Archiv der Kategorie: Touren

Berichte von Tagesauflügen, Radausfahrten und mehrtägigen Radreisen, vergangene wie geplante.

Rosa Brillen und schöne Aussichten. Adria-Alpe 4

Es muss gesagt werden, weil es wahr ist: Der Weg zurück war schön. Knallblauer Himmel, angenehme Temperaturen, eine humane Abfahrtszeit des Zuges. Zwischendurch hatte ich schon nochmal einen Kloß im Hals, wenn ich an Italien dachte, aber was soll’s? Wir sind zeitig am Bahnhof und chillen (mal wieder) herum. Ich starre die Berge an, während der Sohn mir auf seinem Handy irgendwelche Präludien vorspielt. (Nein, er ist kein Klaviervirtuose, es handelt sich um eine Spiele-App, bei der man ganz schnell irgendwelche Tasten drücken muss. Die klassische Musik ist nur Begleiterscheinung. Man ist ja dankbar für alles.)

Irgendsoeinberg und blauer Himmel

Der Zug ist noch schön leer. Ich sitze die meiste Zeit auf einem Klappsitz im Fahrradwagen, weil da die Fenster größer und die Aussicht schöner ist. Der Zugführer, der sein Abteil auch im Fahrradwagen hat, gibt mir zwischendurch den guten Rat, mich doch auf einen ordentlichen Sitz zu setzen. Ich lehne ab wegen der Aussicht. Rosa Brillen und schöne Aussichten. Adria-Alpe 4 weiterlesen

Lebensgefahr und Aus. Alpe-Adria 3

Sonne in Mallnitz. Vor uns liegt eine Mordsabfahrt. Serpentinen und insgesamt 700 Höhenmeter auf fünf Kilometer. Wir freuen uns darauf. Aber stell dir vor, du fährst bergab, und deine Bremsen machen nicht mit. Vorne zieht die Bremse so gut wie gar nicht, und die hintere schafft es nicht, mein Gewicht und das des Gepäcks bei dieser Geschwindigkeit abzubremsen. Ein ganz übles Gefühl. Ganz übel. Hinter mir juchzt der Sohn, der mit seinen hydraulischen Bremsen den Spaß seines Lebens hat.  Lebensgefahr und Aus. Alpe-Adria 3 weiterlesen

Anatomisches und Langeweile. Alpe-Adria 2

Ich gestern zum Sohn so: Creme dir die Sitzknochen auch ein. Der Sohn heute so: Tut mir mein Po weh. Und jetzt weiß ich auch, wo meine Sitzknochen sind.

Der Salzachradweg ist schön und flach

Wir sind heute müde, der Wetterbericht gefällt uns nicht und der Berg, der auf der Strecke herumsteht, auch nicht. Deshalb beschließe ich, dass wir nur 22 Kilometer bis Schwarzach fahren und dort in den Zug steigen, der uns nicht nur hoch ins Gasteinertal sondern gleich rüber über den Alpenhauptkamm bringt. Nein, nicht drüber, durch natürlich. Der freundliche ÖBB-Berater winkt erstmal ab. Anatomisches und Langeweile. Alpe-Adria 2 weiterlesen

Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1

Zugegeben, der Titel ist etwas pretentiös, aber passt auch irgendwie. Stolz ist der Sohn, der seine längste Radfahrt ever (52km) geschafft hat, seine schnellste Abfahrt (47 km/h) und die meisten Höhenmeter (428 hm, warum Strava daraus über 1.000 macht, kann ich nicht sagen). Stolz bin auch ich, nämlich auf den Sohn, dass er fast gar nicht gejammert hat und auch nur wenige Pausen brauchte. Und stolz bin ich auf mich, dass ich diese Tour einigermaßen locker die Berge hochgekommen bin. So ganz sicher war ich mir nämlich nicht, mit Gepäck und allem. Stolz und Vorurteil. Alpe-Adria 1 weiterlesen

Throwback und Blick nach vorn

Wenn aktuell nicht viel los ist, dann muss man sich an aufregendere Zeiten erinnern. Und das kann ich seit gestern ausführlich tun. Gestern vor einem Jahr begann am südlichen Bodensee nämlich meine große Tour durch Deutschland. Heute vor einem Jahr war ich zwischen Schaffhausen und Basel unterwegs. Das Wetter war heute wie damals auch deutlich zu nass, was aber der authentischen Erinnerung recht zuträglich ist.

