Dunkelheit im Mittsommer

Freitag später Nachmittag. Ich sitze am Computer und surfe ziellos herum. Platt von der Woche und vom Tag. Und langsam merke ich, wie meine Augen schwer werden. Das ist schlecht, weil ich nämlich später um neun fit sein muss. Ich muss heute noch telefonieren mit Kolleginnen in Arizona und Canada. Wegen der vielen Zeitzonen zwischen uns muss eine immer in den sauren Apfel beißen und zu unorthodoxen Zeiten bereit stehen. Heute bin ich halt dran. Aber bis neun ist ja noch hin.
Draußen steht das Radl auf der Terrasse und lächelt mir zu. Ich würde gerne die Bergtauglichkeit des Rades optimieren. Und dazu musste ich Zahnräder und Zähne zählen, damit der Freund vom Bruder, seines Zeichens Müsing-Händler und quasi umme Ecke, was Qualifiziertes dazu sagen kann.
Also Rad eh schon aus dem Schuppen, draußen mal gerade kein Regen, Abendbrot macht sich bestimmt irgendwie von selbst, also rauf aufs Rad und eine Stunde zum Aufwachen in den Wind.
Und winden tut es tatsächlich. Dicke dunkle Wolken ziehen über den Himmel. Die Luft ist kalt und es ist viel zu dunkel und diesig für die Jahres- und Tageszeit. Trotzdem macht mir die Kurzrunde Spaß. Die ganze Woche habe ich mich nicht bewegt. Meistens war das Wetter schlecht. Und ich war auch immer ein wenig müde, was natürlich am Wetter liegt, und  vielleicht auch ein bisschen auch daran, dass ich mir in den letzten drei Nächten alle zwölf Folgen von Sense8 ansehen musste und nicht aufhören konnte, weil ich natürlich wissen wollte, wie es weiter- und ausgeht. Unglaublich spannend und das Thema finde ich toll Kann ich nur empfehlen!
Nach einer Stunde lockeren Tretens reicht es auch und ich docke wieder daheim an. Morgen soll es auch nochmal zwei Stunden am Vormittag geben, in denen es nicht regnet. Ich werde meine Wollunterwäsche anziehen und hoffen, dass ich dieses Zeitfenster erwische.