Archiv der Kategorie: Fahrradmanufaktur T900

Mein Treckingrad seit 2005 oder 2006. Steht jetzt meist in der Garage.

Jetzt rennt es wieder

Gemeint ist mein Fahrrad. Und rennen tut es, weil die Frau vom Fahrradladen aus Österreich ist. Dort rennt alles, was hierzulande nur läuft oder gut läuft. Auf jeden Fall kann es jetzt wieder schalten, mein Radl. Und bremsen kann es auch. Der hintere Bremszug war festgerostet. War mir gar nicht aufgefallen. Scheinbar bremse ich nicht, weil: Wer bremst, verliert.

Jedenfalls muss ich heute endlich meinen Vorsatz des zur Arbeit Radelns umsetzen. “Muss”, weil es mich schon seit langem juckt. Und “Muss”, weil das Auto heute in die Schweiz zum Skifahren fährt – ohne mich. Die Arbeit erlaubt keine ganze Woche Urlaub, und meine Knie ertragen kein Skifahren. Also bleib ich hier.
In der Früh ist noch nichts von den versprochenen acht Grad plus zu spüren. Gefühlt sind es acht Grad minus. Ich wickel mir den Schal um den Kopf und klemme den Helm darüber, weil mir die Ohren fast abfallen. Natürlich hat das zum Ergebnis, dass ich eine dreiviertel Stunde später im Büro eine grandios affige Helmfrisur habe, die sich erst im Laufe des Tages normalisiert. Hier muss ich noch eine Lösung finden. Ganz ab wäre das einfachste. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, würde ich das machen. Dieses Getue mit den Haaren nervt mich schon immer.  Aber zu einer mittelalten, mitteleuropäischen Frau passt Glatze irgendwie nicht. Und mit Mütze im Büro sitzen ist noch blöder.
Meine dauerradelnden Kollegen haben das Problem nicht, beziehungsweise, sie scheinen darüber zu stehen und definieren die Helmfrisur als ihren Style. Vielleicht ist das die Lösung.

Wir habens versucht

Der Mann hat jetzt endlich Zeit, sich meine Schaltung bzw. die meines Rades anzusehen. Inzwischen haben wir aber schon gemütlich auf dem Sofa gesessen und überhaupt keine Lust, uns bei den Temperaturen in die Garage zu stellen. Deshalb darf das Radl ins Wohnzimmer vor den Ofen. Aber nur ausnahmsweise. Das mache ich ihm gleich klar, dass keine falschen Hoffnungen aufkommen. Wir fummeln also an der Gangschaltung herum. Nein, ehrlicher wäre zu sagen, der Mann fummelt und ich mache Fotos.
Egal wie, das Ergebnis ist nicht schön. Wir glauben, dass irgendein wichtiges Teil abgebrochen ist. Jedenfalls irreparabel zum jetzigen Zeitpunkt.
Ich schiebe das Rad wieder zur Tür raus (nur auf die Terrasse, bis zur Garage ist’s mir zu kalt) und überlege was jetzt weiter.
In meinem letzten Post habe ich ja Vorsätze in die Gegend posaunt. Tja, mein Pech, würde ich mal sagen. Da muss ich jetzt durch. Ich bitte den Mann, mir sein Rad zu leihen. Er ist nett und gibt es mir. Also los, morgen dann. Soll ja auch nur minus vier Grad haben in der Früh. Das geht schon.

