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Heiß auf die Berge

Irgendwann musste es ja mal passieren, nämlich, dass ich in die Berge muss. An diesem Wochenende bietet es sich an. Ein Freund feiert seinen Geburtstag auf einem Campingplatz in hinter Fischbachau. 70 km südlich meiner Homebase auf 771 m ü. N. Komoot sagt eine “schwierige Rennradtour” mit 640 hm voraus. Ich will schon wieder verzagen, aber der Mann bietet an, mich abzuholen, wo immer ich zusammenbreche. Mit diesem Notfallplan im Hinterkopf mache ich mich bei fast dreißig Grad auf Richtung Südsüdost. Ich bin schon gespannt auf die Gegend um Miesbach, weil mich gerade die Miesbach-Krimis über Wallner und Kreuthner amüsieren, und ich mir endlich ein Bild machen kann.

Moooment. Was soll das denn jetzt werden? Schon wieder ein Tourbericht? So wie jede Woche einer? Laaaangweilig!

Ja, schon. Warum nicht?

Weil in der letzten Zeit von dir nur solche Berichte kommen. Und sonst nichts anderes.  Heiß auf die Berge weiterlesen

Einfach mal die Klappe halten

Lange war es still um mich, Zeit der Besinnung, Zeit der Ruhe. So könnte ich es nennen. Oder einfach auch nur Einfallslosigkeit. Meine Blog-Einträge waren mir in der letzten Zeit zu langweilig und witzlos. Was ich von anderen fordere, wenn sie nichts zu sagen haben, nämlich “Einfach mal die Klappe halten”, nahm ich mir zur Herzen.  Dazu kommt, dass ich mir ein anderes Ziel setzen muss. Das mit dem Triathlon wird in absehbarer Zeit wohl nichts. Laufen geht nicht und geht immer weniger. Und anstatt dauernd zu jammern und zu hadern, lass ich es einfach mit dem Triathlon-Ziel.
Neues Ziel: Spaß am Sport, Fitness durch Sport, Seelenheil mit Sport. Das sollte erstmal reichen.
Ab jetzt werde ich unter diesem Motto bloggen. Von Belanglosigkeiten, wie meinem Schwimmtraining heute, meinen Radausfahrten wie gestern meine Muttertagsrunde, oder irgendwelchen Walkingrunden in malerischen Landschaften. Aber auch von besonderen Dingen wie das Wanderwochenende im frühlingsblühenden Odenwald um den ersten Mai,  unsere Donauwanderfahrt nach Wien übernächste Woche, den Urlaub mit Rad am Gardasee. So Zeug halt.
Dem triathletisches Publikum wird das vielleicht langweilen, aber dafür gibt es sicher die eine oder andere mittelalte, mittelfitte Frau, der es geht wie mir und die sich anspornen lässt. Ich freue mich über jedes Publikum! Und über Kommentare natürlich auch.
Also auf geht’s in die nächste Runde mit AndrAktiv, der Frau, die fit werden will.

Lichter Tag

Wunderschön präsentiert sich der Morgen heute. Mit Sonne pur, Nebel über Schneefeldern und deftigen Minusgraden.
Nur vom Thermometer ließ ich mir die Entscheidung abnehmen, ob Rad oder nicht Rad zur Arbeit.
Als dann das Auto freigekratzt war und ich um die Ecke bog, offenbarte sich mir ein wirklich wunderschöner Blick. Mir geht das Herz auf. Und dem Handy beschlägt vor lauter Rührung die Linse.
Mir tut es wirklich leid, nicht doch mit dem Rad gefahren zu sein. Leider ist es durch die Trödelei inzwischen zu spät dazu. Und die Schaltung ist immer noch nicht repariert.
Vorsatz 1: Gangschaltungszug asap reparieren. Vorsatz 2: Mit dem Rad fahren, wenn das Wetter schön ist (kalt ist keine Ausrede).

