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Räder, aber auch Computer und Sportuhren, wichtige Sachen für den Sport.

Hundert und Münster

Der Bruder hat seit August nun auch ein Rennrad und seine Liebe zu langen und bergigen Strecken entdeckt. Bisher haben wir es nicht geschafft, einmal zusammen loszuziehen. Nachdem das Wetter für dieses Wochenende aber so grandios angesagt war, blieb uns eigentlich keine andere Wahl. Ich habe ihm, seiner Ortskenntnis und komoot die Streckenplanung überlassen, und nur um keine Harakiri-Tour gebeten.
Treffpunkt in Harthausen unterm Maibaum. Ich verfahre mich mal wieder in diesem Stadtteil, den ich eh nicht mag (siehe gestern) und habe schon fast zwanzig Kilometer auf dem Tacho, als ich endlich ankomme.
Und los geht’s mit ordentlichem Tempo, ich im Windschatten, aber ich fürchte, dass ich das so nicht lange durchhalten werde. Zum Glück wird es dann ein wenig gemütlicher und wir haben manchmal auch Strecken, in denen wir nebeneinander fahren und ratschen. Wir müssen ja keine Rekorde aufstellen.
Der Weg führt auf kleinen und kleinsten Wegen durch die östlichen Landkreise. Wo ich eh schon mal hinwollte, nämlich da, wo das Hügelland anfängt. Wegen meinem Vorsatz für dieses Jahr, mehr Höhenmeter zu meistern. Erstmal kamen aber viele Tiefenmeter, eine schöne Abfahrt, übersichtlich, ohne viele Kurven. Spaß! Hundert und Münster weiterlesen

Olfaktorisches

Grandioses Herbstwetter. Heute mal kein Nebel, sondern gleich Sonne pur. No excuses also. Rad raus und los. Der Sonnenaufgang kommt mir zeitlich inzwischen schon sehr entgegen und so fahre ich ostwärts in das tiefstehende Licht. Blindflug quasi.
Umso mehr beeindrucken die Gerüche. So ganz ist der Herbst noch nicht da. Die nassen Blätter am Boden sind noch entfernt vom morbiden Duft des Spätherbstes. Erde, Gras und der Rest der Natur riechen aber eindeutig nicht mehr nach Sommer. Der See hat gar keinen Geruch. Schade. Irgendwie bilde ich mir ein, der müsste nach etwas riechen. Meer und Salz hätte ich gerne, kann ich aber nicht erwarten. Pech. Ich lasse ihn links liegen.
Dann gerate ich in ein Rudel Hundehalterinnen. Und mir wird schlecht.
Unglaublich, mit was die sich eingedieselt haben. Ich spüre die klebrige Wolke förmlich auf der Zunge und habe das starke Verlangen, den Mund auszuspülen. Jedes einzelne ihrer Parfums gehört eigentlich auf eine schwarze Liste, aber zusammen verstoßen sie eindeutig gegen jede Richtlinie zum Gesundheits-, Umwelt- oder Artenschutz. Merken die das nicht? Und ihre armen Hunde. Denen müssen ja die Synapsen platzen.
Alles was jetzt noch auf meinem Weg kommt, ist harmlos: Der Zweitakter, der mich überholt und dann vor mir her tuckert, bis ich endlich abbiege. Das Müllauto und zuletzt noch der Mittagessenmief aus der Kantine.

München-Nord

Einladung zum Brunch in hinter Dachau plus Wetteraussichten OK = Radtour. Meine Männer nehmen das Motorrad und geben mir ein Stündchen Vorsprung.
Dachau liegt von uns aus gesehen genau auf der anderen Seite der Stadt. Quer durch ist eigentlich keine Option. Also haben komoot.de und ich uns auf eine Ostumfahrung geeinigt. Der Aufbruch ist hektisch und zu spät, mit dem Ergebnis, dass ich mich grandios verfahre. Um noch pünktlich zu sein, muss ich doch durch die Stadt. Die Dachauer Straße hält was sie verspricht und führt mich direkt zum Ziel. Doch die Radwege!
Wie wünsche ich mir ein ultragefedertes Offroad-Bike! Und wenn der Radweg mal taugt, dann hat er hübsche Kopfsteinmuster, die Einfahrten zu Grundstücken verzieren. Ja, muss das denn sein? (Hier endet mein Lamento über fahrradfeindliche Städte und ich übergebe an dieser Stelle an Mein Fahrrad Und Ich.)