Natürlich erinnere ich mich das ganze Jahr schon immer wieder an unterschiedliche Aspekte meiner Tour. An Gefühle, an Gerüche, an Orte oder an Menschen. Throwback und Blick nach vorn weiterlesen

Dahme, Gurken und Bergbau

Ostern = Feiertage = freie Tage = Kurzurlaub. Mich hat die Radreiselust schon lange im Griff, insbesondere seit ich auf Instagram den Fernreisenden folge,  und der Mann hat auch mal wieder Lust auf ein Türchen/Tourchen. Weil wir am Karfreitag Termine in Berlin haben, beginnen wir unsere Tour halt dort. Angedacht ist Dresden als Ziel, weil wir von da einigermaßen zuverlässig wieder mit dem Zug heim kommen. Der ADFC empfiehlt für Berlin-Dresden eine gut ausgeschilderte Tour, der wir folgen wollen.

Tag 1: Köpenick bis Lübbenau

In Köpenick beginnt unsere Reise mit dem Dahmeradweg, der dort endet. Er führt uns durch so noblige Gegenden wie Grünau oder Schmöckwitz. Immer wassernah und rudersportgeprägt. Dann durch Königs Wusterhausen und bis Märkisch Buchholz. Meist geradeaus, gut ausgeschildert und ohne großen Kopfeinsatz zu fahren. In größeren Orten leitet uns der Radweg ab und zu weg von der Hauptstraße, was unweigerlich zu Kopfsteinpflasterreiten führt. Ich stelle mir Paris-Roubaix vor und alles ist nicht mehr so schlimm. 

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2016 – das wars

Achtung Jahresrückblick! Keine Sorge, wird nicht schlimm und auch nicht wahnsinnig besinnlich oder rührselig. Eher schön und zufrieden. 2016 war für mich persönlich ein schönes Jahr, auch wenn drumherum alle sagen, wie schrecklich es war. Natürlich machen mich Kriege und verstorbene Prominente betroffen, aber die gibt es jedes Jahr. Durchgeknallte Politiker gibt es nicht jedes Jahr, aber die verschwinden hoffentlich auch bald wieder. Viel mehr bleiben doch die persönlichen Erinnerungen, oder nicht?

Hier sind ein paar von meinen. Die Dinge, mit denen 2016 mir in Erinnerung bleiben wird.

Und für die Leserinnen und Leser, denen das hier jetzt zu lang wird: Vielen Dank für Eure Treue, fürs Mitlesen, fürs Kommentieren (hier oder auf anderen Kanälen). Mir macht es Spaß für Euch zu schreiben und ihr seid mir immer wieder Motivation. Mag komisch klingen, sowas zu einer mehr oder weniger anonymen Menge zu schreiben, ist aber so. Also wünsche ich euch nicht nur einen guten Jahresanfang, sondern auch ein gutes Jahr 2017. Wir sehen uns hier. Liebe Grüße, Alexandra

Und jetzt der Jahresrückblick. 2016 – das wars weiterlesen

3 Touren, 2 Flüsse und 1 Fest

Dieses Jahr wird eingehen in meine Geschichte als das Jahr der Urlaube. Kaum zwei Wochen zuhause und schon wieder auf Achse.

Premium-Radweg
Premium-Radweg

Diesmal vier Tage in der Moseleifel, wie ein rühriger Tourismusverband die Region zwischen Eifel und Mittelmosel neuerdings nennt. Vor mehr als dreißig Jahren machte ich in Wittlich Abitur und das soll gefeiert werden. Also spendiere ich ein paar meiner zahlreichen Überstunden, verlängere das Wochenende um zwei Tage und nehme mein Radel mit.

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Sag mal …

Heute mal ein neues Format und damit der krönende Abschluss meiner Reise: Meine Freundin  Sabine, ihres Zeichens Reisejournalistin  und PR-Beraterin, wollte einiges über die Radtour wissen. Natürlich beantworte ich Ihre Fragen gerne, und wie sich zeigt, ergibt das Ganze nochmal eine schöne Zusammenfassung. 