Sie sind unter uns

Neulich hat in der Nachbarschaft mal wieder ein neues Fitness-Studio aufgemacht. Ein kleines Ladengeschäft, das vorher irgendwas anderes verkaufte. Ich führe kein Buch, aber gefühlt eröffnen alle halbe Jahr neue Fitness-Läden. Dieses hier und seine Werbung fand ich jedoch schon besonders: “Warum viel trainieren, wenn 20 Minuten pro Monat oft reichen?
Gute Frage. Aber nicht die einzige, die sich mir sofort stellt.
Erstmal, was bedeutet “oft”? Den dürren Ladies auf dem Plakat würde ich auf keinen Fall öfteres Trainieren empfehlen, egal was “oft” bedeutet. Die brechen sonst durch. Bei deren Proportionen habe ich sowieso den Verdacht, dass es sich um Aliens der üblichen Spezie (die mit den großen Augen) handelt. Und für die ist es bestimmt noch nicht genug erforscht, wie Training auf sie wirkt.
Dann die nächste Frage: Was bedeutet “viel”? Viel im Vergleich zur Ruhezeit, viel im Vergleich zu früher, viel im Vergleich zu Leistungssportlern. Und viel was? Viel Zeit, viel Schweiß und Tränen, viel Kalorien? Oder haben Aliens ganz andere Konzept der Mengeneinschätzung?
Und drittens frage ich mich: Was bedeutet “trainieren”? Aber das beantwortet ja das Plakat: Schweben über dem Laufband ohne Bodenberührung. Scheint so üblich zu sein bei Aliens.
Auf der Website des Unternehmens sehe ich, dass die unglaublich viele Standorte haben. Ich hatte ja schon immer den Verdacht, dass es Aliens auf der Welt gibt (spätestens seit MIB sowieso), aber dass sie so viele sind und überall, erschüttert mich dann schon.

Alles gut

 Gestern war ich beim Kardiologen – endlich. Belastungs-EKG und Ultraschall und noch anderer Schnickschnack. Meine Hausärztin hat mir das dringendst empfohlen wegen der Belastungsdyspnoe, die mir ja schon seit einiger Zeit Sorgen macht. Im Sommer hatte ich schon mal eine Überweisung, die ich habe verfallen lassen und jetzt neulich hat sie mir doch sehr angeraten, endlich mal zu gehen. Weil es sich dringend anhörte und ich mir ja auch schon Gedanken gemacht habe, warum ich hundert Kilometer Rad fahren kann, aber nach zwei Stockwerken Treppensteigen nicht mehr atmen und reden kann, machte ich dann doch mal einen Termin. Ultraschall: Alles gut. Auf dem Ergometer bis 200 Watt, kein Problem, nicht mal an die obere Pulsgrenze. Alles gut.
Mit diesem Befund habe ich dann am Abend wieder mein Sportprogramm aufgenommen.
Außer einer Familien-Radtour an einem Wochenende war da nicht viel in den letzten Wochen, weil meine hypochondrische Phantasie mir schlimme Bilder in den Kopf gepflanzt hatte.
Gestern also mal wieder ins Studio. Das erste Mal seit meinem Trainingsanpassungstermin vor drei Wochen. Matthias, der Trainer diesmal, kannte mich noch nicht und wollte erst mal wissen, was ich eigentlich will. Die Antwort ist nach wie vor “Ausdauer, um einen Baby-Triathlon durchzustehen”. Dann haben wir das diskutiert und festgestellt, dass mein aktuelles Pensum dazu nicht passt. Bisher hatte ich ja einen Mix aus dreißig Minuten Krafttraining und dreißig Minuten Ausdauer. Das habe ich jedesmal durchgezogen, wenn ich im Studio war. Manchmal noch mit Schwimmen hinterher. Das soll jetzt anders werden. Ich soll nur noch einmal die Woche dieses Programm machen und dafür die anderen beiden Male hauptsächlich ausdauern: Spinning, Laufen, Rudern, oder so einen Hüpfkurs mitmachen.
Zum Ausgleich hat er mir die Gewichte fürs Krafttraining saftig erhöht. Und das habe ich gestern gespürt – und heute auch noch. Mit viel Schnaufen und zitternden Muskeln bin ich da aber durchgekommen. Laufen war jedoch wie immer, nämlich einfach nur mies. Puls gleich ganz oben, keine Kondition. Beruhigend zu wissen, dass wenigstens mein Herz kein Problem damit hat.
Der Tipp des Trainers mal an ein zwei Winterläufen mitzumachen von wegen dem Ansporn, schien mir damals ganz plausibel, aber nach der Erfahrung gestern ist das wieder in weite Ferne gerückt. Verrückt.