Für den Rückweg nehme ich mir dann doch wieder die Nordost-Route vor. Schloss Schleißheim habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ist auch kaum zu sehen mit den ganzen Menschenmassen drumherum. Also weiter. Die Landschaft im Norden mit dem schönen Namen Panzerwiese ist aber wirklich sehenswert. Heide mit Schafen und Schäfer, ein kleiner Segelflugplatz, ein Einödhof mit Portal und eine schöne glatte Straße mittendurch. Einige Radler, Inliner, Jogger und Spaziergänger unterwegs, nicht so viele, wie es sein könnten, denn am Horizont drohen Gewitter über der Silhouette der Stadt. Diese verderben mir auch irgendwie den Spaß. Eigentlich wollte ich ja durch Natur und so, plane aber um, um im Notfall einen Hauseingang zum Unterstellen zu haben. Also wieder städtische Radwege an einer Einfallstraße entlang. Toll. Ich sehe nur noch zu, so schnell wie möglich Heim zu kommen und verlege das Genießen auf einen anderen Tag. Vier Kilometer vor daheim ereilt mich dann doch noch der Regen. Des a no.

Schön, mal wieder einen anderen Teil von München gesehen zu haben. Ich erkenne jedoch, dass radtechnisch für mich der Osten die bessere Wahl ist.

Zwischen Isen und Vils

Wochenend und Sonnenschein und ich mit mir und Rad allein…
Die Familie ist weg und ich habe zwei Tage für mich und die Steuererklärung. Letztere lässt sich schieben, also plane ich für Samstag eine nette Radtour. Ich schwanke zwischen “Richtig lang, aber flach” und “Du wolltest doch mal Höhenmeter üben”.  Ich starre also auf die Landkarte und lasse mich inspirieren. Meine Wahl fällt endlich auf ein Gebiet fünfzig Kilometer östlich von München. Dort hat es moderate Hügel (“rolling hills” finde ich ein passendes Bild), und einen Haufen Radwege mit Namen.
Da ich eh schon lang mal so eine Radwegtour machen wollte, spricht mich das gleich an.
Ich stelle mir also mithilfe des Bayernnetz für Radler in komoot meine Tour zusammen. Am Ende kommen gut sechzig Kilometer mit dem Prädikat mittelschwer zusammen.
Versuche, die Strecke auf meiner Garmin zu speichern, schlagen fehl, also memorisier ich die Strecke und für den Notfall habe ich ja auch mein Handy dabei.
Die Autofahrt zum Ausgangspunkt in Schwindegg ist schon mal schön und idyllisch. Dort angekommen, habe ich aber dann das Problem, den Touranfang zu finden. Das Memorisieren hat wohl doch nicht so gut geklappt. Irgendwann finde ich doch einen Hinweis auf den Isen-Sempt-Radweg. Und von dort hangel ich mich zum Vilstalradweg bis Velden (Vils) (sprich Felden an der Filz) und weiter den Rottalradweg bis Wurmsham (ein weiteres Exemplar in meiner Sammlung der Orte mit lustigen Namen).  Hier mache ich erstmal Rast unter der Dorflinde. Leider nur mit einem Schluck warmen Wassers aus der Flasche. Das Essen hatte ich vergessen, bzw. gar nicht für nötig befunden, welches mitzunehmen. Eigentlich schwebte mir eine Rast in einem idyllischen Dorfcafé vor mit selbstgemachtem Kuchen und Rhabarberschorle. Dieser Traum platzte recht schnell. Alle Dörfer, durch die ich kam, waren geschlossen wegen Samstag Nachmittag und die Bürgersteige, so überhaupt vorhanden, schon lange hochgeklappt. Das einzige Leben fand auf den Feldern statt, wo Mähdrescher noch hektisch soviel abernten wollten wie möglich, bevor das Gewitter hereinbrechen würde. Also weiter mit Hunger im Bauch.
Ab Wurmsham musste ich eh improvisieren und die geplante Route abkürzen, denn der Blick nach Süden prophezeit Fürchterliches: Fiese Gewitterwolken türmen sich auf und wo keine einzelnen Wolken mehr zu erkennen sind, drohte eine schwarze Wand. Deutlich früher als angekündigt.
Ich trete also in die Pedale, quäle mich durch stehende und zum Schneiden dicke Luft zwischen den Maisfeldern. Manchmal ist sie so dick und riecht so modrig, dass mir das Atmen schwerfällt.
Abseits der benamten Radwege, die alle stillgelegten Eisenbahntrassen oder Flusstälern folgten, kamen jetzt dann doch ein paar Hügel. Gerade genug, um den Puls hochzutreiben und den Bergtritt zu üben. Und dann immer sofort durch eine nette Abfahrt belohnt.
Fünf Kilometer vor dem Ziel wird aus der schwülen stehenden Hitze auf einmal ein böiger Wind, der das nahe Gewitter androht. Zum Glück geht es nur noch bergab oder geradeaus, und so komme ich ziemlich knapp vor dem Unwetter am Auto an. Puh, geschafft. 62 km in 2:38. Kein Rekord, aber darum ging es ja auch nicht. Höhenmeter waren es am Ende dann auch nicht soo viele (aber trotzdem noch viermal mehr als wenn ich im Münchner Umland unterwegs bin).

