Gammeln in Münster

Viel zu berichten gibt es nicht, was aber auch so geplant war.

Nach dem Frühstück schleppe ich mich in die Stadt, um das wichtigste für den Gammeltag und für folgenden Tage zu besorgen. Auf die Unistadt Münster ist Verlass. Ich finde gleich mehrere Bioläden und decke mich mit gesundem Zeug ein.

Weil meine Beine, um Gegensatz zum Kopf, schon voll auf Ausruhen eingestellt sind, schleppe ich mich noch pflichtschuldig ein bisschen durch die Stadt, ehe ich mich in mein Zimmer zurück ziehe.  Erst gegen Abend kann ich mich aufraffen zum Waschsalon. So gibt zum Glück einen um die Ecke, und der scheint auch noch Teil eines inklusiven Projekts zu sein. Schöne Idee und guter Kaffee.

Morgen darf mein Rad wieder aus seiner Einzelhaft und es geht weiter.  Freu mich schon!

Ruhrgebiet, ich steh auf dihich

Oberhausen,  Bottrop,  Essen,  Gelsenkirchen, Recklinghausen sind Orte auf meinem heutigen Weg.  Ich entschied mich gegen Xanten und für das Ruhrgebiet.  Was ist schon Xanten?  Außer,  dass dort der Siegfried herkommt und es die einzige deutsche Gemeinde ist,  deren Name mit X anfängt.  Also verabschiede ich mich offiziell vom Rhein,  seinem Radweg Euro Velo 15 und suche die Emscher.  Sie soll mich durch das Ruhrgebiet führen.  Ich finde sie recht schnell dank Google Maps und ihren Geruchs.  Deshalb dies hier:

Offener Brief an einen Fluss:

Liebe Emscher,  ich grüße Dich. Als ich mich entschloss,  dich zu besuchen und nicht die Lippe,  deren Tourismusverband mächtig aktiv ist,  wusste ich nur wenig über dich.   Eigentlich nur,  dass du einen Radweg hast,  eine Website und ein ganz schlechtes Image.  Seit heute weiß ich,  dir geht es nicht gut.  Deine Wächter sprechen von „offenem Abwasserkanal“ und „Meideraum“,  wenn sie von Dir sprechen.  Und sie haben leider Recht.  Man riecht dich. Natürlich kannst du nichts dafür.  In der Zeit,  in der sie dich in dein Korsett gesteckt haben,  wurden Flüsse hauptsächlich zur Entsorgung oder Versorgung missbraucht.   Aber deine Wächter,  die sich jetzt Flussgebiet-Manager nennen,  wollen Dir helfen.  Sie haben den Weg angelegt mit vielen und großen Schildern.  Sie installieren Kunstwerke entlang deiner Kanalböschungen,  und sie werden dich umbauen.  Aus dir soll ein Lebensraum werden,  für Mensch und Natur.  Das dauert ein paar Jahre,  aber es ist eine schöne Aussicht.  Dann kehren deine Flussgeister auch wieder zurück.  

Solche Sachen gehen einem durch den Kopf,  wenn man tagelang allein ist.  Der Emscher-Weg führt aber nicht nur am Abwasserkanal entlang.  Es ist eigentlich ein sehr schöner Weg,  quer durchs Ruhrgebiet und hauptsächlich im Grünen.  Oder durch Siedlungsgebiet,  das manchmal sehr dörflich  anmutet. Viel ist bunt,  olle Brücken leuchten in grellen Blau,  Kunst steht überall herum.  Wo bin ich nochmal?  Ruhrgebiet?  Meine süddeutsch-überheblichen Vorurteile schmelzen dahin,  und ich werde kleinlaut  innerlich.  Irgendwie ist mir heute sowieso ein bisschen weinerlich zumute.  Vielleicht liegt es am Wetter.  Es ist schwül-warm,  trotz des starken Windes.  Die Gewitterfront hinter mir macht mir Angst.  Mein Kreislauf ist nicht auf der Höhe,  mir schläft abwechselnd ein Fuß oder eine Hand ein,  und ich muss regelmäßig gähnen.  Kein gutes Zeichen. Aber der Wind macht Spaß.  Ich fahre einfach,  bis ich nicht mehr kann,  und dann sehen wir weiter.

Ich glaube,  es war in Bottrop,  da gerate ich in den VivaWest-Marathon,  Kilometer 24. Die Läufer sind noch nicht da,  aber die Versorgungsleute sind so nett und drücken mir eine Banane in die Hand.  (Keine gute Idee. ) Kurze Zeit später sehe ich die Läufer,  sie sind erst bei Kilometer 15. Vor malerischer Kulisse trommeln japanische Ruhrgebietstrommler den Takt.  Große  Laufveranstaltungen machen mir ja sowieso schon regelmäßig Gänsehaut,  und wenn dann noch große Trommeln dazukommen,  kann es schon sein,  dass ich die Fassung verliere.  Bevor das hier passiert,  verlasse ich die Läufer und suche meine Emscher wieder. Sie holt mich mit ihrem irdischen Geruch wieder in die Realität.