Kein Pillepalle

Weil ich doch so super unzufrieden mit meinen Laufkünsten bin, habe ich eine um Hilfe gebeten, die sich auskennt: Vera von Veras Triathlon Blog. Ich lese ihren Blog sehr gerne, er ist informativ und gut geschrieben. Weil Vera quasi um die Ecke wohnt, frag also an und bitte um einen Termin. Es kam auch gleich Antwort und zwar eine ganz ausführliche. Sie hatte in der Nacht noch meinen Blog gelesen, meine Trainings analysiert und mir eine richtig lange Mail mit tausend Fragen und Tipps geschickt. Zwei Tage später haben wir uns im Park getroffen und los ging es mit der Beratung: Körperhaltung, Trainingstipps, Gehen, Laufen, Atmen und und und. Eine ganze Stunde voll mit Infos, und das auf eine sehr unterhaltsame und angenehme Art.

Und dann kam die ganze Session nochmal zusammengefasst in einer Mail, weil sie mir wohl angesehen hat, dass ich mir das alles gar nicht merken konnte. Das war wirklich sehr hilfreich! Danke Vera.
In meinem Kopf klangen immer noch ihre Worte nach: Wenn du eine bestimmte Zeit erreichen willst, musst du gezielt darauf hin trainieren. Kein
Pillepalle-Training.

Nachdem die Stunde im Park körperlich nicht so anstrengend war, bin ich danach gleich nochmal losgelaufen, habe versucht, alles gut zu machen, alles zu beherzigen, was ich mir gemerkt habe. Aber das Ergebnis war traurig. Ich war schlapp und müde und trotz Gehpausen haben mir die Haxen weh getan. Zweieinhalb Kilometer habe ich geschafft. Und dann bin ich ins Wachkoma gefallen. Quasi kein Training in der letzten Woche. Schwimmen war ich schon ewig nicht mehr. Radfahren auch nicht so viel wegen Wetter, und Laufen habe ich ganz unter den Tisch fallen lassen. Nach dem Motto, wenn ich kein Pillepalle machen darf, dann mach ich halt gar nichts.
Meiner Laune hat das natürlich gar nicht gut getan. Ist ja klar. Ich muss jetzt aus diesem Tief wieder raus, mich zusammenreißen und die restlichen Wochen nutzen. Viele sind es eh nicht mehr.

Wie die Kinder

Schnell mal eine Veranstaltung in die Woche eingeschoben. Der Sohn läuft mal eben beim Münchner-Kindl-Lauf mit. Vorgestern kam der Anruf von einem Freund, dann kurz entschlossen angemeldet. Zwischendurch war der Start gefährdet wegen eines übel steifen Halses, aber er hat das durchgezogen. Nicht eben die super Sportskanone, hat er sich reingeworfen in das Abenteuer. Ohne Sorgen, ohne Versagensängste, einfach so.

Das finde ich beneidenswert. Es war auch von Anfang an klar, dass sein Freund weit vor ihm ins Ziel kommen würde. Er kam dann als 80. von 100. ins Ziel. Das gab nur ein Achselzucken. Als ich dann nach genauer Inspektion der Ergebnislisten, mitteilte, dass er von allen Jungs 41. und in seiner Altersklasse sogar 24. geworden ist, hat er sich gefreut wie ein Schneider. “Cool!” Diesen Spaß an der Sache finde ich beneidenswert. Einfach mal losrennen und sich freuen. Nicht denken, was die anderen wohl denken. Auch den letzten Platz in Kauf nehmen, weil man nur selbst weiß, was das trotzdem für ein Erfolg sein kann.

Superzellen

Was ist das nur mit uns Endsechzigern? Gibt es doch sowas wie Midlife Crisis? Warum rennen und radeln wir alle los?
Marathon, Triathlon, Sonstwaslon mit siebentausend Höhenmetern an einem Tag. 17, 20, 30
Kilo durch Sport abnehmen.
Lauter Beispiele aus meinem engeren Bekanntenkreis.
Oder hat sich nur meine Wahrnehmung geändert und ich registriere nur solche Fälle?
Da muss ich noch ein wenig weiter sinnieren, vor allem brauche ich eine ordentliche Tastatur zum Denken (nicht nur mein Mickerhandy).
Anlass meiner Überlegungen ist der heutige Kontakt mit einem Bekannten, den ich eigentlich aus einem ganz anderen Kontext kenne.
Stellt sich raus, dass er auch einer dieser Typen mit Superzellen in den Beinen ist, die mal eben 180 km für ein geweihtes Bier fahren. Und das hat der auch erst vor zwei Jahren angefangen.
Vielleicht wachsen einem ab 45 Superzellen? Oder kann man die sich hormonell züchten.

Heute Abend bin ich erstmal vor anderen Superzellen davongelaufen, nämlich die, die sich am
Horizont zusammen brauten.