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Throwback und Blick nach vorn

Wenn aktuell nicht viel los ist, dann muss man sich an aufregendere Zeiten erinnern. Und das kann ich seit gestern ausführlich tun. Gestern vor einem Jahr begann am südlichen Bodensee nämlich meine große Tour durch Deutschland. Heute vor einem Jahr war ich zwischen Schaffhausen und Basel unterwegs. Das Wetter war heute wie damals auch deutlich zu nass, was aber der authentischen Erinnerung recht zuträglich ist.

Natürlich erinnere ich mich das ganze Jahr schon immer wieder an unterschiedliche Aspekte meiner Tour. An Gefühle, an Gerüche, an Orte oder an Menschen. Throwback und Blick nach vorn weiterlesen

2016 – das wars

Achtung Jahresrückblick! Keine Sorge, wird nicht schlimm und auch nicht wahnsinnig besinnlich oder rührselig. Eher schön und zufrieden. 2016 war für mich persönlich ein schönes Jahr, auch wenn drumherum alle sagen, wie schrecklich es war. Natürlich machen mich Kriege und verstorbene Prominente betroffen, aber die gibt es jedes Jahr. Durchgeknallte Politiker gibt es nicht jedes Jahr, aber die verschwinden hoffentlich auch bald wieder. Viel mehr bleiben doch die persönlichen Erinnerungen, oder nicht?

Hier sind ein paar von meinen. Die Dinge, mit denen 2016 mir in Erinnerung bleiben wird.

Und für die Leserinnen und Leser, denen das hier jetzt zu lang wird: Vielen Dank für Eure Treue, fürs Mitlesen, fürs Kommentieren (hier oder auf anderen Kanälen). Mir macht es Spaß für Euch zu schreiben und ihr seid mir immer wieder Motivation. Mag komisch klingen, sowas zu einer mehr oder weniger anonymen Menge zu schreiben, ist aber so. Also wünsche ich euch nicht nur einen guten Jahresanfang, sondern auch ein gutes Jahr 2017. Wir sehen uns hier. Liebe Grüße, Alexandra

Und jetzt der Jahresrückblick. 2016 – das wars weiterlesen

BMX im Eichenhain

Der Sohn arbeitet seit gestern verstärkt an seiner Karriere als bestimmt bald mal erfolgreicher und vor allem supercooler Youtuber. Damit er mal ein wenig frische Luft abkriegt, locken wir ihn mit einer klitzekleinen MTB-Tour auf abwechslungsreichem und technisch anspruchsvollen Single Trail. Die Gegend hier um Viborg ist voll von abwechslungsreichen und technisch anspruchsvollen Mountainbike Trails.
Wir graben uns also durch den Wald, der Nase und kleinen roten Dreiecksmarkierungen nach. Nach dem Regen gestern und heute nacht hatte ich eigentlich ein Matschdesaster erwartet, war aber nicht, weil die Wege ganz oft auf Wiese und weichem Waldboden verlaufen. Von Matsch kaum eine Spur. BMX im Eichenhain weiterlesen

Viborg, Dänemark

Da sind wir also in unserem diesjährigem Urlaubsziel: Viborg, Nordmitteljütland, Dänemark. Der Ort mit der wahrscheinlich geringsten Dichte an deutschen Touristen, was sich damit erklären lässt, dass es wahrscheinlich auch keinen Ort in Dänemark gibt, der weiter vom Meer entfernt ist, dafür aber von Ost- und Nordsee gleich weit entfernt. Wir sind hier gelandet, weil wir Haustauscher sind. Zu dieser Zeit macht eine dänische Familie in unserem Häuschen Urlaub und wir sind in Viborg. Haustausch hat uns schon einige besondere Urlaube eingebracht an Orten, die nicht über Katalog zu buchen sind in Irland, Spanien, Holland und Kärnten. Viborg, Dänemark weiterlesen

