Spannung im Park

Heute morgen auf meinem Weg zu Arbeit fallen mir Kabel auf. Das erste ziemlich nah zu Hause, weil es über die Straße ging. Dachte ich mir aber noch nichts dabei. Dann im Park wurde es auffällig: Überall dieses orange Kabel, das aussieht wie unser Rasenmäher-Kabel daheim. Nur länger. Viel länger, denn dieses Kabel zieht sich durch den ganzen Park. Ein Kilometer, zwei Kilometer. Aus dem Park raus sehe ich es neben dem Radweg, halb im Feld versteckt. Drei Kilometer. Ich bin in Haar, fahre extra einen Umweg, um dem Kabel zu folgen. Im Ortskern verliere ich es aber. Leider habe ich keine Zeit und muss die Suche verschieben.

In der Arbeit frage ich eine ortsansässige Kollegin, ob sie weiß, wer da wem den Strom klaut. Sie hat keine Antwort, aber drumherum kommen lauter Rufe über andere Sichtungen dieses Kabels und der Umkreis ist groß! Keferloh, Trudering, Waldtrudering, Berg am Laim. Überall wundern sich Leute über ein oranges Kabel am Wegrand.

Zum Glück gibt es aber das Internet und das sagt uns, dass die Stadtwerke München mithilfe dieser Kabel den “riesigen Vorrat an umweltfreundlicher Energie – ein Heißwasservorkommen” für die Fernwärmenutzung ausloten wollen, und zwar mit seismischen Methoden. Ich schätze mal, sie werden nicht auf ein ordentliches Erdbeben warten und schauen, wo sich heiße Geysire bilden, sondern feinfühliger. Vielmehr lerne ich, dass martialisch aussehende Laster auf die Erde hämmern und die ausgelegten Geophone die Antwort aus den unteren Erdschichten messen. Schlaue Leute können das auswerten und den besten Ort für eine Geothermie-Anlage bestimmen.

Ziel ist es den Großraum München bis 2040 komplett auf erneuerbare Energien umzustellen. Einige Geothermie-Kraftwerke gibt es ja schon in der Gegend. Und jetzt soll es dann auch ein weiteres im Osten geben. Ich finde das schön und unterstützenswert.  Ich hoffe nur es bedient sich keiner bei den vielen Kilometern frei herumliegenden Kabeln.  Die Versuchung ist da.

Links:

 

Nachtrag 13.11.15:

Das Thema lässt mich nicht mehr los und ich habe weiter recherchiert. Inzwischen weiß ich, wie die das genau machen:

[…] Die dröhnenden Vibro-Trucks fahren langsam durch die Straßen. Alle 50 Meter halten sie an, setzen Platten auf dem Boden auf und vibrieren dreimal etwa 12 Sekunden lang. Entlang der Strecke verlegte Geophone zeichnen die Schwingungen im Erdreich auf und leiten die Daten über Kabel an einen Messwagen weiter. Mit dieser 3D-Seismik erhalte man ein genaues Bild des Untergrundes, teilten die Stadtwerke mit. Die Messungen sind eingebunden in das Forschungsprojekt GRAME, das vom Bundesenergieministerium gefördert wird. (tz, 10.11.2015 mit Foto)

 

10 Gedanken zu „Spannung im Park“

  1. Ich glaube, diese Kabel sind jedem sofort aufgefallen und alle rätselten, was es damit auf sich haben könnte. Erst hatte ich Angst, dass da im Park Bäume gefällt werden sollen. Dann dachte ich: Über so eine große Strecke? Das macht ja keinen Sinn, dann ist ja der halbe Park platt und das ist doch so ein Grünstreifen, der irgendwie zum Ausgleich dienen soll oder so.
    Da kann ich mit Geothermie doch besser leben 😀

    1. Hallo Ilona, ja, ich dachte auch erst an Rasenmäher oder Stromklau. Ich finde Geothermie auch gut. Da stolper ich auch gerne mal über ein paar Kabel. Viele Grüße, Alexandra

  2. Pingback: – AndrAktiv
    1. Da kannst du dich aber auf einen Ultramarathon einstellen. Bei der letzten Aktion wurden fast 30 qkm vermessen. Viel Erfolg!

      1. Das wäre dann zum Lauftraining noch schön was für die Arm- und Rückenmuskulatur. Also, auf geht’s, Helge, das Training hat doch wieder begonnen!

  3. Liebe Alexandra,
    hihi – wirklich ganz schön spannend, wenn man so einem Stromkabel immer wieder begegnet! Da wären mir auch gleich ein paar nicht so harmlose Geschichten dazu eingefallen! 😉

    1. Wenn in deinem nächstes Buch ein langes oranges Kabel vorkommt, weiß ich wo die Idee herkommt. Bin schon gespannt auf die Story drum herum.

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