Archiv der Kategorie: Reisen

Urlaube und andere Reisen

Dahme, Gurken und Bergbau

Ostern = Feiertage = freie Tage = Kurzurlaub. Mich hat die Radreiselust schon lange im Griff, insbesondere seit ich auf Instagram den Fernreisenden folge,  und der Mann hat auch mal wieder Lust auf ein Türchen/Tourchen. Weil wir am Karfreitag Termine in Berlin haben, beginnen wir unsere Tour halt dort. Angedacht ist Dresden als Ziel, weil wir von da einigermaßen zuverlässig wieder mit dem Zug heim kommen. Der ADFC empfiehlt für Berlin-Dresden eine gut ausgeschilderte Tour, der wir folgen wollen.

Tag 1: Köpenick bis Lübbenau

In Köpenick beginnt unsere Reise mit dem Dahmeradweg, der dort endet. Er führt uns durch so noblige Gegenden wie Grünau oder Schmöckwitz. Immer wassernah und rudersportgeprägt. Dann durch Königs Wusterhausen und bis Märkisch Buchholz. Meist geradeaus, gut ausgeschildert und ohne großen Kopfeinsatz zu fahren. In größeren Orten leitet uns der Radweg ab und zu weg von der Hauptstraße, was unweigerlich zu Kopfsteinpflasterreiten führt. Ich stelle mir Paris-Roubaix vor und alles ist nicht mehr so schlimm. 

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In vollen Zügen

Dies ist noch ein Nachtrag zu meinem Berlin-Trip. Weil der vorige Beitrag eh schon recht divers war und die Fahrradschau ein wenig zu kurz gekommen ist, berichte ich von den sechzehn Stunden Zugfahrt hier gesondert.

Morgens um sieben ist der Zug noch leer

Hinfahrt an einem Donnerstag im IC vor sieben ab München. Am Tag vorher nochmal zum Bahnhof gefahren, weil ich über die App keine Fahrradkarte bekommen habe, das Reisebüro mir keine verkaufen wollte (“die andere Fahrkarte konnten Sie ja auch online kaufen”), und im Lottoladen die Bahnverkaufsmaschine sich gerade aktualisiert und ein Ende nicht absehbar ist. Am nächsten Morgen: Stellplatz im leeren Radabteil, Sitzplatz angrenzend mit Steckdose und Tisch. Sechs Stunden,  um am Re-Design meines Blogs zu arbeiten. Schön!

Die Rückfahrt ist schon ein bisschen anstrengender. Das Fahrrad hat seinen Platz, ich nicht, also bleibe ich einfach neben ihm stehen bis in Leipzig ein Sitzplatz frei wird. In Saalfeld wird unser Zugführer krank und muss von Sanitätern abtransportiert werden. Der Ersatz ist aber schon unterwegs  und so verlieren wir nur ein kleines Stündchen. Macht nichts. Ich liege gut in der Zeit, die Schwiegeltern erwarten mich erst zum Abendbrot.

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Berlin und Berliner Fahrradschau 

Zwei Tage Urlaub und einen Grund in Berlin zu sein. Wetter soll einigermaßen werden. Also Fahrrad bepackt, Zug gebucht und Donnerstag angekommen. Für die Fahrt vom Bahnhof Südkreuz zu meinem Domizil in Köpenick überlasse ich das Denken komoot. Kopfhörer rein, Orientierungshirn ausschalten (besser: ausgeschaltet lassen) und der Fahrt hingeben. Eine gute Stunde später bin ich am Ziel. Vollkommen entspannt und der Meinung, dass die ganzen Horrormeldungen über die schlimmen Radfahrverhältnisse in Berlin nicht stimmen können. Die Radwege sind sehr breit, kaum zugeparkt und die Ausschilderung auch OK. Na gut, ab und zu gibt es ein paar sehr verfallene Abschnitte, bei denen es sich lohnt auf die Straße auszuweichen. Aber im Großen und Ganzen, nix zu meckern.

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2016 – das wars

Achtung Jahresrückblick! Keine Sorge, wird nicht schlimm und auch nicht wahnsinnig besinnlich oder rührselig. Eher schön und zufrieden. 2016 war für mich persönlich ein schönes Jahr, auch wenn drumherum alle sagen, wie schrecklich es war. Natürlich machen mich Kriege und verstorbene Prominente betroffen, aber die gibt es jedes Jahr. Durchgeknallte Politiker gibt es nicht jedes Jahr, aber die verschwinden hoffentlich auch bald wieder. Viel mehr bleiben doch die persönlichen Erinnerungen, oder nicht?

Hier sind ein paar von meinen. Die Dinge, mit denen 2016 mir in Erinnerung bleiben wird.