Mein Hunger treibt mich stracks in die nächste Tanke und ich erinner mich an den Ironwomen-Bericht von neulich, in dem dauernd von Cola die Rede war. Gut, denke ich, probier ich mal. Nach dem ersten Schluck weiß ich wieder, warum ich so lange schon keine Cola mehr getrunken habe. Ich ziehe die sehr warme Johannisbeerschorle aus dem Auto vor. Die Tankstellenbutterbreze schmeckt aber.

Richtung Heimat ist der Himmel richtig schwarz und Blitze zucken. Mir fällt meine Wäsche auf der Terrasse ein, aber ich beschließe, mir davon und von der immer noch nicht gemachten Steuererklärung die gute Laune nicht verderben zu lassen. Der Tag war außerordentlich schön, ich habe etwas gemacht, was ich schon ganz lange vorhatte und endlich mal Orte gesehen, die ich schon lange mal besuchen wollte.

Wieder smart unterwegs

Eine Woche war ich jetzt ohne Smartphone. Eine Woche ohne mobiles Internet, das heißt ich konnte nicht permanent checken, ob jemand hier einen Kommentar gepostet hat, ob sich in einem anderen Blog was getan hat, oder wie sich das Wetter in der nächsten Viertelstunde entwickelt. Das alles ging nur, wenn ich an meinem Arbeitsrechner saß oder zu Hause am Tablet über WLAN verbunden war. Und das deckte nur etwa 80% meiner wachen Zeit ab. Ganz schön tough.

Warum ich überhaupt smartlos war, kam so. Und das wird keine rühmliche Geschichte.
Letzten Samstag war schönes Wetter angesagt, richtig heiß sogar. Ich also auf’s Rad und los in der Mittagshitze. Ich habe ja schon mehrfach bewiesen, dass ich radtechnisch bei hohen Temperaturen besser performe als in der Kälte. Also beschließe ich unterwegs, dass es nicht die üblichen 50k, sondern was Längeres werden soll.

Ich biege also an geeigneter Stelle ab und mache mich auf den langen geraden Ritt durch den Ebersberger Forst.
Zwischendurch klingelt öfters das Telefon. Die Familie verlangt Abstimmung, und meldet später nochmal, dass sie jetzt zum Baden geht. Das fände ich jetzt auch schön, denke ich und schiebe das Handy in die Taschen meines Radshirts.
An jedem Dorfweiher, den ich passiere, sogar an jedem Schild zu einer Badegelegenheit, stelle ich mir vor, wie schön ein Sprung ins Wasser wäre. Badeanzug habe ich keinen dabei, aber das wäre ja egal. Diese Hightech-Radklamotten sind ja auch nicht viel anders als Triathlonsuits. Auf den nächsten dreißig Kilometern gewöhne ich mich also an den Gedanken, mit Hose und Shirt ins Wasser zu springen. Schöner Gedanke.

Endlich dann die Zielgerade zum Badesee. Fast 70k auf dem Tacho. Freunde und Familie sind schon da. Ich springe vom Rad und rein ins Wasser. Gleich losgekrault und es war toll! Vollkommen erfrischt und glücklich steige ich irgendwann wieder an Land. Zuppel ein bisschen an meinem nassen Shirt rum, dass es nicht gar so am Bauch klebt und entdecke dabei mein Handy in der Tasche am Rücken. Sch… Alle Wiederbelebungsversuche vergebens. Da war nichts mehr zu machen. Dabei hatte ich ihm erst letzte Woche eine aufwändige Generalsanierung verpasst. Alles umsonst. Heul.