Ruhrgebiet, ich steh auf dihich weiterlesen

Der Südwind macht’s

Köln am frühen Samstagmorgen auf der Rheinpromenade: Fest in Frauenhand. Noch nie habe ich so viele Joggerinnen gesehen,  relativ gesehen.  Schön. Kurz hinter der großen Stadt wird es schnell ländlich.  Der Weg führt auf dem Deich,  der Rückenwind weht ordentlich.  Nur Rennräder sind schneller als ich.  Insgesamt bin ich erstaunt über meine Kondition.  Dass sie in einer Woche so zugelegt hat.  Anstiege,  Brücken oder so,  hätte ich vor einer Woche noch geschoben,  jetzt schaffe ich sie sogar,  wenn ich mich verschaltet habe und im falschesten Gang trete.  Erstaunlich.
Der Südwind macht’s weiterlesen

Luxustag

Der Tag begann ganz normal.  Nach dem Frühstück erstmal in den nächsten Drogeriemarkt und Flickzeug kaufen.  Es gibt Reparaturen,  da hilft kein Kabelbinder,  da muss stärkeres her: Sekundenkleber.  Die Naht an meiner Radhose löste sich schön langsam auf.  Dem habe ich nun Einhalt geboten mit einer ordentlichen Portion Sekundenkleber.  Und vorsorglich gleich auch noch potentielle andere Gefahrenstellen verklebt.
Luxustag weiterlesen

Kulturerbe

Was schreibe ich,  wenn ich nicht diese üblichen Radreiseberichte schreiben will? Um 6/7/8 Uhr aufgewacht.  Nacht war gut/schlecht.  Frühstück auch.  Ja,  so war die Nacht.  Danach kommt das Packen und das dauert immer, denn es will gut durchdacht sein.  Regen heute angesagt?  Nein, dann kann Pinkie ganz nach unten.  Komischer Ausschlag am Bein?  Dann sollte das Fenistil vielleicht in Reichweite.  Außerdem habe ich mir vorgenommen,  ganz ordentlich zu packen.  Wenn der Deckel der Body Lotion zu spät auftaucht,  dann muss halt nochmal alles raus,  Badtüte auf,  Deckel rein und wieder weg packen.  Ist sonst nicht so meine Art. Sonst fliegt der halt irgendwo in die Tasche.    Das ist aber eines meiner Lernziele auf dieser Tour.

Packtechnisch bin ich ganz zufrieden mit meinem Tütensystem.  Ich habe eine Badtüte,  eine Werkstatttüte,  eine Arbeitszimmertüte,  eine Küchentüte und eine Kühlschranktüte.  Ich nenn die wirklich  so,  und so kann ich mir auch gut merken,  wo was ist und hinkommt. Und weil die Zippertüten auch luftdicht sind,  kann ich beispielsweise die Kühlschranktüte etwas aufblasen,  damit der Apfel nicht verdrückt.

Kulturerbe weiterlesen

Let it flow

Dieser Tag war ein schöner! Das Ausruhen gestern hat sich gelohnt, das merke ich schon beim Losfahren. Mein Weg führt mich zunächst durch die Weinberge der Pfalz, von Neustadt an der Weinstraße nach Worms. Die Wege sind ordentlich und gut ausgeschildert, sofern man die nächsten und übernächsten Dörfer kennt. Für Fernreisende wie mich ist die Beschilderung nichts, denn ich muss alle naselang schauen, ob das nächste ausgeschilderte Dorf auf meiner Route liegt. Und wenn ich mal nicht schaue, fahre ich lustige Haken in meinen Track. Ja, wenn ich nach Grünstadt gewollt hätte, wäre es einfach gewesen. Grünstadt war dauernd ausgeschildert, so dass ich schon mal nachgesehen habe, wieviele Grünstädte es wohl gibt.
Die Wege durch die Weinberge, und später auch Obstgärten und allerlei andere Äcker, sind entweder schön glatt asphaltiert oder sie bestehen aus Betonplatten. Dadumm Dadumm Dadumm. Ich komme mir vor wie anno ’88 mit dem Zug der Reichsbahn durch den Thüringer Wald.
Die Dörfer der Pfalz seien hier auch noch erwähnt: Sie sind schön und unbedingt eine Reise wert, wer sie noch nicht gesehen hat.
Nach gut zwei Stunden komme ich in Worms an. Ich kannte Worms nicht, wollte aber unbedingt mal hin, wegen Nibelungen und so. Jetzt war ich da. Ich fotografiere pflichtschuldig den Dom und mach mich wieder vom Acker. Ist mir zu laut und zu voll.
Wieder am Rhein, führt mich der Weg entlang der nicht so schönen Seiten des Flusses, nämlich den Industrieanlagen am Ufer. Die gibt es schon seit vor Karlsruhe, ich verschwieg sie nur bisher. Aber die eine sei erwähnt, nördlich von Worms, die produziert nämlich Hubba Bubba. Zumindest riecht es dort so.
Der Rhein macht hinter Worms einen komischen Knick, den ich mir schenke. Stattdessen kürze ich bis Oppenheim einfach ab. Nein, nicht einfach, sondern einfach schön. Der Weg, der Rückenwind, meine Kondition. Es macht Spaß.

