Alltagsradeln

Wie angekündigt, kommen jetzt wieder die Alltäglichkeiten. Sowas wie der tägliche Weg zur Arbeit. Das ist nicht mehr so spektakulär, aber dieser Blog war und ist ja ein Normalleben-Blog, und das Reiserad ist wieder zum Alltagsbike für das Normalleben mutiert und der Inhalt meiner Ortlieb-Taschen ist jetzt auch wieder ein anderer.

Das Radfahren im Normalleben besteht zur Zeit hauptsächlich aus dem Weg zur Arbeit. Aus dem letzten Post, dem mit dem Interview, kamen noch die Fragen, ob und wie sich mein Alltagradeln verändert hat. Gar nicht, war mein erster Gedanke, aber das stimmt nicht. Wenn ich jetzt auf dem Alltagsrad sitze, bin ich weniger gehetzt. Es sieht zwar aus wie ein Rennrad, aber es ist keins. Wenn ich mit dem echten Rennrad unterwegs bin, sehe ich zu, dass ich schnell bin und auch aus der Puste komme und schwitze. Mit dem Alltagsrad ist mir das egal. Ich fahre und wenn mir der Wind entgegen bläst, dann wird es halt langsamer. Ich habe auch keine Lust, vollkommen derangiert in der Arbeit anzukommen, deshalb
geht es gemütlicher.

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Sag mal …

Heute mal ein neues Format und damit der krönende Abschluss meiner Reise: Meine Freundin  Sabine, ihres Zeichens Reisejournalistin  und PR-Beraterin, wollte einiges über die Radtour wissen. Natürlich beantworte ich Ihre Fragen gerne, und wie sich zeigt, ergibt das Ganze nochmal eine schöne Zusammenfassung. 

Sabine: 1800 Kilometer in 21 Tagen: Hättest Du selbst gedacht, dass die Tour so umfangreich wird?

Alexandra: Ehrlich gesagt, hatte ich mehr geplant. In den sechs Monaten Planungsphase habe ich viele viele Stunden vor Google Maps gesessen und geplant. Ich hielt es für realistisch einen Schnitt von 19 km/h zu fahren und somit jeden Tag hundert oder mehr Kilometer abzufahren. Das hätte mich dann bis zurück nach Bayern, wenn nicht sogar bis heim gebracht. Die volle Ausbaustufe hätte 2.300 km gehabt. Leider war die Realität vor Ort so, dass ich meistens nur einen Schnitt von um die 16 km/h hatte. Es lag am Wetter, an den Wegen und an meiner Kondition. So habe ich mich relativ schnell vom Maximalkilometerziel verabschiedet.

Wie viele Kilometer hattest Du ursprünglich kalkuliert?

2.300 wäre die volle Runde gewesen: Bodensee-Nordsee-Hamburg-Elbe-Saale-München. Als Fallback hatte ich eine kürzere Runde ohne Nordseesichtung gedacht, die auf halber Höhe nach Osten kreuzt und auch in München endet. Die wäre 1.800 km gewesen.

Insbesondere der Einstieg mit seinem schlechten Wetter war ja sehr hart. Wie oft hast Du ans Umkehren gedacht?

Bodensee im Hintergrund
Bodensee im Hintergrund

Kein einziges Mal. Nicht ans Umkehren und auch nicht ans Aufhören. Höchstens mal ans Pausieren oder Abkürzen.
Der erste Tag war ja regentechnisch der GAU, und obwohl ich die meiste Zeit entlang der Bahnlinie am Bodensee fuhr und auch öfters Züge sah, die nach Schaffhausen, meinem Ziel an dem Tag, fuhren, kam mir kein einziges Mal der Gedanke, dort einzusteigen. Ich war auch viel zu nass und hätte nur den Zug eingesaut.

An drei anderen Tagen bin ich schon mal in den Zug gestiegen. Hauptsächlich, wenn ich eine Verabredung mit jemandem hatte und zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein wollte. Und einmal bin ich Bötchen gefahren, auf dem Rhein.

Was war denn dann der schwärzeste Moment auf Deiner Tour?

