Überlaufbehälter der Hydraulik ist leer

Die leere Louise

Mountainbike steht auf dem KopfWinterradeln ist mein Hashtag der letzten Wochen und Monate. Bisher war es ja nicht so weit her damit. Entweder fehlte der Winter, oder ich konnte nicht radeln, weil krank. Aber in der ersten Woche des Jahre war Schnee angekündigt, ich war wieder fit und machte mich daran, mein Mountainbike zu einem Winterbike zu pimpen und weil das Mountainbike nicht so ganz das fitteste ist, gibt es einiges zu tun.

  1. Mountainbike-Mantel in NahaufnahmeReifen. Die alten Mäntel sind abgefahren und brüchig und müssen erneuert werden. Weil ich im Laden nicht gleich bedient werden kann, stehe ich eine Weile vor den Spike-Mäntel rum und kontempliere. Will ich die? Brauch ich sie? Bin ich bereit hundertzwanzig Euro auszugeben? Nein. Letztendlich gehe ich mit dicken MTB-Mänteln ohne Spikes.
  2. Bremsbeläge. Schon beim Kauf drückte mir der Vorbesitzer Bremsbeläge in die Hand. “Die müssen mal erneuert werden”. Das ist schon zwei Sommer her.
  3. Spritzschutz. Haben wir noch daheim.

Scheibenbremse in NahaufnahmeNeue Mäntel und Schläuche aufziehen ist mit Mountainbike-Reifen ein Kinderspiel. Schwupps. Fertig.

An den Bremsbelägen fummel ich deutlich länger herum und schaffe es letztendlich nur vorne neue Beläge einzubauen. Die hinteren kriege ich partout nicht rein.

Mangels Montageständer repariere ich mein Rad auf dem Kopf stehend, will heißen, das Rad steht auf dem Kopf. Als fast alles fertig ist, drehe ich es um. Probiere die Bremse aus und falle in Ohnmacht. Die zieht überhaupt nicht. Null. Ich kann den Bremshebel ganz durchziehen. Ich google ein bisschen und finde nichts. Telefoniere die Radläden in der Nähe durch, aber die sind alle in Urlaub. Dann twittere ich meinen Frust raus, und der Mann ruft umgehend an. Er followt mir. Sein Tipp: Stell das Rad auf, trinke einen Tee, damit die Hydraulik Zeit hat sich wieder zu richten. Mach ich, bringt aber nichts. Auch nicht, als ich dem Rad eine Nacht im warmen Wohnzimmer gönne. Nichts. Mist.

Natürlich recherchiere ich weiter. Ich weiß inzwischen, dass meine Bremse Louise heißt, hydraulisch funktioniert und Entlüften einen Option wäre. Nicht für mich, denke ich, das soll ein Profi machen. Aber der Mann hat schon ein Entlüftungskit recherchiert und ich nehme die Herausforderung an.

Youtube und Anleitung auswendig lernen und das Wohnzimmer eine Werkstatt umfunktionieren. Der Keller ist mir zu kalt. Und dann geht’s los. Rad amputieren, Infusion legen, Hirnschale abschrauben. Und da ist die Überraschung: Der Überlaufbehälter der Louise ist leer. Das kommt unerwartet und ich lache innerlich über mein dummes Gesicht. Kein Wunder, dass nichts geht. Ich fülle die Louise nach Vorgabe von unten durch die Infusion. Mache einen Fehler. Fang nochmal von vorne an. Der Mann assistiert tapfer, trotz krank und Fieber. Und dann funktioniert es. Operation gelungen. Ich bin soo stolz.

Derweil schneit es draußen weiter. Inzwischen haben wir gut zwanzig Zentimeter Schnee. Das wird morgen ein tolles #Winterradeln.

P.S.: Und dann könnte ich auch nochmal an meine Blogparade zum Thema Winterradeln erinnern.

9 Gedanken zu „Die leere Louise“

  1. Du hast recht! Auf der Heimfahrt heute war nur das Rumpeln des festgefahrenen Schnees (“dimples”) auf der Straße zu spüren. Nach dem großen Tauwetter ist es dann wirklich brettl-eben. 🙂

  2. Liebe Alexandra,
    nachdem nun — zusätzlich zur Felge Andra — auch die “blaue Louise” als Endlosschleife in meinem Hirn umläuft, versuche ich mich gerade daran, lieber “Gasteig und Gebsattelberg sind brettl-eben!” als sog. Hirnbild zu programmieren.
    Vielen Dank für die tollen Einblicke in Deine Winterradelei!
    Viele Grüße und stets gute Fahrt für Dich und Louise,
    Stephan und seine Andras

    1. Gasteig, Gebsattel und Giesinger Berg sind doch schon brettleben, wenn du sie in Vergleich zu Timmelsjoch oder Stilfser Joch stellst. Zumindest gehen sie schneller vorbei. Noch besser ist es natürlich, wenn du sie hirntechnisch gar nicht wahrnimmst oder nur als “dimple in the road”, wie ein Freund mal den Berg im Riemer Park bezeichnete.

  3. Liebe Alexandra,
    ich mache ja schon viel an meinen Rädern, aber an die Bremsen lasse ich tatsächlich nur den Fachmann. Da weiß ich dann wenigstens wem ich die Schuld geben kann, wenn es nicht funktioniert 😆
    Du bist ganz schön taff, das du das dir einfach so aneignest. Hut ab 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    1. Liebe Helge, wenn ich in etwa verstehe, wie ein System funktioniert, kann ich auch in etwa einschätzen, ob meine Repariererei in die richtige Richtung geht. Und dann habe ich ja immer noch einen Ingenieur zu Hause, der wieder alles richtet.
      Und wegen der Bremsen: München ist ja Brettl-eben, wie wir hier sagen. Da muss man nicht bremsen 🙂

      1. Ah, ok, wenn du sowieso nicht bremst, dann ist das auch ok mit den Bremsen 😆
        Ich stürze mich, gerade aus der Haustür gekommen, immer erstmal in den Abgrund, da verzichte ich sehr ungern auf die Bremsen. Man sagt ja immer, wer bremst verliert, aber in diesem Zusammenhang denke ich kann man OHNE Bremsen weit aus mehr verlieren 🙂
        Ich wünsche dir allzeit gute Fahrt, und ich denke, wenn man sich damit beschäftigt, ist es eh immer besser, die Dinge selbst zu reparieren. Schließlich weiß man dann wenigstens, was man hat.
        Und jetzt warte ich natürlich auf den Bericht über die Benutzung des Rades 🙂
        Liebe Grüße
        Helge

  4. Liebe Alexandra,
    wieso nur krieg ich jetzt die blaue Elise nicht mehr aus dem Kopf? 😉
    Ich bin beeindruckt, was du alles selbst machen kannst am Rad. Da bin ich wirklich sehr schlecht dabei. Naja, das ist untertrieben. Ich bin unfähig auch nur eine Kleinigkeit selbst zu richten! 😀
    Ich hoffe, du hattest heute viel Spaß beim radeln und Louise wird nicht mehr so bald leer! 🙂

    1. Was ist das bildliche Pendant zu einem Ohrwurm? Hirnbild? Na, vielen Dank jedenfalls für die Blaue Elise. Mein Verhältnis zu meiner Bremse wird nie wieder sein wie vorher.
      Und das mit dem Selbstmachen, das lässt sich lernen. Mit ein bisschen Traute, Youtube und notfalls einem Experten in der Hinterhand geht das alles.
      Viele Grüße, Alexandra

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