Archiv der Kategorie: Das Leben

Alles was so passiert im Leben und in keine der anderen Kategorien passt.

Offiziell vorbei

Hier kommen meine elf Punkte, an denen ich merke, dass der Sommer offiziell vorbei ist.

  1. Am Morgen ist es so zapfig kalt, dass ich in der Radlhose frieren würde. Also fahre ich in Zivil nur in Jeans, T-Shirt und Fleecejacke. Damit spare ich mir auch das Mitschleppen der Wechselklamotten und das Umziehen in der Arbeit. Das hat leider aber auch zur Folge, dass ich am Nachmittag beim heimfahren manchmal noch ganz ordentlich ins Schwitzen komme. Fünfundzwanzig Grad schafft der Planet doch noch ab und an.
  2. Morgens steht ebendieser Planet noch so tief, dass ich oft nichts sehe und in Blindflug gern Osten radeln. Am Abend dann da gleiche Spiel nochmal, nur diesmal gen Westen. Sonnenbrille?
  3. Die abendliche Walkingrunde endet unerwartet im Dunkeln. Jetzt dämmert es tatsächlich um halb acht schon ganz ordentlich.
  4. Der Himmel ist so unglaublich blau und klar und weit, dass mir die Adjektive fehlen.
  5. Morgens gibt es jetzt wieder wunderschöne Bergpanoramen an Horizont zu bewundern.
  6. Sonst eigentlich ganz normale Leute laufen auf einmal wieder in Dirndl bzw. Lederhosen herum, und die Stadt ist unerträglich voll. Es ist Oktoberfest.
  7. In Supermarkt gibt es endlich wieder Weihnachtsgebäck, diesmal sogar schon zwei Tage vor Wiesnanstich. Wer braucht jetzt schon Spekulatius?
  8. In der Arbeit sind alle aus dem Urlaub zurück und Hektik bricht aus.
  9. Die beiden Eichhörnchen haben es endlich geschafft, unseren Walnussbaum leer zu räumen und die ganze Ernte zu verstecken. Ich finde sie dann im Laufe des nächsten Jahres in Form von Schösslingen.
  10. Im Garten stehen Paletten mit vier Ster Brennholz, die darauf warten umgeschichtet zu werden.
  11. Die Federbetten sind auf einmal nicht mehr todbringend heiß sondern schön kuschelig.

Aus einem früheren Leben

Das ist eine Erinnerung an ein früheres Leben. An Großglockner, Stilfser Joch, Timmelsjoch, Gavia-Pass. An Urlaube mit Zelt und viel Sonne. Bei vierzig Grad in der Lederkombi schwitzen und es toll finden. Wunderschöne Küstenstraßen und leere Campingplätze auf Korsika. Im kroatischen Hinterland noch die Spuren des Krieges sehen und in den  Plitvicer Seen keinen Silberseeschatz finden. In der Toskana bei einer Kollision mit einer Fledermaus vor den Türmen von San Gimignano erschrecken und von Dianas Tod auf dem Campingplatz von Volterra erfahen. Auf dem Weg nach Istrien von aufgemotzten VW Golfs bis zum Wörthersee eskortiert werden.

Das sind alles Erinnerungen an eine andere Zeit, an ein früheres Leben. Ein Leben, dass mit der Ankunft des Sohnes vor beinahe zwölf Jahren endete. Seither steht die Maschine fast bewegungslos in der Garage. Der Mann hat sich manchmal erbarmt. Vielleicht hat sie in den letzten zehn Jahren 2.000 Kilometer erfahren, soviel wie ich in diesem Jahr schon mit dem Rad gefahren bin.
Ich habe beschlossen: Diese Zeit ist jetzt vorbei. Die BMW kommt weg.
In sieben Jahren wäre sie offiziell eine Oldtimerin, Aber so lange mag ich sie nicht herumstehen haben. Wir brauchen den Platz in der Garage, zum Beispiel für Fahrräder.
Also putz ich sie heute heraus, der Mann macht hübsche Fotos von ihr und dann steht sie im Internet und wartet auf eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer, der sich über sie freut. So wie ich mich vor vielen Jahren über sie gefreut habe.

