse dastehen,  also ziehe ich mein Faltgeschirr aus der Tasche,  und nach ein bisschen Origami bekomme ich ein bisschen Bier eingeschänkt.  Wirklich praktisch.

Weiter an der Elbe stellen wir fest,  dass es gar nicht mal so schön ist, unten am Deich an der Straße zu fahren und von der Elbe nichts zu sehen.  Dank meiner intensiven Vorbereitung der letzten Wochen und Monate fällt mir irgendwann ein Schild zum Ilmenau-Radweg auf.  Die Ilmenau ist der Fluss,  der durch Lüneburg fließt und in die Elbe mündet.  So weit ich weiß,  weder verwandt noch verschwägert mit dem Ilmenau in Thüringen. Und weil Lüneburg sowieso unser Ziel ist,  disponieren wir spontan um und folgenden der Ilmenau. Und das war eine wirklich gute Entscheidung.  Dieser Tag war landschaftlich und radwegisch einer der schönsten Abschnitte meiner Tour.  Und das lag nicht nur am grandiosen Wetter.  Die Dörfer so putzig wie in einem Museum.  Am liebsten hätte ich viel mehr fotografiert,  aber vor vielen der schönen Häuser werkelten die Bewohner im Garten.  Da wollte ich dann doch  nicht. Ilmenau? Ilmenau! weiterlesen

Im Wald

Von Bremerhaven nach Hamburg-Sieversen

Heute ging es durch den Wald.  Schon wieder unerwartet.  Ich stelle mir ja immer vor,  wie der Weg vor mir sein wird,  und Wald kam da nicht vor.  Das zeigt wieder deutlich,  wie wenig ich Deutschland eigentlich kenne.  Ich reise gerne und gerne auch in andere Länder,  aber inzwischen finde ich immer mehr Gefallen an Urlaub in Deutschland.  Spießig?

Der Tag in Bremerhaven fängt mit einem grandiosen Frühstück an. Ich hatte mir ja zur Feier des Tourziels ein hübsches Hotel geleistet, Zimmer im achten Stock mit Blick aufs Wasser.  Das Frühstück war auch unglaublich.  Gut,  dass ich zur Zeit eine gute Ausrede habe, ordentlich zu frühstücken: Ei, Fisch,  gegrillte Tomaten, Bierchermüsli.  Nur den Butter-Automaten habe ich leider nicht als solchen erkannt.

Weil ich gestern Abend schon eine recht rote Birne hatte,  auch ohne direkte Sonneneinstrahlung,  schmiere ich mich ordentlich ein. Es soll ja heute noch schön werden.  Momentan ist allerdings noch Nebel.  Der Nebel verdichtet sich bald zu Nebelniesel und wäscht mir die Sonnencreme in die Augen.  Das brennt ganz ordentlich und treibt mir Tränen die Augen.  Ich sehe wenig,  kombiniert mit dem feinen Tropfenmuster auf der Brille,  bin ich eine Gefahr für mich und den Straßenverkehr.  Die Nivea Sonne auf meinen Beinen sammelt inzwischen die Botanik der Straße.  Ich lass das Zeug dran,  weil ich hoffe,  dass es trocknet und sich dann einfach abwedeln lässt.  Ist aber nicht so und deshalb fahre ich den ganzen Tag mit gepunkteten Beinen.

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