Archiv der Kategorie: Deutschland

Diverse (Kurz-)Reisen immer mal wieder und in verschiedene Ecken.

Geschafft!

Von Oldenburg nach Bremerhaven

Es ist vollbracht: Bodensee – Nordsee.  Ich habe es geschafft.  Es ist schier unglaublich.  Vor genau vierzehn Tagen fuhr ich in der Schweiz los.  Unter widrigsten Umständen.  Und dann fuhr ich einfach weiter.  Ein bisschen wie Forrest Gump,  der einfach weiterläuft.  Und wie er mache ich es auch.  Ich komme zur Küste und drehe um.  Nur gut, dass unsere Küsten nicht so weit voneinander entfernt sind.

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Geradlinig durch das Artland

Von Ankum nach Oldenburg

Ich fürchte,  dieser Beitrag wird überhaupt nicht spektakulär,  weil es der Tag auch nicht war.  Das war nämlich,  leider muss ich das zugeben,  ein Ich-muss-von-A-nach-B-Tag.  Und irgendwie passte die Landschaft zu diesem Auftrag.  Die war nämlich auch sehr ähnlich. Lange,  gerade Straßen durch die Gegend.  Und wenn ich lang und gerade schreibe,  dann meine ich das auch.  Das eine Mal waren gut zehn Kilometer geradeaus.  Allenfalls mal ein Kreisverkehr. Rechts und links Felder,  mal ein Haus,  wenig Bäume und immer mal wieder Pferde auf der Weide. Das macht es übrigens recht schwer,  sich mal unbemerkt in die Büsche zu schlagen.  Wenn Bäume oder Büsche da waren,  versteckten sie oft ein Wohnhaus. Geradlinig durch das Artland weiterlesen

Ein ständiges Auf und Ab

Von Münster nach Ankum

Nach meinem Ruhetag gestern bin ich heute also wieder on the road. Allerdings etwas später als gewünscht, weil ich noch warten musste, bis der Waschsalon um neun aufmacht.  Ich hatte gestern einen kleinen aber essentiellen Teil meiner Ausrüstung dort vergessen.

Mein Plan ist es,  den Dortmund-Ems-Kanal bis zur Ems zu fahren und mir dort die Flusskreuzung anzusehen.  Den Kanal finde ich schnell,  nur ist der Weg erstmal gesperrt wegen einer Baustelle und ich vollführe wieder eine meiner Desorientierungsfahrten.  Es hat schon seinen Grund,  dass ich diesen Urlaub hauptsächlich entlang gut ausgeschilderten Radwege mache.  Mich kann man nicht einfach so irgendwohin schicken.

Irgendwann treffe ich den Kanal wieder,  allerdings ist der ausgeschilderte Kanalradweg ein Witz.  Ob den Machern des Weges der Kanal zu geradlinig ist?  Der zugehörige Radweg ist es jedenfalls nicht,  macht Schlenker rechts und links und nimmt so ungefähr jedes Kaff entlang des Kanals mit.  Und ich mache auch mit,  weil es ja sein kann,  dass der Weg direkt am Kanal mal nicht befahrbar ist. Und nix ist schlimmer als einen Weg zurück zu müssen. Die Kreuzung  von Kanal und Ems kann ich auch nur von weitem sehen. Wieder eine Baustelle.

Weil er so schön ausgeschildert ist,  schließe ich mich dem Emsradweg an,  nur um ihn kurz danach gleich wieder zu  verlieren. Die Ems ist nördlich von Münster noch kein ernstzunehmender Strom.  Und so kommt es auch,  dass ihr Radweg nicht direkt an ihrem Ufer entlang geführt werden kann,  sondern auch durch die anliegenden Dörfern.  Was natürlich wieder zu Um- und Abwegen führt.  Mir wird das bald zu doof.  Ich bin da eher für Geradlinigkeit. Außerdem will ich morgen in Oldenburg sein.  Da muss ich Kilometer machen und nicht so durch die Gegend schwänzeln.

Also lasse ich komoot ran: Quasi Luftlinie von hier nach Oldenburg geplant.  Kopfhörer rein und führen lassen.  Es ist schön, an der Hand genommen zu werden, und es ist schön,  dass mal wieder jemand mit mir spricht.