Einfach mal die Klappe halten

Lange war es still um mich, Zeit der Besinnung, Zeit der Ruhe. So könnte ich es nennen. Oder einfach auch nur Einfallslosigkeit. Meine Blog-Einträge waren mir in der letzten Zeit zu langweilig und witzlos. Was ich von anderen fordere, wenn sie nichts zu sagen haben, nämlich “Einfach mal die Klappe halten”, nahm ich mir zur Herzen.  Dazu kommt, dass ich mir ein anderes Ziel setzen muss. Das mit dem Triathlon wird in absehbarer Zeit wohl nichts. Laufen geht nicht und geht immer weniger. Und anstatt dauernd zu jammern und zu hadern, lass ich es einfach mit dem Triathlon-Ziel.
Neues Ziel: Spaß am Sport, Fitness durch Sport, Seelenheil mit Sport. Das sollte erstmal reichen.
Ab jetzt werde ich unter diesem Motto bloggen. Von Belanglosigkeiten, wie meinem Schwimmtraining heute, meinen Radausfahrten wie gestern meine Muttertagsrunde, oder irgendwelchen Walkingrunden in malerischen Landschaften. Aber auch von besonderen Dingen wie das Wanderwochenende im frühlingsblühenden Odenwald um den ersten Mai,  unsere Donauwanderfahrt nach Wien übernächste Woche, den Urlaub mit Rad am Gardasee. So Zeug halt.
Dem triathletisches Publikum wird das vielleicht langweilen, aber dafür gibt es sicher die eine oder andere mittelalte, mittelfitte Frau, der es geht wie mir und die sich anspornen lässt. Ich freue mich über jedes Publikum! Und über Kommentare natürlich auch.
Also auf geht’s in die nächste Runde mit AndrAktiv, der Frau, die fit werden will.

Frisches Grün

Eigentlich sollte das ein Beitrag mit einem netten Wortspiel werden: Frisches Grün in der Natur und frisches Grün am Bike in Form neuer Packtaschen.
Leider gibt es hier in der Natur aber noch überhaupt kein frisches Grün, weder an Büschen noch an Bäumen. Einzig die Märzbecher und Winterlinge im Garten, aber die zählen irgendwie nicht. Inzwischen scheint die Sonne schon schön warm, aber nächtens friert es noch regelmäßig.
Also konzentriere ich mich auf die neuen Packtaschen: Ortlieb der Name, grün die Farbe. Praktisch, um die Wechselklamotten in die Arbeit und wieder zurück zu fahren. Und demnächst vielleicht auch mal das Gepäck für eine längere Ausfahrt aufzunehmen (davon zu gegebener Zeit mehr).
Für mein Rad habe ich jetzt übrigens eine eigene Klasse definiert. Weil es ist kein MTB und auch kein RR, sondern ein ATB, ein Alltagsbike.

Google weiß nicht, was ich will

Endlich, endlich ist heute morgen mal ein schönes Wetter. Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern und ein warmes Lüftchen weht. Naja, nicht direkt warm, eher im Sinne von “nicht kalt”. Das liegt auch daran, dass ich heute morgen schlimm herumgetrödelt habe und die Sonne schon hoch über dem Horizont steht, als ich endlich mein Pferd besteige um gen Osten zu reiten.

Und endlich, endlich gelingt mir mal wieder ein Außenfoto, das nicht en Grisaille ist. Blauer Himmel über brauner Scholle. Weiße Flecken, die sichtbar weniger werden. Endlich, endlich wieder etwas Farbe draußen.

Ein zwei Stunden nach dem Foto bekomme ich eine Mail von Google, in der sie mir ganz stolz erzählen, dass sie mein Foto bearbeitet haben und es jetzt einen klasse Effekt hat. Mit sowas hat Google mich schon mal überrascht. Da haben sie nämlich einen Film aus einer Serie Fotos gemacht. Ganz nett, aber überflüssig und ungefragt noch dazu. Mir reicht es, wenn sie meine Bilder archivieren. Wenn ich mehr will, mach ich das selbst.

Ich denke, ich werde jetzt doch mal ein zwei Stunden oder Tage investieren, um Google zu sagen, was genau ich will und was nicht. Das war mir bisher zu mühsam.