Andere Städte, andere Räder

Hamburg ist die nächste Station unseres diesjährigen Urlaubs. Neben dem touristischen Pflichtprogramm betreibe ich soziokulturelle Studien. Einfacher ausgedrückt: mir fällt auf, dass es hier andere Fahrräder gibt als bei uns. Erster Eindruck: Viel mehr Alltagsrennradler und – innen. Das finde ich bemerkenswert, weil die Straßen und Wege das nicht unbedingt nahe legen. Auf der anderen Seite gibt es in Hamburg seit zwanzig Jahren ein großes Radrennen, in München versuchen sie seit Jahren vergeblich was zu organisieren.
Zweitens gibt es quasi keine Mountainbikes. Die wenigen, die ich sehe, sind auf bayerischen Autos oder in der Nähe touristischer Attraktionen festgemacht.
Drittens sind sie hier recht genügsam, was die Lenkerbreite angeht. Während ich in München schon so breite Lenker gesehen habe, dass ich dachte, wir passen nicht aneinander vorbei auf den Radweg, gibt es hier Lenker, die so schmal sind, dass die Daumen sich fast in der Mitte berühren. Wird gerne von jungen Männern mit Vollbart und Haarknoten gefahren, manchmal auch an Fixies.
Ansonsten sind viele Gemütlich-Commuter mit Holland- und ähnlichen Rädern unterwegs. Andere Städte, andere Räder weiterlesen

Lavendel, Oleander, Jasmin …

Okay, Lavendel habe ich noch keinen blühen gesehen, dafür ist die Luft über und über gefüllt mit anderen Düften, Jasmin vor allem. Dies und eine beiläufige Erwähnung der fast dreißig Grade Celsius unter blauem Himmel sollen an dieser Stelle genügen, um dem geneigten Publikum, die Szenerie verdeutlichen.

Mein selbstgewähltes Trainingslager schlaucht ganz schön – und macht unglaublich Spaß.

Bruder in Italien
Bruder in Italien

Tag zwei war ich mit dem Bruder unterwegs, der am selben Campingplatz und auch mit Rennrad Urlaub macht. Ich führe ihn auf meinem gestrigen Wege aus dem großen Ort und weg von der Uferstraße, hinein ins Hinterland. Ab da mach ich es mir leicht und reise hinter ihm her. Wir folgen dem Mincio gen Süden, geraten in Valleggio in einen Ausflügler-Auflauf. Dort gibt es nämlich einen Garten, der anno 2013 der schönste Italiens war und zwei Jahre später wohl immer noch sehenswert ist.
Weiter Richtung Volta Mantova. Unten am Mincio scheint es schön zu sein. Ganz viele italienische Autos parken dort. Ich habe das Gefühl,  einen geheimen Treffpunkt der Einheimischen gefunden zu haben, irgendwo im Hinterland, nachdem ihr schöner See fest in deutscher Hand ist.
Wir trudeln weiter durch die Hügellande. Der Bruder, deutlich fitter als ich, schraubt sein übliches Tempo herunter, damit ich mitkomme.
In Castiglione delle Stiviere teilen wir uns seine Banane und planen den Heimweg mit komoot. Die Bedienung der App sowie die Routenansage, die uns in Astore eine Strafrunde von zwanzig Minuten sowie eine Schotterpiste beschert, veranlassen den Bruder, auf diesem Wege allen zu sagen, dass auf komoot kein Verlass ist. Richtig so, Bruder?
Jedenfalls hat uns das so viel Zeit gekostet, dass wir von Pozzolengo direkt ohne Umwege zum heimatlichen Wohncontainer radeln und dort direkt in den See springen.
Das waren gut fünfundsiebzig Kilometer mit fast vierhundert Höhenmetern. Ich bin zufrieden und kann den Rest des Tages wieder rumlümmeln.