Und für die Leserinnen und Leser, denen das hier jetzt zu lang wird: Vielen Dank für Eure Treue, fürs Mitlesen, fürs Kommentieren (hier oder auf anderen Kanälen). Mir macht es Spaß für Euch zu schreiben und ihr seid mir immer wieder Motivation. Mag komisch klingen, sowas zu einer mehr oder weniger anonymen Menge zu schreiben, ist aber so. Also wünsche ich euch nicht nur einen guten Jahresanfang, sondern auch ein gutes Jahr 2017. Wir sehen uns hier. Liebe Grüße, Alexandra

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3 Touren, 2 Flüsse und 1 Fest

Dieses Jahr wird eingehen in meine Geschichte als das Jahr der Urlaube. Kaum zwei Wochen zuhause und schon wieder auf Achse.

Premium-Radweg
Premium-Radweg

Diesmal vier Tage in der Moseleifel, wie ein rühriger Tourismusverband die Region zwischen Eifel und Mittelmosel neuerdings nennt. Vor mehr als dreißig Jahren machte ich in Wittlich Abitur und das soll gefeiert werden. Also spendiere ich ein paar meiner zahlreichen Überstunden, verlängere das Wochenende um zwei Tage und nehme mein Radel mit.

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Samstag ist Badetag

Die Isländer, oder Wikinger, wie wir sie manchmal liebevoll nennen, mögen Wasser und sie mögen das Baden. Das kann man erstmal so festhalten. Im Großraum Reykjavik gibt es siebzehn öffentliche Schwimmbäder, für etwa hundertsechzigtausend Menschen. Macht etwa ein Bad für zehntausend Menschen. Zum Vergleich: In München teilen sich hundertausend Menschen ein öffentliches Schwimmbad.

Das Fotografieren ist verboten in diesen Bädern und das ist auch gut so
Bis 1966 der einzige mit 50-Meter-Bahnen

Die Bäder, überwiegend Freibäder (beheizt), haben meist ein Schwimmbecken, nicht selten mit Fünfzigmeterbahnen. Und den  Fun Pool mit oder ohne Rutschen, mit oder ohne Schwimmbretter, Bälle und Schwimmnudeln. Und dann noch zusätzliche Heißkochtöpfe von 38 bis zu 44 Grad, für die ganz harten. Auf unseren Fahrten über Land haben wir in fast jedem Kaff ein Bad gesehen, und seien es auch nur ein paar Bahnen und ein Becken zum Abhängen und Sozialisieren.  Es ist übrigens Usus, sich vor dem Baden richtig zu waschen, ohne Badeanzug an und mit Seife. Ein großes Plakat am Eingang markiert die fünf wichtigen Stellen, die auf jeden Fall gewaschen werden müssen. In den Duschen gibt es dafür Seifenspender und Wachpersonal. Fun Fact am Rande: Bei TripAdvisor haben wir folgende schlechte Bewertung eines Bades diesbezüglich von einer US-amerikanischen Familie gefunden: …too many naked adults in and out of the showers that freaked out our teenage children. Und mich hat eine amerikanische Touristin gefragt, ob sie denn nach dem Baden schon wieder nackig duschen müsse. Ich war nett und habe es ihr erlassen, allerdings darauf hingewiesen, dass die Algen aus dem Naturbad schon nicht so schön auf der Haut sind, wenn sie mal trocknen. Samstag ist Badetag weiterlesen

Gastbeitrag: Regeln für den Island-Läufer

Heute eine Premiere: Der erste Gastbeitrag in diesem Blog. Natürlich gebührt diese Ehre “dem Mann”. Viel Spaß beim Lesen. Andra.

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Island liegt zwar weit weg vom europäischen und amerikanischen Festland aber auch hier gelten die Regeln, die wir aus unserer heimatlichen Sportwelt kennen. Auch hier spielt man Fußball mit zwei mal elf Spielern – und das bekanntermaßen nicht mal schlecht – und auch hier kann man einen Halbmarathon bewältigen ohne 21 Runden am Vulkankrater drehen zu müssen.

Alle laufen in Reykjavik
Alle laufen in Reykjavik

Vor unserer Anreise in den diesjährigen Sommerurlaub nach Island waren meine Vorstellungen da noch etwas verschwommener, nach zwei Wochen in diesem schönen Land sehe ich jetzt aber etwas klarer. Und das liegt nicht nur an der klaren Luft, die es oft möglich macht um ein mehrfaches weiter in die so fremdartige Landschaft zu schauen, als das in Mitteleuropa möglich ist.