Alltagsbewegung

Gestern mit dem Rad in der Arbeit. Durch den Nebel, durch die Kälte und so ganz gut habe ich mich nicht gefühlt. Hat dann auch ewig gedauert. Gefühlt ging es nur den Berg hoch mit Gegenwind. Aber dann war ich doch ganz stolz auf mich. Vor allem, wenn die KollegInnen (auch die Dauerradler) anerkennende Töne von sich geben.
Leider ging es mir dann im Laufe des Tages immer schlapper und der Kreislauf macht keine ordentlichen Kreise mehr. Ich weiß nicht, was das war, und das Heimkommen machte mir Sorgen. Radeln traute ich mir nicht zu, genauso wenig wie den öffentlichen Nahverkehr. Zum Glück hat sich ein netter Kollege gefunden, der mich heim brachte.
Daheim versuchte ich mich zu kurieren und tatsächlich nach zwölf Stunden Schlaf geht es mir heute in der Früh wieder ganz gut. Keine Ahnung was das war. Vielleicht zu wenig getrunken?
Herausforderung jetzt: Mein Rad ist nicht da, wo ich bin. S-Bahn-Fahren mag ich nicht, zumindest nicht die volle Strecke. Heute bin ich zu geizig, die fünf Euro für das Ticket auszugeben. Ich entscheide mich, nur eine Kurzstrecke für einen Euro dreißig zu fahren und den Rest zu gehen. Das bedeutet knapp zwei Kilometer am Anfang, dann zwei Stationen S-Bahn, und dann nochmal drei Kilometer. Ist gar nicht so wild. Weder in der Vorstellung noch in realiter. Ich entscheide mich für meine Laufschuhe anstelle der schweren Trekkingschuhe, die ich sonst immer anhabe. Das war eine gute Entscheidung und es macht Spaß mit den leichten Schuhen. Allerdings hätte das eine halbe Stunde später schon ganz anders ausgesehen, denn dann wäre der Weg aufgetaut gewesen und alles hätte sich in eine schöne Matschpiste verwandelt.
Insgesamt kriege ich einen Schnitt von unter zehn Minuten pro Kilometer hin. Trotz schweren Gepäcks (Schwimmsachen für alle Fälle) und rutschigen Teilstücken. Ein schöner Anfang für den Tag. Und eine alternative Möglichkeit, den Tag mit Bewegung zu beginnen.

Sie sind unter uns

Neulich hat in der Nachbarschaft mal wieder ein neues Fitness-Studio aufgemacht. Ein kleines Ladengeschäft, das vorher irgendwas anderes verkaufte. Ich führe kein Buch, aber gefühlt eröffnen alle halbe Jahr neue Fitness-Läden. Dieses hier und seine Werbung fand ich jedoch schon besonders: “Warum viel trainieren, wenn 20 Minuten pro Monat oft reichen?
Gute Frage. Aber nicht die einzige, die sich mir sofort stellt.
Erstmal, was bedeutet “oft”? Den dürren Ladies auf dem Plakat würde ich auf keinen Fall öfteres Trainieren empfehlen, egal was “oft” bedeutet. Die brechen sonst durch. Bei deren Proportionen habe ich sowieso den Verdacht, dass es sich um Aliens der üblichen Spezie (die mit den großen Augen) handelt. Und für die ist es bestimmt noch nicht genug erforscht, wie Training auf sie wirkt.
Dann die nächste Frage: Was bedeutet “viel”? Viel im Vergleich zur Ruhezeit, viel im Vergleich zu früher, viel im Vergleich zu Leistungssportlern. Und viel was? Viel Zeit, viel Schweiß und Tränen, viel Kalorien? Oder haben Aliens ganz andere Konzept der Mengeneinschätzung?
Und drittens frage ich mich: Was bedeutet “trainieren”? Aber das beantwortet ja das Plakat: Schweben über dem Laufband ohne Bodenberührung. Scheint so üblich zu sein bei Aliens.
Auf der Website des Unternehmens sehe ich, dass die unglaublich viele Standorte haben. Ich hatte ja schon immer den Verdacht, dass es Aliens auf der Welt gibt (spätestens seit MIB sowieso), aber dass sie so viele sind und überall, erschüttert mich dann schon.