Nach angemessener Trauerzeit: Eigene Anforderungen analysieren und definieren – Markt beobachten und Testberichte lesen – Budget freigeben lassen – entscheiden. Alles Sachen, die ich gar nicht gerne mache.

In der Zwischenzeit laufe ich mit einem Zwanzig-Euro-Teil herum, das nicht mal Radstrecken tracken kann, sondern mit dem man einfach nur telefoniert. Voll Retro.
Aber jetzt ist wieder alles gut: Ich habe Internet in der Hand, meine Adressen und Kalender im Zugriff, und kann Fotos machen.

Lessons learned: 1. Nicht jedes Smartphone ist wasserfest. 2. Checke immer vor dem Schwimmen, was sich in deinen Taschen befindet, denn siehe 1.

Sonniger Wochenabschluss

Sonntag, bombastisches Wetter. Was fällt einem da ein? Ja, Radfahren! Wohin? Mit wem? Der Mann ist anderweitig unterwegs, der Sohn schwächelt. Frag ich doch den kleinen Bruder. Trotz Feierei am Vorabend ist er bereit und auch gut im Training. Muss er auch, denn von seinem Fahrrad kann er keine Unterstützung erwarten.
Vollkommen großkotzig habe ich in Komoot die Strecke einer RTF-Ausschreibung nachgemalt und fand sie eigentlich gar nicht so schlimm. Aber ich kenne auch die südlichen Landkreise nicht so gut.
Wir satteln also auf und ich merke schon auf den ersten Kilometern, dass ich heute gar nicht fit bin. Müde Beine und der Musculus gluteus minimus
zwickt. Ich werde getröstet, es geht gerade bergauf. Unsichtbar aber stet. Und dann geht es los. Fiese Anstiege, die mich ordentlich zum Pfeifen bringen. Ich komm hoch, muss nicht absteigen und breche nicht zusammen.
Aber die Pumpe geht doch sehr. Am vorläufigen Höhepunkt der Tour in Jasberg gibt es ein Volksfest der zünftig-bayrischen Art: der hiesige Hofladen wird sechzig. Herzlichen Glückwunsch.
Wir verzichten auf die Maß und machen uns an den Abstieg, denn ich habe beantragt, die Tour auf 30k abzukürzen. Auf das was dann kommt, war ich nicht vorbereitet: Sechzehn Kilometer nur bergab. Mal sichtbar, meist jedoch unterschwellig. Eine Wonne. Endomondo hat mir dann auch gleich mal einen Pokal für die schnellsten zehn Meilen ever verliehen. Danke.

Der Bruder und ich brettern also die Schotterebene hinab, auf einer kleinen Nebenstraße, die nur von Radlern, Skatern und einem Traktor verwendet wird. Das macht Spaß und einen belgischen Kreisel vollkommen überflüssig.
Drei Kilometer vor dem Tourende bin ich auf einmal großzügig. Der Bruder wünscht sich schon länger ein Rennrad und will mal meins ausprobieren. Wir tauschen also Räder. Die Schuhe passen, das Rad ist zu klein. Von hinten sieht er ein wenig komisch aus. Aber nicht lange, denn dann ist er außer Sichtweite, genießt die Geschwindigkeit, während ich mich mit seinem ollen Rad gen Heimat abmühe. Geschwisterliebe halt.

Für morgen habe ich mir einen Ruhetag verordnet. In dieser Woche waren es nämlich dreizehn Stunden Sport oder über elftausend Kilokalorien oder 165 Kilometer Entfernung. Jetzt muss auch mal ein Tag Nichtstun drin sein.

 

Im Traktorstrahl

Gestern habe ich eine neue Erfahrung gemacht: Windschattenfahren und zwar so, dass ich außer den Waden meines Vordermannes fast nichts sonst gesehen habe. Das war ein außerordentlich angenehmer Anblick, trotzdem braucht es eine Menge Vertrauen. Ordentlich schnell fahren, ohne die Unebenheiten oder Schlaglöcher zu sehen und nur auf die kurze Anzeige des Vorausfahrenden zu vertrauen.
Nach ein wenig Gewöhnung hat das unglaublich Spaß gemacht.  Die vorausfahrenden Waden mit dem zugehörigen Körper sind gut trainiert und haben Tempo gemacht.
Wir sind meine übliche 50k-Strecke in Rekordzeit abgefahren, bis auf eine “Abkürzung”, die wir wegen der hereinbrechenden Dunkelheit nehmen mussten, und die uns den Schnitt sowas von in die Tiefe gezogen hat. Rennräder sind einfach nicht für Schotter- und Waldwege gemacht.
Bei dieser Gelegenheit hat mein Vordermann wieder mal festgestellt, dass die geländetauglichen Räder, die er normalerweise fährt, viel praktischer sind. Und bequemer sowieso. Und überhaupt sei er nicht mehr so der Rennradtyp. Schade. Die Waden waren schon ein schöner Anblick.