Off road, on snow

Der Mann und ich sind verabredet zu einer Radtour. Er hat seit Herbst auch ein neues Rad, mit dem er schnell unterwegs ist. Kein Mountain- auch kein On-Road. Son Mittelding. Ich muss mangels Alternativen mit meinem Trekkingrad los. Wir fragen den Sohn, ob er mit will. Sein erwartetes Nein lassen wir so stehen und  ihn auch, und fahren los. Das Wetter ist viel zu schön, um sich ärgern.
Bei Kilometer drei oder vier tut sich mein Rad beim Schalten schwer. Es hakt, das kenne ich schon. Ich versuche es mit roher Gewalt. Ich gewinne. Allerdings hat die Schaltung nicht nur verloren. Nein, sie hat einfach aufgegeben. So feige. Der Bowdenzug hängt schlaff unterm Rahmen. Die Kette ist auf dem ersten Ritzel. So macht es keinen Spaß weiter zu  fahren. Zumal der Mann sich eh schon im großen Gang hinter mir her langweilt, weil ich mit dem Trekkingrad nicht schnell genug vorwärts komme.
Wir begutachten den Schaden, haben nicht gleich eine Lösung parat und beschließen uns zu trennen. Ich beschreibe ihm meine übliche 30k-Strecke und drehe dann um gen Heimat. So richtig Lust auf zu Hause habe ich aber nicht, die Sonne scheint wie blöd, es ist warm und einfach schön. Und so beschließe ich im kleinsten Ritzel im nahe gelegenen Park herumzufahren. Off-road und on-snow sozusagen. Koordinations- wie konditionsmäßig fordert das ordentlich. Aber bringt Laune. Geschwindigkeit ist nicht das Ziel. Eher das auf dem Rad bleiben. Auf den ausgetreteneren Pfaden geht es ganz gut. Außer, wenn ein Hund in der Mitte des Weges steht und ebenso wenig Lust wie ich hat, in den tieferen Schnee auszuweichen. Aber, hey, die Klügere gibt nach und schiebt durch den Schnee.
Ich kreuze also ein wenig durch den Park, meide die geräumten Wege und strampel gegen den strammen Wind an. Nach einer Stunde bin ich wieder daheim. Der Mann braucht noch eine Stunde länger.
Das war Tag zwei der 2015-Radl-Challenge.

Der Zähler ist gestartet

Mit heute beginnt die Kilometerzählung für das neue Jahr. Es gilt die 2.800 km von 2014 zu überbieten. Eigentlich sollte es schon letztes Wochenende losgehen, aber da hatte mein Trekkingrad doch tatsächlich einen Platten.
Gestern abend habe ich es dann endlich wieder flott gemacht und mir vorgenommen, heute auf jeden Fall zur Arbeit zu fahren. Die Wettervorhersager waren sich nicht ganz einig, aber so richtig fies sollte es nicht werden, sagen sie.
Ich kontempliere also noch ein wenig, was ich wohl anziehen soll. Im Herbst hatte ich eine warme lange Vaude-Radlhose erstanden (nettes Schnäppsche). Und dann T-Shirt, Fleece und Anorak. Auf dem Kopf nur der Helm, und zur Sicherheit noch ein Buff-Tuch in der Tasche.
Auf den Rad- und Gehwegen liegt etwas frischer Schnee, alter Schnee, getauter und zu Eis gefrorener Schnee und Streusplitt. Langsam taste ich mich an das Fahrgefühl heran. Von tiefstem Herzen ein ängstlicher Mensch, sehe ich mich natürlich schon am Boden liegen. Es geht aber dann ganz erstaunlich gut. Ein freundlicher Westwind schiebt mich auch immer wieder ein Stückchen an.
Viele Radler sind nicht unterwegs. Und die, die ich sehe, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die Harten und die Alten. Die Harten sind gut ausgerüstet, denn sie fahren den ganzen Winter durch: Neonjacke und funktionelle Kleidung, teures Rad. Die Alten sind alt. Fünfundsiebzig und mehr, würde ich schätzen. Sie fahren auf einem gleichaltrigem Rad so langsam, dass noch langsamer Stehen wäre. Unterschütterlich. Mit Filzhut beziehungsweise Kopftuch. Wahrscheinlich sind sie so noch mobiler als zu Fuß. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich in dreißig Jahren unterwegs bin. Es gelingt mir nicht.
Ist auch egal. Jetzt muss ich mir erstmal vorstellen, wie ich heute abend heim komme, gegen den Wind und mit ordentlich Neuschnee, denn ungefähr drei Minuten nachdem ich das Büro erreicht habe, bricht der Blizzard los. Wer hat den eigentlich bestellt?