Tag drei des Trainingslagers besteht aus ein wenig Tischtennis spielen, noch weniger Paddeln und einem winzigem Ausritt am Abend. Nachdem ich die Anhöhe von Colá überlebt habe, entdecke ich kleine Sträßelchen durch die Weinberge, die große Ähnlichkeit mit Radwegen bei uns daheim haben. Das muss ich unbedingt dem Mann zeigen, der von einer Tour auf der Uferstraße bis Sirmione noch schwer traumatisiert ist.

20150602_110339Tag vier sollte mich eigentlich nach Verona bringen. Doch der Mann will mit und so können wir den Sohn nicht so lange allein lassen. Der Bruder kommt auch mit. Er hat seinen Berg gestern bezwungen (den Namen muss ich mir auf absehbare Zeit nicht merken) und hat heute Muße für eine Erholungsfahrt.
Ich führe die Herren durch die gestern gefundenen Weglein bis zur ersten Steigung, an der ich die Führung ganz schnell abgebe. Überhaupt gebe ich an jeder Steigung ganz viel ab: Tonnen von CO2 mit der Puste, Geschwindigkeit und Schnauftöne. Aber ich schaffe diese blöden Hügel alle. Das war nicht immer so.
Der Mann mit seinem Mountainbike kurbelt im letzten Gang locker-flockig neben mir her und gibt mir den guten Rat, doch mal runter zu schalten. Witzbold. Ich bin schon lange im kleinsten Gang. Hab halt nichts kleineres im Angebot.
Bis Bussolengo geht es immer auf und ab. Unten am Fiume Adige besteht der Mann auf eine Kaffeepause und wir beobachten Rudel von Rennradfahrern, die hier unterwegs sind. Der Heimweg führt uns die Etsch hoch und tatsächlich über einen echten ausgewiesenen Radweg. Einmal noch über den Hügel und dann im wesentlichen nur noch bergab zum See.
Diese fünfunddreißig Kilometer waren richtig anstrengend und ich bin froh, lebendig angekommen zu sein.

Reine Definitionssache

Tag 1 im Trainingslager. Nein, nur Spaß. Natürlich kein Trainingslager, nur ganz normaler Urlaub. Mit der Familie am Gardasee. Aber die Räder sind dabei. Ich habe mich fürs Rennrad entschieden. Und freue mich über diese Entscheidung. Schon in Vorfeld, als ich mich zusammen mit komoot auf die Gegend vorbereitet habe.
Unser Domizil ist am südlichen Ende des Sees, da wo es flach wird.
Heute morgen nach dem Frühstück packt es mich gleich mal. Mann und Sohn testen den Pool und ich schwinge mich auf’s Rad.
Die Uferstraße ist verstopft mit Bettenwechslern, Radwege nur sporadisch aufgemalt, insgesamt kein Genuss. Beim nächsten Kreisverkehr flüchte ich in eine der kleineren Straßen. Entlang am südlichen Abfluss des Sees, vorbei an etlichen Agriturismi, und immer wieder von italienischen Kamikazefahrern überholt. Die sind echt hart drauf. Ich sehe mich des öfteren schon im Graben liegen.

Trotz meiner intensiven Vorbereitungsarbeit habe ich nur wenig Ahnung, wo ich lang fahre. Und weil ich keine Lust auf Anhalten und Karte schauen habe, fahre ich nach Kompass. Eine Stunde nach Süden, und dann wieder eine Stunde nach Norden. So in etwa. In der Realität nicht ganz so, denn wo es eins gibt, folge ich einem Radwegschild, um zu sehen, was die sich unter Radweg vorstellen. Oder, wenn die aktuelle Straße nicht so toll ist, und die an der Abzweigung einen schöneren Belag hat, nehm ich halt die.
So komme ich durch lauter nette Dörfer. Nichts spektakuläres, eher authentisch, würde ich sagen. Erholsam echt italienisch, in Gegensatz zu unserem Campingplatz. Aber das nur am Rande.
Italien ist übrigens das Land der Rennradfahrer und, was mich ganz besonders freut, auch der Rennradfahrerinnen. Alle paar Minuti kommen mir welche entgegen. Und tatsächlich drei von denen waren Frauen.
Gegen zwölf mache ich mich dann wieder Richtung heimatlichen Wohncontainer auf. Der rot-weiße Torre del Kraftwerk ist mein Anhaltspunkt.
Das letzte Stück an See entlang ist wieder nervig, aber nicht lang. Das war Trainingslager, der Rest des Tages ist Urlaub.