Let it flow weiterlesen

Es war der fünfte, und nicht der dritte

Nur gut, dass ich heute ein Ziel habe und dort erwartet werde. Sonst würde ich jetzt noch in der Illinger Rheinaue sitzen und auf bessere Zeiten warten. Dieser Tag heute ist nämlich mein Schweinehund-Tag. Der eigentlich dritte Tag, an dem nichts geht.
Dabei fing er ganz gut an, nämlich mit dem erwartet guten Frühstück. Gegen neun komme ich los und habe rechnerisch 80 Kilometer bis Neustadt an der Weinstraße vor mir. Kein Hexenwerk also.
Gleich zu Anfang die erste Ungemach: auf dem Uferweg hatte sich vor kurzem noch der Rhein gelümmelt und ihn in einem saumäßigen Zustand zurück gelassen. Ich muss umkehren,  will ich nicht im Schlick stecken bleiben. Also eine Etage weiter oben.
Die Auenwälder sind wirklich schön und die Vögel pfeifen lustig. Ich komme voran, aber es geht schwer. Es war der fünfte, und nicht der dritte weiterlesen

Ab heute in Pink

Ich bin wieder dicht,  und das verdanke ich der Schwägerin,  die mir ihre neue Regenjacke für meine Tour überlässt. Die Farbe passt nicht in mein übliches Farbschema,  aber sie hält Regen ab und macht noch ein bisschen warm.  Und sie leuchtet. Zusammen mit meinem neongelben Helmüberzieher komme ich mir vor,  wie eine rollende Leuchtreklame.

Der Schwager begleitet mich morgens zur Fähre,  denn ich will wieder in Frankreich radeln.  Blöd nur,  dass die Fähre nicht fährt  wegen Hochwasser.  Also wieder zurück in den letzten Ort und dort trennen sich unsere Wege.  Er fährt heim in die warme Wohnung,  und ich fahre gen Norden in die nächste Regenwand bei gefühlten Minusgraden.  Meine Packtaschen sind so leer,  dass ich schon Angst hatte,  die Hälfte vergessen zu haben.  Dabei habe ich nur einfach sehr viel des Gepäcks an.

Ab heute in Pink weiterlesen

In Begleitung

Tag drei beginnt gemütlich. Der Schwager kommt erst gegen halb elf am Bahnhof an, so habe ich Zeit, Zeit zu haben. Mit dem hoteleigenen Gartenschlauch brause ich den Sand vom Rad, striegel und öle es. Trotzdem muss ich noch eine halbe Stunde am Bahnhof herum lungern. In der Sonne!
Der Schwager kommt an und wir machen uns gleich auf nach Frankreich. Dort sollen die Radwege asphaltiert sein. Ich will mir und meiner Kette ein wenig Ruhe gönnen. In Begleitung weiterlesen

Zwei Touren an einem Tag

Tag zwei fängt gut an. Geschlafen wie ein Stein, trotz Mehrbettzimmer und lautstarker Maturafeier im Schlosshof bis nach drei Uhr. Frische Luft macht wohl müde. Bis ich gefrühstückt, mein Zeug zusammengekruschelt und die Kette geölt habe ist es fast zehn. Ich verbringe die Zeit bis genau zehn mit der Bewunderung des Rheinfalls und mache mich dann auf den Weg nach oben. Weil ich werde den Rhein heute ein bisschen allein lassen und mich über den Klettgau ihm von Norden wieder nähern. Ich verspreche mir davon, weniger aufgeweichte, fahrradkettenkillende Waldwege und überhaupt, wer war schon mal im Klettgau? Vielleicht ist es ja schön.
Also nach oben über die Berge. Eine kleine Wanderung, denn diese Steigungen kann ich nicht fahren, nicht mit dem Gepäck, nicht am Morgen und, wenn ich ehrlich bin, auch sonst nicht. Oben angekommen, geht es nach unten. Langsam aber stetig, auf super Wegen, erstklassig ausgeschildert, einfach nur schön. Und: die Sonne scheint zwischendurch sogar auch.
Vor Waldshut-Tiengen treffe ich auf die Wutach, die sich vom Schwarzwald herunter wütet. Sehr voll, sehr laut und schnell. Ich folge ihr zu ihrer Mündung. Vorbei an Tiengen, was gerade einen Pferdeevent hatte. Ich stelle wieder fest, dass diese Tiere nicht so meins sind. Ich hatte auch nie Wendy-Fotos an den Wänden. Ich schwör!

Zwei Touren an einem Tag weiterlesen

Alexandra ist aktiv