Olfaktorisches

Grandioses Herbstwetter. Heute mal kein Nebel, sondern gleich Sonne pur. No excuses also. Rad raus und los. Der Sonnenaufgang kommt mir zeitlich inzwischen schon sehr entgegen und so fahre ich ostwärts in das tiefstehende Licht. Blindflug quasi.
Umso mehr beeindrucken die Gerüche. So ganz ist der Herbst noch nicht da. Die nassen Blätter am Boden sind noch entfernt vom morbiden Duft des Spätherbstes. Erde, Gras und der Rest der Natur riechen aber eindeutig nicht mehr nach Sommer. Der See hat gar keinen Geruch. Schade. Irgendwie bilde ich mir ein, der müsste nach etwas riechen. Meer und Salz hätte ich gerne, kann ich aber nicht erwarten. Pech. Ich lasse ihn links liegen.
Dann gerate ich in ein Rudel Hundehalterinnen. Und mir wird schlecht.
Unglaublich, mit was die sich eingedieselt haben. Ich spüre die klebrige Wolke förmlich auf der Zunge und habe das starke Verlangen, den Mund auszuspülen. Jedes einzelne ihrer Parfums gehört eigentlich auf eine schwarze Liste, aber zusammen verstoßen sie eindeutig gegen jede Richtlinie zum Gesundheits-, Umwelt- oder Artenschutz. Merken die das nicht? Und ihre armen Hunde. Denen müssen ja die Synapsen platzen.
Alles was jetzt noch auf meinem Weg kommt, ist harmlos: Der Zweitakter, der mich überholt und dann vor mir her tuckert, bis ich endlich abbiege. Das Müllauto und zuletzt noch der Mittagessenmief aus der Kantine.

Mein Denkarium

Seit mein Stahlrad und ich uns wieder angefreundet haben, cruisen wir öfters in gemütlicher Reisegeschwindigkeit zur Arbeit und zurück. Jeweils 11 km in einer guten halben Stunde. Da bleibt Zeit zu denken. Das fängt schon gleich nach der Abfahrt an: Mensch, ich wollte die Kette doch ölen. Wieder vergessen. Nach ein paar Ampeln, Kurven und der Unterführung, dann die Stelle an der die Garmin normalerweise den ersten Kilometer ansagt. In der Kurve vor dem beschrankten Bahnübergang: Schranke zu oder auf? Ich wette mit mir selbst.

Dann erreiche ich den Landschaftspark. Aufatmen. Erstmal keine Autos, Teerarbeiten auf der Straße und hoppelige Fahrradwege mehr. Ich mag den Park sehr gerne. Die weiten Flächen und die streng geometrischen Formen. Der Park scheidet die Geister, seit er 2005 als Bundesgartenschau vorgestellt wurde. Manche finden ihn langweilig, weil die langen Wege an Flugzeuglandebahnen erinnern.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Gelände mal ein Flughafen war und die Gartenarchitekten das nicht vergessen lassen wollten. Ich mag ihn aber und ich habe meine Lieblingsstellen, an denen ich regelmäßig denke: Hübsch. Dieser Pfad durch den Hain ist hübsch. Die Magerwiese, die mich an eine norddeutsche Heidelandschaft erinnert, ist hübsch. Der See, wenn er spiegelglatt daliegt, und die bunten Sonnenschirme, die seit der BuGa dort stehen, sind hübsch. Einfach hübsch. Ich könnte mir noch andere Adjektive ausdenken, aber hübsch fällt mir immer als erstes ein.
Morgens ist der Park meistens recht leer. Hauptsächlich RadfahrerInnen, die von A nach B wollen, und Hunde. Vor denen habe ich ja Respekt, besonders vor den ganz großen. Da denke ich: Hoffentlich hält der Hund die Spur und ich kann ihn überholen. Hoffentlich fühlt er sich nicht plötzlich in seiner Privatsphäre gestört, wenn ich zu nah vorbei fahre, und will mich mit einem Biss erziehen. Hoffentlich sammeln die Herrchen und Frauchen die Kacke auch ein. Lustig wie das Zamperl und die Dogge miteinander spielen. Was da wohl für eine Promenadenmischung rauskommen würde?
Dann ist der Park vorbei, ich biege durch das Dorf. Blöd, dass der Bioladen hier zu gemacht hat, der war echt praktisch gelegen. Wieder eine Überlandfahrt: Hmm, lecker, Erdbeerfeld. Könnten wir eigentlich am Wochenende mal zum Pflücken gehen und Marmelade kochen. Rechts hinterm Roggenfeld oder Dinkel? überholt mich die S-Bahn. Der Anstieg nach der Unterführung: Bestimmt zwanzig Höhenmeter. Manchmal muss ich runterschalten. Unvorstellbar, dass Leute 4000 schaffen, und auch noch Leute, die ich kenne. Respekt und Ehrfurcht. Dann kommt ein Stückchen Wald. Die Vögel und meine Kette zwitschern gegen den Lärm der Bahnstrecke und der Autobahn an. Heute Abend öle ich die Kette aber echt. Der Fahrradweg hat eine eigene kleine Brücke über die Autobahn. Sehr fürsorglich. Wieder ein bisschen Wald. Links Bäume, rechts Bäume und dahinter: Ach, ein Sportplatz.
Wohngebiet. Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten. In einem steht ein gemauerter Grillkamin mit scharlachroten Lettern: ALESSANDRO. Heißt der Besitzer so, oder der Kamin? Namen auf der Bürotasse finde ich sinnvoll, auch auf dem Fußballtrikot. Auf dem Auto kann ich es verstehen. Aber auf einem Kamin? Da besteht ja weniger die Gefahr der Verwechslung und des aus Versehen Mitnehmens. Hier bin ich noch zu keinem guten Schluss gekommen. Das letzte Stück, der Weg ist eingepfercht zwischen Schallschutzwand und Bäumen. Und dann bin ich schon da. Das ging ja wieder schnell. Und heute Abend der Bericht retour. Nein, war nur Spaß. Ich muss ja die Kette ölen.