Das Feld zieht sich auseinander
Das Feld zieht sich auseinander

Aber wir waren bei den Regeln: Die Regeln sind die gleichen, die Rahmenbedingungen aber oft anders. Am deutlichsten wird das erlebbar am Wetter. Der Spruch auf unserem obligatorisch erworbenen Kühlschrankmagneten verdeutlicht es am besten: “Welcome to Iceland! If you don’t like the weather, just wait five minutes…”. Das ist die positive Darstellung der etwas anderen Rahmenbedingungen in diesem Land. Meine Übersetzung für den Läufer in Island lautet: “Denke nicht, dass Du trocken nach Hause kommst, wenn Du bei Sonnenschein startest”. Nach meinem ersten akribisch geplanten Lauf in Reykjavík starte ich den zweiten eher unvorbereitet. Nur eine grobe Vorstellung von der Route, keine Ahnung, wie weit die Füße heute tragen. Wetterbericht? Ungelesen! Kein Handy dabei, aber erst nach einem Kilometer gemerkt. Egal! Gastbeitrag: Regeln für den Island-Läufer weiterlesen

Von goldenen Kreisen

Island ist gut zu seinen Touristen und hat eine Reihe schöner Naturschauspiele entlang einer kreisförmigen Route angeordnet. Dieser Goldene Ring lässt sich in einem langen Tag von der Hauptstadt aus abfahren. Das machen so ziemlich alle Touristen in diesem Land. Die Art des Reisens ist jedoch sehr unterschiedlich. Wir zum Beispiel tuckern mit dem alten Volvo unserer Tauschfamilie dahin. Andere sind in aufgebockten Geländewagen unterwegs. Oder mit dem Motorrad, einige auch mit dem Fahrrad (würde ich jetzt auch gern), oder halt mit dem Bus. Das sind zahlenmäßig die meisten. Und wenn so ein Bus wo anhält, dann stehen dann halt mal schnell fünfzig oder mehr Chinesen / Deutsche / Amerikaner vor dem Panorama und genießen es lautstark. Ist so. Muss man wissen und einplanen, weil es könnte wichtig werden. Spätestens wenn es um die Schlange vor der Toilette geht.

Wir haben Thingvellir bereits zu einem günstigen Zeitpunkt mit wenig Besucherandrang gesehen. Heute sehen wir, wie es auch sein kann. Wir mussten auf dem Weg zu anderen Attraktionen auf dem Goldenen Ring hier noch einmal anhalten, weil der Mann neulich das falsche Objektiv dabei hatte und seine Fotos nix geworden sind. Wir lassen ihn also schnell fotografieren und machen uns weiter auf zum Geysir.

Der Sohn erlebt am Geysir den Höhepunkt dieses Urlaubs, wenn nicht sogar seines bisherigen Lebens. DER coolste Youtuber, also DER mit dem über zwei Millionen Abonnenten, DER steht auf einmal vor ihm. Und noch drei andere berühmte, aber nicht ganz soo berühmte,  Youtuber drumherum. Der Sohn nimmt seinen ganzen Mut zusammen und mein Handy in die zitternden Hände und spricht ihn an und bittet um ein Foto. Früher wäre dieses Foto in Gold gerahmt im Wohnzimmer gehangen. Heute kriegt es einen coolen Fotoeffekt und der Sohn schaut es andächtig an bis das Handy alle ist. Die Zeiten ändern sich, und wir sind damals ja noch bei den Beatles in Ohnmacht gefallen.

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Mit Single Speed durch Reykjavik

Der Sommerurlaub führt uns dieses Jahr in den höchsten Norden nach Island. Und wieder sind wir als Haustauscher unterwegs, soll heißen, eine isländische Familie wohnt in unserem Haus während wir ihn ihrem Urlaub machen. Das bringt ganz andere Einblicke in ein Land und seine Leute und nebenbei freut sich die Haushaltskasse. Dieser Haustausch hat auch noch weitere Vorteile: Wir dürfen das Auto verwenden, einen uralten Volvo 70, und er steht auch schon am Flughafen bereit. Die Schlüssel hat unsere Tauschfamilie am Info-Desk hinterlegt. Komfortabler geht es nicht.

Rücktrittbremse und vorne auf der falschen Seite. Adventure-Reisen
Rücktrittbremse und vorne auf der falschen Seite. Adventure-Reisen

Wir müssen nur noch einsteigen und losfahren. Vor der Abreise hatten die Isländer auch angekündigt, Räder für uns bereitzustellen. Die Vorfreude hat ein Bild von den Rädern in meinem Kopf festgesetzt, das mit der Realität leider ganz wenig zu tun hat, wie sich schnell herausstellt.

Sagen wir’s mal so: Ich wollte schon länger mal ein Single Speed Bike ausprobieren. Sowas haben wir jetzt zur Verfügung. In zwei Ausführungen und sowas von Retro. Die Muskelgruppen, die man für Rücktrittbremsen braucht, habe ich gar schon lange ausrangiert. Dafür presse ich immer den rechten Lenkergriff in der Hoffnung dort einen Bremshebel zu finden. Diese Räder sind eine echte Challenge.

Aber lieber schlecht gefahren als gut gelaufen; und für die zwei Kilometer in die Innenstadt oder zum Freibad reicht es allemal. Immer schön langsam und vorausschauend fahren, damit Bremsen gar nicht erst nötig wird.

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