Olfaktorisches

Grandioses Herbstwetter. Heute mal kein Nebel, sondern gleich Sonne pur. No excuses also. Rad raus und los. Der Sonnenaufgang kommt mir zeitlich inzwischen schon sehr entgegen und so fahre ich ostwärts in das tiefstehende Licht. Blindflug quasi.
Umso mehr beeindrucken die Gerüche. So ganz ist der Herbst noch nicht da. Die nassen Blätter am Boden sind noch entfernt vom morbiden Duft des Spätherbstes. Erde, Gras und der Rest der Natur riechen aber eindeutig nicht mehr nach Sommer. Der See hat gar keinen Geruch. Schade. Irgendwie bilde ich mir ein, der müsste nach etwas riechen. Meer und Salz hätte ich gerne, kann ich aber nicht erwarten. Pech. Ich lasse ihn links liegen.
Dann gerate ich in ein Rudel Hundehalterinnen. Und mir wird schlecht.
Unglaublich, mit was die sich eingedieselt haben. Ich spüre die klebrige Wolke förmlich auf der Zunge und habe das starke Verlangen, den Mund auszuspülen. Jedes einzelne ihrer Parfums gehört eigentlich auf eine schwarze Liste, aber zusammen verstoßen sie eindeutig gegen jede Richtlinie zum Gesundheits-, Umwelt- oder Artenschutz. Merken die das nicht? Und ihre armen Hunde. Denen müssen ja die Synapsen platzen.
Alles was jetzt noch auf meinem Weg kommt, ist harmlos: Der Zweitakter, der mich überholt und dann vor mir her tuckert, bis ich endlich abbiege. Das Müllauto und zuletzt noch der Mittagessenmief aus der Kantine.

Wieder smart unterwegs

Eine Woche war ich jetzt ohne Smartphone. Eine Woche ohne mobiles Internet, das heißt ich konnte nicht permanent checken, ob jemand hier einen Kommentar gepostet hat, ob sich in einem anderen Blog was getan hat, oder wie sich das Wetter in der nächsten Viertelstunde entwickelt. Das alles ging nur, wenn ich an meinem Arbeitsrechner saß oder zu Hause am Tablet über WLAN verbunden war. Und das deckte nur etwa 80% meiner wachen Zeit ab. Ganz schön tough.

Warum ich überhaupt smartlos war, kam so. Und das wird keine rühmliche Geschichte.
Letzten Samstag war schönes Wetter angesagt, richtig heiß sogar. Ich also auf’s Rad und los in der Mittagshitze. Ich habe ja schon mehrfach bewiesen, dass ich radtechnisch bei hohen Temperaturen besser performe als in der Kälte. Also beschließe ich unterwegs, dass es nicht die üblichen 50k, sondern was Längeres werden soll.

Ich biege also an geeigneter Stelle ab und mache mich auf den langen geraden Ritt durch den Ebersberger Forst.
Zwischendurch klingelt öfters das Telefon. Die Familie verlangt Abstimmung, und meldet später nochmal, dass sie jetzt zum Baden geht. Das fände ich jetzt auch schön, denke ich und schiebe das Handy in die Taschen meines Radshirts.
An jedem Dorfweiher, den ich passiere, sogar an jedem Schild zu einer Badegelegenheit, stelle ich mir vor, wie schön ein Sprung ins Wasser wäre. Badeanzug habe ich keinen dabei, aber das wäre ja egal. Diese Hightech-Radklamotten sind ja auch nicht viel anders als Triathlonsuits. Auf den nächsten dreißig Kilometern gewöhne ich mich also an den Gedanken, mit Hose und Shirt ins Wasser zu springen. Schöner Gedanke.

Endlich dann die Zielgerade zum Badesee. Fast 70k auf dem Tacho. Freunde und Familie sind schon da. Ich springe vom Rad und rein ins Wasser. Gleich losgekrault und es war toll! Vollkommen erfrischt und glücklich steige ich irgendwann wieder an Land. Zuppel ein bisschen an meinem nassen Shirt rum, dass es nicht gar so am Bauch klebt und entdecke dabei mein Handy in der Tasche am Rücken. Sch… Alle Wiederbelebungsversuche vergebens. Da war nichts mehr zu machen. Dabei hatte ich ihm erst letzte Woche eine aufwändige Generalsanierung verpasst. Alles umsonst. Heul.

Nach angemessener Trauerzeit: Eigene Anforderungen analysieren und definieren – Markt beobachten und Testberichte lesen – Budget freigeben lassen – entscheiden. Alles Sachen, die ich gar nicht gerne mache.

In der Zwischenzeit laufe ich mit einem Zwanzig-Euro-Teil herum, das nicht mal Radstrecken tracken kann, sondern mit dem man einfach nur telefoniert. Voll Retro.
Aber jetzt ist wieder alles gut: Ich habe Internet in der Hand, meine Adressen und Kalender im Zugriff, und kann Fotos machen.

Lessons learned: 1. Nicht jedes Smartphone ist wasserfest. 2. Checke immer vor dem Schwimmen, was sich in deinen Taschen befindet, denn siehe 1.