Die schwärzesten Momente waren die Tage vor der Tour. Ich fühlte mich nicht genug trainiert, alles tat weh und mir war permanent schlecht. So richtig übel. Das änderte sich erst zur Mitte des ersten Tages, als die Übelkeit langsam in Hunger überging, der mit einer Banane und einem gekochten Ei verschwand. Ab da war es gut. Regen, Frieren und Poweh sind keine schwarzen Momente auf einer Radtour. Die gehören dazu.

Den schwärzesten Moment im wörtlichen Sinne hatte ich kurz vor Magdeburg. Der Himmel in dieser Richtung war schon sehr beeindruckend schwarz, und das am Mittag. Sag mal … weiterlesen

Aufarbeitung

Seit über einer Woche bin ich nun wieder daheim. Und merkwürdig sprachlos. Aller unterfränkischer Unkenrufe zum Trotz fiel mir die Rückkehr ins bürgerliche Leben überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil, der alte Trott war schnell wieder da. Plus, dass ich so richtig müde war, tagelang und ohne Grund eigentlich. Zehn Stunden Schlaf reichen meistens aus, den Tag gut durchzustehen. Aber nicht so letzte Woche. Erst am Freitag wache ich morgens auf und fühle mich frisch. Ich mutmaße, dass es die Höhenkrankheit ist. Immerhin war ich jetzt wochenlang quasi auf null Meter über Null, manchmal sogar darunter. Und jetzt plötzlich wieder auf über fünfhundert.
Allerdings ernte ich bestenfalls ein mitleidiges Lächeln, wenn ich diese Theorie verbreite. Vielleicht war es ja doch was anderes. Aufarbeitung weiterlesen

Vielen Dank

Das ist er also,  mein letzter Tag.  Von Halle nach Leipzig und dann in den Zug. Der geht erst um drei,  also habe ich locker Zeit für die 45 Kilometer.  Mein letzter Fluss heute heißt Weiße Elster und soll mich auf einer grünen Achse durch den Metropolregion von Halle nach Leipzig bringen.

Die Mündung finde ich recht schnell und auch der Ausschilderung ist ausreichend.  Aber auf den ersten zehn Kilometern hätte ich abwechselnd heulen oder schreien können.  Die Wege waren eine Katastrophe.  Freundlicherweise nicht auf der Hauptstraße,  was aber Nebenstraße bedeutet,  und Nebenstraße bedeutet in diesem Teil der Republik Kopfsteinpflaster,  Löcher,  meterhohe Bordsteinkanten.  Ich wiederhole mich: Eine Katastrophe.  Ich komme mit einem Schnitt von 10 km/h aus Halle raus.  Völlig runter mit den Nerven,  weil ich mir ja vorstelle,  dass es die ganze Zeit so weitergeht.1

Es wird aber besser.  Sehr gut sogar zwischenzeitlich.  Die Weiße Elster hat einen Deich mit einem neu asphaltierten Weg obenauf.  Kein Grund zur Beschwerde mehr auf den restlichen dreißig Kilometern.  Nach Leipzig rein und den Bahnhof finden ist auch kein Problem.  Ich bin zu faul,  um mich mit dem Fahrkartenautomaten auseinanderzusetzen und warte lieber ein Viertelstündchen im Servicecenter und lass mich bedienen.  Eine halbe Stunde vor Abflug sitze ich im Zug,  mein Rad hat einen hübschen Platz.  Ich ziehe mir noch schnell Zivilklamotten an,  und dann penne ich ein.  Erst um Gera rum,  werde ich wieder richtig wach.  Als ich aus dem Fenster sehe,  bin ich heilfroh,  dass ich hier nicht mit dem Rad herwollte.  Hier sind ja nur Berge!! Trotz enormem Konditionszuwachses in den letzten Wochen, bin ich dazu nicht bereit.

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Anmerkungen   [ + ]

Fast vorbei

Höre auf den Rat erfahrener Radreisender.  Hätte ich mal.  Jochen von meinfahrradundich hat es mir neulich nochmal gesagt: Frag nie Eingeborene nach einem Radweg.  Hätte ich mal nicht.  Dann hätte der Weg nach Calbe (Saale)  nicht so ungemütlich und gefährlich an einer engen dicht befahrenen Straße angefangen.  Irgendwann emanzipiere ich mich von den Weganweisungen und suche mir meinen eigenen Weg durch die Felder an die Saale.  Dieser birgt jedoch Gefahren ganz anderer Art.  Heerscharen von Schnecken stellen sich mir in den Weg.  Anfangs versuche ich es noch mit Ausweichen,  doch die Rutschgefahr ist zu groß.  Was soll’s: Meine Nerven und meine Räder sind so hart wie valyrischer Stahl.  Ab heute nennt man mich The Slugslayer.