Der direkte Weg führt von Süd nach Nord durch Ibbenbüren.  Eine der letzten Bergbaustädte,  wie ich später lerne.  Und über den Schafberg,  der im Norden der Stadt liegt.  Dieser Berg ist eher ein Höhenzug und verdammt steil.  Irgendein Witzbold hat die Straße über den Berg auch noch Alpenstraße genannt.  Aber irgendwann bin ich oben und schaue am Kraftwerk vorbei in die Landschaft vor mir.  Hübsch wellig,  denk ich noch,  und wundere mich,  wo diese Wellen herkommen.  Auch das lerne ich in der Nachbereitung des Tages: Es ist das Osnabrücker Hügelland.  Und dieses Hügelland ist wirklich schön.  Sehr leer.  Große Felder,  ein paar Wäldchen,  ab und an ein Bauernhof,  kräftige Aromen und jede Menge Rhododendron. Meterhohe Hecken,  in voller Blüte.  Ich suche eine Farbe,  die zu Pinkie passt,  finde aber kein passendes Motiv.

Apropos Pinkie,  ja,  ich habe sie heute irgendwann aus der Tasche gekramt,  weniger wegen Regen, der nicht so schlimm war.  Mehr gegen die Kälte.  Auf den Beinen habe ich zunächst meine Fleecejacke liegen.  Die reicht aber irgendwann nicht mehr,  ich ziehe meine lange Laufhose drüber.  Es ist soo kalt.  Nur um die zehn Grad und es wird einfach nicht wärmer im Laufe des Tages. Immerhin bläst mir der Wind nicht dauernd ins Gesicht,  meist kommt er  von schräg hinten.

Heute habe ich übrigens eine weitere Grenze überschritten.  Einige waren es schon,  ich habe sie nur nicht erwähnt.  In Mainz war es der 50. Breitengrad.  Kurz vor Düsseldorf die Benrather Linie,  die mir als Reisende durch das deutsche Dialektkontinuum besonders am Herzen liegt.  Und heute dann die Aldi Nord/Süd-Grenze.

Mein Ziel ist Ankum im Osnabrücker Land.  Mein Zimmer heißt Schwalbennest und befindet sich auf einem schönen Bauernhof. Von hier ist es nicht mehr weit nach Oldenburg.  Und von Oldenburg ist auch nicht mehr weit  zur Nordsee!!

 

Daten des Tages #12
Strecke 100,0 km
Zeit 6:11 h
Ø 16,16 km/h
Höhenmeter ↑ 601 m, ↓ 619 m
Track Strava
Flüsse Dortmund-Ems-Kanal
Knüller des Tages Abfahrt von der Ibbenbürener Bergplatte ins Osnabrücker Hügelland

Ruhrgebiet, ich steh auf dihich

Von Duisburg nach Recklinghausen

Oberhausen,  Bottrop,  Essen,  Gelsenkirchen, Recklinghausen sind Orte auf meinem heutigen Weg.  Ich entschied mich gegen Xanten und für das Ruhrgebiet.  Was ist schon Xanten?  Außer,  dass dort der Siegfried herkommt und es die einzige deutsche Gemeinde ist, deren Name mit X anfängt.  Also verabschiede ich mich offiziell vom Rhein, seinem Radweg Euro Velo 15 und suche die Emscher.  Sie soll mich durch das Ruhrgebiet führen.  Ich finde sie recht schnell dank Google Maps und ihren Geruchs.  Deshalb dies hier:

Offener Brief an einen Fluss:

Liebe Emscher,  ich grüße Dich. Als ich mich entschloss,  dich zu besuchen und nicht die Lippe,  deren Tourismusverband mächtig aktiv ist,  wusste ich nur wenig über dich.   Eigentlich nur,  dass du einen Radweg hast,  eine Website und ein ganz schlechtes Image.  Seit heute weiß ich,  dir geht es nicht gut.  Deine Wächter sprechen von “offenem Abwasserkanal” und “Meideraum”,  wenn sie von Dir sprechen.  Und sie haben leider Recht.  Man riecht dich. Natürlich kannst du nichts dafür.  In der Zeit,  in der sie dich in dein Korsett gesteckt haben,  wurden Flüsse hauptsächlich zur Entsorgung oder Versorgung missbraucht.   Aber deine Wächter,  die sich jetzt Flussgebiet-Manager nennen,  wollen Dir helfen.  Sie haben den Weg angelegt mit vielen und großen Schildern.  Sie installieren Kunstwerke entlang deiner Kanalböschungen,  und sie werden dich umbauen.  Aus dir soll ein Lebensraum werden,  für Mensch und Natur.  Das dauert ein paar Jahre,  aber es ist eine schöne Aussicht.  Dann kehren deine Flussgeister auch wieder zurück.  