Donauradweg IV: Tulln – Wien (und wieder ganz heim)

Donnerstag morgen, Tulln, Regen, dem Haar ist es egal. Aber mir nicht. Auch ist mir nicht egal, dass meine Radelhose nach der gestrigen Handwäsche noch nicht ganz trocken ist. Toller Anfang: Oben nass, unten nass und kalt überall. Ich ziehe erstmal alles an, was ich dabei habe, zum warm werden.

Zunächst müssen wir zum Bahnhof die Rückfahrkarte kaufen. Die ÖBB-Angestellte am Schalter ist entweder selten doof oder selten schlau. Auf jeden Fall verkauft sie uns Karten und Platzreservierungen für einen Zug, der gar nicht fährt. Auf unserem persönlichen Fahrplan-Ausdruck sehen wir, leider erst  am nächsten Tag, den Hinweis, dass genau dieser Zug, der uns von Salzburg nach München bringen soll, wegen des Bahnstreiks nicht fährt. Grmpf.
Aber weil wir das erst am nächsten Tag bemerken, habe ich jetzt auf der letzten Etappe keine Ablenkung: Der Weg geht schnurgerade. Alles ist grau. Ich habe keinen Bock und muss alle fünfzehn Kilometer eine Pause machen. Macht nix. Wir haben es ja nicht eilig. Bis Wien sind es nur vierzig Kilometer und weil wir nicht genau wissen, ab wann wir ins Hotel dürfen, trödeln wir halt auf dem Weg herum.

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Donauradweg III: Melk – Tulln

Der dritte Tag führt uns durch die Wachau. Ich war gespannt. Hab ja schon viel gehört, von der Wachau bzw. über sie. Aber so konkrete Vorstellungen hatte ich nicht, nur halt, dass es schön sein soll. Also los. Der Weg führt uns durch Dörfer, Weinberge und Marillenbaumgärten (gibt es das Wort?).

Dunst in der Wachau
Dunst in der Wachau

Ein Fleckchen malerischer als das andere. Weinorte, die nur aus Heurigen und Hotels bestehen lassen einen ahnen, wie es hier zugeht, wenn die Sonne scheint. Tut sie aber nicht, und deshalb ist es recht beschaulich. Wir reisen zusammen mit zwei drei anderen Paaren und der gelegentlichen Rentnertruppe auf ihren E-Bikes mit breiten Fellsatteln. “Zusammen reisen” heißt in diesem Fall. Wir überholen die, werden überholt, wenn wir mal Pinkelpause machen, überholen dann die wieder und so weiter. Ein erweiterter belgischer Kreisel, ohne Windschattennutzen allerdings, aber den braucht es heute wieder nicht. Der Westwind treibt uns voran. Nur in manchen komischen geo-meteorologischen Konstellationen bläst uns eine Böe ins Gesicht.

Klein aber oho
Klein aber oho

Weiter durch die Museumslandschaft. In Willendorf muss ich kurz der Venus huldigen. Dann Dürnstein auf der Anhöhe mit dem Richard-Löwenherz-Hotel. Später lerne ich, dass Richard Löwenherz tatsächlich hier genächtigt hat seinerzeit. Allerdings nicht in einem Hotel sondern im Kerker. Er war nämlich als Gefangener im Ort. Könnte ein Fall von Geschichtsverklärung sein. Dem Richard ist’s vermutlich egal. In Krems dann die erste Pause mit Kaffee und einer sensationellen gebackenen Rhabarbertorte. Wieder einmal bin ich verzückt von Österreichs Mehlspeisen. Das können sie wirklich gut.