In Calbe hab ich sie dann,  die Saale,  und das gleich mit einer Fähre.  Ich mag Fähren sehr.  Und heute bin ich wirklich auf meine Kosten gekommen.  Ich glaube,  ich habe so ziemlich jede Fähre zwischen Calbe und Halle mitgenommen.  Nicht immer planmäßig im Sinne des Saaleradwegs,  aber egal.

Der Saaleradweg ist sehr schön,  meistens guter Belag,  meistens direkt am Fluss und deshalb sehr beliebt.  Soll nochmal jemand sagen,  der Elberadweg sei befahren,  der soll sich mal den Saaleradweg ansehen. Dabei ist der an manchen Stellen gar nicht mal ohne.  Es geht wellig auf und ab.  Zusammen mit der brennenden Sonne (!)  schlaucht mich das schon sehr heute.

Die Landschaft ist inzwischen ganz anders,  gar nicht mehr norddeutsch,  keine Rhododendren mehr.  Der vorherrschende Geruch ist Raps und Kamille.  Rechts und links des Flusses begleiten Anhöhen den Weg.   Die Häuser in den Dörfern stehen wieder meist mit dem Giebel zur Straße,  die Vorgärten sind ordentlich eingezäunt,  Aldi ist allerdings immer noch Nord. Trotzdem kommt mir das ganze Ambiente vertraut vor.  Ich nähere mich der Heimat.

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Glück gehabt

Wer hätte das gedacht,  nochmal so ein Ritt nach meinem Durchhänger gestern.  Den Tag lasse ich ganz langsam angehen.  Es regnet draußen in Strömen,  also kein Grund zur Hektik.  Außerdem ist mein Rad ganz schlimm in der Garage eingeparkt. Ich muss eh warten.  Also trödel ich beim Frühstück und Packen.  Der Mann daheim schlägt immer wieder vor,  ich soll mal an einem Ort bleiben und Pause machen.  Irgendwo,  wo es mir gefällt.  Aber der Gedanke gefällt mir nicht.  Ein ganzer Tag in einem kleinen Ort.  Och, nö,  Ich möchte weiter.

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Karsten Schwanke hat für heute ganz Fürchterliches für meine Region vorhergesagt,  also mache ich mich auf das Schlimmste gefasst.  Aber irgendwie habe ich Glück.  Es regnet zwar,  und zwischendurch sogar richtig ordentlich,  aber es ist warm und die Duschen gehen auch wieder vorbei.  Zwei Stunden am Vormittag kann ich Pinkie sogar ganz ausziehen.  Ich binde sie mir um den Bauch,  damit sie schnell parat ist.

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Vogelparadies

Die Altmark,  eine Kulturlandschaft,  die mir bis neulich gar nicht viel sagte.  Jetzt weiß ich,  dass die unbedingt eine Reise wert ist,  auch zwei oder drei.  Und unbedingt einen Feldstecher mitnehmen.  Und ein Vögelbestimmungsbuch.  Ich bin sehr beeindruckt von der Vielfalt der Flugtiere.  Die ganz kleinen,  die aber nur bei Pausen auffallen,  oder wenn mal eins in den Mund fliegt.  Aber vor allem die großen: Störche, richtig viele,  fliegend oder stelzend neben der Straße.  Und dann die Raubvögel.  Leider habe ich ganz wenig Ahnung und auch die Recherche hat nicht viel geholfen.  Adler soll es an die vierzig Brutpaare geben.  Und Rote Milane,  auch Gabelweihen genannt.  Die erkenne ich von unten an ihrem Schwanz.  Sie sind ganz schön groß und segeln sehr schön in Kreisen über dem Feld.  Einmal muss ich anhalten,  weil über meinem Kopf Lärm ist: Eine Krähe flattert um so einen großen Vogel herum und schreit ihn an.  Ich weiß nicht,  was sie ihm alles an den Kopf wirft,  aber es scheint zu wirken.  Der große Vogel kreist noch ein bisschen in der Nähe und verzieht sich dann.