Pfadfinder

 In der letzten Zeit musste ich mein olles stählernes Trecking-Rad wieder öfter in Betrieb nehmen. Wenn ich nach der Arbeit ins Studio gehen will, habe ich ja einen Haufen Zeug dabei. Mit dem Rennrad müsste ich es auf dem Rücken tragen und das macht keinen Spaß und tut auf Dauer auch weh, im Lendenwirbelbereich und in den Schultern.

Deshalb also wieder mein Lastenrad mit dem uncoolen, aber höchst praktischen Korb hinten drauf.
Die längere Strecke zur Arbeit mit den langen Geraden über die Felder macht mit dem Rennrad super Spaß, mit dem Treckingrad eher weniger.
Die kürzere Strecke an der vierspurigen Ausfallstraße mit einer Zillion roter Ampeln ist aber auch nicht lustig. Also habe ich eine Alternative gesucht und gefunden: elf Kilometer auf Schleich-, Rad- und Schotterwegen, durch waldähnliches Gelände, mit einem Single-Trail zwischendurch. Das macht richtig Spaß, schult den Gleichgewichtssinn und lässt einen vergessen, dass man doch in urbanem Siedlungsgebiet unterwegs ist. Umso mehr, wenn es einem gelingt sich die grüne Schallschutzwand an der Bahntrasse wegzudenken.
Die erste Woche meines neuen Trainingenthusiasmus ist ganz gut gelaufen. Trotz eines Krankheitstages habe ich bis jetzt schon über fünf Stunden verbuchen können, zwei davon im Studio. Heute kommen dann noch zwei oder so dazu, weil ich endlich das fünfsternige Schwimmbad ausprobieren möchte. Und am Wochenende ist ja auch noch Zeit für Aktivität.

Moränenhügel mag ich nicht

Endlich ergab sich mal wieder die Gelegenheit für ein Radtoürchen. Der Biobauer unseres Vertrauens lud zum Erntedankfest auf seinen Hof. Der Sohn war schon dort, und mein Mann erklärte sich sofort bereit, mich zu begleiten.
Die Tour plante komoot für uns und verkaufte sie uns als “mittelschwer”. Und 30 km ist jetzt auch nicht die Welt. Ein Teil ging entlang des Isar-Inn-Radwegs, den ich gerne habe.
Ich weiß inzwischen, dass alles, was von uns Richtung Süden geht, immer mehr Meter hoch als runter geht. Was ich jedoch total unterschätze, und zwar jedesmal, sind diese kurzen steilen Anstiege. Die bringen mich deutlich an meine Grenzen.
Und so sinnlos sind sie auch, denn alles was ich jetzt freudvoll herabrolle, geht gleich auch wieder hoch – manchmal schon in Sichtweite. Vielleicht sehe ich das auch ein wenig negativ.
Positives Fazit: Hundert Minuten was für die Kondition getan, schönen Herbsttag genutzt, und das zusammen mit dem Mann.
P.S.:  Auf den Rückweg habe ich zugunsten einer verlockenden Mitfahrgelegenheit verzichtet.