Inzwischen ist es so richtig kalt geworden. Beim Fahren geht es, aber draußen zu sitzen ist unangenehm. Ich wickel mich in die Decken, die freundlicherweise bereit liegen. Wir hätten auch hinein gehen können.

Melk - Tulln
Melk – Tulln

Die Wachau liegt jetzt hinter uns und wir begeben uns ins Tullnerfeld. Am nächsten Tag höre ich, dass Wiener und solche, die südlich von Wien leben, das Tullnerfeld gerne als Steppe abtun. Ich finde das ein bisschen gemein, denn ich mag flache Landschaften sehr. Hatte ich schon mal erwähnt, oder? Gemein ist auch, dass immer die vermeintlich unattraktiven Gegenden Kernkraftwerke verpasst bekommen. Dabei hat in Tulln der König Etzel seine Krimhild begrüßt. Das ist mal ordentliche Geschichte.

Kurz hinterm Kraftwerk fängt es wieder zu regnen an. Erst wenig, dann normal und dann ordentlich. Vollkommen nass fahren wir nach Tulln ein und finden auch gleich am Hauptplatz ein Restaurant, was uns Wärme und Leberknödelsuppen gewährt. Das hilft über die erste Verzweiflung hinweg. Bis Wien sind es noch vierzig Kilometer. Der Mann jammert, dass er nicht mehr sitzen kann. Ich will weiterfahren. Hauptsächlich, weil ich nicht einen Tag in Tulln vertrödeln und die Zeit lieber in Wien verbringen würde. Außerdem: Was sind schon vierzig Kilometer? Und übrigens, wir sind schon im S-Bahn-Bereich. Nur mal so erwähnt.
Ich rufe in Wien in unserem Hotel an und frage, ob wir schon einen Tag früher kommen dürfen. Dürfen wir nicht, sie sind voll. Oh. Unerwartet.
Wir erörtern unsere Prioritäten:

  1. Mit dem Rad in Wien einfahren? Sehr wichtig.
  2. Auch heute noch am Abend und bei Regen? Nicht sehr wichtig.
  3. Lieber dafür morgen in Ruhe und dafür weniger von Wien sehen? Ja. So machen wir es.

Auf der anderen Seite des Hauptplatzes finden wir die Pension am Springbrunnen, in der wir eine riesige Maisonette-Ferienwohnung für recht wenig Geld anmieten. Mit Mikrowelle, heißer Dusche und Couchgarnitur vor dem Fernseher. Tulln hat auch seine schönen Seiten.

Dann morgen also Wien.

Donauradweg II: Linz – Melk

Am Morgen in Linz klingelt der Wecker ganz schön früh. Unsere Wetter-Apps kündigen den ersten Regen schon für den frühen Nachmittag an, und so sitzen wir schon um neun auf den Rädern. Und zwar unter Schmerzen. Ich habe mir am Vortag ganz schön was aufgescheuert. Weil ich auch nicht auf die Expertinnen höre, die da sagen, Radlhose reicht und zwar ausschließlich. Ich probier das heute, wo es schon zu spät ist. Es wird sich als Segen erweisen, das spüre ich schon auf den ersten Metern. Außerdem lasse ich mir den Nacken mit Chili-Salbe einschmieren. Die brennt so heiß, dass ich den ganzen Tag über nicht weiß, ob der Nacken wegen Verspannung oder wegen der Salbe brennt.