Was in den letzten Wochen zu wenig Wärme war,  war heute fast schon zu viel. Richtig heiß und richtig schwül.  In den Flussniederungen besonders dampfig.  Bin ich froh,  dass Sumpffieber keine Thema mehr ist heutzutage.  Der warme Dampf wird nur unzureichend  von einem kleinen Wind angeweht.  Gewitter liegen in der Luft.

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Grenzerfahrungen

Bisher war ich der Meinung,  dass die „andere“  Seite der Elbe Brandenburg ist.  Ich wurde ganz schnell eines besseren belehrt, als ich auf einmal in Mecklenburg-Vorpommern stand.  An jeder dieser Brücken und Fähren steht ein Schild,  das Tag und Stunde des Teilungsendes verkündet.  Leider steht nicht dabei,  ob beispielsweise an einem Dezembertag 89 abends um sechs ein paar Leute mit einem Boot über den Fluss sind,  oder was genau da passiert ist,  das die Trennung von Deutschland und Europa beendet hat.  Ich habe inzwischen schon drei oder vier dieser Schilder gesehen.

Mein Weg führt mich heute nach Osten,  manchmal auch Südosten.  Das weiß ich so genau,  weil genau aus dieser Richtung der Wind weht.  Habe ich „weht“  gesagt?  „Stürmt“  wäre der bessere Ausdruck.  So komme ich nur sehr langsam voran.  Aber ohne Wind wäre auch nicht gut,  weil es richtig sommerlich warm ist,  bestimmt über 25 Grad.

Der Elberadweg auf der mecklenburg-vorpommerschen Seite wird gerade restauriert und die Radler werden auf Straße umgeleitet, was nicht weiter tragisch ist,  weil auch auf Bundesstraßen ganz wenig los ist.  Auch die Orte,  durch die ich komme,  sind ganz still und leise und leer.  Das finde ich zunächst ganz interessant und erholsam,  als sich aber der Hunger meldet und ich einen Bäcker oder irgendeinen Laden suche,  werde ich langsam nervös.  Es gibt keine Bäcker,  Metzger oder Tante Emma-Läden.  Nichts.

In Lenzen setze ich mit der Fähre über nach Niedersachsen und hoffe,  dort etwas Essbares erwerben zu können.  Erst am Gartower See gibt es eine Imbissbude.  Currywurst,  Döner oder Rhabarbereis.  Ich entscheide mich für letzteres,  was in dem Moment eine gute Idee ist,  aber leider nicht lange vorhält.

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Ohne Worte

Eigentlich wollte ich früh raus,  um vor den angekündigten Gewittern schon irgendwohin gekommen zu sein.  Als die Wecker-App dann um halb sieben klingelte,  regnete es draußen.  Kein Grund zur Eile also und nochmal umdrehen.  Um halb zehn,  als ich endlich im Sattel saß,  war es wieder trocken.  Ich fahre ein Stückchen zurück Richtung Lüneburg,  um endlich mal ein echtes,  großes Schiffshebewerk in Aktion zu sehen.  Ich bin beeindruckt. So richtige Schiffe,  beladen mit Containern,  fahren ganz langsam und fast ganz leise in dieses Gebäude.  Dann geht die Klappe zu,  der Lift fährt nach unten und sie fahren unten wieder raus.  Wer sich sowas ausdenkt,  oder besser: wer sich als erstes getraut hat,  sowas zu denken.  Und ja,  ich weiß,  das ist ganz einfache Physik.  Aber trotzdem.

Physik ist auch die Gewitterfront,  die mir die  Regenradar-App anzeigt.  Zeit für Pinkie.  Es ist zwar nicht akut,  aber besser vorsehen als nachsehen.  Kurz danach regnet es,  nicht schlimm,  aber stetig für eine Stunde.

Als ich an der Fähre in Bleckede bin,  ist schon fast alles vorbei,  und ganz vorbei ist es ein wenig später.  Es wird warm und wärmer,  der Seitenwind ist kräftig aber lau.  Ich kann mich wieder entblättern.

Ich fahre auf der Ostseite,  also auf der Nordseite der Elbe,  im ehemaligen Osten, sozusagen.  Der Weg auf dem Deich ist glatt und es macht Freude zu fahren.

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