LeserInnen im Münchner Osten, die gerne mal eine gemeinsame Ausfahrt machen wollen, melden sich bitte. Mit oder ohne Waden.

Mein Denkarium

Seit mein Stahlrad und ich uns wieder angefreundet haben, cruisen wir öfters in gemütlicher Reisegeschwindigkeit zur Arbeit und zurück. Jeweils 11 km in einer guten halben Stunde. Da bleibt Zeit zu denken. Das fängt schon gleich nach der Abfahrt an: Mensch, ich wollte die Kette doch ölen. Wieder vergessen. Nach ein paar Ampeln, Kurven und der Unterführung, dann die Stelle an der die Garmin normalerweise den ersten Kilometer ansagt. In der Kurve vor dem beschrankten Bahnübergang: Schranke zu oder auf? Ich wette mit mir selbst.

Dann erreiche ich den Landschaftspark. Aufatmen. Erstmal keine Autos, Teerarbeiten auf der Straße und hoppelige Fahrradwege mehr. Ich mag den Park sehr gerne. Die weiten Flächen und die streng geometrischen Formen. Der Park scheidet die Geister, seit er 2005 als Bundesgartenschau vorgestellt wurde. Manche finden ihn langweilig, weil die langen Wege an Flugzeuglandebahnen erinnern.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Gelände mal ein Flughafen war und die Gartenarchitekten das nicht vergessen lassen wollten. Ich mag ihn aber und ich habe meine Lieblingsstellen, an denen ich regelmäßig denke: Hübsch. Dieser Pfad durch den Hain ist hübsch. Die Magerwiese, die mich an eine norddeutsche Heidelandschaft erinnert, ist hübsch. Der See, wenn er spiegelglatt daliegt, und die bunten Sonnenschirme, die seit der BuGa dort stehen, sind hübsch. Einfach hübsch. Ich könnte mir noch andere Adjektive ausdenken, aber hübsch fällt mir immer als erstes ein.
Morgens ist der Park meistens recht leer. Hauptsächlich RadfahrerInnen, die von A nach B wollen, und Hunde. Vor denen habe ich ja Respekt, besonders vor den ganz großen. Da denke ich: Hoffentlich hält der Hund die Spur und ich kann ihn überholen. Hoffentlich fühlt er sich nicht plötzlich in seiner Privatsphäre gestört, wenn ich zu nah vorbei fahre, und will mich mit einem Biss erziehen. Hoffentlich sammeln die Herrchen und Frauchen die Kacke auch ein. Lustig wie das Zamperl und die Dogge miteinander spielen. Was da wohl für eine Promenadenmischung rauskommen würde?
Dann ist der Park vorbei, ich biege durch das Dorf. Blöd, dass der Bioladen hier zu gemacht hat, der war echt praktisch gelegen. Wieder eine Überlandfahrt: Hmm, lecker, Erdbeerfeld. Könnten wir eigentlich am Wochenende mal zum Pflücken gehen und Marmelade kochen. Rechts hinterm Roggenfeld oder Dinkel? überholt mich die S-Bahn. Der Anstieg nach der Unterführung: Bestimmt zwanzig Höhenmeter. Manchmal muss ich runterschalten. Unvorstellbar, dass Leute 4000 schaffen, und auch noch Leute, die ich kenne. Respekt und Ehrfurcht. Dann kommt ein Stückchen Wald. Die Vögel und meine Kette zwitschern gegen den Lärm der Bahnstrecke und der Autobahn an. Heute Abend öle ich die Kette aber echt. Der Fahrradweg hat eine eigene kleine Brücke über die Autobahn. Sehr fürsorglich. Wieder ein bisschen Wald. Links Bäume, rechts Bäume und dahinter: Ach, ein Sportplatz.
Wohngebiet. Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten. In einem steht ein gemauerter Grillkamin mit scharlachroten Lettern: ALESSANDRO. Heißt der Besitzer so, oder der Kamin? Namen auf der Bürotasse finde ich sinnvoll, auch auf dem Fußballtrikot. Auf dem Auto kann ich es verstehen. Aber auf einem Kamin? Da besteht ja weniger die Gefahr der Verwechslung und des aus Versehen Mitnehmens. Hier bin ich noch zu keinem guten Schluss gekommen. Das letzte Stück, der Weg ist eingepfercht zwischen Schallschutzwand und Bäumen. Und dann bin ich schon da. Das ging ja wieder schnell. Und heute Abend der Bericht retour. Nein, war nur Spaß. Ich muss ja die Kette ölen.