Solche Sachen gehen einem durch den Kopf,  wenn man tagelang allein ist.  Der Emscher-Weg führt aber nicht nur am Abwasserkanal entlang.  Es ist eigentlich ein sehr schöner Weg,  quer durchs Ruhrgebiet und hauptsächlich im Grünen.  Oder durch Siedlungsgebiet,  das manchmal sehr dörflich  anmutet. Viel ist bunt, olle Brücken leuchten in grellen Blau,  Kunst steht überall herum. Wo bin ich nochmal?  Ruhrgebiet?  Meine süddeutsch-überheblichen Vorurteile schmelzen dahin,  und ich werde innerlich kleinlaut. Irgendwie ist mir heute sowieso ein bisschen weinerlich zumute. Vielleicht liegt es am Wetter.  Es ist schwül-warm,  trotz des starken Windes.  Die Gewitterfront hinter mir macht mir Angst.  Mein Kreislauf ist nicht auf der Höhe,  mir schläft abwechselnd ein Fuß oder eine Hand ein,  und ich muss regelmäßig gähnen.  Kein gutes Zeichen. Aber der Wind macht Spaß.  Ich fahre einfach,  bis ich nicht mehr kann,  und dann sehen wir weiter.

Ich glaube,  es war in Bottrop,  da gerate ich in den VivaWest-Marathon,  Kilometer 24. Die Läufer sind noch nicht da,  aber die Versorgungsleute sind so nett und drücken mir eine Banane in die Hand (keine gute Idee). Kurze Zeit später sehe ich die Läufer,  sie sind erst bei Kilometer 15. Vor malerischer Kulisse trommeln japanische Ruhrgebietstrommler den Takt.  Große Laufveranstaltungen machen mir ja sowieso schon regelmäßig Gänsehaut,  und wenn dann noch große Trommeln dazukommen, kann es schon sein,  dass ich die Fassung verliere.  Bevor das hier passiert,  verlasse ich die Läufer und suche meine Emscher wieder. Sie holt mich mit ihrem irdischen Geruch wieder in die Realität.

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Der Südwind macht’s

Von Köln nach Duisburg-Marxloh

Köln am frühen Samstagmorgen auf der Rheinpromenade: Fest in Frauenhand. Noch nie habe ich so viele Joggerinnen gesehen,  relativ gesehen.  Schön. Kurz hinter der großen Stadt wird es schnell ländlich.  Der Weg führt auf dem Deich entlang,  der Rückenwind weht ordentlich.  Nur Rennräder sind schneller als ich.  Insgesamt bin ich erstaunt über meine Kondition.  Dass sie in einer Woche so zugelegt hat.  Anstiege,  Brücken oder so,  hätte ich vor einer Woche noch geschoben,  jetzt schaffe ich sie sogar,  wenn ich mich verschaltet habe und im falschesten Gang trete.  Erstaunlich.
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Luxustag

Von Boppard nach Remagen

Der Tag begann ganz normal.  Nach dem Frühstück erstmal in den nächsten Drogeriemarkt und Flickzeug kaufen.  Es gibt Reparaturen, da hilft kein Kabelbinder,  da muss stärkeres her: Sekundenkleber. Die Naht an meiner Radhose löste sich schön langsam auf.  Dem habe ich nun Einhalt geboten mit einer ordentlichen Portion Sekundenkleber.  Und vorsorglich gleich auch noch potentielle andere Gefahrenstellen verklebt.
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Kulturerbe

Von Mainz nach Boppard

Was schreibe ich,  wenn ich nicht diese üblichen Radreiseberichte schreiben will? Um 6/7/8 Uhr aufgewacht.  Nacht war gut/schlecht.  Frühstück auch.  Ja,  so war die Nacht.  Danach kommt das Packen und das dauert immer, denn es will gut durchdacht sein.  Regen heute angesagt?  Nein, dann kann Pinkie weiter nach unten. Komischer Ausschlag am Bein?  Dann sollte das Fenistil vielleicht in Reichweite.  Außerdem habe ich mir vorgenommen,  ganz ordentlich zu packen.  Wenn der Deckel der Body Lotion zu spät auftaucht, dann muss halt nochmal alles raus,  Badtüte auf,  Deckel rein und wieder weg packen.  Ist sonst nicht so meine Art. Sonst fliegt der halt irgendwo in die Tasche. Das ist aber eines meiner Lernziele auf dieser Tour.