Sabine: 1800 Kilometer in 21 Tagen: Hättest Du selbst gedacht, dass die Tour so umfangreich wird?

Alexandra: Ehrlich gesagt, hatte ich mehr geplant. In den sechs Monaten Planungsphase habe ich viele viele Stunden vor Google Maps gesessen und geplant. Ich hielt es für realistisch einen Schnitt von 19 km/h zu fahren und somit jeden Tag hundert oder mehr Kilometer abzufahren. Das hätte mich dann bis zurück nach Bayern, wenn nicht sogar bis heim gebracht. Die volle Ausbaustufe hätte 2.300 km gehabt. Leider war die Realität vor Ort so, dass ich meistens nur einen Schnitt von um die 16 km/h hatte. Es lag am Wetter, an den Wegen und an meiner Kondition. So habe ich mich relativ schnell vom Maximalkilometerziel verabschiedet.

Wie viele Kilometer hattest Du ursprünglich kalkuliert?

2.300 wäre die volle Runde gewesen: Bodensee-Nordsee-Hamburg-Elbe-Saale-München. Als Fallback hatte ich eine kürzere Runde ohne Nordseesichtung gedacht, die auf halber Höhe nach Osten kreuzt und auch in München endet. Die wäre 1.800 km gewesen.

Insbesondere der Einstieg mit seinem schlechten Wetter war ja sehr hart. Wie oft hast Du ans Umkehren gedacht?

Bodensee im Hintergrund
Bodensee im Hintergrund

Kein einziges Mal. Nicht ans Umkehren und auch nicht ans Aufhören. Höchstens mal ans Pausieren oder Abkürzen.
Der erste Tag war ja regentechnisch der GAU, und obwohl ich die meiste Zeit entlang der Bahnlinie am Bodensee fuhr und auch öfters Züge sah, die nach Schaffhausen, meinem Ziel an dem Tag, fuhren, kam mir kein einziges Mal der Gedanke, dort einzusteigen. Ich war auch viel zu nass und hätte nur den Zug eingesaut.

An drei anderen Tagen bin ich schon mal in den Zug gestiegen. Hauptsächlich, wenn ich eine Verabredung mit jemandem hatte und zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein wollte. Und einmal bin ich Bötchen gefahren, auf dem Rhein.

Was war denn dann der schwärzeste Moment auf Deiner Tour?

Die schwärzesten Momente waren die Tage vor der Tour. Ich fühlte mich nicht genug trainiert, alles tat weh und mir war permanent schlecht. So richtig übel. Das änderte sich erst zur Mitte des ersten Tages, als die Übelkeit langsam in Hunger überging, der mit einer Banane und einem gekochten Ei verschwand. Ab da war es gut. Regen, Frieren und Poweh sind keine schwarzen Momente auf einer Radtour. Die gehören dazu.

Den schwärzesten Moment im wörtlichen Sinne hatte ich kurz vor Magdeburg. Der Himmel in dieser Richtung war schon sehr beeindruckend schwarz, und das am Mittag. Sag mal … weiterlesen

Aufarbeitung

Seit über einer Woche bin ich nun wieder daheim. Und merkwürdig sprachlos. Aller unterfränkischer Unkenrufe zum Trotz fiel mir die Rückkehr ins bürgerliche Leben überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil, der alte Trott war schnell wieder da. Plus, dass ich so richtig müde war, tagelang und ohne Grund eigentlich. Zehn Stunden Schlaf reichen meistens aus, den Tag gut durchzustehen. Aber nicht so letzte Woche. Erst am Freitag wache ich morgens auf und fühle mich frisch. Ich mutmaße, dass es die Höhenkrankheit ist. Immerhin war ich jetzt wochenlang quasi auf null Meter über Null, manchmal sogar darunter. Und jetzt plötzlich wieder auf über fünfhundert.
Allerdings ernte ich bestenfalls ein mitleidiges Lächeln, wenn ich diese Theorie verbreite. Vielleicht war es ja doch was anderes. Aufarbeitung weiterlesen