Bei Grein
Bei Grein

Wir gondeln also aus Linz raus (deutlich schöner als der Hineinweg). Der Himmel ist verhangen und ein scharfer Westwind bläst. Wir rasen dahin, nichts kann uns bremsen. Naja, außer vielleicht den Millionen Schnecken, die sich uns todesverachtend in den Weg legen. Aber Sorry ey, da kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.
Vor Mauthausen Exemplare für meine Sammlung lustiger Ortsnamen: Abwinden, Stadt Luftenberg. Nach Mauthausen ein Weiler namens Albern. Leider konnte ich das Ortsschild nicht fotografieren, weil es gerade bergab ging mit Rückenwind. Das muss man verstehen.
In Mauthausen erfasst uns dann leider der erste Schauer. Reflexartig fliehen wir unter einen Unterstand, ironischerweise am Freibad des Ortes. So können wir den Tropfenbildern auf der Wasseroberfläche zusehen.
Weil wir ja nicht ewig in Mauthausen vor dem Freibad stehen bleiben können, und der Regen nicht weniger wird, fahren wir halt weiter. Wir hatten jetzt viele Tage um uns mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass wir nass werden, also stürzen wir uns rein. Zum Glück ist es noch einigermaßen warm, so fahre ich mit kurzen Armen, halblanger Hose und wasserdichter Weste. Der Rest wird nass. Mir tropft es vom Helm, von der Brille, von und aus der Nase, aber ist ja egal. Alles nur Wasser und zum Glück immer noch Rückenwind.
Nach einer guten Stunde hört der Regen auf und noch eine halbe Stunde später, sind die Hosen auch wieder so ziemlich trocken. Mein Dank geht hier an die internationale Textil- und Chemieindustrie.

Linz - Melk
Linz – Melk

Bei Kilometer achtzig erreichen wir Ybbs. Schon oft bei Scrabble verwendet und jetzt endlich mal gesehen, live und in Farbe. Wie alle diese Donaustädtchen putzig und sehenswert.
Der Aufbruch nach einem leiwanden Backhendlsalat fällt einigermaßen schwer. Aber unser Etappenziel Melk ist nicht mehr weit entfernt. Also, Zähne und Po zusammenkneifen und weiter.
Der Weg führt jetzt nicht mehr nur durch die unberührte Natur, sondern auch durch Orte. Es gibt also mehr zu sehen, als nur Bäume und Schnecken und Wasser. In Krummnußbaum habe ich geschaut, aber keinen gesehen.
Wir fahren jetzt durch den Nibelungengau. Abgesehen davon, dass ich die Nibelungengeschichte mag, finde ich es lustig. Denn erst vor zwei Wochen wanderte ich auf dem Nibelungenweg durch den Odenwald. Ich schätze aber, dass dieser Weg zum ersten Teil des Nibelungenliedes zählt, während der Gau und die Orte darin eindeutig zum zweiten Teil gehören.
Dann endlich in Melk. Die Stadteinfahrt führt vorbei an den Schiffsanlegestellen. Hier saugen die Kreuzfahrtschiffe gerade ihre Passagiere wieder an, die Ausgang hatten, um sich Melk und sein Kloster anzusehen.

Melkkultur
Melkkultur

Hotel zu finden ist nicht schwer, es gibt genügend. Nur leider kann ich das Weiße Lamm erst wieder empfehlen, wenn die mir Belege über den Kauf neuer Matratzen vorlegen.
Trotzdem lege ich mich früh hin und bleibe liegen bis zum Morgen. Zwischendurch wache ich mal ein bisschen auf, weil mir entweder schüttelfrostkalt oder -heiß ist, oder weil der Mann sich das erste Halbfinale des ESC gibt. Habe ich schon erwähnt, dass er manchmal sehr hart im Nehmen ist?
Aber vielleicht musste es auch sein, denn Österreich und ESC scheint eins zu sein in diesen Tagen. Überall grinst Frau Wurst von Plakaten, und im Fernseher gibt einem der ORF fünf Gründe, den ESC anzuschauen, die allesamt überzeugend und vor allem lustig sind.

Dieses war der zweite Streich …