Packtechnisch bin ich ganz zufrieden mit meinem Tütensystem.  Ich habe eine Badtüte,  eine Werkstatttüte,  eine Arbeitszimmertüte, eine Küchentüte und eine Kühlschranktüte.  Ich nenn die wirklich so, und so kann ich mir auch gut merken,  wo was ist und hinkommt. Und weil die Zippertüten auch luftdicht sind,  kann ich beispielsweise die Kühlschranktüte etwas aufblasen,  damit der Apfel keine Druckstellen bekommt.

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Let it flow

Von Neustadt (Weinstraße) nach Mainz

Dieser Tag war ein schöner! Das Ausruhen gestern hat sich gelohnt, das merke ich schon beim Losfahren. Mein Weg führt mich zunächst durch die Weinberge der Pfalz, von Neustadt an der Weinstraße nach Worms. Die Wege sind ordentlich und gut ausgeschildert, sofern man die nächsten und übernächsten Dörfer kennt. Für Fernreisende wie mich ist die Beschilderung nichts, denn ich muss alle naselang schauen, ob das nächste ausgeschilderte Dorf auf meiner Route liegt. Und wenn ich mal nicht schaue, fahre ich lustige Haken in meinen Track. Ja, wenn ich nach Grünstadt gewollt hätte, wäre es einfach gewesen. Grünstadt war dauernd ausgeschildert, so  oft, dass ich schon mal nachgesehen habe, wieviele Grünstädte es wohl gibt.
Die Wege durch die Weinberge, und später auch Obstgärten und allerlei andere Äcker, sind entweder schön glatt asphaltiert oder sie bestehen aus Betonplatten. Dadumm Dadumm Dadumm.
Die Dörfer der Pfalz seien hier auch noch erwähnt: Sie sind schön und unbedingt eine Reise wert, wer sie noch nicht gesehen hat.
Nach gut zwei Stunden komme ich in Worms an. Ich kannte Worms nicht, wollte aber unbedingt mal hin, wegen Nibelungen und so. Jetzt war ich da. Ich fotografiere pflichtschuldig den Dom und mach mich wieder vom Acker. Ist mir zu laut und zu voll.
Wieder am Rhein, führt mich der Weg entlang der nicht so schönen Seiten des Flusses, nämlich den Industrieanlagen am Ufer. Die gibt es schon seit vor Karlsruhe, ich verschwieg sie nur bisher. Aber die eine sei erwähnt, nördlich von Worms, die produziert nämlich Hubba Bubba. Zumindest riecht es dort so.
Der Rhein macht hinter Worms einen komischen Knick, den ich mir schenke. Stattdessen kürze ich bis Oppenheim einfach ab. Nein, nicht einfach, sondern einfach schön. Der Weg, der Rückenwind, meine Kondition. Es macht Spaß.

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Ab heute in Pink

Von Ettenheim nach Iffezheim

Ich bin wieder dicht,  und das verdanke ich der Schwägerin,  die mir ihre neue Regenjacke für meine Tour überlässt. Die Farbe passt nicht in mein übliches Farbschema,  aber sie hält Regen ab und hält sogar ein bisschen warm.  Und sie leuchtet. Zusammen mit meinem neongelben Helmüberzieher komme ich mir vor,  wie eine rollende Leuchtreklame.

Der Schwager begleitet mich morgens zur Fähre,  denn ich will wieder in Frankreich radeln.  Blöd nur,  dass die Fähre nicht fährt  wegen Hochwasser.  Also wieder zurück in den letzten Ort und dort trennen sich unsere Wege.  Der Schwager fährt heim in die warme Wohnung,  und ich fahre gen Norden in die nächste Regenwand bei gefühlten Minusgraden.  Meine Packtaschen sind so leer,  dass ich schon Angst hatte,  die Hälfte vergessen zu haben.  Dabei habe ich nur einfach sehr viel des Gepäcks an.

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In Begleitung

Von Neuenburg (Rhein) nach Ettenheim

Tag drei beginnt gemütlich. Der Schwager kommt erst gegen halb elf am Bahnhof an, so habe ich Zeit, Zeit zu haben. Mit dem hoteleigenen Gartenschlauch brause ich den Sand vom Rad, striegel und öle es. Trotzdem dar fich noch eine halbe Stunde am Bahnhof herum lungern, und zwar in der Sonne!
Der Schwager kommt an, und wir machen uns gleich auf nach Frankreich. Dort sollen die Radwege asphaltiert sein. Ich will mir und meiner Kette ein wenig Ruhe gönnen. In Begleitung weiterlesen