Pfadfinder

 In der letzten Zeit musste ich mein olles stählernes Trecking-Rad wieder öfter in Betrieb nehmen. Wenn ich nach der Arbeit ins Studio gehen will, habe ich ja einen Haufen Zeug dabei. Mit dem Rennrad müsste ich es auf dem Rücken tragen und das macht keinen Spaß und tut auf Dauer auch weh, im Lendenwirbelbereich und in den Schultern.

Deshalb also wieder mein Lastenrad mit dem uncoolen, aber höchst praktischen Korb hinten drauf.
Die längere Strecke zur Arbeit mit den langen Geraden über die Felder macht mit dem Rennrad super Spaß, mit dem Treckingrad eher weniger.
Die kürzere Strecke an der vierspurigen Ausfallstraße mit einer Zillion roter Ampeln ist aber auch nicht lustig. Also habe ich eine Alternative gesucht und gefunden: elf Kilometer auf Schleich-, Rad- und Schotterwegen, durch waldähnliches Gelände, mit einem Single-Trail zwischendurch. Das macht richtig Spaß, schult den Gleichgewichtssinn und lässt einen vergessen, dass man doch in urbanem Siedlungsgebiet unterwegs ist. Umso mehr, wenn es einem gelingt sich die grüne Schallschutzwand an der Bahntrasse wegzudenken.
Die erste Woche meines neuen Trainingenthusiasmus ist ganz gut gelaufen. Trotz eines Krankheitstages habe ich bis jetzt schon über fünf Stunden verbuchen können, zwei davon im Studio. Heute kommen dann noch zwei oder so dazu, weil ich endlich das fünfsternige Schwimmbad ausprobieren möchte. Und am Wochenende ist ja auch noch Zeit für Aktivität.

Kreatives Freischwimmen

 Affenhitze, Feiertag, Besuch mit Kindern. Was gibt es in dieser Situation besseres als zum Baden zu fahren. Der übernächste Badesee ist zehn Kilometer weg, dafür aber ausreichend beschattet. Und die Strecke ist schön zu radeln. Zusätzlich habe ich mich dann noch eine Stunde weggestohlen und bin durch die flirrende Hitze gestrampelt. Ging eigentlich ganz gut und die Wege waren hübsch leer.
Danach endlich die Gelegenheit, meine Garmin 310 XT (sie, die Uhr) im Freiluftschwimmen auszuprobieren. Um es vorweg zu nehmen, das Ergebnis ist schon lustig.
Ich hatte die Uhr am Träger des Badeanzugs, zunächst vorne, festgemacht. Aber da kamen dauernd akustische Signale, dass das GPS-Signal nicht vorhanden war.
Dann schob ich die Garmin nach hinten, so dass sie quasi auf meinen Schultern lag. Da war dann wohl genug Signal zu empfangen. Aber das Ergebnis ist zum Lachen: Ich schwöre, ich war nicht betrunken, als ich diese Strecke geschwommen bin. Ich kann mich auch nicht erinnern, Schleifen geschwommen zu sein. Die Strecke, die mir Garmin noch in der Uhr angezeigt hat, sah einigermaßen gerade aus, fand ich.
Mit dieser Strecke hat mir Garmin aber einen neuen Geschwindigkeitsrekord errechnet und Endomondo hat mir einen neuen Pokal verliehen: 1000 Meter in 15 min. Ich dank recht schön, aber glauben kann ich es nicht. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 149 km/h kommt mir unrealistisch vor. Insgesamt habe ich auch 64 Höhenmeter abwärts und 47 hoch bewältigt. An diesen Seegang kann ich mich auch gar nicht erinnern.
Ich weiß nicht, was schief gelaufen ist, aber so ist die Garmin für’s Schwimmtraining nicht zu gebrauchen. Hat jemand Erfahrung mit Sporttrackern im Wasser?